Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 291 (11.11.1919)
- Date
- 1919-11-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Erwägung der aktuellen politischen Situation der Stadt und in der Ueberzeugung, daß daZ große Italien, eine unerschütterliche Feste der Gewissensfreiheit, die Entwicklung aller Energien ermöglichen und alle Vorteile einer höheren Kultur bieten wird, erklären die ungarischen, österreichischen und deutschen Israeliten aus Fiume, daß sie Anhänger; der Annexion Fiumes an Italien sind und dieselbe . unterstützen und in dem bevorstehenden Wahlkampf geschossen für die Lifte der „Unioite Nazionale" stimmen ' werden." . Diese Resolution wurde bei einer Sitzung im Saal der israelitischen KultuZgemernde gefaßt, an der außer einigen Fiumaner Juden auch zwei jüdische Offiziere vom Stabe d'Hlnnunzios teilnahmen. ' Der Deputation, die Herrn d'Annunzio die Resolution überreichte, erklärte er, die seinerzeit in dein Aufruf an die Kroaten angeführten Beschuldigungen gegen die internatio- «oten jüdi sche n Bankiers waren ohne sein Wissen (!?j eingeschaltet worden. .... ‘‘.4* - Der Kiumaner italienische Naiionalrat hat am 22. Oktober beschlossen, sich aufzulösen und die Staatsgewalten auf die . am 26. Oktober, gewählte Munizipal-Nepräsentanz, die in dieser Beziehung als Nätionalrät fungieren wird, zu übertragen., Die. Exekutive, wird von einem Komitee gehandhabt, daK^äus demPräsiderrten des Natiunalrates und sechs Desegieren als Vorständen der einzelnen Administrationszweige Die Verfolgung der radikalen Führer in Amerika. Ueber tausend Personen verhaftet. Amsterdam, 10. November. (Korr.-Bm.) Das Rentersche Burea» meldet ans New-DorL: Die Razzia auf die radikale» Agitatoren i» Grotz-Nerv-Bork darrert fort. Arber Lausend Personen wurden verhaftet, darunter der irische Arbeiterführer Zir» LarLin. Nach der Exchange Tele raph Co. hat das amerikanische Instizdepartement bekanntgemacht, datz die Razzia der Beginn von Maßnahmen der Regierung im ganzen Lande sei, um einen durch die Union of Russien Workers beabsichtigten Versuch, die Regierung zk stürze«, zu vereiteln. Es werden tausende Personen aus Amerika auszewieseu werden. Amerika und der Völkerbund. Der Senat gegen Wilson. Paris, 10. November. (Funk'pruch.) Aus Was Mg-', ton wird gemeldet, daß der amerikanische Senat mit; mit 50 gegen 35 Stimmen den ersten VorbeHalt zum Friedensvertrag, der durch die Senatskommissiüw• für auswärtige Angelegenheiten beantragt worden, war,, a nge nominß tt hat.- Dieser Vorbehalt betrifft .de« Völkerbund, und zwar das Recht der Vereinigten!- Staaten, sich jederzeit ohne Angabe der Gründe au d cm Völkerbund zurückziehen zu können und sell'st zu beurteilen, ob die von, den Vereinigtst Staaten eingegangenen Verpflichtungen erfüllt worden. seien oder nicht. . Paris, 10. dtovember. Der Korrespondent? ' der: „Times" nteldet aus Washington''zu der Annahme-! des ersten Abänderungsvorschlages Lodges, daß' diesem Beschluß hauptsächlich inNerpolitische Bedeutnng'tzu-! komme. Kein Präsident solle es mehr wagen. kSnntzn^! die Prerogativeu' des Senats in einer Weise zu 4>sv-! setzen, wie dies Wilson im vorigen Jahre getanhabe.- Vertretung; Insel Lagostr zu den von Italien zu besetzenden ' dalmatischen Inseln) keine weiteren Schritte unternehmen wollen und die Lösung der Fiumaner Frage der Entente überlassen. Speziell da Italien insolange — auf Grund des Waffenstillstandsvertrages — die strittigen Territorien (mit Ausnahme von Fiume, das von d'Annunzio besetzt ist)' als Faustpfand behält. Und d'Annunzio erklärt bei jeder Gelegenheit : ,.Hic manebimus optirne!" Speziell feit ihm der Lloyddumpfer „Persia" wertvolle — für das antibolschewikische Rußland bestimmt gewesene — Waffen aller Gattungen aus Genua gebracht hat. Eine Lösung der Fiumaner Frage ist daher nicht abzusehen. Die Rrtmänerr raumen Budapest. Eine Proklamation an die Bevölkerung. Budapest, 10. November. Das Oberkommando der rumänischen Truppen veröffentlicht eine Proklamation, in der es unter anderem heißt: Die rumänische Armee zieht sich zurück. Sie räumt Budapest. Bevor wir die Hauptstadt Ungarns verlassen,. erachtet es Rumänien für seine Pflicht, «euer-. dings zu erklären, daß es in seiner militärischen Aktion, welche durch den Angriff au der Theiß verursacht worden Wie New Wrk Wotld" mitteilt, hat sich SeÜÄ^or! - «‘^3- Hftm »ätimm&Ä* sw»«.„*.«?«»„> - Mp, sich von nichts rem als votsde^gerMey x;er-, .WWkugto» begÄett». töo."-ev..chMMrü-k. jMte8-iLnmAn°«L^Da-KEmZd°tz°tkm A,; tsm*u«S miA°.isch°n l.itetcffe leiten lich. Bett und^ ' an getroffen Habs: Httcchoock teilte dÄn Prasl-entelr 'Mt,. grek Mission eingesetzt, bestehend aus desi Herren Meichsner und Barbürr und zwei Ofsizleren. Diese Kommission, die auch die Dwektiou des neuen FinanzkreditmstituteS bildet, hat bereits Mit'der Kontrolle der.in Fiume kursierenden Valuten betzonnLn Und festgestellt, daß weit mehr jugoslawische Kronen iM'Verkehr sind,' '-als angenommen wurde,. ferner daß die Banken »Cittä di Fiume"-Kronen bei 80 Millionen in Barem haben, obzwar seinerzeit, bloß 4S Millionen abgestempelt würden'!' Die Behörden weisen auch vielfach, ^Citta di Fiume>« Aoten, we^eu Unechtheit zurück, Sie nehmen nunmehr' auch jugosiawischc Kronen mit einem Agio von 16 Prozent für >rCitta di Fiume"-Kronen an. Im allgemeinen herrscht noch immer große GeschäfiS- . ftagnation, da'weder Export noch Import möglich find, so daß viele Kaufleute ihre Tätigkeit nach Triest verlegen. Handels- . dampfcr. die früher täglich nach Venedig und Ancona verkehrten, Üegen aus; in den letzten Tagen ist eine wöchentliche Dampserverbindung mit Zara eingeführt-worden. (j, Oktober fanden diS angekürwigten Ge.yeiiidL'- »vahlen statt, die ruhig, ohne Zwischenfall verlaufen sind. OfflZiell wurden folgerrde Daten bekanntgegeben: Von 10.344 . .Wahlberechtigten sollen 7188 das Wahlrecht ausgeübt haben. Gewählt wurden die Kandidaten der „Unione Nazionale" ' .ohne Gegenkandidaten. Bemerkt sei, daß Frauen mitgewählt ■ haben. . ■ \? Zwei amerikanische - Zeit ungskorresponden reu würdön vor den Mahlen aus Fiume au'Sgewi'esen, weil >siei kendenglose Berichte an ihre Zeitungen erstattet Haben (darünter „Chicago Lvibune"). ' * , ' Am SO. Oktober, dem Jahrestag der Revolution,.fände»» große Festlichkeiten statt. SämUiche Geschäfte waren geschloffen und die Stadt legte verstärkten Flaggenschmuck - an. D'Annunzio hielt aus der Piazza Dante eine seiner feurigen Ansprachen, die von Militär und Zivil mit Bereiste rmus ausgenommen wurde. , Orr haben bereits über die zwch Projekte Titwni^und Richard-dlAnnunzio berichtet. Wie man aus Rom hört, soll das Regierungsprojekt Tittonis hon Amerika abgelehnL würden sein. Dagegen heißt es, daß,Deschanel das Richardsche Projekt (Annexion Fiumes samt Territorium an Italien mit Freihafenregime) an Clemenceau weitergegeben hat, der es mit Shmpathir ausgenommen haben soll. Wie die römischen . Zeitungen berichten, soll Tittoni angesichts der Ablehnung seines letzten modifizierte u Projekts t Stadt Fimne—Spezial- .statuL iuuerhald des Pufferstaates; Bezirk Dolosca au n; Zara -- freie Stadt mit italienischer diplomatischer Friedrich tritt zurLM. Pari s, 10.-November. (Funkspruch.) Nach den letzten Nachrichten aus Budapest hat sich Ministerpräsident Friedrich unter gewisse« Bedingungen zur Dcmissio» bereit erklärt. Die Wiener Ztrdnftriekonferenz an de» Reichskohlenkommissär. Ersuchen «m Beschleunigung der Kohlentransporte. Berlin, 10. November. (Tel.-Komp.) jDer Neichslohlenkommissär hat unter dem heutigen Datum von der in Men tagenden Jrrdustriekonserenz folgendes Telegramm erhalten: Neichskohlenkornmissar, Berlin. Die heirte in Wien tagende, aus den Vertretern der Unternehmerverbände und der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter und Angestellten bestehende Jndustriekonfe:enz, welche zu dem Zwecke einberusen ist, um Mittel und Wege zur Wiederaufrichtung unserer Wirtschaft zu finden, hat übereinstimmend erklärt, daß Deutschösterreich infolge des durch den völligen'Kohlenmangel ein-- geLretenen Stillstandes der industriellen Produktion unmittelbar vor dem Zusammenbruche steht. In diesem kritischen Augenblick richten die organisierten Unternehmer, Arbeiter und An-gestellteu unserer Republik an den .Herrn Neichskommissar den dringenden Appell, alles aufzubiete«, damit schon in den nächsten Stunden düe Kohlentransporte nach Deutsch- Österreich in dem größtmöglichsten,mindestens aber in demver tr a gs m L ß i gen.Unr fa ng v o r s i ch . gehe n ’ - Die Jndustriekonferenz tritt dafür ein,. daß; rmsererseits trotz des Waggonrnangels eigene Wagen | s zur Beladun g nach D berschckesien gesiendet wer-! i der: und bittet um Drahtnachricht, ob sofortige! ladnng erfolgen wird, damit Wagen unverzüglich nach s > Oberschlesien abrollen. Für den Hallpttwrband der Industrie Deutsch Österreichs: Fritz Hamburger. Für die Vewerkschaftskommissivn Deutschösterreichs: Franz Domes. daß 44 Senatoren sich verbunden hätten, um die bekannte große Liste der Vorbehalte durchzufftzen und' in den Ratisikati-onsbeschluß aufnehmen zu' tossen. Wilson habe - darauf geLntwörtet, er werde nüp' Vorbe*. halte annehmen, die den Vertrag nicht ändern, sonber»l sich mit einer Interpretation begnügen. Wenst es NötiW sein sollte, werde er die Bemühungen Hitechoock unter-' stützen, lieber den ganzen Vertrag zu verwerfen, als! ' erstschneidende Aenderungen zuzugeben. „Matin" schreibt: Von heute ab ist es 'ungewiß, \ ob es überhaupt «och einen Völkerbund gibt, da AmeribL! sich zurückziehen kann, wann immer es den? Senat' beliebt. Wenn die Vereinigten Staaten sich iiberdies! \ wirklich weigern sollten, den Friedensvertrag anzuer-! kennen und durchzuführen,.ehe die Aenderurigen dies! : Senats von drei Großmächten ratifiziert worden seien, i müsse man zweifeln, daß es überharrpt noch - einen Friedensvertrag gebe._ Deutschland und Oesterreich werden züm Völkerbund zugelaffeu. - Berlin» 10. Novembxr. Die „Voffsche Zeitung" meldet r Der „Frankfurter Zeiiung" wird aus Ziirich telegraphiert, der sramvsi'che Rechts'vzialrst Thomas habe in einer Unterredung mit dem Parn'er Korrespondenten der „Neuen Zürcher Zeitrng" erklärt, es bestehe die bestimmte Absicht Frankreichs und der übrigen .Mlierten, Deutschland und Oesterreich in allernächster Zeit als Mitglieder des Völkerbundes zumlasse«. Bedingung, fei, daß Deutschland»- den Vertrag von Versailles loyal durchführe, was von Sellen der deutschen Demokratie der Fall zu sein scheine. Der Güterverkehr in DeuLschland bedroht. Berlin, 10. November. (Tel.-Komp.) Wie die „Pvlitisch-parlaurentarischen Nachrichten" melden, ist durch den Mangel an Eisenbahndirnstkohlen eine BelsinLerung des Gütrrverkehres eingetreten. Wenn keine bessere Belieferung der Eisenbahnen mit Kohle eininii, muß.mit einer teilweisen Einstellung de) Güterver'!^''r?-> -lerechner werden. Gerichtliches Verbot eines Streiks i« Amerika. Paris, 10. November. ^Korr.-Bur.) Du „Times" erfahrt aus Washington: Der Gerichtshof von Indianapolis has bas zmliche Verbot an den Vorstand des Syndikats,, den Streik zu leiten, in ein desinitiveS verwandelt und zugleich auf Antrag der Negierung den streikenden Bergarbeitern dir Wrederan^nahme der Arbeit am Dienstag befohlen. Während Lewis und andere Mitglieder'des Vorstandes des Syndikats sich dem Spruch füge», ist cs ungewiß, ob die Bergarbeiter ihm Folge leesten werden. Es wird von den amerikanischen Blättern hervorgehoben, daß es sonst die amerikanische .Regierung nach Tunlichkeit vermeide,' raft, (Herichtsbeschlkn in einen Streck einzugreisen und daß sich tu>dj| niemals der Fall ereignet habe» daß der Gerichtshof das Abbrechen des Streiks rn einer so kategorischen Form verlangt' habe.