Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 322 (14.12.1919)
- Date
- 1919-12-14
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2979076-2979077-2979399--02834-2988397- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
M. M r.-tf-i ffiqgtatfff.tfrjr.-aufci /SMi.^S»WW' ^a.^Lrra-«! gm im /Wiener Morgenzerrnns' ,f4. Dezember 19KT rufet? über dis Prager Reise Dr. Renners. Prag, 13. Dezember. ' Die nationaldemokratische ^Vinöcrütie" schreibt: Die angekündigt« Reise des »taatskanzlers Dr. Renner nach Prag hat neuerlich die alten Kombinationen von einer sogenannten Donausöderation geweckt. Da ein solcher Plan von der tschechischen .politischen Oesfentlichkeit einmütig abgelehnt wird, hat ein Mitarbeiter unseres Blattes sich direkt |ßrt den Ministerpräsidenten gewendet und ihn um veritäßlichs Informationen in dieser Angelegenheit ersucht. 1 Der Ministerpräsident erklärte: Der. Zweck der Weise Dr. Renners nach Prag ist die Regelung der wirtschaftlichen^ Beziehungen - beider Republiken. Den Desterreichern handelt es sich darum, daß die wechselseitigen Handelsbeziehungen erleichtert und vereinfacht werden und daß wir aus deiy heutigen unfertigen Stande in eine gewiss« wirtschaftliche Stabilität hinüber- Lommen. Auch uns: ist daran gelegen. Die Regelung hex wirtschaftlichen Beziehungen ist eine gegenseitige Notwendigkeit für beide Staaten. Es ist nicht unsere.Schuld, baß unsere Beziehungen zu den Nachbarn noch nicht geregelt sind.!- Die Frage, vb bei der Zusammenkunft beider Staatsmänner auch über, politische Angelegenheiten Werde verhandelt werden und besonders, ob irgendein Druck auf di« Tschecho-Slowakei zu diesem Zweck austzeübt wird, um die mitteleuropäischen Verhältnisse auf btt Grundlage des Planes "einer sogenannten Donansöderation zu ordnen, wurde vom Ministerpräsidenten entschieden verneint. Ec sagt«: Es handelt sich uns bloß um wirtschaftliche und Handelsbeziehungen. Anirgendeine Föderation denkt bei uns niemand. Dolche Absichten hat auch die Wiener Regierung nicht wnd ebenso nicht die Entente. Es wurde auch in diesem Dinn« seitens der Entente niemals irgendein Druck aus die Tschecho-Slowakei ausgeübt, i Sodann äußerte Min.sterpräsident Tusar seine persönlichen Ansichten über das Verhältnis der Tschechoslowakei zu Oesterreich, di« durchaus beruhigend lauteten. Was die Hilf« der Tschecho-Slowakei für die Bevölkerung von Wien'betrifft, so ist der Ministerpräsident für das tunlichste Entgegenkommen, allerdings unter der .Voraussetzung, daß die EntenH dies durch wirtschaftliche UntertzützunL. der Tickecho- Stowakei ermöglicht. Die Grenzen der Slowakei unabänderlich entschieden. Prag, 13. Dezember. ,L>dove Noviuy" bringt e'we Untre» redung mit dem tschecho-fiowalischen Gesandten m P ar r s Gpupky, der sich über dir slowakische Frage dahin aussprach, daß -je Ungar«, die demnächst nach Paus kämen, alles zu unterschreiben haben würden, was man ihnen vorlegcn würde. Die Gremien der Slowakei, die er bereits in der'Tasche habe, seren rchabanderlich und kein Magvare könne sie ihm entreißen. Wenn bre Tschechen selbst aus. gewisse Gebiete verzichten wollten, wäre das Nicht möglich, da die Entente dies n>cht zulasten werde. Sollte» .aber dir Magyaren wirklich so wahnsinnig sein and einen Emfall m die Slowake» machen, so würden sie seh^n, das» sic nicht einmal in Budapest standhalten tonnten. Ich möchte wünschen, sagte der Gesandte, daß man in jedem W nkel der Slowakei wüßte, wre unabänderlich die Grenzen der Slowake» geß»gm find. Die Tschechen räumen Satoralja-Ajiely. Budapest» 13. Dezember. (Tel.-Komv) Die Tschecho- Slowaken haben die Stadt Saloralja-Ujhcky geräumt. Die tfchechischeu MobMsterungSgerAchte. Prag, 13. Dezember. (Tel.-Komp.) Der Minister für nationale Verteidigung, Klofrc, empfing heute einen Redakteur der „Bohemia" und erteilte ihm auf vermiedene Fragen unter anderem folgend« Auskünfte: Die in letzter Zeit i» Umlauf befindlichen Gerüchte einer Mobilisierung der Tschecho-Slowakei infolge eines drohende» Einfalles der Magyaren in das slowakische Gebiet kann ich -bestimmt als unbegründet erklären, beziehungsweise zumindestens als übertrieben. Es ist zwar auzunehmen, daß Ungarn eine» Einfall in die Slowakei plant, doch erfordern die Korbe. Peilungen zu einem solchen Angriffe derart' umfassend« Maßnahmen, baß mit einer solchen militärischen Aktion her Magyaren in den nächsten Monaten wohl kaum zu rechnen ist. Wir sind übrigens über all diese magyarischen Vorbereitungen genaueftens unterrichtet. Sollte je die Notwendigkeit einer Mobilisierung bei uns e'intreten. würden natürlich so viele Jahrgänge die jüngsten zuerst — einberufen werdtzn, als. zur Sicherstellung unserer- Wehrkraft nötig, > Bor einem IournaNstenstrelk in der Tschechoslowakei. Prag, 18. Dezember. »Ccskc Slovo* meldete Da daS Syndikat der ZeitungSherausgrber auf den Entwurf eines KollcftivverlrageS. der vom Syndikat der Redakteure' überreicht worden ist, in einer Art geantwortet hat, die einer Beleidigung der Journalisten glrrchkommt, droht, falls bn den Vertreter« Mr ZeitungSherauSgeber nicht eme andere Stimmung eintrrtt, m »er ggnzm Tschecho-Slowakei ein Streik der Redakteure. Ein Kabinett Skulski in Polen. Warschau, 18. Dezember. (Privat.l Die Be, Handlungen sind nunmehr soweit gediehet?, daß die Bildung eines Kab>neitS, indem SkulSki den Vorsitz übernehmen wird, gesichert erscheint. Die Mehrheit der Parteien des Landtages, hat SkulSki die Unterstützung zugesaat. Dr. B ick i n s kr wird, wie es beißt, aus der Regierung ausscherdeu. Wojcrechowski dürfte im neuen Kabinett verbleiben. Charkow und Poltawa von den Bolschewiken genommen. . SKoSka«» 18. Dezember. (Funkspruch.> An der Westfront sind die Roltrupp'» bis 20 Werst südwestlich N a r w a vorgestoßen. An der Sillssront wurden zwei w'cht ge Erfolge errungm. In der Pacht vom 11. aut dm 12. d. M. sind die Röttruvpen in C b a r k o w e i y g e z o g e n und am 12. d. M. wurde Poltawa erobert. Damit sind de nach Kiew wichtigsten Städte der Ukraine m unsere» Hand. An allen anderen, Fronten Fortschritte. Die Aeberreste der n?-ainischen Rrmee in Tarnopol. Lemberg» 13. Dezember. Wie die Blatter melden, sind in '■* Tarnopol die Ueberreste der ukrainischen Armee sowie der ukrainischen Negierung eingetroffen. Die Lbriggebliebene ukrainische Armee zählt noch BOUO Soldaten. Unter anderem besinden sich m Tarnopol - der Ukrainische Kriegsminister und der Verkehrs» mrnister. GudMekchez erschossen. Lemberg» 13. Dezember. (Privat.^ Hiesige BWer erhielten die Nachricht, d.rß der ehemalige rusiophile Abgeordnete ans Galiücn, Wladimir Dudykiewicz» von den Bolschew.ken in Taschkent erschoffcn wurde. Die deutsche KohleirfSrderrmg. Berlin, 13. Dezember. Das Wölfische Bunan meldet:. Gegenüber lendenlösen Meldungen der linksrheinischen Tages-' zeitunge'n wi'd an zuständiger Stelle sestgcstellt, daß die deutsche Sreinkohlenfviderung beute rund-67 Prozent der durchschnittlichen Förderung von 1918 beträgt. , \ Dor reiner Auflösung der rumänischen Konstituante. Bukarest, 13. Dezember. lPrivai.) Wie bestimmt verlgytet, wird die rumänische Reg, rvng die neuernanme Konstituante aujlöfen und wirkliche Neuwahlen ausschreiben. Die deutschen Professoren sollen nach Czernowrtz zurückderufen werden. Ezernorostz, 13. Dezember. (Privat.) 'Die Regierung hat Prof. Hart mann beauftragt, mit den seinerzeit aus Czer nowitz ausgewiesenen deurschen Proiefioren wegen ihrer Rückkehr zu verhandeln. Dir ,rumänische Regierung will an der Czernowrtzer Universiiäl wieder rmrge deutsche Lehrstühle errichten. Eine Mission des Abgeordneten Abram in Nom. Mailand, 13. Dezember. »Avanti* meldet, das die sozialdemokratischen Abgeordneten gestern auf dem Monte Citor'v mit dem österreichischen Abgeordneten A b r a m eine Bciprcchmig. hatten. Der österreichische Genofie unterrichtete die ttalreuische» Abgeordneten über dre Verhältnisse in Oesterreich. - Tagesbericht. Die Rothschild und die Papste. Mancher Leser wird sich noch der interessanten Korrespondenz erinnern, welche zur. Zeit d-es unglückseligen Bcilisprozesses der Londoner Lord Rothschild mit dem Kardinal Merrh del Val führte. Nachdem einer der im Verlaufe des.Prozesses gesührten „Sachverständigen" von einer Denkschrift des Kardinals Ga nganelli, des späteren Papstes Clemens XIV.-gegen den Ritualmvrd gesprochen hatte, wandte sich Lord Rothschild an den päpstlichen Staatssekretär mit der Bitte um den authentischen ^Dext des zitierten Dokumentes. Der Kardinal bestäiigte sofort auf der Grundlage der im päpstlichen Archiv aufbewahrten Dokumente die Authentizität des gedruckten Textes jener Schrift, in welcher verschiedene Fälle von sogenanntem „Ritualmord" untersucht werden und die zum Schlüsse kommt, baß es sich um eine törichte und unbegrürrdete Anklage handle. Die Denkschrift selbst hat folgenden Ursprung: Zur Zeit des Pessach-Festes von 1758 fand man in Jam pol in Polen einen gelöteten Christen und die Bevölkerung, unterstützt von den kirchlicheu Behörden, beschuldigte die Juden. Die polnischen Gemeinden schickten eine» Abgesandten in der Person eines gewissen Jakob Selig nach Rom, der die Intervention des Papstes erbitten sollte und Benedikt XIV. beauftragte Gangan«lli. die Anklage zu prüfen und zufolg« die Ergebnisse dieser Prüfung erhielt der päpstlich« Legat von Warschau den Auftrag, die Juden gegen di«. Blutanklage zu verteidigen. Damals veröfMtlicht« August III. von Polen sein vom 83. März 1763 datiertes Edikt zur Verteidigung der Mischen Untertanen. Das HauS Rothschild* hatte übrigens wiederholt Gelegenheit, beim päpstlichen Stuhl fü't d're Juden zu intervenieren und die Rothschild konnten dies um so leichter tun', weil sie die.schwachen Kassen des Kirchewstaates stützten und daher zu den Papst?n gute Bezie- .. ZipretteQ'Msen und Papiere unübertroffen in Qualität! Ueberall zu fiaben. Fabrik: Hahn & Jura, Wien^ IX., AltmQttergasse Z * Hungen hatten. So zum Beispiel zeigte sich' eimr fott größten Reaktionäre unter den Päpsten, Gregor XVl^ wiederholt entgegenkonunend gegenüber derr Wünschen der Juden von Rom,.um die Freundschaft des Hauses Rothschild zu behaupten, welches ihm im Jahre 1833 ein Darlehen anbot. Während der Choleraepidemie 1837 stellteder Papst der jüdischen Gemeinde ei Palazzo zur Verfügung, um dort ein Spital zu richten. Als Baron James de Rothschild, der Freu von Heinrich Heine, bei einem Besuche in Rom d«y Papst bat. jüdische Knaben zur Erlernung von Hand^ werken zuznlassen, was bis dahin verboten war, beschloß der Papst sogar, jüdische Knaben zum Zweck der Ar/U bildung f.u Handwerker« in Regierungsgebäude» nuf 1-% Hubrlrrgeu. __ Personalien ans Palästina. General Sir William C o n q r e v e isi laut .Loudoayk Ittd. Korrcspvndknzbureau* zum Befehlshaber übm Palästina ernannt worden. Er wird vermutlich technisch de« Aeaypi ischen Oberkommando untergeordnet sein, jedoch «in star?^ Maß von Unabhängigkeit haben. ) In der letzten Zeit hat eine Reihe von Ernennungen vorn Juden für höhere Regierungsstellen stattgefunden. Beim Sta! der Okkupationsmacht ist LeuinaM Alepmder A a r o n s o n einen wichtigen Posten berufe« worden. Herr Perez K o rufeld ist zum iüdlichen Berater beim militärische» Generalgonvernenr in Jerusalem ernannt porden. Die englische Regierung hat die Ueberiühnmg der st erbliche«! Ueberreste des Majors Baron de R o 1 h s ch i l d von, Kai», nach der jüdächen Kolonie Rtschon-le-Zion erlaubt. Ein Appell des Bürgermeisters an Amerika. Bürgermeister Reumann hat sich mit einem Aufrufs unmittclbar an das amerikanische Volk gewendet. Es sind heute' Kabellelegramme m englischer Sprache an die Bürgermeister der sichen größten Stödledrr Bereinigten Staaten — N e w - D o r t* Philadelphia. Boston, St. L o u i 8, Chicago Cineimiati. SanFrancisco — abgegange». Im Wege der »Associated Preß" ist der gleiche Notschrei an die. Bürgermeister sämtlicher Gemeinde» Nordamerikas verbreitet worden. Das erschütternde Dokument besagt unter anderem: *5n der Stunde der höchsten Not wendet sich der B Meister von Wien an Sie «nd Ihr Volk mit der Bitte um ras Hilfe. Die Zweimrllionenstadt ist ,m Brgriffe, zu verhungeru nuAj zu erfrieren. Bisher haben die Bewohner Wiens all dieseentsetz^! ckiche Elend mit wunderbarer Geduld ertragen. Vas uns adev jetzt bedroht, geht über Menschenkraft htnauS. Ich bitte «t ch umAlmosen. Was ich erbitte ist ein Anlehe«, daS eS ans ermöglicht, Lebensmittel, Rohmaterialien und vor allem Kohle emzukausen, um mit Anspannung aller Krast produktive Arbeil zu leisten und die erhaltene Anleihe zu tilgen. DaS Schicksal der meinst so blühenden Stadt Wien liegt i» d« Hand Ihres Volles.^' Helft uns!" . Zum Schutze des Wienerwaldes. Regelung der Holzgeminnung and deren Aeb«« wachung. In der letzten Siadtratssitzuna referierte Vizebürgenneistee W i n 1 e r über die Kosten für die Regelung d e r H o l r» gkwtnnung im Wienerwalde und deren UeberwachMgii wojür er von der Gemeinde rineu Betrag von 600.000 Kro«<» als Kostenaufwand in Antraa stellte. Aus eigeder Anschammg habe er sich Überzeugt, daß die Mehrzahl der Hokzfammler dm Anordnungen der Siche,htitSorgane und den Maßnahmen dw Landesregierung tatsächlich sich fügen, und daß nun begründetst Hosinuna vorhanden sei, daß weiteren Verwüstungen des Wiener-! waldeS Einhalt getan werde. r In der Debatte kam der Wunsch einmütig zmn Ar daß alle K,aste aufgeboten werden müssen, um den Wiene vor weiteren Ve, Wüstungen zu schüven, worauf der Refere anlrag einstimmig angenommen wurde. „Synagogenmütter.^ / In Palöstiua ist, wie bereits gemeldet, ein Kamps ms da-> Wahlrecht der Frauen entbrannt, der chedauerlicherweift solche Formm angenommen hat, daß in feiner Folge, die Wahlen zmk Konstituante ve,schoben weiden mußten. Bezüglich der Stellnng, der Frau im jüdischen rel giöscn und Grmemr«leben des Altertums hat man vielfach falsche Boistellunaen! In dm Jnschrijtni der jüdischen Katakomben von Rom findet man in einigen Fällen Namen von Frauen, dir dm Titel .Mutter der Synagogeführen. Vielleicht handelte eS sich' nicht um ein wirkliches Amt, aber aus der Bezeichnung gebt, der hohe Wert hervor, den man der^Frau im Leben der Gemeinde beimaß. Dir interessanteste der „Synagvgenmütter" ist eine vor», «chme Römerin, d»e im Alter von 70 Iahten zum JudentM übertrat. In Smyrna findet stch in dm eisten Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung eine gewisse Rusina, welche den griechischm Tuet Aichisynagogos lührt, was jo viel wie »Prästdmtru dar Gemeinde" bedeutet haben wird. a »»«»»»»»»»»»»>»»«»»»«»»«»»>>> >»»«>»«»»»»»»«>»»»>« »»»»«>»«»>>!»», »»»»»«»»»»»»»«»»»»»» «««»»»« SV»»»»,»«»»»»»«»»»»,,, S * m « m »! S » Grosse Makkabäer-Feier Festrede gehalten vom Oberrabblncr Dr, Cbojes. i Erstltlässiges künstlerisches iProgrflram. t des zionistischen Landeskomitees Dienstag den 16. Dezember, Sofiensäle. Karten ton K 20.*- bis K 2.— Im Zlonistl« schon ßnrc&n, U.» Zirkhsgasse 33, an dett Schaltern der „Morgenzeitnng* und In der Buchhandlung I,üwlt» l., Kotentnrmstrasse* i