Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1919-12-15 · Heft 323 (15.12.1919) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 323 (15.12.1919)
Date
1919-12-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2979076-2979077-2979400--02843-2988407
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

N»l» SOJtll«r KrSmnw»atf0i(*tmi|Qis Ulfas Wt L«vrL«G M «mit * JE ft»** . . * SV LkIdiLhki, . , „ #8.— «i»»lfUjri0 . . . ftit $tp*etf«nft! -Wt»«aNtch. . X V gHttttttSftvif w #v ««uqrtz-r, ...« LL- 0Mjmrif * »,MOv* . «ftr ftb t(4e49*eiemle| Min »Mae vrz»y«prttjft ■ iMtaftiiai rener fäntmmftmpmfi JfetUi rso HkllrS sdeänitMMvatfniM« pvtif» für va» Anrttmd: Monatttch . , .A! IV |li»ruliSI»tla . 80.—?)nlbfüitvi(i . . * 00.— ® AnfiSIrvig .«»180.- «. Admttrtztr«- tio«: Ml»», N. Tad»rstr«ß» . Ar. l-« Telephon«: AdmlnijSea' tion 44888. Redattto» 4VS1S. av V»ftsparK»ir»«-K«rt» ' Ar. Nr. 323 Wien, Montag» den 15. Dezember 1919 1. Aahrgang W Der neue Oberste Rat. Eine Londoner Depesche teilt die Zusammensetzung des in der Downing Street-Konferenz gebildeten neuen Dates mit. Er besteht aus zehn Mitgliedern, und zwar Lio yd George, Curzo n,.Dalso u t und Eh amb erlain für England, Clemeneeau, Ca mb on, Louch eu rund dem Londoner französischen Botschafter für F r a n L r e i ch, Aeialoja und dem italienischen Botschafterin London für Italien. Die englisch-französische An- »Lhenmg ist sehr weit gediehen und soll schon in der nächsten Zeit fit einer Kooperation der führenden Banken beider Staaten zum Ausdruck kommen, die zunächst dem Wiederaufbau der zerstörten Gebiete Frankreichs gellen wich. V: Die Zusammensetzung des neuen Rates ist für Hle Weltpolitik. von größter Bedeutung. Amerika scheint endgültig ausgeschieden zu sein. Cambon ist der Mhere französische Botschafter in Berlin. Cr ist stets Mr ein Zusammengehen Frankreichs mit Deutschland eingetreten, weshalb feine jetzige Berufung für die Sache des Friedens einen großen Fortschritt bedeutet. Bom jüdischen Standpunkt aus muß die Berufung von Lord Curzsn und Lord Balfouc begrüßt werden» da beide die Berechtigung der zionistischen Forderung üäch Einrichtung Palästinas als jüdische Heimstätte anerkannt und sich wiederholt schriftlich hierzu bekannt haben. ' Die ArKeiterbewegrmK ,trr. .PaMWrm. 5Vem Kdpenhagener Zionistischen Bureau wird . aus Halästina berichtet: ... Der „Hapoel Hazair" ist die älteste Arbeiterorganisation usi Palästina; sie hat. aufdem -Gebiete her Hdischen Koloni- Dtiün und der Wiedergeburt des Landes große Verdienste. Das Hauptprinzip des „Hapoel Hazair" ist das Pioniertum, die Schaffung und Konsolidierung der jüdischen Arbeit. Den Klassenkampf lehvt er ab, nicht aus prinzipieller Gegnerschaft, sondern weil für den Klaffenkampf in Palästina noch kein .Platz vorhanden tst. Der typische Vertreter dieser Weltanschau» ung ist "der Arbeiter und Schriftsteller Ä. D. Gordon. Die Gegner des „Hapoel Hazair" waren die bis vor kurzem in Halästina existierenden Poale Zion, welche einen Gegensatz forschen Klassenkampf und Pioniertum nicht anerkennen chollten. Daß die Poale Zion das Pioniertum in seiner höchsten Stufe begreifen und verwirklichen konnten, bewies die untrer, getzlil^e Gründung des «Haschomer", die im. wesentlichen das Werk der . Poale Zion war. Die klaflenbewußten, marxistischen Arbeiter, Verneiner des Eigentumsrechtes, opferten freudig Gesundheit und Leben für den Schütz des jüdischen Eigen. tüplS. und der jüdischen Ehre vor den entwürdigenden arabischen Raubüberfällen./ Der „Hapoel Hazair" behielt indessen geistig und organisatorisch die Oberhand. Er erblickte seine Kraft und fein Zentrum im Boden Palästinas, während die Eine Gottes-Debatte im amerikanischen , Senat. Der Washingtoner Korrespondent der „Frankfurter Zeitung" berichtet: ' Wer sich hier auf billige Weise Unterhaltung verschaffen wollte, pflegte, wenn es' auf eine Entscheidung zwischen der Zuschauertribüne des Senats und der des Repräsentantenhauses ankam, immer bas letztere vorzuziehen, denn da fiel manches kernige Wort und nicht selbe» kamen auch kräftige Hinterwäldlerfäuste in die unmittelbare Nähe der Nasen politischer Gegner. Im Senat ging es schon vornehmer zu, denn zunächst sind die Mitglieder dieser Körperschaft dürchwegs in dem gesetzteren und dem Extremen abholden Alter, und dann Kat der Senat ein Vorrecht, das dem anderen „hohen Hause" nicht zusteht: er kann sogenannte Exekütivvdlkr Geheimsihungen anberaumen, wo die Herren unter sich sind, denn weder Zuschauer noch die Presse werden ^«gelassen. In solchen Geheimsitzungen, in denen es sich gewöhnlich um Dinge der außer, n Politik zu handeln pflegt, soll es häufig recht erregt zugehen. Seit dem Beginn der Beratungen des Friedens Vertrages ist aber auch die Senatstribüne bei Kongreßbummlern recht populär geworden, denn gleich zu Anfang hat die Körperschaft beschlossen, nur bei vollster Oesfentlichkeit jjit debattieren, und dieser Beschluß ist bestehen geblieben, ganz gleich, wie heftig, die Geister auseinanderplatzten. Mitunter sind die würdigen Herren sogar so in Aufregung geraten, daß diese sich den Zuhörern Mit» geteilt hat, dis dann gelegentlich — ettvas ganz Unerhörtes — durch Mifallsdemonstrationen ober das Gegenteil in die BerkaudliMa««. .kimuareüLN verkocht baden. Die Sitzung des Obersten Rates ans morgen verschoben. Paris, 15. Dezember. Die auf heute anheraurnte Sitzung des Obersten Rates wurde auf Dienstag verschobe«, an welchem Tage wahrscheinlich Staatskanzler Dr. Renner angehört werden wird. Doktor Renner wird wahrscheinlich heute noch von Clemeneeau empfange» werde«. Der amerikanische Kongreß verweigert die Auslands- Kredite. Paris, 15. Dezember Wie ,»Daily.Mail" aus Washington meldet, hat der amerikanische Kongreß entschieden, den neuen Krediten und Vorschüßen für das Ausland die Gsnehmigung zu verweigern. Poale Zion, die stch nur als einen kleinen Bruchteil ihrer Gesamtpariei betrachten, das Hauptgebiet ihrer Betätigung in den Ländernder Diaspora sahen. Mit der Befreiung des Landes trat hierin ein bedeutender Umschwung ein. Die aus Amerika angekommenen poale-zionistischen. Elemente brachten neues Leben und neue Strömungen in die Arbeiterbewegung. Insbesondere waren es zwei angesehene Vertreter des überozeanischen Pöale- ZionismuS, Ben - Gorion und Ben - Zwi, beide politische Flüchtlinge, die Djemal Pascha aus dem Lande vertrieb und die in Amerika für ihre Organisation Bedeutendes geleistet haben. Das von ihnen in Amerika herausgegebene Wissenschaft-' liche Werk^Palästina"? .hat seinerzeit berschtigtes -Auffthen erregt. Schon der Gedanke der aktiven Legionsbewegung) deren eifrigste Vertreter sie waren, brachte einen neuen Geist in die jüdischen Arbeiterkreise in Palästina. Weit entfernt von jeder militärischen Tendenz, gewannen sie doch die palästinensischen Arbeiter für ihre Forderung, daß in der Zeit, wo Palästina einer neuen Epoche entgegengeführt werde, die akttve Beteiligung der jüdischen Volkes nicht fehlen dürfe. Ein weiteres bedeutsames Moment kam hinzu; die. amerikanischen Poale Zion erhoben die Idee der tzebraisierung des jüdischen Proletariats in Palästina zu einem obersten Prinzip ihres ParteiprogrammeS. So entstand, der Gedanke der Reorganisierung der palästinensischen jüdischen Arbeiterschaft. Palästina soll auch für das jüdische Proletariat der gesamten Diaspora das schöpferische, befreiende Zentrum werden. So entstand das Projekt der Auflösung der palästinensischen Gruppe der Poale Zion und die Schaffung einer einheitlichen Organisation in der „Achduth Haawodah", - die das gesamte Werktätige Judentum im Lande auf sozialistischer Grundlage umfassen soll. Schon die ersten Schritte der neuen Organisation Wiesen daS schöne Ziel und das ehrliche Bestreben so daß der Vorsitzende mehrfach gedroht hat^ die Tribünen räumen zu lassen. '! - '" 1 Kürzlich war wieder einer jener Tage, da die Tribünenbesucher auf ihre Kosten kamen. Anfangs sah es allerdings so aus, als ob die Sitzung recht schläfrig verlaufen werde. Es waren keine großen Reden angekündigt, und als der Kaplan sein Gehet verrichtete, waren nur ein Dutzend der 96 Herren anwesend, die von den Unwnsstaaten nach Washington entsandt werden. Das Haus war nicht beschlußfähig, aber so etwas sieht der Vorsitzende einer gesetzgebenden Körperschaft hierzulande nur dann, wenn er besonders darauf aufmerksam gemacht wird. Es geht sogar die Sage, einstmals 'sei der Sprecher des Repräsentantenhauses -in Gefahr gewesen, die ganze Nacht auf seinem Sitze bleiben ' zu müssen, denn alle Mitglieder hatten stch nach und nach absen iert, und da er aus-eigener Machtw lkommenheit die Sitzung nicht ausheben'kann, mußte er zwei seiner Kollegen holen lassen, damit der Vertagungsantrag in gehöriger Form gestellt und unterstützt werden' könne. ' „Der Senior-Senator von Illinois hat das Wort," ertönte es vom Pulte des Vorsitzenden, als sich nach den bekannten ^geschäftlichen ^Mitteilungen" ein . Herr erhob, hinter dem man seiner jugendlichen Bewegungen und seines ganzen Habitus halber kaum einen „Senior"- Senator gesucht hätte. Nebenbei gesagt, wird hier vom Vorsitzenden einer gesetzgebenden.Körperschaft niemals der Name eines Mitgliedes genannt, außer wenn das Haus einen Tadelsbeschluß angenommen hat. In allen übrigen Fällen heißt es int' Senat der „Senior"- oder „Junior^Senator von dem betreffenden Staate, und m RevELtttimieMM von IUiuM" oder» ihrer Gründer. Hier handelt es sich um die Schaffung einer! proletarischen Einheitsfront in der historischen Heimat unseres - Volkes. Von hier aus sollte die neue Pardle an das gesamt^ jüdische Proletariat ergehen. Es sollte der Grundstein gelegt werden für die neue hebräische Arbeiterknltur^ Dieses Ziel kann und soll nur auf der Grundlage des Sozialist mus erreicht werden, jener Weltanschauung, der nach Ansicht der „Achduth Haawodah" schließlich doch die Zukunft gehört und? zu der sich die jüdische Arbeiterschaft Palästinas ftüher odey später ja doch wird bekennen müssen. , Der »Hapoel Hazair" hat den Ruf zur Einigung avgftp lehnt. Wohl sah er, daß dem Rufe der „Achduth Haawodah* fast 2300 jüdische Arbeiter gefolgt waren, er mochte aber im! stillen seine Hoffnung auf die vielen Tausende seiner Anhänger der Z e i r e Z i o n in Rußland und in Polen nicht ohne Grund gesetzt haben. Dem „Hapoel Hazair" blieb eSs ferner nicht unbekannt, datz das Auftreten und die Taktik feines alten Gegner der Poale Zion in Rußland und in deri Ukraine nichts weniger als dazu geeignet waren, dem Paales Zionismus unter den jüdischen Arbeitermassen Anhänger. un8 Sympathie zu verschaffen. Um. so mehr durfte er der Zubers lässigkeit und Festigkeit seiner östlichen zeire-zionistischen An«f Hänger sicher sein, ungeachtet der auch in diesen Reihern wiederholt aufgetretenen Krisen. Dennoch gab es in den Reihen des „Hapoel Hazair" gar manchen, der. sich fragte, ob nicht das unerschütterliche hebräische Prinzip der „Achduth Haawodah"' allein Grund genug wäre, um den Versuch der Einigung der ganzen Arbeiterschaft Palästinas mitzumachen. Die Bedenken schienen aber sehr weitgehend zu sein. Die Hoffnung der „Achduth Haawodah", von Palästina aus auf ihre Gesinnungsgenossen und ihre Anhänger in der Diaspora einen entscheidenden Einfluß auszuüben, vermochte der „Hapoe? Hazair" nicht als begründet anzuerkennen. Die bisherige. Erfahrung spricht jedenfalls dagegen.' Im Gegensatz zum „Hapoel! , Hazair", dem es von Anfang an. gelungen^ war, auf die ZeirH Zion iin Osten eine wesentliche Einflußnahme - zu gewinnen^ haben die palästinensischen Poale Zion stets unter dem Einfluß ihrer, ausländischen Gesinnungsgenossen gestanden, und zwaü in einem Sinne, zu dem der palästinensische „Hapoel Hazair"! im schärfsten Gegensich stand. So sehr der EinigungsgedanÄ , manchen Mitgliedern der Organisation ' verlockend schien!, konnte sich der „Hapoel Hazair" zu einem „Sprung ins Dunkle* nicht entschließen. Schließlich spielte bei dem „Hapoel Hazair* auch die Erwägung mit, daß kein Grund vorliege, eine Politik! zu verlassen, die dem Lande und der national-jüdischen Demo^ kratie zweifellos große reale Erfolge und moralische Eroberung gen.gebracht hatte. Nach wie vor erblickt aso der „Hapoel Hazair" in der Pionieridee den einzigen Weg, der zum Auft bau von Erez Israel führen kann: Der unermüdliche auf-! opferüngsvolle Aufbau des jüdischen Landes ist für ihn das erste und höchste Gesetz, neben dem alle anderen Prinzipien vorläufig in den Hintergrund zu treten haben. ' . . , ■> Beide Parteien haben sich geistige Tribünen in ixt @4* stakt von »Monatsschriften geschaffen, der „M a a» haroth" des „Hapoel Hazair" und der „Haadamah" de^ „Achduth Haawodah", von den Wochenblättern und anderen wenn er genau bezeichnst werden soll, „der Herrv vonft IS. Bezirk von Illinois". Die ReÄrer sprechen von! „meinem distinguierten Kollegen von Alabama" vdel „meinem geschätzten Freund von Utah" usw. Und jetzt Hub der „Senror"-Senator von Illinoisj , Herr Sherman, an wie folgt: „Ich beantrage, der Einleitung zum FriedenSversi trag folgende. Worte einzufügen: Dis höhenvertragschließenden Parteien erhoffen für dieses Dokuments daß ihnt die gnädige Gunst des allmächtigen Gottesj und die wohlerwogene Zustimmung der Menschheit z«s teil werde." ' Kaum war dieser Zusatz verlesen, als sich mit einech Schlage die Szene änderte. Auf allen Seiten tauchteif Senatoren auf, und binnen wenigen Minuten waren ein halbes Hundert aus den Komiteezimmern uni Garderoberäumen hervorgekommen, der Saal stell!« ein äußerst belebtes Bild dar und auf allen Seitevs bildeten sich eifrig diskutierende Gruppen. Der Bor-i sitzende'hatte im Handumdrehen eine starke RedneM liste zusammengestellt und jetzt begann eine äußerst lebhafte Debatte, aus welcher zunächst folgende Bemerkungen besonderes Interesse beanspruchen mögen: Thomas (Colorado):.Ich bin nie dafür geweseM dem lieben Gott die Verantwortlichkeit für alb! Sünden nnd Schlechtigkeiten der Menschen aufzubürdew Borah (Idaho): Jemand, der auf dieses DokM ment den Segen des Himmels herabfleht, ist eine^ Satti egiu nS schuldig. Der Schantung-Paragraph allehj ist ausreichend, es auf ewig zu brandmarken. , Knor (Pensylvanicn): Auch mir gefällt der BeM ' trag nicht, aber eben desweLeo nMÄM ick den ' ‘>1! i i 17!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.