Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 300 (21.11.1919)
- Date
- 1919-11-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Hoher militärischer Nahm knüpfte jsijch <m die Namen dieser beiden, - die, nnzweiftlhüfi ^d<rs Größte vollbracht haben, das eine für Pomp uno 'Glanz eingerichtete Menschheit zu verlangen gewöhnt ist. Hindenburg war von einer diensLbeftissenen Presse ,zu einem Heros gemacht Wardens in dem sich alle milisiaristischen ^rabitionLU eines sonst ehrsamen, fleißigen!und arbeftsgewohnten Boiia-5'verkörperten. Ludendorff.!sem Gehilfe, erschien der Nation als der in ihren ^Träumen von Weltgewalr und Weltherrschaft ersehnte 'Siegfried, die strahlende Jugendkraft, die jeden Gegner -in den Staub tritt. Aber die Geschichte ist herzlos und aller Romantik abgeneigt. Sie kennt nur die Macht der ftZahl und der technischen Kraft. Siegfried stirbt. am!Brunnen, aus dem er trinkt, weil Hagen, sein Zech> Mmpam die verwündbave Stelle zwischen den Schultern; fettrtt unb den Speer hinemstöht. Und diese beiden iMäpner. die einer Welt zu trotzen wählten ^rch'chrn' sKreis, ihrer militärischen OperatianLn über die 'ganze i bewohnte Erde ziehen wollten, brachen plötzliche zussammen. Aber sie hatten den Nimbus her. Unbesieg-- jbarLeit, den Zauber der in sich geschlossenen, zielsicheren jPersönlichkeit. Der Glaube einer ganzen Nation heftete! sich fest und inbrünstig an sie, erhoffte von ihnen neuen Mufschwung, iwucn Schg, neue Größe. Wie berauscht und beglückt sah das deutsche Volk, dem in seinem Unglück niemand die Achtung versagen-^ann, auf diese beiden .rügenden Männer, in denen es das Unterpfand künftiger -Rache erblickte,, von denen es sich Großes versprach.' / j kyWMssivn kam und mit einem Halben Dutzend Fragen den ganzen Zauber in Stücke schlug.' Sicherlich ist es -sympathisch und ducchaus ehrenhaft, wie diese zwei Ms zur Gottesgröße emporgelobten Männer für ihre iJdee, für ihren felsenfesten Glauben an die Mehrwertig- ML des deutschen Volkes sich einsetzten. Niemand wird, les-mißverstehen, wenn-das Deutschland von heute, ge°-! demütigt und von SchuU)knechtschaft bedroht, sich vor!dem alten Hindrnburg verbeugt, der sich der Republik zur Verfügung stellte und den Rückmarsch der Armee -in vollster Ordnung durchführte, anders als der öfterfreichische Arz, der mitscknrt feisten Offizieren im Augen- -blick des Zusammenbruches den Kops verlor und einfach!davonrannte. Niemand wird sich der Ifeberzeugung verfließen können, daß General Ludendorff ein seinem 'Metier entsprechend genialer- Mann ist, der nur das Maß für Wesen und Ziel verloren hatte und, in einem Alexandertraum befangen, die Fahne seines Kaisers bis an die entlegensten Winkel des Erdballs tragen wollte. Aber trotz all dieser Erwägungen kommt man nicht darüber hinweg, daß . Hindenburg und ' Ludendorff .gerade in der kritisthesten Zeit des Krieges, vor dem Eintritt Anreribas in das blutige Ringen, den Glauben an den Sieg verloren hatten und rein maschinenmäßig eben nur mehr ihre befehlsmäßije Pflicht taten. Das ist ja das Wesen des Krieges, daß er alle Individualität ab schleift und die Menscher zu Maschinen erniedrigt,!in denen der Befehl das» Verstand.üs für die Forderungen der Logik ertötet hat, weil ihnen da8 Volk nicht mehr als. lebendiger, ei-genwilliger und beseelter Körper erscheint/ sondern nur «ehr «lS Reservoir, aus dem man Material schöpf! Längst ivax in Deutschland die Hoffnung auf den Siegfriede« erstorben, der Belgien, Nordfrankreich und das nordwestliche Rußlqnd dem Reich zuführen, der Oestrrr-riA bis, an das Aegäische Meer ausdehneu und Serbien dem Tode weihen sollte. Hindenburg und Ludendorff, die den Mechanismus des Heeres bis in seine letzten Einzelheiten beherrschten, sahen dir technische Unmöglichkeit, den Sieg fcstzulsalten. Sie wußten, daß die Armeen durch die fürchterlichen Offensiven erschöpft, waren, daß man in Rußland/ in Ostgalizien, im Kaukasus, in Südpalästina, auf der Balkanhalbius-et, in Albanien und in Norditalien die 8kreifte verzettelt Hittte, daß neben all Pen Trophäen, eines in der Weltgeschichte unerhörten Vormarsches die Massenfrirdhöfe. lagen und die Truppen nur mehr atemlos i« immer neue, immer furchtbarere Schlachte« eingesetzt werden mußten. Sie halbe« dir Aussichtslosigkeit des yanMi Krieges erkannt und — schwiegen. Ja, fi* wollten das Volk zu neuen Opfern mitreißen, sie setzten ihre Popula?:ität "immer wieder ein, um einer Sache, an der sie selbst bereits im Innersten ^verzweifelten, zürn Siezu verhelfen. And das Teilweise Abschaltung -er Industrie v§M Strombezng. , Infolge drS schlechten KMeneinlauseS sind die städttschen <§ü:?trifttütstt!-crkL geztvArrge^, einen großen Tell der Jndrrstrie hsute oÄznschslterr, da sonst die Gefahr besteht, drtz bis Werbe wegen KoMernnangels bis Mittag zum Strlbftand Lammes. Der StrüßerrS-Lhrwsrkehr b'td&i aufrecht. , : / Für den Fall, daß! die. Abschaltung der Industriebetriebe vom städtischen Elektrizitätswerk erfolgt, saroert.der Wiener j IndustriellcnverüaNd (Sektion Wien, des Hauptverf bandes dqx Industrie Deuhschösterreichs) seine Mitglieder auf, auf die Dauer der .Abschaltungder..Industriebetriebe vorn elektrischen -Stronr die Arbeiter, soweit irgend' möglich, zu - anderen Arbeiten (Aufräumungsarbeiten uatfc -dergleichen) - zu verwenden. Wegen der Entschädigung der- Arbeiter für die ^etwaigen Berdienstausfälle schweben Verhandlungen zwischen! Hauptverband und ArbeitevorganisationeN; die Mitglieder l werden nach Abschluß der Verhandlungen drrrch Rundschreiben verständigt werden, . 1; . Die StHrke der. Äeut?cheK... Wcmm* . London, 19. November. (Privat.) Bonar L a w s erklärte im Unterhaus, daß Derrtschland noch immer 709.000 Mann unter den Waffen halte und eine Einwohnerwehr von 306.666Mann neu geschaffen habe. Law sagte, daß die Entente gerüstet sein müsse. Wahlerr in WrrMLmerr. Mrr JLdischnaUonalev irr der Bukowina gewählt. - Bukarest, 20. Nov-ember. (Del.-Agentur Dana.) Die allgemeinen Hahlen für das Abgeordnetenhaus''ergaben svlgerröe Nesultate: .163 . Lib-erabK,.- der 'BauMnpartei.,. L7', NatstrWlMNj 'WfWM^Äd merken ist, daß im alten Königreich, chve Partei Ta^e Jonescns mrd.General AvereseuK an de« Wahlen nicht teilgenommen, haben. Ar Siebenbürgen-unNDu ueu-' angegliederten Gebieten Ungarns sind 146 MDpalisten (Parier Maniu) und 46 Oppositionelle gewählt, worden.-. In der Bnko w ina find 13 Nationalisten, darunter 2 Deutsche, 1 Jude und 1 Ruthen«, und inBessarabien 66 Nationalisten und 88 Bauernparteiler gewählt worden. In Kischinew wurde ein Sozialist gewählt- ’ Die neM Freiheit m Hitgarn London» 2V. November. (Funsspruch.) Nus^B u d a p est wich gcmeldct, -daß. , einige Führer der ungarischen Linksparteien nach einer Unterredung mit Sir George Clark von Soldaten verhaftet worden sind. Auf Einschreiten Clarks wurdm die Gefangenen f r e i g e l a s f c n. Clark hat von der ungarischen Regierung Garantien gegen eine Mederhdlung solcher Vorgänge verlangt und. der Negierung mitgeteüt, daß er, wenn seinem Ersuchen nicht nachgekommen werden sollte, d a s 8 a n d verlassen werde. >, ist das SchuldmomeM^— sie hatten die. Macht, immer wieder Menschen vor Kanonen, auf Minenfelder zu treiben und sie haben diese Macht aüsgenützt. Italien trat bank den Anstrengungen der habsburgischen Hausmacht, die dem Papst den Kirchenstaat wieder bringen wollte, in'den Krieg ein. Dann kam Rumänien, dann die tragikomische Epopöe Griechenlands. Ludendorff hatte nichts zu sagen. Der U-Bootkrieg war zu einem verzweifelten Experiment gewiirden, Über dessen Wertj losigkeit niemand im Zweifel .war. Ludendorff, blieb; still. Amerika grollte, drohte, schrie. Ludendorff.'zeigte! ^sich unbewegt. Endlich erklärte Amerika' nach einer j viertägigen Debatte im Repräsentantenhaus — niei mals sei es vergessen, daß es eine Frau war, die . durch vier Tage die Kriegserklärung aufhielt ~ den Krieg. Und Ludendorff sagte: />Das schaffen wir auch noch!" Und heute gesteht er z.u, baß er den A-Bootkrieg als bas letzte Mittel — nicht zum Sieg, sondern zur Verteidigung ansah'. . . tz, ^8or den kommenden GesMech'tern, die mit unserer Schuld beladen ihr kümmerliches Dasein werden fristen müssen, erwächst uns ollen schon heute Scham und Schande, daß es in unserer Zeit möglich war, solchen Männern Macht zu geben, die mit der Lüge und Hoffnungslosigkeit im Herzen Leichenhügel auftürmten, wie sie die Menschheit nie gesehen hat. Und so lang» nicht die Möglichkeit vernichtet.wird, daß solche Männer zu Programmen werden, so lange kann die Menschheit Nicht des. Friedens teilhaftig wcrdM^ Der Kampf um derr Frie-errsverLrag im ameriLarrischen Senat. Washington, 19. November. Der Senat hat die Motion für den Friedensvertrag mit den von Lodge eingebrachten Vorhalten mit 55 gegen 36 Stimmen adgelehnt.. Die Stimmenmehrheit setzte sich aus 32 Dcmokraten'und 23 ZtepuLlikanern zusammen. Da die Motion Lodge nicht mit der von der Geschäftsordnung vorgeschriebenen Zweidrittelmehrheit abgelehnt Horde« war, brachte Senator Red einen Antrag ein, wonach die Motion neuerdings in Erwägung zu ziehen wäre, dieser Antrag gelangte mit 62 gegen 36 Stimme« zur Annahme. Em KomPrSMitz zwischen Wilson und der Opyosttio«. Paris, 20. November. -^Chicago Tubunc", die als einiges bürgerliches Blatt in Paris heute wieder gesondert erscheint, ersÜhtt . aus Washington, daß die Ratifikation des Friedens- .vertrages durch den amerikanischen Senat noch heute zu erwarten ist. Das Ko m p r ö m i ß z w i sch e n d em Präs id enteu und' etwa zwanzM republikanischen Senatoren dürfte nach dieser Meldung in der Nacht von gestern auf heute zustandegekommm sein. Das Kompromiß geht dahm, ..daß die Demokraten die Vorbehalte,. deZ Senators Lodge in gemildetter Fassung annehmen. Dagegen verzichten die Republikaner auf den einleitenden Artikel,' der verlangte, daß die Vorbehalte von mindestens dru Großmächten ebenso ratifiziert werden müßten wie der Friedensvertrag selbst. Präsident Wilson habe erklärt, die Vorbehalte Lodges schneiden das Herz aus dem Friedensverträg« Nun versuche der Präsident, das Herz aus den Vorbehalten herauszuschneiden. Gleichwohl ist man der Meinung, daß sich aus den von Wilson für das Kompromiß gewonnenen Republikanern und Demokraten eine Mehrheit für die Natisiziermig bilden lassen werde. ^Chicago Tribüne" erfährt, daß die Beweggründe, die Wilson zu der Anregung des Kompr.o- Em.g t aj&s F r ä n k r e i ch s gewesen sei, daß sie bereit seiend '^ie Vörbe-- halte anzunehmen, aber auS Gründen der inneren Polürk nicht in der Lage seien, die Vorbehalte ausdrücklich zu ratifizieren, wie. dies in dem emlkitmden Artikel verlangt wird. Gsr PvotsfiftrsiL der KmrfterrLe irr der Tschecho-Slowakei. / Prag, 20. November. (Privat.) Der Proteststreik der Kaufleute und Gewerbetreibenden wurde heute .unter kolossaler Beteiligung in der ganzen Republik durchgeführt. In Prag allein waren ohne die Arbeitec 306.000 Personen beteiligt. In 42 Versammlungen wurden Resolutionen gegen die Zentralen und für . die gleichmäßige Versorgung aller Volksschichten angenommen. Auf dem Altstädter Ring . war eine Versammlung, die von vielen Tausenden besucht war. Dom Balkon des Rathauses sprächen Mitglieder, der Nationalversammlung zur Menge. Der frühere Abgeordnete Cech .ftlhrte eine Deputation ins Parlament und in die Burg, - wo die Volksmenge in .Rufe ausbrach: „Fort mit den Zentralen!" . * \ .... y Prag, 20. November. (Tel.-Komp.) Wie das Abendblatt des „Pravu Lidu" meldet, fand heute vormittags' als Antwort auf den Streik der Kaufmannschaft eme> große Versammlung. der Handlungsgehilfen im Volkshause statt, in der gegen den Streik Verwahrung ÄRgelegt und erklärt wurde, daß Lei einer Wiederhylm»^. dieser Aktion LaS Handelspersonal einfach die Unternehmungen selbst i« die Hand nehmen, die GeWfte öffnen und damit einen Schritt zur Sozialisierung tun würden. _ Die e«»gLische PoliLkk in WeM>r-'?u. , Die bridsche Reßiermrg bat m Kairo vachrtcbnrdr Plv.'iam«tion erlassen: „Die bntliche Politik ist m AcpyPM am dir Autononrie des SncbeS unter briuschem Schutz und auf die Em--- wicklung eines Systems der S'e 4 b st r e g r e r u n unter einem ägyptischen Herrscher gerichtet. Großbritannien wll! das Land gegen jedwede ihm von außen drohmhe Gefahtschüyen und vrm Land eine Bersassuug grden, v»wc welcher der Sultan nnd seine Minister, yon Großbritanwen ftpjit und durch Derttrtn-, die von der Bevölkerung erwählt sisid. unterstütz, grmemsam, jeder in seinem Wirkungskreis, in nb-htem Maße an den Regle» ungSgrschäste« Mtwirke« kiluns». britische Aeg-erMg .h«t sich msschloffkn, ttxc Mlsfio« nach Legyptcn zu senden, die «ne Verfassung eluw^rfe« ulw in gemeinsamer Beratung . mit dem Lulmu. (eittat Ministern mv den Volksvertretern si«r Einzelheiten ilnSarbcUs« wftd. welche vor der Ewschecha« fficr -,e Knftige Regicrungsfor» uorwenwg find. Die Misfim» nrud üineSwetzs. Aegypten eine Bnfassuug amswivtzen. Me hat lediglich die stände kennen zu lernen, io Teratlmg mtt dvn einheuchsclun Bc-