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Wiener Morgenzeitung · 1919-11-05 · Heft 285 (5.11.1919) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 285 (5.11.1919)
Date
1919-11-05
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Jtt 285 Men, Mittwoch Wr«»« M»r»r«rnrk<«nch 8. November ISIS _,____ *-•--- - , ---- Seite' 8 —————- Bankgeschäft 1. R Wien, L,Maria Theresienslrasse 10 Telephon 20*8-08, . * KnUmtest« Durcbfflhning Ton Transaktionen jeder Art,: VTarenlombardierunp, Aimahlunsen, TJeborweisuncPri. SiwclsuabteHnng für Polen. sc„ MnK3*)NW€»c»rasM6taR Der Volkswirt. Die Bezahlung von Schulden österreichischer WNHrung a« tschechische Gläubiger. Bon Dr. Hermann Stelßser. Wtx haben fur^ild* die Frage besprochen, in welcher Wahrung die Bezahlung von alten, das heißt vor der Wahrungstrennung entslandcnen Schulden an tschecho-slowa- Wüsche Mäuüiger zu erfolgen hat. Den Anlaß hierzu bot ein llrjcil des Wiener Ländesgerichtes, welches - vom amtlichen Prager Preßbureau verbreitet wurde. Darnach hatte ein Wiener Kaufmann von einer Tetfchener Firma im September 1918 Waren bezogen, wobei die Zahlbarkeit und Klagbarkeit in Letschen vereinbart worden war. Das KreiSgericht Leitmerih verurteilte den Wiener Kaufmann am 8. Marz 1919 zur Zahlung des schuldigen Betragevon 13.744 Kronen. Der Wiener Schuldner bezahlte infolge dieses Urteils den genamlten Betrag in dentschöstcrreichischer Währung. Damit gab sich jedoch der Gläubiger nicht zufrieden, indem er behauptete, daß ihm ern Recht auf Bezahlung in Kronen tfchecho-slowakischer Währung zusteht. Mit Rücksicht aus die Kursdifferenzen zwischen den beiden Kronenwährungen er» rechnete der Gläubiger, daß ihm uodj ein Betrag von rnM 12.0Q0 Kronen gebühre. Er suchte beim KreiSgericht Leitmeritz um die Exelution hinsichtlich dieses Betrages an. Diese wurde khm auch bewilligt, vom Wiener Sxekutionsgericht vollzogen Md dom LandcSgericht Wien tatsächlich als zu Recht bestehend erklärt. Die bezügliche Gerichtsentscheidung vertrat die Anschauung, daß der Wiener Schuldner in tschechischer Währung zu bezahlen habe, weil Tetschen Erfüllungsort sei und der Erfüllungsort für die Währung maßgebend sei. Wir haben dieses ÄrtcU sofort für vollkommen verfehlt erNäct und sowohl auS juristischen wie aus wirtschaftlichen Gründen entschieden bekämpft. Insbesondere verwiesen wir darauf, daß diese Entscheidung mit dem klaren - Wortlaut der BollzugSanweisung dom 85. März 1019, St.-G.-Bl. Nr. 101, in Widerspruch sei. Unsere Hoffnung, daß der Oberste Gerichtshof diese Fehlentscheidung kassieren und dem wahren Nechre zum Durchbruche verhelfen werde, hat sich als berechtigt erwiese»». Durch die Entscheidung vvm 21. Oktober 1910, R. I 115/19, hat dm: Oberste Gerichtshof das besprocheire Urteil als gesetzwidrig aufgehoben und die nachstehend« Entscheidung gefüllt» deren grundsätzliche Bedeutung unserer obersten Ge- »MWelle so wichtig erschien, daß deren Eintragung in das Spruchrepertorium beschlossen wurde: „Die Bezahlung einer im bestandenen österreichischen Staate vertragsmäßig begründeten Schnld in Kronen kann nach eingetrcterrer WAhrirngstrennung vom inländischen Schuldner nicht schon deshalb in Kronen eines auswäitlgen Nati»»a!staateS verlangt werden, well sich in dessen Gebiet der vertragsmäßig« Erfüllungsort befindet." Aus dem schiverjüttigen Juristendeutsch in eine allgemein verständliche Sprache übersetzt, heißt dieö: Schulde»», die vor dem 1. Februar 1919 c tstanden sind, können nach wie vor ohne Rücksicht darauf, wo der Zahlungsort ist, und wer der Gläubiger ist, nach dem vereinbarten Nominalbeträge in d rutsch öfter re ich ischer Währung brzEt werben, so wie wir dies in unserem eingangs erwähnten Slufsatz m»^g?. führt haben. In der sehr sorffflMz gearbeiteten Begründung seines UrtgtieZ fi'ihrt der OLerfte Gerichtshof unter anderem aus: Sowohl der Wohnsitz M Schuldners als der verebibarte Erfüllungsort gehörten bei Eingehung des Vertrages dem Inlande an. Für beide Orbs galt gleiches ^Nrcht.daS gleiche Geld mrd galten iuSSesondere die gleichen Kronen. Eine Nendarung dieser Lage könnt« kerne der beiden Parteien auch Mtr bettSrn. Doriv-rgen fiermt eS nicht als Inhalt dev vsrtwg-mäßigen Ülbinechrmg angesehen werden, daß der veoei»»berte Erfüllungsort (Tetschen) in Ansehung der Währung bestimmend zu sein ' hat. Daher kann auch der Zweifel, in welcher Währung nach der GtaatsumtvSlzmig zu bezahlen ist, nachdem nünnrehr am Wohnorte deS Gläubigers und de- SchuldnerS verschisbent Währurstzen gelten, nicht auf Grund des ParteiwlllsnS gelöst weiden» weil ein solcher Partei- Wille nicht einmal stlllschwelge»ll> zum Ausdruck gelangte. Go lange nicht die von Recht und Billigkeit geforderte-- Lösung im Wege völlerrechtltcher Vereinbarungen Platz getzrifsen hat, können die inländischen Gerichte dem inländische« Schuldner nicht für verpflichtet ansehen, in einer anderen KronHrwLhrung als in der inländischen' zu zahlen. Nur Verbindlichkeiten, die nach dem 1. Februar 1919 entstanden sind. müssen in den im betreffenden Nationalstaate anerkannben gesetzlichen Zahlungsmitteln, erfüllt werden. Aeltere Schulden können auf jeden Fall^ mit Kronen inländischrr (deutschösternrichifcher) .Wähmng erfüllt werden. Die GchworirrbMie in TscherPm. Au» Prag wird gemeldet: Der: „Narobni LisLy" zufolge isirch Bevollmächrigte, Direktoren und Obecingenieuve der französischen Schne ide »E re uzo t -Werke aus Prag in Pilsen eirrgetrosftn. In Prag haben sie die Smichover Aktien Maschirwnfalirik und;tn Pilsens die Rustonschen Fabriken besichtigt. Sie begeben sich später nach Königgrätz, um auch die dortigen Ruston-Werkstätten zu besichtigen; arn 15.. Nov.rnber findet die außerordentliche Generalversammlung ter Bereinig en Maschinenfabrik:», früher Skoda. Nuston, Bronrov-ky urrd Ninghosfer statt, aus deren Tagesordnung ein Antrag auf Erhöhung des Ak.ienlapilals van 85 auf 50 Millionen Kronen steht. In der Generalversammlung wird auch der Eintritt der französischen Grupps Schneider in diese Gesellschaft und deren Kapitals- sowie Berivoltungsteilnähme verwirklicht, In den alkernächsten Tagen beginnt der Export von Maschinen nach Frankreich. Wirtschaftliche Nachrichten a«S Polen. Au- Lodz wird brrichlct: Der ns!« tnr btc Uvdzcr Industrie bestimmte Wollctransvorl ist bereits ans Belgim rn Damig emjutl offen. Der Transport i'miatzt 14f‘.000 K.lonramm Wolle. Weile,e Sendungen solle» n, Bälde crsolseir. — F»»anM>n»stcr Dr. BilmSki hat mU der Schmelzer Arg erung einen Vertrag betn'sscnd die Lntemnü von g a l» z i i ck r in R l> b 5 l geschlossen. D e Schweiz stellt ihre eigrnrn Zisternrnrvagcn bei und leistet die Zahiungcn »n der Schmelzer Währung. V Don den Grtrriderwärkrten. Die amerikamschen Berichte von den zw« lctzirn GrichästS'.agen lauten scher, .ebenso dojewaen auS Bnlm. AM dem hlksigrn Platze ist über dariernden Gelcdäit4ft llstand zu bkrlchttri, znmil nur gerrngtügigt.Mcngen zugcfuhrt werden und öte allen Biüände dcrenS mr Gänze m dm Kanflim üb er gegangen lind. T»e vereinzelten GeschpllsabschN>ffe cilolpen m nrrgniär hohen Prelsen. AuS ken ErzeusJngSgedteteu l,egm lehr gimstlge Berichte vor. e§ lind ausreichende Schrreefälle zu verzeichnen, die van um so günstige,er WrrktM sind, als schädigende Fröste bisher nicht wahimhulliirr waren. Wiener BSrfe. Mit Nückstcht aus btc von Be>li« voig^legenen niedrigeren Notierungen nörimtc die gestr ge Börse in schwacheier Hal ung. zumal auch aul rmzeln!» Gcdietcn GurlastüngSversäche zur Äus- O:ös!te Aus wähl k Billigste ' Preise! Leopold Eteiiihart, Wen,Biberstraße 9. bäher aus dem Marfte genommen und von den SraatSbahn Aktien auSgrbend verchflmüe stch die srenndlichere ^tiw.m'.m^ a»f die Übrige« VerkehrSgeblete. S'äat?b ,tm Genuhschc>ne piofitierteU. ll 140.—, ferner wiesen Nndrtd»nk-Afs.'en rrn Hiiüüick aus dt« Mcldungk« übeengere Beziehuiigerr zwischen diesem Institut un8" einer frc>«röst»chtn Gruppe int Srngerung bis K 919.— f+ K 44;—). «achbvrsl ch brS 390,— um weitere Kll.— auf,; Dagegen waren Orsterr. Kredit und Analobank drll'ger: erhältlich. Im Echrrnken zeigte sich lür einzelne Bauwerte und- PetroleuM'Äktien eiböhleS Interesse, ferner gewannen Ungarische! astgem. Kohlen IT 140.—, Renten gaben tiJ°k b-s SVi°/o nach« I»n übrige»» velweisen wir au! nachstehende Schlubkurss: AmvWvi«-AnLSrnrtzMU4iKett. Allgklneine Baugefell» fchaft 8tz5.-- (-4-So.—Unimidäu 450.—(-Wiener Bange,ellschail 590.— + 9 — . Wienerberger Ziegel 8250.— '4- 50—\ Liestnger Brauerei 82-0.— 18.—), Sarajevo Attien-Brauerc» 1470.— Aussig Cbem. 2650.— 40.—); Brosche Spiritus 1700,— (--V Kcrrbcuimdum 1900:— (- —HolchaNdrlSgtlrllschaf! 1200.- v- 75.-),. A. E. G. Union Elekw. 935.— 40.— '. Siemens SchuckeeS 658.— 1+» 18.-), Awmr 1657.— --I- 28.--, Austria EmM 1720.- (— Berg u. Hütten 6500.— . Pvldi» böttc 1595.— l— 54.—), Prager Eisen 4300.— 110.—). Skodawerke 1843.— t— 37.—), Bassenfabnk 8200 — (— 50.—), Salgv Tarjanrr 1842.— <— 18.—). Trijn'.lei Kohley 2180.— t— 40.—), ilng. Aügem. Kohlen 3690.— t-i- 140.—), Unkantz 1640.- (- 8b.-). Vestböhnr. 2340.— (— 20.-), Briinnec Maschinen 1860.— (4-20 —), Herr» 660 — (-i-16.—j, Lokomotrv Stgl 975.— 15.—'.. Simmemiraer 750.— i— 11).—), "eptam 9H0.— z-i-45.—), Karpathen 7550.— {+ ' 80.—), Gailz,a 5880.— <-)- 160.-). Fczlabrtke», 1665.—^-l- 80—j, SckoeÜer Zucker 8(f05,— (4- 5—1 Ocficn. Eisenbahnverkehr 927.—, + lO.—i, Lürsenlvfc 90175 l- 4.25), Krupp A.-G. 820.- (- 40.öc»), Nmwn 1395.- i-s. 10.-). Fmtwerke 1850.- 80.—), Brrtscher- Magnesit 5700.— (— Austro» Amerikana 8755.— (— 135.—). ' L'rnnsparisUnisvnshMUngcn. Adria 8770.—l-f-70.— B»ckchr»chradet M86. 3000.- Dwchtiehrader lit. v. 1600.— l.-t- 55 —Dvttau-Damvt. 3630.— (— 50.—), Ferdinands Norbbahn 7995.—! < + 6.—), Narrgazione 10.000.— (— —.—), Staatsenmbabn 2835.-7- H- 1)5.—), Lombarden 280.50 t— 1.60, 3% Sitdvahn-Prior. 725.— (— 7.—), Staatsbahn* Genuftsch. 1205.— (4- 140—).. Sflcntcn. Manente 92.— (— 1.25), Fcbruarrente 93.75 — 1.25. Oesterr. Kronenrente 8.5.75 (— —.76), Ungar. $ronenrenie 97,60 {— 2 50 u Banken« Anglo 600.— (— 23.—), Bankverein 635.— (-f 5.-*), Bodcnkredtt 14>>5.— (-s-15.7—), Krcdit-Anstali 903.— <— 30.—), Ungar. Kredit 1165.— i— 13.—), Depositen 768.— (— 2 —Isänderbank 919.— 44.—), Unionbattl 696.— (4- 19.-), BerkchrÄ-arik 690.— i- 10.—), ZivnostenSt« 1420.- (- I«nsdrRcker WarsrrhZrss. / Innsbruck, 4. November. An der hepngen WareMöD waren angeboren: Gary, Futterstoffe, Han), Trigwarcn, Rcirk' stälke. por)»lg>estsck»e Gardinen, Kartosielgneß, Kaffee. Blochschokolide. Zirocknichl. Manrvcagrrest. Sroppelrüben, Magrräpiel, Schnurhokr und Sl--kngmwaren. Nachfrage bestand nach Hülsenfruchten, Südfrüchten, Jndnsluesrigm und Zwiebeln. Prager Börse. Prag, 4. November. Die heutige Börse trug im ^allgemeinen nn festes Geprägt. JtUenste bestand namentlich für Nnston-, Böhmische Handels-, Kostner Petroleum-, Bergmann? und Piager: Papikr-Alu-'N. Auch tiir Banswerte herrschte bis auf ZionoileiiSka Banka-Aktten eine gnte Memung. Der Anlagertiarki vertehile man. . ES schlossen tGcldkurse): 4°/- FretheiiSanleihe 100.—; 41/« mähr. LandrSanleihe 102.50, 4°/«, bohrn. Htzpothekmvland-. An der Wegscheide. I Von Bojta Natrons. j 'EiriZig berechtigte Uelierser-ung aus dem Tschechischen von i Emil Saudek.) (2. Kortsevung.) s Wert werde er nicht gehen, eine Braut zu holen/er habe zwar Tery»rka noch »richrS grsagt, aber j er glaüöe, sie werde glücklich sein, wenn jie Arvu Mar»- ’ delikS Welb werden könne. Toten fahl im Gesicht, gesenkten HanpteS, beichtete ' Adam dem älteren Bruder. Teryilk» sei schon sein eigen, werde Mutter werden... Urvn ertrug diese Nachricht anscheinend mit Ruhe. Cr flammte nicht in Eifersucht auf oder in Zorn, auch tadelte er den Bruder nicht. Nur nnsägliche Sorge bliä'le aus feinen Augen. Er wußte, daß Adam als Jüngerer, solange er, Aron, am Leben sei, niemals die HeiratSbewitligung -erhalle«, werde, so daß für ihn, und Tcrynka, wie bei den meiste»: seiner Schicksalsgenossen, kein anderer Aus- , weg als ein geheimes Ghebündnis übrig blieb. Aron traf zu der heimlichen Hochzeit in eigener Person, ohne Groll und mit Eifer, alle nötigen VorbWitnngen. Und so pilgertcn eines Tages die beiden .Brüder mit Terynka über CaSlan nach Dobrovitov, Wv dqr dortige Rabbiner Adam und Terynka heimlich Mute. Bor Gott waren sie Mann und Frau, aber vor dem Gericht, der.Obrigkeit und der ganzen Welt war Ada»» ein lediger Mensch, Terynka ein lediges Mädchen und Wirtschafterin der beiden Brüder. Seit des Bruders Vermählung hielt sich Aron ganze Wochen lang aus seinen Geschäftsreisen auf und war z» Hause nur hie und da zu Gaste. Al- Terynka ei» har»es Jahr nach der lieinllichxn Bermählilng ein Töck!er<yen geboren hatte, meinte di« ganz« Welt, Vater des 5ftaideS sei der Weltmann Aron und weder die Gartit» -49$. Aron erhoben g«gen diese öffentliche Mr'.mmg Widerspruch. Ein Ju»enrnädchen durfte ein Kind haben, hierauf war. keine Strafe gesetzt. Freilich, eS gal» auch Obrigkeilcn, die bei den geheimen Eh.'n der jüdischen Untertanen nachsichtig ein Auge zudrückten, aber gar oft bestrafte mauthe Obrigkeit, wenn sie von einer geheimen Ehe erfuhr, ein solches Borgehen mit unliachsichliger Strenge. - Sie wies den jüdischen Untertan aus dem Gebiete der HrrrschaftSgü.'er aus oder aber nur das Weib unb ging mit ihr wie mit einer Dirne um. Ein solcher ^rusgcrviesener Jude beruühle s'ch dann vergeblich, Ausnahme auf einer airderen Herrschaft zu finden/ und es war nichtso selten, daß »nan ihn mit Wleib und Kind die Welt durchirren und an der Tür glücklicher Glaubensgenossen betteln sah. Oder aber die Obrigkeit hatte nur die Frau auSgewiesen und sie gezivungcn, Mann- und LftnLec zu verlassen. Besonders von der Zleber Herrschaft erzählte man von einigen solchen furchtbaren Fällen und bei der bloßen Erinnerung bebten Adam Mandelik und sein junges Weib vor Angst und Schrecken. So hatte vor einigen .Jahren der Zleber ° Verwalter wegen einer geringfügigen Ursache den Loncitzer Geiger grausam gestraft. Der Verwalter wußte, daß der Geiger in gehciinec Ehe lebe und lies; sein Weib vom HerrschaslSbüNel auS der GutSl-errfchaft hinausjagen. Seither hat niemand de- Geigers Weib wiedergesehen. Man erzähl!« nun, sie sei Drtteljüdin geworden und habe in dunklen Nächien ihren Mann und ihre fünf Kinder besucht. Dann ist sie irgendwo in der Welt zugrnnd«gegangen. . . Und ein anderer : Fall ereignete sich vor Jahren. In Zehnb lebte der Jude Löwi in geheitner Ehe. An der jungen, eumuiigen Jüdin hatte der obrigkeitliche Verwalter Gefallen gesunde» und da er sich vergeblich bemüht halte, sie gütlich zuin Rachgeben zu bringen, wurde sie g«»valrfam vom Hanse weggeschleppt u»rd üb«: bk Grenze der Herrschaft gejagt. Vergeblich fiel Löwi vor dem Ver-- * wallo.r tzus die Knie und vrc§ebl^ ft,czcktzn drei Item Kinder ihre Hände nach der'Mutter auS... Drei Tage sparer fand inan sie tot im Zleber Schloßteich auft Zahllose ähnliche Falle wurde« unter den Juden herumerzählt und die Angst vor k>er allmächtigen Obrigkeit und den allmächtigen Behörden war das einzige, was das Glück Tldam Mande'ils und seiner Frau trübte. Die kleine Fanny — sie hieß nach Adairrs Mutter —- war süß wie ein Blümlein intfy zwitschernd gesprächig wie ein Vögelchen. Sie war der Liebling, des Onkelsi Aron in den seltenen Stunden, die er tm Starkoceu Judenhauö verbrachte. So schwanden mehrere Jahre. Fanny war schonbrei Jahre alt, als Aron eines Tages zu ungewohnten Zeit nach Hause kam. Man merkte ihm an, daß ihm! etwäs Ungewöhnliches begegnet sei.' Er war ganz außev sich und hielt sich kaum auf ten, Beinen aufrecht. Nur mühsam und unzusammenhängend entrangen sich Worte seinen Lippen und eine>tödliche Angst prägte siH in seinen Zügen auS. Aron brachte dem Adam mtbi seinem Weibe das Todesirrteil. Der Zleber Verwalter hatte ihn rufen lassen und ihm mitgeteilt, es sei ihm! hinierbracht worden, daß er, Avon, ungetraut ober geheim getraut mit Terynka lebe und daß diesem Bunde ein Kind entsprossen sei. . . Die Herrschaft sei nicht» geneigt, «us ihrem Gebiete ein solch sündiges Verhältnis zu dulden unb Aron sollte innerhalb vrerWüchew der Obrigkeit ten Trauschein verlegen, daß er ordnnngsgernäß und öffentlich getraut sei. Hkiratsbelvitligun^ Iverde er, als älterer Bruder, bekommen... Konnte Aron l^kennen, Terynka fei nicht sein,, sondern WamS Weib? Heiratsbewilllgnng hätte der jüngere Adam tttö erhalten. Und dann?... Hätte Terynka nicht Schicksal ereilt wie die Loneiher Sk'.xer vier die "Aehubor^ Löwi?

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