Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 289 (9.11.1919)
- Date
- 1919-11-09
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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yir. Wien. Sonntag Wrsnev Movsenzereun y. ycovemoer ücuc a Tagesbericht. Jüdischrs in den Evangelien. Ueber dieses Thema sprach Donnersatg den 6. d. M. Herr Oberrabbinec Dr. CHajes im Nahmen der von' der jüdisch-akademischen Rebe- und Lesehalle veranstalteten Vorträge. Er führte aus: Es ist sehr bedauerlich, b ß es Len Juden unrnS-ftich war, an der Erforschung des Urchristentums teilzunehmen, weil leider stets eine Mauer von FsindMgkeiten zwischen den Juden und den aus ihnen hervorgegangenen Christen stand. Bei den jüdischen Gelehrten, welche Zeitgenossen der ersten Christen waren, wird daS Christentum kaum erwähnt. Bei JosephuS Flavius findet sich ein einziger Passus und von diesem muß man annehmen, daß er apokryph ist. In dem vielbändigen Werke des Philo ist Jesus überhaupt nicht erwähnt. DaS gleiche gilt von den ältesten talmudischen Quellen. In den raböinischen Schriften des vierten Jahrhunderts ist schon viel über das Christentum enthalten, aber es ist begreiflicherweise durchaus antichristliche Legende. Daß es im Mittelalter keine jüdische Forschung über das erste Christentum gab, ist wohl selbstverständlich; aber in der Neuzeit war es nicht anders und erst in den letzten Jahrzehnten kann man schüchterne Versuche der Teilnahme des Judentums an dieser Forscherarbcit feststellen. Die Mitwirkung des Judentums an dieser wissenschaftlichen Forscherarbeit ist aber sehr wünschenswert. Denn manmußelnrabbinifcherJude sein den Midrasch kennen, wenn man in den Geist deS ersten Christentums Eindringen will. Bor allem: Man muß die Cvairgelten in der hebräischen Uebersetzung lesen. Es ergeben sich dann sofort Aspekte, welche der nichtjüdischen Evangelienforschung fast verschlossen bleiben. So zum Beispiel die groß« Aehnlichkeit zwischen der Kinbheitsgeschichte JesuS' und Moses'. Der Vortragende brachte auf Grund seiner Studien höchst interessante Parallelen, welche diese Behauptung begründen- (Die Ermordung der jüdischen Kinder durch Pharao und der Kindermorb in Bethlehem; ferner in beiden Fällen di« Sorge der Könige vor einem Kinde, das ihr Herrscherhaus vernichten werde.') Auch erschließe sich bei der Lektüre einer hebräischen Ueberfetzunz der Evangelien dem Mischen Gelehrten sofort, haß das Markus-Evangelium das ursprüngliche gewesen sein muß und daß die erste Fassung der Evangelien in hebräischer Sprache, und zwar aramäisch geschrieben war. Allerdings wich wohl diese Urschrift von dem jetzigen Wortlaut der Evangelien stark ab. Auch dafür erbracht der Vortragende sehr bemerlKnswerL« Belege, die lecher toegen Raummangels hier nicht ange- MW/-N^ich^w!MnM^LtzMz-,Whlusse--bEtontv, Doktor Chajes, daß hie Juden die Pflicht haben, an der Erforschung des Neuen Testamentes mitzuarbeiten, schon deshalb, weil sie ihrer eigenen Wissenschaft einen großen Dienst leisten. „Man kann es ruhig sagm: Die Nichtfuden werden mit dieser wichtigen Arbeit nicht fertig Werden, denn man muß das' palästinensische Judentum der urchristlichen Zeit im Kopfe und im Blute haben, tvenn man diesem Forscherwerke gewachsen sein soll." Herr D'r. ChajeS, dessen vorjähriger DartragsöykluS eine s» große Hörerschaft fand, wird auch in diesem Jahre im Saale des Gnverbevereinö als Gast der Jüdischen Mde- und Lesehalle ein«! Reihe von Vorträgen halten. Wer die Blutung dieses Gelehrten und, seine lebensvolle Art kennt, den: Laien bedeutsame wissenschaftliche Probleme des Judentums näherxubringen und jüdische Geschichte zu vermitteln, weiß, welch großen kulturellen Wert diese Vorträge haben, deren Veröffentlichung in Buchform übrigens beablichtigt ist. Die gestrigen Kohlenemläu ft waren gegen die vorhergehenden Lage etwas günstiger, so daß die Dahnen besser versorgt werden konnten. Dagegen ist die Versorgung der städtischen Werke sehr minimal, so daß, wenn dieser Zustand sich nicht bessert, die Einstellung der Straßenbahn bevorsteht. Die städtischen Werke erhielten insgesamt kl ober, schlesische, 33 polnische und 10 Waggons Braunkohle und 6 Waggons Ostrauer Gaskohle. Für die nächsten Tage liegt die Befürchtung Nahe, daß die polnischen Bezüge infolge VcrkehrSschwieriMken eingestellt werden, welche die italienischen Truppentransporte für das Teschener Gebiet verursachen werden. Drob-ndr Schließ»"»», der Apvthekeu. DaS Präsidium deS ApochLker-HauptgremiumS hat an maßgebender Stelle zur Kenntnis gebracht, daß die Apotheker WrenS gezwungen sein werden, fall» sie nicht in allernächster Zeit mit Kohle versorgt werden, die Apotheken zu schließen Ausgabe der eisernen Reserve i»n Holz in elf Bezirke«». Infolge des gänzlichen Ausbleibens von Kohle am Wiener Nordbahnhof hat sich der Wiener Magistrat veran» laßt gcscben, die c,ferne Reserve an Brennholz niwmtclrcn und den in den Bezirken 3, 6, 10, 11, 1«, 13, lö, 17, 10, 20 inib 2t wohnhaften Kleinhändlern zrrguweisen, da diese Bezirke lebten drei Wochen am schiechresten bedacht waren. «U H»h» ^er Kritzle. «tt Rüchicht auf diese Aktion wird gleichzeitig »re linah>oii,L A»»»de v«n llitterzündholz bi» «uf wettere« ei«Oest«vl. vie fii^v Ve-vsttchwr. da« zu f^*^^***** Vuif«t ans Äruud p« astziuennendsn K^lruwarrW, -ftrch an bei nich, leien Dis Beschuldi5Angc» der Sozialdemokraten gegen Dr. WsiMrchner. Auf bie von uns ve^S^rntlichtcn Beschuldigungen der so-ialbemokrattschen Rathuuspavhei, daß der frühere Bürgermeister Dr. Wciskirchner durch sogenannte faule Geschäfte die Stabt Wien um viele Milltonen geschädigt hat, und daß.er deshalb zur Rechenschaft gopogen weodeu müsse, evwHertr dieser öffentlich, baß er mit ruhigem Gewissen einer Unleruchung entgszensehe. Inzwischen tmk> mt wehren Enthüllungen aus!)em Rathairftz sortge^ahren. So veröshentlichte die „Rathauskorresponbenz" gestern weitere Details Über dis Geschäfte der „Tenax" und ihrer Verluste. Ju dieser nxmst-n Enthüllung wirb dokumentarisch nachgewiesen, daß Dr. Weiskirchner Millionen Kronen Gemeindegelder für die Geschäfte der „Denax" zur Verfügung gestellt hat. Es wird ihm zum Bewurf gemacht, daß er bei 'o großen Ausla^n einen GemeiiO<v»i.Obeschluß nicht eing-eholt hat. Mindestens hätte er nachträglich bi« GenEhiniUuxg des Stadtuttb Gemmicherates einhole» müssen, was er unterlassen h«t. Alle die erwähnte» Miliionenzahlungen wurden einzig und allein von Dr. Weislirchner unternommen und gutgeheißen. Drr kommWonelle Wohnuttstsairfna ms. Morgen beginnt in Wien die allgemeine WohnungSansnahme. Die Kommissionen, die zu diesem Zwecke gebildet pmoden, 296 an der Zahl, besteben aus je einem Beamten, einem Besirlsrat und einem Arbetterrat. Die christltchsozialen Be irlSräte nehinen an den WohnungSbegehuriaen nicht teil, weil sie die Mitwirkung der Arbeiterräte nicht anerkennen wollen. Gestern fand eine Besprechung aller Ko mm iss io nsmitglieder unter dem Vorsitze des StadtrateS Dr. Scheu im Sophiensaale statt. Der Direktor des' Wohnungsamtes, Dr. Sagmeister, hob in seiner einleitenden Ansprache hervor, baß man bei dev bisherigen Anforderung von Wohnungen nur auf Denunjiätionen angewiesen war. Diesen peinlichen Zustand werde die attremei« Wohnungsaufnahme beseitigen. Er leZte den Funktionären nahe, das Hau-recht unbedingt zu respektieren und betonte nachdrücklich, daß sich die Tätigkeit der Kommissionen nur auf jene Feststellungen zu beschränken habe, welche zur Ausfüllung deS WohnungsaufnahmeblatdrS erforderlich find. Insbesondere sind Nachforschungen nach Vorräten ausgeschlossen. ES wurde sodann blc Anleitung für bie WohmtugSauiuahine dnrch- Beratett; Wir veröffentlichen hier zur Orientierung des - Publikums die wichtigsten Bestimmungen: Di« kommifsionelle Aufnahme erfolgt zu dem Zwecke, um festjust-llen, «b eine Wohnung ober ein Raum seitens der Gemeinde für Wohnzwecke von Personen angefordert werden kann, die in der Gemeinde heimatSberechtigt find oder durch zwingende Gründe hier $u wohn« genötigt sind und keine entsprechende Wohnung finden können. Unter den Bestimmungen, welche Woh«m«en (Wohnrilume) zur Anforderung in Betracht kommen, ist die nachstehende die wichtigste: Ueberzähttg« Wohn räume in Wohnungen mit mehr als drei Wohmäumen, und zwar insoweit, als bie Zahl der Wohn* räume die der den Hausstand bildenden Bewohner der Wohnung (HauS- .ititt» sonstiges Dienstpersonal wird hierbei nicht berücksichtigt)''tun wehr als einen Nanm übersteigt, und iusoserne, als diese Wohnräume — erforderlichenfalls nach bau.icher Umg«staltung — abgesondert benützbar sind. Küchen, Vorzimmer und sonstige Nebenräume werden hierbei alS Wohnräume nicht mitgezählt. Dasselbe gilt bezüglich eineö WohnrauMes einer auS drei Wohnräumen bestehenden, von einer Person bewobnten Wohnung. Gehr wichtig ist auch bie Bestimmung» vast die Anforderung überzähliger WohmLnme durch eine früher erfolgte Untervermietung nicht mrSgeschtossen ist, baß aber die Gemeind« rmj den Umstand, daß eim Untervermietting seit länger als Jahresfrist besteht, unbedingt Rücksicht »u nehmen hat. Angesprochen können auch Wohnungen und Wohnräume werben, welche möbliert oder iNlMöbliert fii Wuchecpreisen weitervermietet wurden, und laerstrhende Räumlichkeiten, die nach dem 1. August 1914 dem Wvhntweckr entzogen wurden, gkeichviel ob sie vermkiet sind oder nicht. Die Hauseigentümer oder deren Gtckllvertreter werde« von der bevorftehentzen AmtHhanpluna rechtzeitig verständigt, damit die Hausbewohner all« erforderlichen Dokumente bereithalten können. De die gal^tä-igen Kommissionen täglich rund 90 Wohnungen aufzunehmen haben, ist eine Besichtimmz alter Dehnungen ganz auSgvsthlossen, »umal die AuSnUlunft des Ausnahmeblattes ziemlich zeitraubend ist. Schließlich machen wir unser« Leser daraus aufmerksam, daß sie etwaige Fragen der Konnnissionsmiiglttder, die über den Rahmen ihrer p stich tgrmLßen FeststeNungen hinaus gehen, nicht zu beantivorten haben und alle weiter gehenden Auskünfte zu vertreigern berechtigt sind. Rach der Instruktion, wetche bock WvhnuugSanlt der Stadt Wien Herau-Sgegeben hat, hat der Leiter der Kommission darüber jju wachen, daß unndttgt AnSsorfchnnseu unterbleiben. Eingesrndet. MDLMitti »Uttum!>n ihjhmmhui iBiBBBillBiiatsiii igiilTtllffii lli IllilllilUI H11H8 iTi flii HilWIftltt i A ü. Isnen- J.SPIRA Größte Auswahl! Billigste Preise! Leopold Steiiihort, Wim, |„ Diberstraße 9. Die Feier der Resvlutiorr. Der 12. November, der Tag der Prokkamimmg b«* Republik, ist SlaMeurtag Da« Burgtheater bringt an diesem Tage S ch r l l e r s Revolutronsstück i e R 8 u b e r" zur Ausführung. _ A«S de« PalLftinenfische» Akdeilertebrn. W« beainnm Dirnslag den 11. d. M. mtt der BersstonÜichun» einer rerzvollen Errahlung aus dem paiästinmstfche» Ärbeiteilebm deS hebräischen Dichters Moicheh S m \ l ft n 5 f rJ -Meine erste Liede* bttUelt. Die Erzählung »st i« Jahre 1913, r» der heluoiifchen Zeitschrift »Molesnh" erschienen miv wurde s»e unser Blatt zum erstenmal mtz Dmische üderiragnr. BttdereirLfernttng im Rathaus. Ans dem Rathaus sollen, wie die Blätter berichten, die BäKen der Vürgermeiller Dr. Lueger. Strobach und Dr. Rttt»: meyer sowie deS B«ebürgnmersieis Dr. Porzer entfernt werden.' Ebenso sollen die Bilder der Habsburger von den Sntenwändru des BeratunaSfaaloS deeadgenommen werden. — Ob drrS gerade Btzt «ötig m, möchten «irr drrweifeln. Auch kn« jetzt voraeiommeue Umbenennung verschiedener Straße«, die-um größten Teü parwpolitische« Chaiakrer trägt, wirkt unzeitgemäß, zumal hie hieraus erwachsenden Kasten von 8 Millionen Kronen eme tzeß«e Vrrwmidung hätte» finden könne«. Das jLdLfche Schulwessrr in Ostgalizlen. In Lemberg weilte dieser Tage der Delegierte des, Warschauer BiEungSmirtisteriums, Herr Gobi nski,' welcher einem Vertreter der „Gazeda Wieezorna"^ über das ruthenische und jüdische Schulwesen in Ofigalizien folgende Angaben machte: «' Bezüglich der ruthenischen Schulen sagte Herr' SoLinSki,^ daß sie ganz normal funktionieren, nur gegen jene Lehrer, welche zur Zeit der ukrainischen Okkupation den feindlichen Interessen gedient haben, wird eine Untersuchung geführt. Auf die Frage, ob der Krieg Verwicklungen zwischen de» Polen, Ukrainer «nd Juden zur Folge gehabt habe, antwortete Herr Sobinski: Die polnisch-ruthenische» Brrhältnisse in der Schule haben sich gebessert. Etwaiö schwerer geht es mit den Juden. Der große Zustrom jüdischer Schüler in die ukrainischen Schulen zur Zeit der ukrainischen Invasion, die Ueber nah me zahlreicher Lehrstellen durch Juden und die Sympathie für die Ukrainer sowie auch da§ kühle und leichtsinnige Verhalten eines' Teiles brr Jugend hat ein wenig das Zusammenleben zwischen der jüdischen und der polnischen Schuljugend erschwert.! Nicht alle Juden aber find illoyal gegen Polen. Ji^ vielen Städten hat sich die jüdische Oeffentlichkeit sehr, gut zu den Polen verhalten. Trotzdem viele jüdische Lehrer ihre Einnahrnen verloren haben, wollten sie doch keinen Schwur für den ukrainischen Staat oblegen und haben sich als Polen erklärt. Der Schulrat wird' jetzt dir Aufgabe haben, in jenen Orten, wo die Be- 'zishungen noch schlecht sind, Konflikte aus der. Welt zu schaffen, und ich habe die feste Hoffnung» daß bie Situa'ion sich bessern wird. j Private jüdische Schulen mit polnischer Unterll8lLSFStA0ß JT--- - | Prrvare rannen mit uiurr* t, grtattr AnrwAL ihr wQk IL, 9MRRftfX|i 1 B. 2 I richtssprache findet man außer in Lemberg nirgends^ v»l (Ecke Kerl Stk»eltkötersMM(. ltt h/»fe 4m nnrnrn Reiste Mn Tirion Zakurzt Dr. M. Deller hat .sein» Praxi» IT*. FhulniNniMWB© 8* Mo«aain, wi«d« ‘ “ “ 1—18, 8—«. “ ■ “ auk-»ii»riuv». Ordinalioa ®- Telepl«n L8.1A8. ieh Hl] ZIGARETTENPAPIERE j ZIGARETTENHÜLSEN | Sio ö4eptr»«rftrt vaideE Z ckiR dse » ÖQS R»u9her>&. " » KW Merkwürdig ist, daß in einer ganze» Reihe von Orten deutlich di- Tendenz «'ftn'ar wiri, jüdische Prtvatschnlen mit hebräischer Unterrichtssprache zu schassen. Der Schulrat hält sich an seine Dorschrisieni und Gesuche um Kvnzessionierung neuer Schulen müssen der hShere» Instanz zur Entscheidung vorgelegt werden. Dir Entarteten. Bie der Waschzettel eines Kinödr«nmS, liest sich der Bericht über tU\t Gerichtsverhandlung in Breslau» in welch«,» das Leben zweier polnischer Juden aufgerollt wurde, zweier Entarteter, welche die Goldgier immer tieser in ein Borbr-echerleben verstrickte. Tec eine harte «ine Geheiinftrbrsk in Seife und »erdicnts Unsumnmn <m He-e«Smittelsch»ebs«iLN. Kor andere, ein MüdchruhlALlsc, der sür Arg«mtini«n ^arboitr«", im^Hasai^spiel mit falschen Kar«u daö ganze mSm mt mb Mrtfetftftfe kt* irittia j»»SP""»*