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Wiener Morgenzeitung · 1919-11-12 · Heft 292 (12.11.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 292 (12.11.1919)
Date
1919-11-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Krris Krüer Vlmt «net flufteGuaa <** tyra«! AU»«»Mch . . L 9<~ üitrtelfSitvis . . *. S?.— K»l>»iLhvi8.2S.- tz«mssvri- . . . . rvo.- Mit Bokvrrsm'd: »Ur4*naitrl0 . . * LV.- D«tb}strtht , •. «i-bte.- •«■rfSltrU .... »W.-c ' Mr,M* W*fA*«®io»at*l ’ «ttni Vk,««svrrii, fc «AciJrifÄ« «Sbrmn. mimti Nr. 292 Mttrr!vv»mpra«r '. W-ks ^N4> Hrile, $Jrau««un*tiüna- > für >«** Arrolaadr iUanotltrtf . « ,K 10.» $riert4fü(rt‘ia '*« 00— 'rtthfßffriit . H Ö(l— » „.ISO— R«b ßktißN n. Adirrirriktr-,» u»»« Wie», XX. ««oävstv»»» 'Ätf. 1—» .; fMcphtm» £A»rt»iflbr<*- tinc -<4088, 48819, rtb ‘J ütlrr «bntl« A». 1680J. v»SsU»»ki»I7»n-HM»l» a*f. 150.698 5S*W Wien, Mittwoch, den 12. November 1919 1. Jahrgang Die «iichste Nummer der „Wiener! MorgenzeiLung" erscheint wegen des 1 St^atsfeierLages Donnerstag Mittags, i >i ■ ' .' ' v Ein Jahr KepnWK. , -- 5 5? i,t p, fcttt 12. No,'k>nbe'-. t Heute ist Staatsferertag. Heute vor einem Jahre hat Präsident Seitz von den Stiegen, die zum Parlaments- Vestibüle führen, die Republik proklamiert. Die Hissung der rot-weißen Flaggen,'die während seiner Rede erfplgen sollte, mißlang. Linkssozrälisten rissen sie,- während , Herr Seitz die Einigung der Bürger, Bauern und Ars beiter feierte, herunter. Der nächste Redner, Vizepräsident '* Dinghofer. konnte sich in dem Lärm nicht verständlich Mächen und schließlich, versuchten > -r-^o ■■■-.■-l'Mjr Me susgerückte Volkswehr zu einem Sturm auf das Parlänient mitzureißen, der mit der Verhaftung des Staatsrotes und der provisorischen Nationalversammlung enden; sollte. Ob dann die Monarchie.' oder die Proletarier- ‘ diktatur errichtet werden sollte, darüber könnte nie Aufs fchluß erlangt werden. In dem trüben Dunkel des,&oheniberabends krachten Schüsse, die vielen Tausenden von.' ^estteilnehmern, die den Franzensring - besetzt hieften, rannten in fürchterlicher.Panik' durcheinander. 'Ein Kind wurde zertreten, zwei Frauen durch verirrte Schüsse getötet/ die- Tore zum Parlamentlunh die Fenster zerj trümmert und der 'neüernännL^Hressechef des StaM- - kanzlei verlor ein Auge. Die Republik-hatte .sich also 1 nicht gerade in feierlicher Weise isingeführst .Die Stünnszenen bei ihrer Weihe habtzn sichist' der Folge noch! eiyigemale wiederholt, wie ja WeMupt . dieses .ganze Jahp recht aufgeregt und siürtpsH'porb^igegattgen ist, ' Dieses Jäyr sollte das vxsie ^'.FritzdertsMu. Aber' eS ist das erste geworden, daZ4oMHDA'M^UstH'.iegs-- geschrei, Not und' PestjwM N. sein ' Zeichen. vom ersten Lüge an gewesen undin'diestru Mche^ift das 'Jahr-' vorübergerauscht; seinem RachfofgerMeiU nichts.übrig, alS dieses Wesen fortzusühren. /Denn' soweit'das Auge blickt, ist keine.Vesserung/ttbzrrseheu,l Die Noifteigstchis über das Dachgebalke hinaus, der häusliche Herd,, den schon, die Monarchie'ausgeblaseri'hatte, 'bleibt kalt,'.die j lüenschheitsalte Felndschaft zwischen Stabt und Land ist j Abgrundtief geworden^ ’ * \ .< | j Ein Jahr, gilt nichts in -der Fl acht der Jahrhundeftst. | Noch weniger in der Erinnerung des Menschern Manftst/ leicht geneigt, die Erfahrungen eines einzigen Jabres in. wenige-Worte zu pressest. Aber dieses Jahr wird sich, doch tn unser aller Gedächtnis einprägen und jeder von uns Zeitgenossen wird die Erinnerung an eben dieses Jahr denen, die nach ihm kommen, übergeben. Wir . haben gesehen, wie sich die sozialdemokratische Partei, derWortführer und Vertreterder Armen und Unterdrückten, der gün° stigen Konstellation beuchchtigte. Was kvnnre sie tun. was j hat sie getan? Sie trat,, mit dem -uneingeschränkten Per-! trauen des ganzen Volkes in der Tasche, an'die Leitung Les Staates.. Aber ^as, was damals ihre Stärke war, . hat sie nicht zu werten verstanden Sie hat. ein großes, ihr vertrauensvoll übergebenes Pfand vertan und.,der- ’ fungcn. Sie hat den Staat zu einer Klassemnstitution vmwandeln-wollen. Das mißlang, Mußte mißlingen,, weil trotz der Zerstörung der ganzen Wirtschaft durch den von den Lakaien der Habsburgerdnnaftie frevelhaft heraufbeschworenen 5^rieg doch noch ein seiner ’ Traditionen Und seiner historischen Zlnfgaben bewußtes Bürgertum vorhanden war, das sich nicht wegdekretieren lassen wollte. Dieses Bürgertum hat gewiß inzwischen seine Mission nicht erkannt, die Zukunft vorzubereiten und den Ausgleich zwischen Besitz und Arbeit anzubahnen. Es,hat nicht die seelische Kraft aufgebracht, die Forderungen der neuen Zeit zu erkeunen, die seinen politischen Machtbefitz verringerten. Es hat dies aber auch nicht können, weil das Bürgertum, wie es sich heute den Äugend darstellt, nicht mit dem Bürgertum vor dem Krieg identisch ist. Ganze Schichten sind in das Meer des' Proletariats gesunken, ohne sichtbaren Widerstands weil ihnen die Entwertung des Geldes.jede Kraft und jeden Halt genomnwn hat. Wo aber die Reste des Bürgertums es versuchten, «in Kompromiß mit der neu sich ankündigenden Gesell-. schaftsförm einzugehen, wurden sie zurückgescheucht. Denn das Bündnis zwischen Arbeitern, Bauern und Bürgern, Lar-am 12. November besiegelt werden sollte, krankte von allem Anfang an seiner' inneren Unwahrhastigkeit. Die Arbeiter nahmen die industridlle Produktion, die Bauern die agrarische an sich. Zwischen beiden gibt eS keine Verbindung. Das Bürgertum wurde zerrieben und zerrUen, Die Führer der' jMaldepwkrcüWe* LlrbM«- Poirreare in London. Volltlsche Trlf ^sprriche. Paris, 11. November. Bei dem vom König von England zu Ehre» des Präsidenten Poincare und der Frau Poirrcare gegebenen Essen hielt der König von England einen Trinkspruch, worin er betonte, daß Eng- Die Lage in der Türkei. Wie wenig konsolidiert die inneren Berhäktnisss in der Türkei sind, beweist der Umstand, daß die neue Negierung Ali Riza Paschas bereits die fünfte ist, die seit Abschluß Waffenstillstandes gebildet wurde. Die Macht der -türkischen Regierung ist Ion land neuerlich seine Bundestrcue bewiesen habe, indem \ vornherein begrenzt und erstreckt sich nur - so weit. es sich bereit erklärte, Frankreich zu Hilfe zu eilen, wenn dieses wieder von seinem alten Feinde bedroht werden sollte. Aber ich bitte Gott, fuhr der König fort, daß er eine Wiederkehr solchen Elends verhüten möge, und daß der Völkerbund den Frieden der Welt sichern und allen Völkern gestatte, in Ruhe und Vertrauen ihren Aufgaben nachzukommen. Präsident Poincare erklärte in seiner Erwiderung, auch er hoffe, daß England niemals Gelegenheit haben werde, , sein feierlich gegebenes Versprechen einzulösen. Er hoffe aber, daß auch im Schoße des Völkerbundes ein brüderliches Zusammenwirken Großbritanniens und Frankreichs wertvoll und nütjlich sein werde. Englnnd und Frankreich seien vor allen anderen alliierten Staaten an der Einhaltung des BersaUer Vertrages wteresiiert und es werde ihre gemeinsame Ausgabe sein, durch lange. Jahre die Durchführung des Friedens zu über.- wachen, von Europa jedes neue Abenteuer fern zu halten und sich des gewonnenen Krieges, würdig zu zeigerr, indem sie jeden Krieg in Zukunft unmöglich mache», - ■ ' $*;. ' D«s sch«eM?ch« 9t»4* Krevz fSr Osstrrrelch. Girre. Knvßrsigigp' B e r l r n, 11. November. Die „Berliner Abrrrdpost'- meldet aus Kopenhrgen: Das Schwedische Rote Kreuz hat Lei der s Krorren zi»H als. der militärische -Einfluß der Entente reicht... W.. wäre jedoch falsch, zu glauben, daß die Jungtürktzn M: der ' Türkei bereits ■ abgewirtschaftet haben.- TrotzdM •*. mehrere ihrer hervorragendsten Führer verschlepstr. wurden und andere geflüchtet sind, ist? der Anhang' der Jungtürken in der letzten- Zeit überaus MlvachM und -dste Umstände hahen. es Mit sich gebracht,-. dH lmM .. - alle Anklagen gegendie Jungtürken vsrgessenhzurhäW scheint, denen man ja di-e Schuld an dem Kriegs-'und seinem für dir -^ü.r'k-ei -so katastrophalen ^nde züsHreiöt. Die nationale Bewegung, welche' als Neaktchn. gegen die. auf chie Zerstückelung der Türkei gerichteten Pläne entständen ist und 'Ae ihren deutlichsten. - Ansdruckin drßn von General. Ke m a l Pascha Kn Anatolien 'organisierten'Widerstand findet, hdt das Ansehen des Sultans noch -mehr geschmälert, als .es bisher .-der Fall n>ar und kehrt sich .nicht:im mindesten an. diervom . Sultan an sie erlassenen' Proklamationen. Die Tätigkeit der nationalen -Bewegung ...haben- .in erstprs ->Reihe- -die Gr-ie ch e n zu spüren, deren Lage. in. der. Mrte't keines.'- wegs eine rosige ist. Der-durch die annexio.nistischen -AsPiratwtterl'.der griechischen^Politik. gesteigerteGLitzchen---^ haß entlädt, sich täglich an ihnen und die-'Ermoi^Uttg von- -Griechen m Thrak-iey-- gehört keineswegs zn^den - Seltenheiten.. Aber auch die Ententepolitik scheinHich in bezug auf die weitreichenden Pläne-- d'er -'DMchen^. die-zwo Zeit des Waffenstillstandes von verMieöener Osteuropa beantrajst. ^>e»kt U> Ä-stcr RM ah einejietÄc, michir zurMireten» nuijbm die iürMixFtMM g^vßzügige llnterstn^ung Oesterreichs, das als Vas meist - .tousieAenz aus . Paris heüngeschickt worden war'. -So Lenotleidende Land Europas bezeichnet ' wird. An die -- deutet, der km ' Regierungswechsel einen Erfolg-' Bauern wird rin Ausruf ker'chtet,".mogMisi viel! Brot, i -K ämal Paschas und.-der. nationalen Bewegung,/die Getreide und Mehl für die Hilssaktion zur Verfügung lwn Rücktritt -der früheren Regierung erzwungen hat.. zu stellen. _ Eine RKtiN« der POlRischen MeKierNLH Londo n, 11. November. (Tel.-Komp.) Der Korrespondent des Atücitcrblaiies „Daily Herald" meldet aus Warschau, die. polnische Regierung plane, alle kriegführende« Parteien einzuladen, für den 25. Novernber Delegierte nach Warschau zwecks Herbeiführung eines allgemeine« Friedens zn entsenden. Auch an die Großmächte wurde heute das Ersuchen gestellt, Delegierte zu einer am 5. Dezember iI-Wnschau staitfindenden 5tonferenz zn nominieren. Aril meisten.gereizt ^.wurden die Gefühle ber. Natiö-^ ^'.alisten durch die Besetzung von Smyrna durch die .Griochen und die, dabei hon ihnen' verübten Exzesse und Ke ma l Pascha will in keinerlei DerhandlungLn tintreten^ solange nicht in der Frage von Smyrna eine \ Iefriedigende .-Lösung...erfolgt, ist. ' . . Achmed Riza, der gewesene Präsident, .der ' Kammer und des,. Senates, .hat. erst in den . letzten s Tagen dem -Korrespondenten des „M a t i n" erklärt, : daß die Mehrheit des Volkes und der 9tegierung den } .-Standpunkt Kein al Paschas billigen und dw tnr-- j tische Souveränität in jenen Gebieten erhallen wäll-,.! roo die Türken-die Mehrheit bilden. Die Türken seien | 'bereit, den Arabern in jenen Ländern, wodas'avqbische Element vorherrscht, das Recht aus volle Nnabhängi-gs-lcit.ünd Selbstregierung zuzugestehen. - ' . - , - j Das entscheidende Wort in der Frage der 'Türkei! wird natürlich England zu sprechen, haben uich es - j .ist nicht ausgeschlossen/daß ■ dle englische Politik' an j -eine' Verständigung' mit Kean a l' Pascha denken 'wird.' schüft, die die Herrschaft übernahmen, haben wahrscheinlich gegen ihren Willen, aber doch durch die Entwicklung getrieben — aus dem Staat ein Klassenunterrwhmen machen wollen. Dieser Plan zerschellte aber an der unbeugsamen Logik der Tatsachen. Das proletarische Bayern brach in Mord und Grauen zusammen, das j Seitdem Amerika das Mandat' üoer- Armenien, cchge- 'proletarische Ungarn ging, mit Verbrechen beladen, in! lehnt-hat, müßte die Last süv eine Kriegführung'-mit den Orkus. Sowjetrußland kämpft jetzt um sein Leben. Kemal vollständig ans' Englano' fallen, 'das bereits Noch ist es. siegreich und. -die roten Fahnen wehen hoch l jetzt' in den -verschiedenen Teilen der einstigen. Türkei gegen Judenitsch, Koltschak und den letzthin durch Herrn Dr. Kramarsch verstärkten Denikin. Aber auch das ist nur mehr eine Frage der rohen Kraft, nicht mehr des Intellekts und der Idee. In dem kapitalistisch sich neu ordnenden Europa kann sich Lenin trotz aller Hilfslnittel kaum mehr lange halten. Dieser Entwicklung kann sich i ein beträchtliches Heer aus Kriagstaud erhs.lun muß. Aiuh die'nurstich reservierter klingenden Äe.n';oouu-zen der griechischen Presse, die früher die-wnrest>2:> Fansgsten- Mnge ertönen ließ, scheinen daraus hinzud-Luten,--baß Mn in Griechekland die hochgespamuen Hofinungen aHzubauen und dainit zu rechnen begumt, datz-'Engauch Wien nicht entziehen und der Abschluß des letzten st land eine Verständigung nftt-der nastuiat'-'. Bewegung K.oalitionsübereinkommens mft den durch ihre politische st in der Türkei suchen werde. .. . " - Vergangenheit, durch ihre Mißwirtschaft während de? Krieges über alles Maß hinaus belasteten Christlichsozialen ist ein sprechendes Zeugnis dafür, wie sehr did schlecht geführten Sozialdemokraten, hei denen nichts rnehr an die Internationale erinnert, in die Enge gerdten sind. Die Erinnerung an den großen Tag der Revolution hätte eine große sein müssen.; in rotglühenden Flambeaux hätten alle guten Vorsätze zum Himmel schlagen müssen, alle Vorsätze, die letzten Reste monarchistischer, burean kratischer Bevormundung, des Lakaiensinncs zu überwinden, hätten an diesem Tage ihr lautes Credo sagen müssen. Aschgrau aber starrt uns die Zeit entgegen. Zum Teufel ist der Spiritus, das Phleama ist aeblieben. j ,stDie gattzische Frazs vor der ErLehstung. j- »New Avri TimrS" berichtet ans Paris, -aß der Okbrrsid; Rat die g a l i z i f ch e F r a g e und du der O st g r e u.z e n P v l e n s noch vor s e r n e r A u f l ö s u n g e r l c d i g e u Null-, llrlprii«glich habe die Konferenz beabsichtigt, Polen di» Odnhevüchast über ganz Galizien zu geben, wobei Galizien ein gewisses Maß von Selbstregurnng besessen hätte. In neuerer Feit mache sich jedoch d a g e g e n W i d e rst a n d, besonders auenglischen Kreisen, geltend. Die Frage der Ostgrenzen Polensei n n g e m e i n heikel. Der Oberste Rat wolle nichts iMt» iv«s einer N e u r e r st u ck l n n g Rußlands gleichkommm könnte, La .er «nt der riisstschen Einhettspattn gl? natürlichen Vrrbiindeten rechnen rniiße. WM I

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