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Wiener Morgenzeitung · 1919-11-05 · Heft 285 (5.11.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 285 (5.11.1919)
Date
1919-11-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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M.: Sin Fionistenmer ting feierte vorgestern den zweiten Jahrestag der britische« Negierrsngserklärung über die Unabhängigkeit Palästinas. Lord Curzvn «nd Lood Ceeil hielten Sieden, worin sie erklärten, daß die Haltung der britischen Regierung in dieser Wage unverändert geblieben sei. Der Vertreter der Aionisten bei der Friedenskonferenz» Gskollsn», erklärte, datz die Friedenskonferenz das Recht der Inden auf einen eigenen Staat unter de« Mandat deS Völkerbundes anerkannt habe. Es wäre zu wünschen» das; Grotzbritannie» unmittelbar die Schutzherrschaft über den neuen Staat übernehme. Lord Curzon, Balfdurs Nachfolger « Dowtttng Street, hat sich in öffentlicher Versammlung zur Politik seines Vorgängers in bezug auf die Errichtung des jüdischen Heimes in Palästina bekannt. Diese neuerliche. Bestätigung der Balfourschen Botschaft in einer Versammlung, die zur Feier jenes Mies einberufen worden war, ist eine außerordentlich bedeutsame Tatsache. Sie beweist, dich die Anschauungen des Londoner Foreign Office in dieser Fra-e unverändert geblieben sind. Aus diesem Amt, in dem die auswärtige Politik des größten Reiches der Welt zusammengefaßt und geleitet wird, hat im Jahre 1906 Joe Chamberlain den Brief an Theodor Herzl gerichtet, in welchem er die Anerkennung. der jüdischen Ration ausspräch und ihr freie, national geschloffene Sledelung in Uganda anbot. Der Fisnislen- , Kongreß mußte dieses Anbot' ab lehnen, da er sich naturgemäß .nur -mit., .-/PalDina'.;■ -.HsschW-en kann. Die großherzige Gesinnung, die aus diesem Anbot dirach, und die weitblickende englische Politik mrißte die?lblehnung begreifen und begriff sie auch. Die Freundschaft Englands ist dem jüdischen Volk erhallen geblieben und bei der Einheitlichkeit, die gerade in England stets in fragen der äußeren Politik errungen werden muß, ehe sich die Regierung zu einem Schritt vor die Oeffentlichkeit entschließt, berechtigt zu der Annahme, daß die kräftige Hand Englands das jüdische Volk auf seinen, ersten Schritten in die Freiheit geleiten wird. Das jüdische Volk wird das Seine tun, sich dieser Syrnparhie wert zu erweisen. _ Dm» zi««istische PsMstirm. Afstschki« itt *$ev«&fftl3SK. In der soeben eingetroffenen Nummer de» Jerusalemer McrtteS „Eh«desch»th haaroz" vom 8. Oktober schildert ein Redakteur seinen Besuch im Bureau Ussischkin-, der einige Tage zuvor in Jerusalem ar,gekommen ist. „Den ganzen Montag, so schreibt der Interviewer, bis in die späten Nachtstunden belagerte eine große Menge von Besuchern auS allen Schichten der Jerusalemer Gemeinde das Bureau des Herrn Ussischkin. Ich fragte: Wie wird jetzt die Arbeit der Leitung organisiert werden? Antwort: DaS Palästinaamt, /die Palästina-Kommission (wa»d hazirin) und die Leitung deS NaiionalfondS, welche' bis jetzt getrennte Institutionen waren, werden mit dem heutigen Tage vereinigt, gemäß dem Beschluß deS Aktionskomitees in London; eS wird eine einheitliche Leitung geschaffen, deren Sitz Jerusalem sein wird. Diese Leitung besteht aus 11 Mitgliedern. Sechs von ihnen wurden bereits in London ernannt, und zwar Dr. Eharm Weizmann als Präsident, Ussischkin als Viz»- präsident, Dr. Ruppin, Dr. Sder, Szsld und Berthvld Feiwel; drei Mitglieder werden aus der Mitte der Leitung deS einheimischen Judentums gewählt werden, ferner einer Von der Weltorganisation des Misrachi und einer von der Weltorganisation der Poale Zion. In Kairo hat Ussischkin den politischen Lhef des Landes, Meinezaagen, besucht und über eine Stunde mit ihm konferiert. In Jerusalem wird er am Dienstag die militärischen Oberkommandanten W a t s o n und Sturm besuchen. Für den kommenden Sonntag ist er zu einer Versammlung des StadtrateS cingeladen. Im Laufe des Monats wird Ussischkin alle Städte und Kolonien Palästinas besuchen und die Lage studieren, und erst nach eine« Monat, nachde« er glles mit seinen eigenen Augen gesehsn hat, wird er mit den anderen Mitgliedern der Leitung, die inzwischen ankommeu werden, eine großzügige Arbeit im Laude hoHrm««. : Gitte MM Rote der Gttteute an BeMn, 4. November. (Wolfs.) Gestern wurde der deutschen Friedensdelegation in Paris eine Note übersandt, worin ausgeführt wird, daß, da drei der alliierten und assoziierten Hauptmächte den Vertrag ratifiziert haben, der in den Schlußbestimmungen des Friedensvertrages vorgesehene Zeitpunkt zur Aufstellung des ersten Protokolls gekommen sei. Die deutsche Regierung werde gebeten, daran Leilnehnien zu wollen. Da jedoch von diesem T«qe an der Vertrag in Kraft trete und die Fristen laufen, so habe der Oberste Rat beschlossen, das Protokoll erst dann auszustellen, wenn die Ausführung der Deutschland durch das Waffenftillstandsabkommen übertragenen Verpflichtungen genau in einem. zweiten Protokoll. präzisiert sei. Deutschland habe aber eine Anzahl der ihm auferlegten Verpflichtungen nicht erfülle Es feien noch Lokomotiven und Wagen zu liefern. Die auf russischem Gebiet befindlichendeutschen Truppen seien noch nicht zurückgezogen. Die vollständigen Verzeichnisse der von den Der koziKlheMsLrsLLsche Parteitag. —h. Die viertägigen Verhanblungen des sozialdemokratischen Parteitages sind zu negativen Beschiüffen. gekommen. Degen die Koalition ist nichts einzuwenden, eine weitgrcisende Sozialisierung läßt sich angesichts der Abhängigkeit vom Ausland derzeit nicht durchführen, die Arbeiterräte, die man als die »Revolution in Permanenz* bezeichnte, müssen gegen die Angriffe des Bürgertums geschützt werden. Bezüglich der Anteilnahme der Arbeiterschaft an der Absperrung der. Länder kam der Parteitag zwar zu einer Verurteilung der »LändertrottelosiS*, aber zu keiner praktisch verwertbaren Formel. DaS-Resultat des Parteitages -läßt lich dHhin.susammenf^sien: Es bleibt ^lles beipr alten. - Die österreichische Sozialdemokratie ist in einer sehr peinlichen Situation. Bis zum Krieg war sie die große Partei der steten und bedingungslosen Opposition eines großen Staates, die sich allen Angriffen auf Freiheit, und nationales Recht widersrtzte und in ihrem Lager alle Tendenzen, des Widerstandes gegen die tsterreichische Vureaukratie sammelte. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie ist die Sozialdemokratie zur Regierungspartei eines kleinen, verblutenden Landes geworden und mutz die Sorge des Kompromisses der marxistischen Prinzipien mit der grauen, öden Wirklichkeüt auf sich nehmen. Sie ist in die Lage de- Mannes geraten, dem der indische Weise predigt: »WaS immer Du tust, Dn wirst eS bereuen!" Sie steht einer Oeffentlichkeit gegenüb-r, deren Kritik durch die Kot der Tage geschärft und verbittert uns:re. Sie »int n-ij Anül t»tz>dcr geiv et! nnk> l«dmch reaktionären, im Hintergrund lauernden Elementen die b»- ‘ queme Gelegenheit gegeben, sich in den Vordergrund zu schieben. Sie hat zum Kifitrank des Nationalismus gegriffe«, ohne Nötigung und ohne äußeren Anlaß und das rauhe Dazwischenfahren der Entente provoziert. Sie hat durch daS Gewährenlassen. einer jeder freiheitlichen Gesinnung inS! Gesicht schlagende« Fremdenhehe die ordinärsten Instinkte j entfesselt und das beschämende Einschreiten der Entente bald für südstawische Studenten, bald für jüdische Flüchtlinge . heraufbeschworcn. Sie hat durch ihr beständiges — von den Verhältnissen erzwungenes — Lavieren zwischen der zweiten! und der dritten Internationale ununterbrochen enttäuscht.! Daß nun der Parteitag sich dieser Politik des Schwankend! anschlicßt, beweist nichts für die.Richtigkeit dieser Politik.; Die Sozialdemokratie hat eben die Bewegungsfreiheit ver» i ldren und ein Sieg der Opposition hätte nichts genützt und ' alles verdorben. Auch ist der EeparatiSmuS. der Länder schon so tief in die 'Sozialdemokratie eingedrungen, daß auch hier! nur eine akademische Erörterung Platz greifen konnte, j Daß diese Politik auch rein ziffernmäßig sich. Niederschlagen mußte, ist natürlich. Die Mitteilungen DannebergS bei Beratung de- Organisationsstatuts, wonach die Partei nur den vierten Teil ihrer Wähler organisatorisch erfaßt bat, j bieten also keine Uebcrraschung. Es ist aber sehr bedauerlich,; daß die Leitung der einzigen Partei, die aü- Oesterreich zum Ausland sprechen kann, so sehr versagt hat, daß ihr Rückgang nur wie ein neuerlicher Sturmsignal für alle reaktionären j Aspirationen wirken mutz. Die Sozialdemokratie muh sich entschließen, die Lage «ufzufasien, so wie sie ist. Sie mutz den Mut aufbringen, allen nationalistischen und rückschrittlichen Tendenzen entgegenzutreten und sich rücichaltloS von ihnen . loSsagen. Rur dann wird sie in den Kampf um die Erhaltring j der Republik und mn die Sicherung der Demokratie auf die Mithilfe aller demokratisch denkenden Manschen in diesem Süurt und aui. die SLmpathie d«s Auslandes rechne« mW. Deutschen beschlagnahmten Gelder und Werte fsim noch nicht übergeben. Man habe die deutschen Schiffe m Scapaflow zerstörü Auch in anderen Punkten, bfo detailliert ausgeführt find, habe Deutschland sein« Pflichten nicht oder nicht voll erfüllt. Der Oberste Rathabe infolgedessen eine Necha von S t r a f b e st i m m u n g p tt auf gestellt darunter die Auslieferung von fünf leichten Kreuzerrtz und von 400.600 Tonnen an schwimmenden Docks/ Erahnen. Schleppern und Baggern. Auch soll die Vssatzung der in T e a p a f l o rv versenkten Kriegsschiffe zurückgehalten werden. Für den Fall dsr- We^erung sind Zwangsmaßnahmen angedroht. Ferner' sind bis zum 10. November LevollmachLlgte Bertretw nach Paris Zu entsenden, welche mit den Vertreteru; der alliierten und assoziierten Wachte die mit den^ Inkrafttreten des Friedensvertrages erforderlich roerdenden Uebergangsbestimmungen für die Abstimmungsgebiete usw. zu regeln haben. BeLhMan»LöeVhLeyerMRMLeRFNiedeNs-r MößlichkTiLLR. Me er-sterr KriegSiziere. BerNu, 4, November. In F»rLfetzÄNg des Verhör? vsL der parlamentarischen Utttersuchungskonrmifsion ' erklärte Be th m a n n. H o l l weg, er habe mit Bur ian bis Eventualität einer Friedens durch. Vermittlung Wilsons e«-l örtert, doch erschien Burian W.ilsonS Tätigkeit wegen seinem Neigung zur Entente wenig wünschenswert. Ein Dopvslfpiä argen Amerika wurde nicht getriben. Ein Promeinoria W Kaisers über die nahe bevorstehende Entfmeidung über den: U'Bootkricg hat Bernstorff in Washington übergeben/ Den Botschafter Aerard konnte man in Berlin nicht instruieren, aber doch genügend irffoxmleren. Er kannte auch., die in Deutschland bestehende'Wbüterung. über die amerikanischen. Granaten. ' ' Nach Bethmann wurde StaaLSfekretär Z i m m z t m ö w einvernommen. Sodann, wird über die FriedenSberhandlungen, die iai Einverständnis mit Oesterreich formuliert worden sind,!m* handelt. 1 Die mit Baron Burian festgelegten FricdensbedmM»- gen vom 12. Dezember lauteten: 1. Anerkennung des «icheS Polen. 2. Annexion kurländischen und^ litaiüsch««> Gebietes, daS im Einverständnis mit dem Königreich Pot-m nne kfute, von Norden nach Süden laufende strategisrW Grenze gegen Rußland bildet. 8. Handelsvertrag mit RuM land, beziehungsweise^ wirtschaftliche Vorteile. 4. TarantiM in Belgien» welche möglichst durch Verhandlungen mit Könj« Albert festznsteklen sind, eventuell Annexion von Lüttich unö eines-Landstreifens. 5. Räumung des französischen Okkupationsgebietes mit Ausnahme von Lorrgwy und Vriey gega« Räumung von Elfaß-Lothringen, Kriegsentschädigung uns Kompensationen. 6. Rückgabe der Kolonien mit Ausnahme von Kiaütschau, Karolinen »tnd Marianien, eventuell Erwerb d«^ Kongostaates oder eines Teiles desselben. 7. Entschädigung, für Ausländsdeutsche. 8. Einverleibung Luxemburg? in dä^ . Deutsche Reich. Dies erschien notwendig für den Fall dÄr Einverleibung von Brietz und Longwh. , i - Dw B dmgungm O e st e r r r i rb S lauteten: 1.. Intex> ßvität der Monarckne. 8. GrnnMgige Gren.;vcrdefsernng'grgeA »der Rußland. 8. Strategische Gnnizvtrbesstrnna gegen Numän'.eu^ Mernes Tor ww. 4. Wikderhe'stcllung des Köui^eiches Serbien »nier Abtretunaen an Oesterreich» Bnkgavrrn, Albanen, wwtZ schastlrche Angliedernng des Nestes an Oesterreich, ö. WiederheM tzellung Montenegros mit Glencher'chtigungen. 6. Selbständigke« Albaniens unter österreichischem Protektorat. 7. StralegiW Olknwerbcstemng pegen Jlasten ohne Annexion. Die Akren enB. halten den Dernicek BcihmnrnS. dast er d:e Bedingungen Oesterrcicks für übertrieben halte, zumal die Russen lief m Galizie» ständen. Diese Forderungen sollten nicht eine comHtio sine qua ,pon sein, w e aus einem Biiestvechse! Hindenbnig-Bclbmami hervorgeht. Nack autzen bin sollten sie als M<tx>n,a!bedmgimgertz «ach innen alS Minüniilbedingungen aukgekaßk werden. Detai» tlicben voibebal'en. Hindenburg forderte antierdem Krieg-», ultschädigung von England für bte Freigabe Belgiens. , j Bethmann: Wenn daS schon in den Asten steht, so braxM ich eS nicht erst lestmstellen. Ich habe die österreichischen Kriegs ziele für wnt übertrieben und unmöglich gehalten. inSbessndrtz 20t einem Zeitpunkt, wo die russischen Arnteen tief in lKastzi« M«ben. Aus dieser Tatsache allein ergibt sich d»e lediglich thrv «tische Bedeutung dieser KnepSuelentwürse. , Abgeordneter Dr. Sinzhkimer: Diese FriedenZbedingnnM ttngm aber doch auch anncxionistjschen Eharakler. Wie könü» S>e annexionistlsche Brstrebunaen anderer bekämpsen, wenn GÄ hier von einer Annexion Lüttichs, Kurlauds und Litauer« frechen? Bethmann: Ehandelt stch bei diesen FriedenSdedinguniM Um nn Kompromiß. Die Oberste Heerrslniung hat ihre Fo8 dnnnaen vom mültärrschen Standpunkt ausgestellt und msbesonüe» oewiste Erwerbungen nn Osten als strvtegiich notwendig bezeichn« Die FtikdenSdedintzungen waren also ein Kompromiß zwischech der M'IÜär^chen nnd der politischen Gtrlle. Hier^nf wird die Derhandlung «bgebrocheu. EiÄlnä ««'-aen. Ztmüchsi soll Admrral Koch ^«»kivomunn werden.

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