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Wiener Morgenzeitung · 1919-11-17 · Heft 296 (17.11.1919) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 296 (17.11.1919)
Date
1919-11-17
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Sit. 296 Wen. Montag Telegramme. Eine befriftere Rote »n Rumänien. Sftottmung Ungarns. Schutz der Minoritäten gefordert. Paris, 16. November. Der O b e r st t R a t tzat den'Text der nyu erlichen Note an Rumänien festgesetzt. Sie ist in sehr entschiedenem Tone gehalten und mit a ch t Tagen befristet. Die Note verlangt 1. die Räumung des ungarischen Dekretes nicht mir bis zur Theiß, sondern bizur definitiven Grenze, die vom Obersten Rat festgesetzt worden ist; Z die Unterzeichnung des' Vertrages von Saint-Vermam samt dem Sondervertrag üb et den Mi n d e r h e i t s s ch u tz ohne j e den Vorbehalt; 3. eine interalliierte Kontrolle aller Requisitionen. die von der rumänischen Armee in Ungarn durchgesührt worden sind. Die Note wird, um Empfindlichkeiten zu schonen, nicht veröffentlicht werden. Amerika und der Völkerband, - Washington, 16. November. (Funkspruch.) Der Senat nahm aestern mit 62 gegen 40 Stimmen einen' Vorbehalt des Inhaltes an, daß die Vereinigten Staaten kein im Sinne des Artikels dey ersten Teiles des Vertrages oder einer sonstigen Bestimmung vorgesehenes Mandat übernehmen, welches der /Regierung der' Bereinigten Staaten die Kontrolle über innere Angelegenheiten einer fremden Nation aufchclegen würde. Washington, 16. November. (Funkspruch.) Der Henat verwarf aestern mit 41 gegen 26 Stimmen die drei Abschnitte des Vertrages, auf Grund welcher Schantung Japan zugesprochen werden sollte. ' Die Wahlen in NnmLnie«. ■! Bukarest, 16. November. (Privat.) Nach den' bisher vorliegenden Wahlresultaten wurden gewählt: 111 Liberale, Anhänger des gewesenen Ministerpräsidenten Bratianu, 138 Mitglieder der vereinigten Opposition, darunter 69 Kandidaten der Bauernpartei unter Führung des gewesenen Generalstabschefs und ehemalrgen Ministerpräsidenten Averescu» 24 Kandidaten der Unabhangigkeitspartei» 7 Kandis baten der konservativen Marghllomanpartet, weiters — . Äim erstenmal — 6 Sozialdemokraten. Lndh Astvrs Kandibatnr. Paris, 16. November. AaS London wird ge- »leibets. Frau Lloyd George hat im Wahlkreis von O l V m o u i h zwei Wahlreden gehalten, in denen sie . für hie Kandidatin Lady Astor eintrat. Frau Lloyd George sagte, das Parlament könnte dem Lande viel mehr Nutzen erweisen, wenn es einige Frauen zu Mitgliedern zahlte. Eine wirklich gute Parlamentarnrin werde immer eine Fron sein, die zuerst Gattin, dann Mntter und erst Hann Politikerin ist. Die Frau habe im Parlament den häuslichen Herd zu vertreten. / Auch Lloyd George selbst «nd Donar Law sandten an Lady Astor Telegramme, worin ste ihr Erfolg wünschen. Man meint, daß Lady Astvr ernste A u Ssichen habe, a l S e r st e F r a u ins e»glii che Parlament einzuziehen. Kiers» v»n DenkLi« gevfnmt London, 16. November. (Korr.-Bur.) Eine Meldung des Reuterschen Bureaus bestätigt, daß Denikin K i e w g e r ä u m 1 hat. IaMvrirg von den Bolschewiken erodert. Mvskau, 16. November. (Funkspruch.) An der Westfront wurde die Stadt Jam bürg erobert. Die Operationen gegen N a r v a dauern an. An den übrigen Frontteilen keine wesentlichen Vor- Menheiten. An der Ostfront stehen die Rotiruppen 40 Werst vor Omsk. Eine KommnnistenzrnErale in Leipzig ansgehoben. / Berlin» 17. November Nach" einer Meldung des Zerliner Tagebla 1 t* aus Leipzig ist die dort unterhaltene kommunistische Zentrale für M>r ttel-Deutsch l a n d gestern von der Polizei aus geh oben worden. Sämtliche Bücher Und Flugblätter wurden beschlagnahmt und eine Anzahl kommunistischer Mitglieder verhaftet. Hindenbürgs Einvernahme. Berlin, 17. November. Der parlamentarische Untersuchungsausschuß hat gestern die an A i n d e nbürg zu richtenden Fragen formuliert. Es wird von der Entscheidung des Gencralfeldmarschalls abhängen, ob er diese Fragen in der heutigen Nachmittagssttzunx oder erst morgen beantworten will. j Zionistische Bezirkssektioti „Alsergrund“ ■ « IX., Liechtensteinstrasse 1118. " S WUBS«»O«». 17. November19t9, V Uhr abend« Im 5 » $&&le der Bezlrksvertrettinz Alsergrund ■ * lX. Ber., W äh ringerstresse Nr. 43 «m ■ : öffentliche Versammlung. » - , . 1'sg«erd»«ng: i : VoltJiatBmse ned Taiesprfisse. : * . Referenten: . . J * Abg. Ing. Stricker. Gsm.-Kat Dr. Ekriieb.; Wiener Morgenzettung 17. November ISIS Seite , Protestversammlunaen gegen die ZurtteLhaltrrng der Krieasgefan^e en in Berlin. Berlin, 17. November. (Tel-Komp.) Der gestrige Tag stand im Zeichen großer P r o t e. ft ve r sammln n g e n gegen hie Zurückhaltung der - deutschen Kriegsgefangenen in Frankreich. Wider Erwarten verliefen vre Kundgebungen in v o ll er R u h e. Forderungen an die ehemalige Heeresverwaltung. Budapest, 16: November. (Test-Komp.) Das die Krlegsliquidierung vorbereitende Amt des ungarischen Kriegsministeriums erläßt eine Kundmachung, in der diejenigen die gegenüber der Liquidierungsmasse der ehemaligen k. u, k. Heeresverwaltung Forderungen erheben, aufgesordert werden» diese bis-31. November anzumelden. d'Annunzio hat Fiume verlassen.? Triest, 16. November. (Laibacher Korr.-Bur.) »La N az iont* byngt in einer Sonderausgabe eine Meldung aus F i u m s, worin die Mitteilung bestätigt wird, daß d'Annunziv in der vorigen Nacht an Bord eines Toepedojägers in Begleitung mehrerer anderer Schiffe Fiume verlassen hat. Insolvenz der Züricher Darlehenskasse, Zürich, f 16. November. (Tek.-Comp.) Im Zusammenhang mit dem jetzt erreichten Tiefstand der "Krone hat die Züricher Darlehenskasse ihre Zahlungen eingestellt. DaS Institut ist, wie die -.Neue Zürcher Zeitung" meldet, durch den Sturz der AnSlandsvaluta iy eine ähnliche Situation geraten wie die Hypothekenbank in Basel und die Sparkaffe in Dießenhofen. Tagesbericht. AerzLttche BetrachtimgeV. Von Dr. Ssnel Beer. Gefrierende Kinder. Noch ist der astronomisch« Winter nicht angebrochen, und schon sieht man an den Kindern in den Ambulatorien neue KrankheitSzeichen, die bei der Unmöglichkeit der Erwärmung der Wohnungen ber darin herrschenden Kalte allein > znzuschreiben sind. Die unterernährten, blutarmen- -in der Entwicklung zurückgebliebenen, meist von der Nhachitis gezeichneten Kindep bedürfen ganz besonderen Schütz gegen die Wärmeentziehung des jungen Körpers, der gegen Kälte sehr empfindlich ist. Es mangelt an warmer Wäsche und warme« Kleidern, die immerhin eine stärkere Abkühlung verhindern. Und so bringen die Mütter ihre Kleinen in die Ambulatorien — schon jetzt mit' blauen, kalten, angeschivollenen Händchen und Füßchen als den Zeichen der Störung des Blutkreislaufes in den vom Herzen entfernten Körperteilen. Die amerikanische Hilfsaktion speist Tausende von Kinder», um sie vom Hungertod« zu retten. Wer wird die Kleinen vor den Erfrierungen und ihren Folgen schützen? An Holz mangelt es uns nicht,, aber an denkenden, organisatorischen Köpfen in unserer Negierung, die es leicht hätte, wenigstens jeden Haushalt mit Holz zu versorgen. Die JnvalltzM. Nach jedem Kriege ist stets nur zu bald des Invaliden vergessen worden. In StaatSwesen mit so viel Sozialismus wie bei uns sollte es anders sein, könnte man glauben. Selbst unsere größte Not' ist kein Entschuldigungsgrmck für die an den Invaliden begangenen Unterlassnngssüirden der kompetenten Behörden. Die Stellen, die Zeit genug haben, lange Beratungen über ganz unwesentliche, förmliche Dinge zu Pflegen und «ichdringliche Gesetze zu fassen, finden es nicht der Mühe wert, «in Jahr lang nach dem Ende des 5krieg?geMetzkl? die Frage ter Heilbehandlung der Kriegsbeschädigten zu erledigen. So werden diese, wie es gerade paßt, bald den städtischen Aerzten, bald den Krankenhäusern hingeworfen, die sie beide gerne abschÜtteln möchten. ES wird noch immer beraten. Unterdes leiten die armen Amputierten unter den zahllosen Gebrechen ihrer Prothesen, werden psychisch und physisch nöch mehr geschädigt. Jetzt kommt mit dem Einbruch der Kälte für die Amputierten und die an Erfrierungen Leidenden eine schwere Zeit. Keiner ist mit den notwendigen wä inenden. Hüllen für die Amputationsstümpfe verseh.n, es gibt nicht einmal eine Stelle, die diese Kriegsopfer mit dem nötigen —- so teuren — Verban^make.ial versorgt. Die Amputierten.'das sind doch die ärmsten Opfer des Krieges, ihrer sollte man unter keinen Umständen vergessen. tzofeat Gtnkart gestorben. Sonntag nachmittagist in seiner Wohnung, Neubau, Reustiftgasse 36, der vormalige langjährige Chef de« Stil erheitSkure«ur und spätere Borstaqd der 2. Kriminalfektion tzrr Polizeidirektion Hofral Moritz S t n k a r t w 62. Lebensjahre infolge Herzschlages plötzlich aesiorden. Hofrat Stukart war schon feit «kleinere« I ihren an Arterieneerkattuirg erkrankt. Seit mehr als zwei Jahren war Hofrat, Stulart in Pension. Die hLtzttchste Frau gesucht. In einer Annonee der „Times" wurde dieser Tage ,^»ie häßlichste Frau in London" gesucht und ihr ^eschLftiZUNg bei hohem Verdienst versprochen. ' Bewerberinnen wurden gebeten, jich in der großen Empfangshalle der Zeitung einzusiuden, und nttfc dem Aufgeber der Anzeige hatte sich eine Anzahl von Neu-' gierigen versammelt, die auf den Anblick,so große«, Häßlichkeit gespannt waren. Aber sie wurden grimmig enttäuscht: keine häßliche Frau war bü: Im letzten Augenblick erschien plötzlich - eine sehr nett aussehende junge Frau und fragte atemlos, ob sie zu spät käme.; „Für waS zu fpat?" fragte der enttäuschte Suchende. " „Für die Stelle als häßlichste Frau Londons",, eutgegenete sie. „Es tut mir leid. Ihnen nicht dienen zu können," anttvortete der Herr mit Betonung, „ich suche die P häßlichste Frau in London." „Nun, das bin ich!" kam eS zurück. " Aber der Herr schüttelte, traurig und galant den Kopf: „Da kann ich mit Ihnen keineswegs übereinstimmen." „Ja, dann ist nichts zu machen." sagte nun die Dame verärgert. „Aber ich bin sicher. Sie werden nirgends Häßlichere finden." Der Herr ließ sich dann zu einer näheren Erklä- - rung seiner merkwürdigen Anzeige herbei. ,^Zch suche die häßlichste Frau für eine neue Sache, die ich binnen kurzem herausbringen will, und ich bin so uNgalant, zu glauben, daß ich sie. noch finden werde," sagte er. „Ich könnte ja irgend eine Schauspielerin durch eine" Maske so häßlich wie möglich machen, aber es ist gerade die natürliche Häßlichkeit, die ich brauche und die wirken wird. Jede Dame ist mir recht, die wirklich häßlich, i und nicht zu alt ist; Bühnenerfahrung ist nicht nötig." Der Herr wartet noch auf weitere Bewerberinnen, die mit den negativen Reizen ihrer Erscheinüng ein gutes dllück Geld verdienenkönnten. Es gibt augeuscheinlich kein« häßliche Frau in London. . Täglich Fleisch ttt de» Gasthäuser». Eine Wavrrung dev Polizeidirektion. Das Kriegswucheramt der Polizeidirektion mußte ln der letzten Zeit wahrnehmen, daß in einzelnen Gast- und Schankgewerbe^betrjeben die E r n ä h r u n g s v o vschriften fortgesetzt in gröbster Weise übertreten werben. / ' Die während. ..des. abgelaufenen Monates .durchgeführten Beobachtungen und. Amtshandlungen haben ergeben, daß in manchrn Gasthäusern und Kaffeehäusern sowie in Bergnügungsbokalen, welche mit Gast- und Schankgewerbebetrieben in Verbindung stehen, ungeachtet der äußerst schwierigen. Ernährungslage, die das Darben von hunderttausend produktiv tätigen Menschen mit sich bringt, alltäglich Fleischspeisen erhältlich sind, baß inmitten einer allen Qualen des Hungern« und des FrieDns preisgegebenen Bevölkerung für einzelne Kaffeeh aus gaste (beispielsweise im Casä Ritz) ' hunderte Portionen Butter an jedem Nachmittage zur Abgabe gelangen, daß Kaffee mit Milch und Zncher ganz offen verabreicht wird und daß Preisexzesse ärgster Art Vorkommen. Wohl wird die gegenwärtige mißliche Lage des Gast- und Schankgewerbes in Rücksicht gezogen unb' die gelegentliche Außerachtlassung der Ernährungsvovschriften, wie bisher, auch künflighin. mit der gebotenen . Milde behandelt werden. Das Kriegswucheramt der - Polizeidirekti-on muß jedoch mit allen Mitteln darauf bestehen, daß gröbliche Üebertretungen, wie dis geschilderten, abgestellt werden. Denn auch die gegenwärtigen Verhältnisse können es beispielS- ° weise nicht rechtfertjgen, wenn an fleischlosen Tage» -. eine größere Anzahl von Fleischsörten verabreicht wird,, als gegenwärtig sogar an Fleisch tagen erlaubt ist. Der * Hinweis '■.uf die Notwendigkeit des Einkaufes im Schleiche Handel kann des weiteren eins den Schleichhandel um ein vielfaches übersteigende Forderung nicht entschuldigen. Es muß ferner darauf hingewiesen werden, daß in den letzt«« Tagen wiederholt behördliche Organe in Ausübung ihres Dienstes von den Gewerbeinhabern, beziehungsweise von dem Personale bedroht und sogar tätlich a « g e g r i f f e n wurden. Schließlich kann es.; ‘ auch nicht geduldet werden, daß ordnungsgemäß beschlagnahm te Vorräte trotz Anforderung seitens der Behörde eigenmächtig für den Gewerbebetrieb verwendet werden. Um diesen Vorgängen Einhalt zu tun, hat die P o l i z e i d i r ekt i -o u an die Vertretllngen der Unters nehmer und der Gehilfen, der Gast- und Schankgewerbe eine Warnung ergehen lassen, in welcher hervorgehoben wurde, daß die Polizeidirektion gegen die geschilderten Uebelstände mit aller Energie unnachsichtlich und unbeirrt Vorgehen und'bei wiederholten oder ärgerniserregendeii Uebertietungen auch künftighin, abgesehen von den strengen Strafen, die Sperrung der betreffenden Betriebe veranlassen wird. Im Flttstzeug auf der Derbrecherjagd^ Die Verli'.ier Polizeikürrespondenz erzählt folgenden Kinownluic: Eine i> 'nbrcchergesellschaft, deren Seele bie Gräfin Lo ton na war, wurde von der Kriminalpolizei unschädlich gemacht. MohnungSeinbrüche. im neuen Westen, bei denen den Tätern bedeutende Werte in die Hände sielen, fanden eine ül.crcoschcnde Aufklärung, der Offeubacher Straße zu Wilmcrsdort wohnte die. Genannte, eine aeborene .Stutz». i i t

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