Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 319 (11.12.1919)
- Date
- 1919-12-11
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 6 - ' /Wien» Donnerstag J Wiener Morgenzettuns I Die Frühjahrssesie der Fußballmeisterschaft. i Die Auslosung der 8. Serie des Meisirrschaft lSl9/8v hat bereits stattsGunden. Da 15 Verrinne m der II. Klaffe töttfl sind, kommen 14 Retourspiele zur Austragung. Die Saison beginnt jnn 29. Februar und endigt am 87. J»,m. vorausgesetzt, daß nicht Svielt.rge anslallen, rverdeir. Der Zufall hat es ergeben, daß das Retourspiel H a k o a h- G e r m a n i a wieder für den letzten Spieltug aufgelöst wurde. Tie Tcrmmliste LeS Sportklubs Ha koah lautet r es. Februar: Donäuffadt; 8. März: Rnßborfer A. E., St. März: Cncketcr, S8. März: BcwMnaSspieler, 4. April: Llovau. 18. April: Obcr-Zt. Beiter A. C.. Sb. April: Nied Star, 1. Mai: Ottakringer Sportklub. 8. Mai: Sportfreunde, 16. Mai: Blue Star, 3v. Mai: Vorwärts, 6. Juni: Ostmark, 3V. Junr: Sturm, 27. Juni: Germania. Drakonische Maßnahmen. Der Fnßballverband wird gegen jene Bererne, deren Anhänger di« Ruhe aut den Sportblähen stören, mit ,drakonl'ckien Strafen Vorgehen. So solle« vorläufig die Vereine Hertha, F. Ä. C., Vienna und Admira bemüßigt werden, rhre Wettspiele unter Ausschluß der Oeffemllchkert rbzuhalrcn. Sportklub Hakoah. Heute findet vm7Uhr abends eine sehr wichtige S.tzung drS Fußballausschrrsses ßstt. Gerichtssaal. i '■ Eine Konftderitin des KriegswucheramteS» - Das Haupt einer Preistreiberbaude. i ■ Bor dem Erkenntnisgerichte unter dem Porsih« deS Ober» landesgerichtsratcS Dr. Kämpf hatte sich gestern ckne Bande , don Kettenhäudlcrn zu verantworten. Da? Haupt derselben war die 84jährige Handelsagentin Barbara F r i cf c r, ein« zugererste Ungarin, chr vertrauter tneiiiid.ttnd gleichsam Ge'chäftsiührer der ebenfalls aus Ungar» ltammende 28iälwge Maschineuingenieur Michael Pawel. 8-au Fricker betrieb rin merkwürd-gcS Doppelspiel; -sie be< süßte üch sclbü mit Schleichhandel, testete aber gleichzeitig kür sas Kriegswircheramt Konsidentendienste. Brelsach hat sie ihre -sgmen Kunden der Polizei denunziert, wenn sie daraus Vorteil uehen formte. Schließlich wurde sie entlarvt und im Gange des Bcrfabrens wurden ihre unsanberen Manipulationen aufgedcckt. , Die Anklage zählt fünf Falle auf. in denen Barbara Fricker Mt Hilfe verschiedener Personm, die sich aus allen möglichen Ständen rekriit-eren, prcistrc,bensche Geschäfte abgeivickclt hat. Barbara Fricker und.Michael Pawel lebten nach Mitteilungen w Dolirci aus großem Fuß. Sie führten einen luxuriösen Lebens- War dkl. besaßen rin eigenes Auto, VreJucker irug die elegantesten, Merilen Torlecken. - , Der Senat, erkannte sämtliche 74 Angeklagte des Vergehens der Preisireiberei schuldig -und verurteilte Barbara Fricker zu vier Monaten strengem Arrest Md K 5C0Q.— Geldstrafe, Michael P a w-r l zu b,r e t M o u a t e n si r e n g e m A r r r st und L lO/M.— . Geldstrafe, den Kaufmann Robert W a i ß za z w e i M o n a t e n A. r r e it und K 2000.— Geldstrafe, den Manipulanten :rillllis E p st e i « zu einem Monat strengem A r r e it, den Versicherungsagenten Josef B r o d v zu r i n e m M o n a t strengem A r r e st, dm Kellner f'1!1' «rt war z m ann und den Bäckermeister ^o'cfRoshta zu jevierzehnTagen strengem Ar r e >t. dcn Bankbeamten Moritz Wenkart meinem M o n a l A r r e st, den Amisdicnrr Georg M ü l l n. e r und dm Burcaudiener Gotilieb P o s p i s ch l l zu je einer W o ch e st'r e n g e m Arrest. dm Maaistrals.Oberoffi-ial Hugo P r e t s ch und dm Ccimplolristen Eugen N ei s ch o l d zu ie e r n e r W o ch e Arrest, die. Geschäitsmhaberin Maranne Karnz zu drei PochenArrest.und den Dhoiographen Ernst Kranitz zu fünf Tagen strengem Arrest. _ Der Pfarrer als Kommunist. m •**£*?*#' Dezember. Bor dem tzUnsrrsenat deS G-rlchksho es für den Peiler Landbez rk stand heute der römischlatbolrche Pfarrer von Berscg, Stefan D o b o, unter der Anbige^ kommunlstiiche Lehren verkündet und nach dem Sturze du Rätedikiatur die Soldaten der Nationalarmee zum Ungehorsam gegen ihre Vorsichten auigesordert zu habm. Die Verhandlung duUt: mehrere Tage in Anspruch nehmen. Der Volkswirt. Die Prager Börse. Bon unserem Berichterstatter. ‘ Prag, 5. Dezember. Die «^gelaufene Börsewoche zeichnete sich gleich der Wiener durch eine unverkennbare Festigkeit aus. Allerdings waren die Preissteigerungen hierorts minimale gegenüber den Hochsprängen der Wiener B^rse. Der Prager Platz ist abgeklärter, zurückhaltender, die Zahl der Börsebesucher und Spieler viel geringer und die Hauptsache: es fehlt das internationale Publikum, daS die Aktien aufkauft, um die tschecho-flowattsche Krone gegen die besser fundierte Aktie zu tauschen; auch fehlen jene Aktien, welche den Ausländer zum Kaufe reizen können, wie. dies in Wien, der ehemaligen Zentrale des Börsenhandels des alten österreichisch-ungarischen Staates, möglich ist. * ' Wohl ist auch hier daS Streben vorhanden, das ausländische Kapital an tschechischen Banken zu interessieren. Die Oberdirektoren der Banken bereifen Paris, London, New-Uork, auch Amsterdam und die Schtveiz und bieten ihre Aktien an, vermehren bas Aktienkapital im Boreskont großer Zukunftsgeschäfte und der traurigen Jagd nach fremder Valuta. So hat die Zivnostenska Banka ihr Aktienkapital seit dem Umsturz verdoppelt, einen Teil des JnteressementS nach Paris übertragen, Gleiches versucht die Böhmische Jndnstrialbank, die auch konstant steigt; die kleineren Banken vermehren ihr Kapital, um rasch noch bei Sitzverlegungen von Aktiengesellschaften sich Einfluß zu verschaffen — die Basis vergrößert sich, doch die gesunde Entwicklung wird erst im Laufe der Zeit möglich sein. Die Kapitalsvermehrung der Böhmischen Union Lank soll anfangs des nächsten Jahres vor sich gehen, allerdings ohne fremde Inanspruchnahme und mehr aus dem Grunde, nicht zur Kleinbank herabzusinken, wo die Kleinen die Großen spielen wollen. Auf der Prager Börse sind die Zivno, Böhmische Unionbank und die Jndnstrialbank die führenden Werte. Die Prager Kreditbank, die an guten Industrien so reich ist, ist durch die Hollandaffäre in' den Hintergrund getreten. % Von Jndustriewerten haben Koliner Petroleum die größte Steigerung erfahren, da sie ihr wertvolles Bezugsrecht von 1000 tschechischen Kwnew nahezu aufholten. Fanto stehen in Wien zirka 1000 Kronen paritätisch höher, dieselben Fanto, die unschätzbare Petroleumgruben besitzen, deren Raffinerien eine Weltstadt gegenüber der Koliner Raffinerie sind, abgesehen von den Abschreibungen und Bestanden. Die Koliner Raffinerie ist von der amerikanischen Zufuhr abhängig, aber es ist „unser" Papier und das rechtfertigt anscheinend den alles weniger als gesunden Chauvinismus. Auch Koliner Zichorien und Koliner Dünger profitierten unter den Auspizien günstiger Kapitals-'. Vermehrungen. Vorige Woche brachte die Böhm. Jndnstrialbank die Tiefbohraktien auf den Markt, die von 550 auf 840 stiegen, aber rasch auf 700 wieder fielen, da neu« Papiere die alten Werte verdrängen. Holzaktien kürzlich mit 1280 nicht erhältlich, sind dermalen mit 1170 ausgeboten, weil die Kulisse neue Anregungen hat. Ebenso Böhm. Montan, die von 820 auf 700 fielen. Dagegen erholten sich Krizik von 780 auf 840. Bulgarische Zucker, sich-r eiireS der best.n tichechifchen Werte, /l. Dezember *610 E §A / kommt über 2360 Kronen nicht hinaus, bis es gewisse«? Drahtziehern passen wird^ Plager Papiere sind vernachlässigt, dagegen Da net und Nuston auffallend stabil. Deli haben einen guten Markt und finden bei,Abgaben willige Käufer. Böh«si Handelsgesellschaft, eine Z itl. ng vernach ässlghj werden wieder geheimnisvoll getippt und stiegen. 1 Soweit wäre die Stabilität der Kurse bestätigt^ Wenn nicht der Kenner der Verhältnisse immer wieder, als Kommentar hinzusetzen mühte^ daß bei einem Großteil der Angeführten Jndustrieaktien oft ein oder zwei Schlüsse genügen, um das ganze Knrsniveau zu regulieren, ein Umstand, de» der. Wiener BörsenbesucW / nicht für möglich halten würde. Nicht uninteressant ist die Tatsache, baß der Prag« Platz, . trotz der verhältnismäßig geringeren Steigerungen, weit über Parität der Wiener Börse steht. Dies trifft bei Bankaktien, ebenso wie bei Jndvstriewerten im besonderen zu. Diese Divergenz rührt aus dem zurzeit noch' be-z stehenden Stückcmangel her, weil noch der .Großteil! der den Tschrcho-Slowaken gehörenden Aktien in Wie« liegt und erst nach Uebersührung der Aktien ein regüj< later Handel möglich sein wird. Ebenso sind wieder! Werte, die hierorts gestempelt und zurzeit in Wien nicht lieferbar sind, unter Wiener Parität auSgebotem Alle diese Unebenheiten müsse» sich in absehbar«. Zeit ausgleichen/unb eS ist gar nicht so unwahrscheir« lich, daß, wenn flottantes Material. hier fjpln wiM auch die Kurse Nachlassen werden, während int SB i eis der Stsickemangel der wilden Auswärtsbewegung noch Vorschub leisten wird. Verkehrsbank. Unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Richard S k e u e und in Anwesenheit des StaalStommissärs, Ministerialrates Dr. H a »l a, haß gestern eine außerordentliche Generalversammlung der BerkehrS-i bankImrgesunden, in welcher der Antrag auf Erhöh«»- des AktienkapttalS zur Deschlutzsaffung gestellt wurde. 4 Der Antrag der Berwaltnng. das Aktimkavital von 75*04? Millionen Kronen auf 124,9SS.t.00 Millionen Kronen »n ow höhen, wurde emsiimmig angenommen und der BerwaltungSraß m,t der Durchführung derKapital-ve:Mehrung im tigenenWtrkungSkreise betraut. Bo« den zur Begebung gelangenden neue« Aktteni wird ein Teilbetrag von 15 Millionen Kronen de« alte» Aktionären zum Kurse von 660 Kronen pro Stück in der. Werse angeboten. daß aus b alte Aktien 1 neue Aktie entfällt. Die nfK' lichen Aktien werden zu einem di rsen PrrtS wesentlich überschreitende«! Nettolmse an das Gmantre-Konsortmm für die Durchführung dieser KapitalSvcrmehrung begeben, so daß sich die e i ß t« e tt Bankmittel nunmehr ans 810 Millionen Kronen belaufen werden, wovon 125 Millionen Kronen aus das Aktienkapital, SSMtüionen^ Kronen auf dem Reservefonds entfallen. WeckerS wurde be-!i schloffen, den Wortlaut der Firma des Institutes auch in ««r l i s ch « r, sranzös tscher, t s ch e ch i s ch.e r;-. polnischer und siovcnischer Sprache in die Statuten anszunebmkÄ und die Maximalzahl der BerwaltungSräte von IS auf 15 Mit-i glieder zu e»höden. — In der darauffolgenden BerwaltnngSralS- Nyuna deS Institutes wurde der Präsident per Freistädtrr Stahl-! und Eisenwerke A.-G. Herr Robert Poltak als Mitglied koopttert- Wirtschaftliche Nachrichten. Aus Paris wird, gemeldet: Die ReparationSlommissitM hat vrrschiedene Beicklüffe betreffend die d e u 1 s'ch e » 8 ö l l «i gefaßt, die vom Obersten Rat gutgeherßen wurden, Deutschlan« aber erst nach Jnkrasttrelen des Friedensvertrages mitgetellk werden. — AuS London werdberichtet: Der Goldpreis ift auf 107 Schilling 6" Penee, der SilbervreiS auf ' 751/« Pence gestiegen. Der französische Franks ist m der englischen Hauptstadt weuek gefallen, daS Pfund notierte 44 Franken. — Die ^Times" behandelt die A b« hrbungauSlandischerDepvsilenansEngl a n d. Die Guthaben verschiedener amerikanischer Firmen seieui um 60V» zurückgegangcn. auch England, dieSchweiz und S p a n i e n ziehen ihre Depositen aus Furcht vor einem weiteren Rückgang des Stertingkurses zurück. — AuS Berlin Modche und Rdfi. Bon Bofta StaKonS. Mnzrg berechtigte Uebersetzung auS dem Tschechische« von Emil Saüdek.f (16. Fortsetzung.) Und wieder eikmal empfakd Resi das lebhafte Bedürfnis, sich durch Gebete der Vojkowitzer Chevre Irdische stürlen zu lassen. Es war mitten im Winter, kurz vor Wrihnachien. Es gab bald viel Schnee, der setzt schon liegen blieb' und auch ein ordentlicher Frost setzte ein. Die alte Koschiakin, die Ausgedingerin in Rehaks Hsttte, war gestorken und heute wär ihr Begräbnis. Der Koschtalin hatte nicht mehr viel auf neunzig »gefehlt und sie war wohl an Entkräftung gestorben, aber beim Begräbnis e.-J'man sich, sie hatte noch schöne paar Jal^re lelen lönnrn, wenn'sie sich im Sommer nicht zu sehr erhitzt hätte, als^ sie auf der herrschaftlichen Wiese et.ras Futter für ihre Ziegen mähte. Rest war auch beim B^räbnis gewesen — kein Begräbnis war noch ohne Nesi^ Anwesenheit vor sich^egan-.en — und als. sie di:'e Reten gehört hatte, war es ihr, als ob einer die Krankheit geradezu auf sie geworfen hätte. Sie hatte sich nämlich damals auch von dem' herrschaftlichen Grunde Futter geholt und hatte sich auch gleich damals schwach und nicht ganz wohl gefühlt, aber dieses Venräbnis hatte ihr den Rest gegeben. / Die Schmiedin — .die Schmiede befand sich, »'.eben Nesis — hatte die Schabbeshandgriffe bei ihr zu machen und war überhaupt ihre rechte Hand; sie mußte nach dem Begräbnis Rest vorsichtig nach Hause geleiten. Ohne Begleitung wäre Rest vielleicht gar nicht mehr mach Hause gekommen, so übel wurde ihr auf einmal. Zu Hause band sie sich ein nasses Luch um den Kopf und legte sich zu Bett«. Di« Schmiedi» ging nach dem Begräbnis nichteinmal mehr nach Haufe, sondern blieb gleich bei Nefr, bediente sie während, tüjrcr Krankheit" riu'o fftfife Witzig Kamillentee., ... Resi seufzte und wehklagt«, dies sei gewiß schon ihr letztes Stündlein, sicher habe sie dieselbe hitzige Krank- - heit wie die selige ^Koschtalin und eS werbe bet ihr gerade so ein Ende" nehmen, wie bei der Koschtalin. Das war am Nachmittag. Am Abend, als es schon zu dämmern anfing, kam Modche halb erfroren und tothungrig nach Hause. Resi bewillkommnet« ihn mit herzbewegenden Klagelauten; ihre letzte Stunde nahe schon heran, er solle also schleunigst laufen und alle Leute zusanimenrufen, damit sie bei ihr beten und auf diese Weise ihre Seele auf ihrem letzten Weg stärken. Der vor Kälte erstarrte, hungrige Modche sträubte sich mit Händen und Füßen, diesem ihrem Wunsche zu willfahren und versuchte aus alle mögliche Weise, ihr diese Marotte auszureden. „Morgen in der Früh hast du alles verschlafen und wenn du dich ordentlich ausschtvitzest, ist dir dann wieder ganz gut", tröstete er sie auf bas eindringlichste. „Wir haben die Nacht schon am Halse und wohin soll ich bei Nacht und bei solcher Kälte noch laufen?" „Den morgigen Tag erlebe ich nicht mehr", flüsterte Resi wehmütig; aber lagt und energisch fügte sie dann; noch hinzu: ^„Die Schmiedin bleibt bei mir un!d du gehst nach Krenek zu Nacek, Nacek soll sofort nach Boskowitz um Fried und Heller gehen. Du kannst inzwischen bei Tonerl in Krenek auf sie warten, bis sie kommen und dann könnt ihr zusammengehen. Aber sie sollen sich tummeln und nickst erst daherkommen, bis ich schon ausgestreckt lieg' — < du weißt schon, wie ich sonst mit dir abrechne» würde!" So band sich also Modche nicht einmal /seine Mütze von den Ohren los und auch den BnrnuS zog er nicht ans, nur sein Psciser'l wollte er sich noch auf den Weg anzünden, aber dazu kam er nicht mehr, den» Resi jagte ihn schon mit großent Geschrei zur Tür hinaus. Zehnmal könnte sie ihre Seele anshanchen, eh-L sie ihn einmal aus. dem Haus, bekämel Als nun Modche, seufzend ünd scheltend fortgegangen war, stand. Resi rasch auf und überzog mit Hilfe der SÄmiedin das Federbett mit frischen, blaugestreiften, kanavasenen Zichen, de» Tisch bedeckte sie mit dem Schabbestischtuch und musterte mit fachkundigem Auge all« Ecken und Ritzen des vor Reinlichkeit blinkenden Zimmers. Alles war in schönster Ordnung, ° nirgends auch »uc ein Stäubchen und die Tücher, die; den ganzen Boden bedeckten, zeigten nirgends auch! nur das geringste Fältchen. Geschehe was da wolle - _ und komme wer da wolle, auf keinen Fall würde es eine üble Nachrede geben können. Hierauf kleidete sich Resi um — natürlich unter Beihilfe der Schmiedin — zog reine, schneeweihe Wäsche sowie auch einen weißen, mit geklöppelten Spitzen - verzierten Rock an — denselben, den sie das letzte Mal vor drei Jahren auf dem jüdischen Ball in Vojkowttz ■ getragen hatte — nahm auch eine reine weiße Nack^t- .jacke, und alfo1 blendend weiß aufgeputzt, legte sie sich befriedigt wieder ins Bett und erwartete den Augenblick, bis sie Gott zu sich abberufen werde. Mittlerweile war es ' finster geworden.. Die Schmiedin zündete diä Petroleumlampe an, legte im Ofen zu und auf Nesis Wunsch stellte sie auch Wasser zum Kaffee auf. Als der Kaffee gekocht tvar, taten , sich die Schmiedin und Nesi daran gütlich. Resi. stärkte sich für ihre letzte Reise mit zwei kleineren Schälchen, während die S»chmiedin sich nur eine Schale, dafür aber eine ordentlich gwße, zu Gemüte führte. -Draußen herrschte schon eine undurchdringliche Finsternis und ein sehr unfreundliches Wetter, abet in dem vor feiertäglicher Reinheit glänzenden Zimmeq» in welchem das Feuer so behaglich brannte und der Kaffee seinen lieblicher; Duft verbreitete, war es an- - genehm und traulich. Als der Kaffe« ausgetrunlen war und Resi sich wieder niedergelegt hatte, setzte sich die , Ach mied in bequem ans Kopfende des (FoufeMg folgt.)