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Wiener Morgenzeitung · 1919-11-06 · Heft 286 (6.11.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 286 (6.11.1919)
Date
1919-11-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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D'.efelbe läßt sich in folgende Punkte zusammen-assen: Notwendigkeit eine^ f stcn Regierungsmehrheit, ke n: Revision der Verfassung, Anerkennung der regionalen Freiheiten, umfattgreiche soziale Ne" formen, aber in voller Ordnung un.i ohne Anwendung von Cewalt. kein Bolschewismus und vor allem Arbeit. Nicht ein Kandidat steht vor Ihnen, so begann Clemenceau, sondern ein Führer, dem es oblag, den Krieg zu organisieren bis zum endlichen Sieg, und dann Frieden zu schließen. | Clemenceau sp ach nun zunächst vom Frieden, ' von den Mühseligkeiten der D-crhandlungen in Versailles und von den zahllosen Schwie.igkeilen innerhalb der Konferenz. die es zu überwinden galt. Schließlich wandte er sich Deutschland zu. das er absichllich außerhalb des Kreises der Be Pachtungen gea>s n habe. Wir haben uns — sagla er —Deutschland gegenüber gesichert ind nun wollen wir im ruhigen Genuß unserer Rechle erwarten, daß Deutschland sich auf die Zivilisation besinnen werde. Die dritte Republik, im Jahre 1871 gegrün'et, hpt den Sieg errungen, die Republik ist für alle Zeiten gesichert. An ihren Fundamenten darf n'cht gerüttelt werben. Die Trennung von Kirche und Staat muß unbedingt aufrecht bleiben. Das hindert Nicht die Glaubensfreiheit. Nur darf der Glaube nicht zum Parteiprogramm werten. Man soll niemals mehr vergessen, baß es der Ruhm Frankreichs wurde, als alle seine Söhne ohne Unterschied des Glaubens und der Partei sich, zur Entscheid ung f es n e s Sch i ck s a l s v e r b a n d e . . Clemen-ean erk ärte sich a-.ch gegen eine Vergrößerung der Mach!sphäre des P.ä,'i'>enien der Republik und der ganzen Exelu'ive. Die Konsti'u ion solle nnange astet blei'en, dagegen sei es Pflicht, den regionalen Freiheiten zu ihrem Rechte zu verhelfen. Clemenceau lies; sodann eine kurze Aufzählung zahlreicher sinanziel er und wir schaftlichrr Neformarbei'en folgen, ocrcn genaue Erörterung dem Finanzf min'ster Klotz vorbelaüen bleibe und schloß mit den Worlen: Ich danke Ihnen für Ihr aufmerksames Zuhö en. Ihre Ucbe einstimmung wi.b mich an'rech halten in den wenigen Monaten, die ich noch aufrcchibleiben muß, um meiner Ausgabe gewachsen zu sein. Die Bekämpfung der Hungersnot in Mitteleuropa. London, 5. November. (Meldung des Reuterscheu Bureaus.) Die zur Bekämpfung der Hungersnot organisierte internationale WirtfchaftSlonferenL beriet heute über die ivirt'chaMche und die Finanzlage Europas. Hei? Holländer Dr. Wenckebach, der seit Kriegsausbruch ein Wiener Spital leitet, gab ein furchtbares Bild von den Verheerungen, die Hunger und Krankheiten in dieser Stadt ungerichtet haben. P'o'essor Brentano (Deutschland) erklärte, eS fei zwecklos, so g'ät'ige internationale Vorkehrungen für die Erhöhung des Lebensstandards in der ganzen Welt zu treffen, solange der Standard der großen Massen in. den ehemaligen Mittelmächten fast aus dem asiatischen Niveau stehe. Sir Paish, der die Verhältnisse in Deutschland untersucht«, sagt«, Europa stehe vor einer unermeßlichen Katastrophe, und wenn der europäi'che Kredit nicht wieder hergestellt werde, so werde ein« gewaltige hvlschewikische Erhebung die Folge sein. ~~ Professor Starling, der an der Regierungs- Voininission, die Deutschland bereiste, teilgenommen hatte, erklärte: Deutschland steh« am Rande des Verhungerns. Millionen würden dort in b i e s e m W i n t e r sterben. _ Die Ratifizierung des Friedensvertragedurch die Tfchecho-Slowakei. Prag, 8. November. (Trl.-Komp) In der «m Freitag siatlsindrndm Sitzung der Nülionalvnsammlrmg wnd der Frudens- »ntrag zur Ransi-rerung gelangen. Am Sonwag begibt sich dcr Münster »es Arußrrn Dr. Bencsch nach Paris. Er wird dort 14 Tage verbleiben, um dem Abschlüsse deS FrudruSvertrag«- mit Bulgarien berzuwohuen. Der Deklarationstag in England. Das zionistische Massenmeeting in London. Wir erhalten nachstehenden telegrrphl- , 'chrn Bericht über die bedeutungsvolle . . .^.mdouer Versanunlung, über die gestern s schon ein Funkspruch des Korrespondenz- Bureau?, wenn auch nicht gmz richtig, berichtet hat. Kopenh.»gkn, 5. November. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung.") Das Kopenhageuer Zionistische Bureau meldet : aus London: Die englische Judeuheit feierte am 2. Novem-! ber den Deklarativu?tag mit einer gewaltigen und eindrucksvollen Demonstration im Operahouse' in. London. Lord Rothschild führte den Vorsitz. Don führenden englischen Politikern waren Begrüßungsschreiben eingelaufen. Lvrd Curzon, der neue Minister. beS Auswärtigen, schrieb: „Ich habe die Ehre, Ihnen zri versichern, — falls eine solch: neue D?r.'i^erüng notwendig ist, was ich kaum glaub« — d a ß in der Po.l itik S r. Majestät Negierung bezüglich der Errichtung einer jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina keine Veränderung eingetreten ist." L» d 9U&.-.1 Cccil schrieb: „Ich wünsche Ihrem Meeting besten Erfolg. Die Verzögerung in der Ordnung der internationalen Fragen hat^ allen Völkern eine außerordentliche Kraftansparmüng auferlegt; aber die Dellacation, die von der britischen Regierimg abgegeben und von den anderen alliierten Regierungen angenonrmen wurde, ist ein wesentliches E l e m e n t f ü rden Weltfrieden. Ich kann nicht zweifeln, daß da§ jüdische Volk in relativ kurzer Zeit seine Aufgabe der Errichtrmg. einer nationalen Heimstätte in Palästina tätig aufMnehmen in der Lage sein wirb." eir Alfred 8tz»«d, Sliuistcr für öffentlich« Arbeiten, schrieb: „Die Ver'ögeruilg des Friedens mit der Türkei verhindert nicht bie Verwirklichung der Deklaration." Colonel Amery vom Kolonialamt schrieb: „Die Deklaration einer weitblickenden StaatZklrrgheit wird den Juden Englands uted der gesamten Welt, insbesondere des nahen' Ostens,., gvöhen.. moralischen und materiellen Wert' bringend Weitere Begrüßungsschreiben waren eingelaufen, unter anderen -von Lord' Bryce und den Arboiterßührern Henderson und Clynes. , Lord Rothschild drückte in seiner Eröffnnngsvede dal Bedauern darüber aus, daß die Verzögerung des Friedens mit der Tü k i die Jnangrissnahme der vorbereitenden Arbeit in Palästina verhindere; dennoch waren btc zionistischen Führer wä'vend der Verzögerung nicht' untätig. Unser Erfolg ist sicher' dank dem überwältigenden Willen des jüdischen Volkes. Der Vorsitzende schlug folgende ‘ ‘ Refelulion vor: „Die ttwctimtstfctttg versichert wn neuem den im» AMen beS jüdischen Volkes, «seine nati-mr!e Heim-ätte in ^lüstina wieder zu errichten. Die Ver^- ßr««lmrg drückt den alliierten und assoziierten Mächten, die als tv«fe?-t ichsS Element der Friedensordnung die Erklärung der bri.ischcn Regierung vom 2. November 1S17 zugunsten der jüdischen nalionnlen Heimstätte in Palästina angenommen h>'ben, den Dank des jüdischen Volles aus. Dt: Versammlung führt der Fri.denskonserenz dringend di: Notwendigkeit dcr fchncllstu'.ögltcheir Vevr wir.lichunz vor Augen." Die Versammlung beschloß, einen telegraphischen Gruß an Weitzmann nach Palästina zu richten, worin ausge-' sprachen wird, daß die' Vetsammlung feiner dankbar gedenkt, seiner Arbeit Erfolg wünscht und ihm jede Nntetti stützung zusichert. Sir Herbert Samuel über die Avaberfrage. Der ehemalige Minister Herbert Samuel, erklärte, elf. wisse, daß die britische Regierung fest entschlossen fd* das Ziel dcr zionistischen Politik in vollem Umsang auszuführen. Bälfours zionistisches Werk werde in der jüdischen Geschichte ewig berühmt bleiben. Nach einer Unterredung^ mit Emir Faisu l hege er die feste Ueberzeugung, daß dessen kürzlich in einem Interview in der jüdischen Press« veröffentlichten Bemerkungen durch ein Mißverständnis verschuldet sind. Faisul selbst billige die zionisti^ scheu Forderungen an die Friedensko nferenz» Es sei kein Grund zur Sorge betreffs der Beziehungen baf Juden zu den Arabern, die auch weiter gut bleiben werden., Redner gibt seiner Genugtuung Ausdruck, daß die Vorurteils die auch in Palästina gegen den Zionismus erhoben. wurden^ beseitigt seien. Die Grenzen Palästinas müssen so festgesetzt werden, daß sie eine ökonomische Entwicklung unte« Durchführung der Bewässerung und Ausnützung der Wasser«» kräste möglich machen. Redner sagte, er sehe hoffnungsvoll dem Kommen einer neuen Welt entgegen, denn Palästina basiert quf , sozialer Gerechtigkeit, da insbesondere das U«5f£ des Großgrundbesitzes ausgeschaltet wird. Rothschild spricht hebräisch. JameS b« Rothschild richtete eine hebrütsHtö Ansprache an die Versamnvlung, in der er aussührt^ jetzt sei die Zeit zum Handeln und . nicht zu Worten. Sodann ergriff Nahum Sokolow daS Wort. Er teilte mit, daß er Versicherungen von Plock, dem Vertreter Amerikas auf der Friedenskonferenz von Jckon sowie vom italienischen Vertreter Sriaii l o g a erhalten habe, daß sie die z .i o n i st i s ch e n W ü n sch» an ch wei te r h ik untrrstü tzen -.M Latj-bU Disttlsfion über die Bedeutung des Ausdruckes „national« Heimstätte" einzustellen. Dieser Ausdruck sei so alt, tojjfc das Baseler Programm. Der Oberrabbiner von London, Dr. Hertz, brückH seinen unerschütterlichen Glauben an die Verwirklichung M Versprechens Englands aus. Boris G o l d b e r g schildert« in hebräischer Rede den Eindruck, den Bälfours Deklaratio« bei den Juden Rußlands gemacht hat. Sodann spräche^ noch Josef Co wen, Shüre und Redakteur Sacher. \ Der armenische Vertreter Malcolm drückte seiiüj Hoffnung aus, daß die armenische Sache ebenso sicher wie die zionistische gelöst werden werde. Er begrüßte die ziqs nistischen Erfolge mit Glückwünschen.! Zum Sch uß der Versammlung tvurbe die vorgeschlagen« Resolution unter großem Enthusiasmus ein. stimmig angenommen. Sodann wurde das Meeting mit dem Absingen der ..Hatikwah" geschlossen. Auch in Manchester fand eine große Versammlung statt, in welcher als Hauptredner Dr. Schmarjahu Lew'rn' Alexander Gold stein und Israel Cohen Ansprachen an>- das jüdische Publikum richteten. Auch hier verlief die Man.i-j festation in würdiger Weise. "•* Der deutsche AntersuchungsauSschutz. , Berlin» 5. Novcmbcr. kKorr.«B>n.) In dcr heutigen Sitzung des pa.lamcntarischcn U n t e r s u ch u n g sj ou 8 scbusses fragte vorerst Boisrlzcnder Warmnth den Graien B e r n st o r f s, inwieweit die deutsche Bolschatk bemüht «cwsien sei. dem vergiftenden Einfluß der Presse und der F:lm4 rn'dcn Bcremigten Staaten entgegen« zutrekrn. Gras Berustoi-st erwiderte, es sei technisch unmöglich »ewksen, das immer mit Erfolg zu tun. wcrl die deutschen Kabel zerstört wa>cn und d<t errslischen nicht benützt werden konnten, so daß nur der drah lose Weg übr'g blieb. Gegen Tmdeuznieldungen, sagte Bernstorff, ist im wc,testen Maße eingeschrrtten worden, ■ aber die englische Propaganda war uns durch ihre technischen Leistungen überlegen.-, Auf eine Frage des Abgeordneten.Dr. Sinzheimer über die Haltung der omerik«nischrn Presserur Frirvensaftion W i l s onS erklärte Bernstorff, daß W lson wieder gewählt wurde unter der Parole, daß er daS Land vom Kriege ferngehallen habe. Unter der Oberfläche war verbreitet worden, daß er versuchen würde, dcn Frieden wieder herzustellcn und die gesamte Presse war damrl damals rlnverstanden, daß Wilson bicfeit Versuch machte. Es bestand dnrchwkgin Amerika die Anschmrung, daß die FriedenSvcrmiltluns Mter deutsche» Einflüssen geschehen seu Profeffor Dietrich Schaffer: In einem Derichl eines englischen Ag nten vom Just oder August U*16 wnd gesagt, daß man in England dafür sorgen mstsie, einen rr enen..L u s i t a n r a"- F a l l zu schaffen. Das würde dazu bertragen. die von der Neigung für Deutschland durchseuchte ämcrlkantsche Etnnmung jn die entgegengesetzie Richtung zu treiben. Graf V e r n st o r f s: Ich bin lest überzeugt, daß die Engländer feit der .Lusiiania" n chtanbei es gnvänschi haben, almöglichst bald einen nemt „Lusttama"»Fall. Jh e gan^e Politik war ja da: auf gerichtet. Amerika indenKrieg x, i n e i n z u i i e h e n. DaS Hauptzrkl meiner Polckik war, unter allen Umständen Amerika dem Krrkge fernzuhalten. Die Vorgangs in Ungarn. Wie uns aus Budapest mitgeteilt wird, sind' alle in Wien seit zwei Tagen kursierenden Gerüchts über den unmittelbar bevorstehenden Sieg der Royalisten in den Bereich der vielen Erfindungen zü vei>l weisen, an denen die jetzige Z it so reich ist. Der "etzw Anlaß zu diesen Gerüchten ist in einer völlig neben«' sächlichen Aeußerung des „Pesti Hirlap" zu suchen^ ber in einem Artikel auch von den Bestrebungen sprach die den Kronprinzen Otto auf den Thron «v heben wollen. Die Entente befaßt sich gar nichts mit dieser Angelegenheit, sondern will vor allem dew raschen Abschluß des Friedens durchführen^ zu dessen Ratifizierung die Nationalyersamm» lung so bald als möglich gewählt und' einberufeis werden soll. Erst nach Unterfertigung de§ Frieden»! würde die Frage der Staatsform aktuell tverden. Gtz ist allerdings anzunehmen, daß die Mehrheit der ung«- rischen Nation für die Monarchie Stellung nehme»! wird, a'lein bei der K ö n i g s w a h l, dis im günstigste»! Falle erst im Gommer 1 9 20 vor sich gehen kann. Lammt ausschließlich eine neue, der Entents genehme Persönlichkeit in Betracht. Selbst die royalistische Partei enthält sich derzeit jeder Agiff tation für einest bestimmten Thronprätendenten. Budapest, Jv November. (Trl.-Komv.) Die BudapesM Korrespondenz veröffemtichl eine Ertlänmg von znftändrget Se>te, wonach Gerüchte über die bcvorstchende Lösung d>« unganschm Königsfrage im Zusammenbaug mn einer angeblicheä Berufung >eS Ex-KronprmM Ouo jeder ernsten Grundlage entß brhren. .. -

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