Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 283 (3.11.1919)
- Date
- 1919-11-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Kolossale Sensation erregt hier die Verhaftung des Sekti.onschefs im Finanzministerium Iirak, um ss mehr, als sie im Salon des Ministers des Äerrßern Benesch und durch den Pslizeipräsidmten Bienerth erfolgte. Iirak hatte versucht, Benesch und dessen Sekretär zu bestechen, um ihn so für das Zuckergeschäft mit der Rotterdam» Darrkgesellschast und Sociä!» Generale zu ge-' «innem Die Tschechs-Slowakei hätte an das Konsortium 2M.000 Tonnen Zucker liefern sollen, wofür dem Staate 800 Millionen Franken sofort vorgestreckt werden sollten. Venesch war gegen dieses Geschäft und wollte es dem Parlamente oorlegen. Iirak, vormals Professor der Handelsakademie in Prag, versuchte nun durch, Bestechung zuerst Venesch' 'Sekretär zu gewinnen und bot ihm k 160.000 an. Er hatte auch mit Benesch mehrere Unterredungen und bot ihm einige Millionen für sein Entgegenkommen Samstag war Iirak wieder bei Benesch. Der Minister entfernte sich für kurze Zeit ins Nebenzimmer, wo schon einige Detektivs warteten und. Iirak dann festncchmen. Zugleich mit ihm wurde Direktor Tum a von der Prager Kreditbank verhaftet, der von der Sache gewußt haben soll. Ebenso wird ein Dr. Frank, der schon im Kranzprozeß vielfach genannt wurde, mit dieser Affäre in Zusammenhang gebracht. Diese Meldung stammt ays dem neuen Montagsblatt der sozialdemokratischen Partei, das heute zum ersten Male erschien. Me SchWeizer ExpsrLeurS wolle«-de« WareN- NerLstzr KKch d« nmm OiationalftaateQ eUtftettett. Die bisherigen VrrLuste rsAd MuKenMude 3S MMsRen Frauken. Bern, 2. November. (Ksrr.-Vur.) In Schweizer Kreisen wird daraus hingewiesen, daß viele schweizerische Exporteure, die Waren nach $ uwliieH, Perbierr, in die Tschech » »6Iow «Lei,nach ugoslawien u»d nach P o! e n gesandt haben, ir ihre Lieferungen weder Geld noch Waren cm iahlungsstatt erhielten. Die schwetzerifchen Verluste und Außenstände werden bisher auf etwa 30 Millionen Franken geschäht. ' ' Es besteht die Absicht, in einer Konferenz von Angehörigen der Handel»- und Industrirkreise zu erwägen, ob unter den gegenwärtigen unsicheren Zuständen der Warenverkehr nach diesen Ländern nicht erheblich eingeschränkt, wenn' nichts ganz eingestellt oder ob Waren nur bei Vorausbezahlung durch Geld oder durch Kompensationswaren geliesert werden sollen. . Dis FrieLMMtzKserM^'/'"" 2. Npvember. (Tel.-Komp.) Hollandfch -tieuwsbureau meldet aus Paris: Am Samstag hat der Oberste Rat eine längere Sitzung abgehalten. Wie aus den Beratungen hervorgeht, erscheint es augenblicklich unmöglich, die f o r m el l e R a t i frk atio n und das Inkrafttreten des Friedenrab Kommens am 11. November statlfinden zu lasten. Der Oberste Rat beschloß, am die deutsche Regierung eine Note zu richten» mit dem Ersuchen» für einen kurzen Termin Delegierte nach Paris zu entsenden, mit dem Aufträge, sich dort mk den Vertretern der Alliierten und dem interalliierten Generalstab über die Durchführung der verschiedenen Maßnahmen» die beim Inkrafttreten des Friedensabkommcns getroffen werden wüsten, auseinanderzufttzen. Dies hängt hauptsächlich zusammen mit der Regelung der Emzelmaßncchmen bei der Räumung der von den Deutschen a b z ü t r e t enden G ebiete und deren Besetzung durch die Alliierten sowie .mit den Funktionen der verschiedenen Kommissionen, die das Friedensabksmmen vorsieht. Der Oberste Rat ^bandelt weiters die Frie d e n sbedingungen für Bulgarien. Ueber die Bemerkungen der bulgarischen Delegation zu dem Friedensvorschlage ber Pariser Konferenz ist dein Obersten Rate von den Kommissionen ein Bericht unterbreitet worben. In unserem Berichte werden nur sehr geringfügige A e n d e r u n g e n des ursprünglichen Wortlautes vorgenommrn. Der Oberste Rat hat ferner den Wortlaut einer Note ftftgelegt, die demnächst an Jugoslawien und Rumänien Serichlet werden soll «nd in der gesagt wird, daß er k die Friedenskonferenz unmöglich sei, dar Abkommen mit Bul-arien zu unterzeichnen, wenn die beiden Staaten nicht vorher das Abkommen mit Deutschösterreich unterschrieben haben. Der GiruasrsH btt P-alen ln da» bentschv WeurMl' t. November. Das W«lsfsHe meldet: Am 24. Oktober wurde durch die deutsche olnische militärische Unterommission ein Abkommen abgeschlossen, bar die Termine und dir Zonen für die militärische Räumung ber an Pole» abzutretenden Gebiete durch dir deutschen Trupp«! regalt. Dar polnische Vormarsch beginnt am 7. Tage nach der Niederlegung des Protokolls üb« dreRatistLation des FrirdensoerttÄges durch die H«uptz«Lch^ « Pmir. Das Inkrafttcetm de» Abkrmmenr ist' »»n dem Zustandekommen des Griam-vrkrag« mit Pol«r abhängig. - 7'^'''''Wrllti'sä Verlisr, 2. November. Die ^Deutsche Allgemeine Zeitung" meldet aus Basel: In Mittel-Istrien kam es nach dem „Eclair", besonders in der Gegend von P i s i n o und Pi n g u e n t e,. zu blutigen Z u s a m m e n st ö ß e n zwischen der jugoslawischen Bevölkerung und italienischem Militär. Finnland gegen NäterußLand. Berlin, . 2. November. Der „Lolalanzeiger" «eldet an5 Kopenhagen: Nachrichten aus Finnland besagen, daß eS der Tnte«k gelungen sei, Finnland zum Eingreifen in den Kampf gegen Sowietrutzland zu ver- ««lasten. E l e m e n c e a « soll in Aussicht gestellt hrben, dsß Finnland die Alandrinseln behalten werde, wenn ean dem Kriege gegen. Sowietrukland teilnehme. Auch die nordwest-russische Regierung soll Finnland große Versprechungen gemacht haben. Man nimmt daher allgemein an, daß sich Finnland für ein Eingreifen entscheiden werde. Die Beförderung finnischer Truppen' an die Grenze habe bereits begonnen. Bsrlin, 2. November. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" meldct aus Stockholm: Wie ^Docialdemolraten" berichtet, hat die finnische Regierung beschlossen, General Mannerheim, der sich augenblicklich in Paris befindet, telegraphisch Mückzube/üfen, und zwar au§ Anlaß des Standes tzsr Intcrventiousfrage. <S» heißt, daß kleinere Äbteilungen finnischer Weißgardlsten an der finnisch.russischen Grenze bereits in ein Gefecht mit Sowiettruppen geraten seien. . Scharfe Kr^iL der e«jMchen FimenzpolMk. Pari», 1. November. Wieder „M-ttin"' erfährt, trat Arg«ith in einer Rede, die er in AberhSwith hielt, für die Einstthrung neuer Steuern ein, um die Finanzkrise zu besiegen. Er kritisierte heftig die Finanzpolitik der Regierung, die leichtfertig sei, trotzdem ihr ein Vertrauensvotum zuteil geworden sei. Man müsse auS den schöngesärbten wirtschaftlichen Träumen aus die Erd« niedersteigen. Man dürfe weder auf NSckzahlungku der Alliierten noch Deutschlands rechne», »och auf de» Erlös aus dem Verkauf deS KriegSm«tcria!S. All dies werde die Staatsschuld nicht wesentlich vermindern.. i Dl« Summe der Kriegsschuld von acht Milliarde» Pfund könne man sich kau« vorstcllm, aber man müsse mit ihr re 1 neu und. sie abzubnue» »ersuchen. Cs sei immerhin sch»» ein Fortschritt, daß die' Regieru«g sich jfM ei«er E uquete enUchlvstr-n hade, in der geprüft werden isll. ob Über die KliegSgewinnstener hinaus eine Er-' s«siüng der im Kr;egr entstandenm Vermögen durch- > fllhrdar >ü. Ab« die» genkige nicht. Dian «äste an eine allgemE« VsrmögenSabsabe deniwr. Fnm Schutz der KriegssnleHe. Salzburg, 2. November. Heute fand hier eine von der Landesgwppe Salzburc; des Vereines „W ährungsschuß" einberusene, mn et-va 2000 Personen aller Bevölkerungskrcise besucht« Volksversammlung statt, in der einstunmig eine Resslution angenommen wurde, m der es unter andere« heißt: Die im gegenwärtigen Finans.plan vm'grschenr Einlösung der Kriegsanleihe mit 78 P r »* ent hat die schwerste Besorgnis aller kleinen Syarss^ efsnders der Lombardzeichner wir auch de? /an d^t: Kriegsanleihe interestierten volkstümlichen InMntv hervorgerufen. Die Derfaurmlung betrachtet die vom Staatssekretär für Finanzen gegebene Bersichewng, den Wert der Kriegsanleihe unter allen AmstLnden hochzuhalten, angesichts dieser Kürzung bri der Vermögensabgabe als ein unerfüllbares V e rs p r e ch en, wenn da der Staat alle diese Papiere vor ihrer Fälligkeit nur zu einem verkürzten' Kurs in Zahlung^ nimmt, das Vertrauen in dm Wert der Kriegsanleihe in allen Kreisen gebrochen erscheint und diese deshalb niemals einen ihrem Nominalwert gleichkommenden Marktpreis erzielen kann. Die Versammlung fordert deshalb mit allem Nachdruck im Interesse des Volksvertrauens eine unverkürzte T n n a h m e. d e r Kriegsanleihe aus sozial- und kreditpolitischen Gründen. Die Versammlung fordert eine ofsizicllr Erklärung des Staatsamtes für Finanzen, daß die K r i e g s a n l e i h e auch s nbStzlich der 3$ ermögerrsabgabemindestens j«m 'Ausgabekur» angenommen und angerechnä «erde, wie denn iibrchaupt die Mittel aus der Vermögensabgabe aurschließllch zur Tilgung der Kriegsschulden verwendet werden dürfen. , Auch der Salzburger Landesrat hat an die Staatskanzlei und an das Staälsamt für Finanzen eine auf die Einlösung der Kriegsanleihe bezügliche' Eingabe gerichtet, worin ec für eine volle und ungekürzte Bewertung der Kriegsanleihe im Intereste der mittleren und klemm Sparer energisch eintM. Der weiße Terror irr KreW. Kamenetz-PviSsLsk, 2. November. (Radis.) Der: ehemalige^ Minister, für jüdische Angelegenheiten bei der ukrainischen Negierung L. K r a s n y wurde am 24. Oktober verhaftet. Am folgenden Tage verhaftete die Denikinsche Gendarmerie mehr als 500 OWece, die in der ukrainischen Armee gedient hatten. — „Robotnieza Gazeta^ berichtet, datz L u b t s ch e n k o, einer der angesehensten ukrainischen Sozialrevolutionäre," von den russischen Freiwilligen erschossenwurde. In Iekaterinoslaw wurde der Baron P. Steingel, der Bruder des ehemaligen ukrainischen Gesandten m Berlin, erschosten, weil man bei ihm ukrainische A^. weisdokumente vorfand. Shrren mb Palästina. Kopenhagen. 2. Novembex. (Zion.-Bm.) Bonar Law erklärte am Mittwoch ün. Unterhaus in Beantwortung einer Anfrage, eine endgültige Mitteilung über die z u k ü n f t i g e Regierung und B waltung Syriens und Palästinas könne jetzt nicht gemacht werden. Die Ordnung dieser Frage hängt von der Friedenskonferenz ab, welche bishes außerstande war, den Frieden mit der Türkei zu beraten, da die Vereinigten Staaten von Nordamerika bezüglich der Verantwortlichkeit, die sie zu übeO. nehmen hätten, noch keine abschließende ErklämnG abgegeben haben. Die englische Regierung teilte^ dar Friedenskonferenz bereits im Mörz mit, daß Grojk' vrltannien das Mandat über Syrien nicht übeO nehmen werde. Man habe mit F r a n k r e i ch a * I d e m Emir Fäisul ein Arrangement betreff» Im sofortigen Zurückziehung der eaf* rischen Truppen aus Syrien zu Gunsten d« Okkupation durch die Franzosen und Araber bis zu« Friedensschluß mit ber Türkei getroffen. Wen» die Friedenskonferenz Großbritannien em Mandat Über Gebiete des ehemaligen türkisch^ Reiche« übertragen sollte, so beabsichtigt die englischö Regierung. Verwaltungsformenemzuführeitz welche in jeder Weise die gedeihliche Entwicklung bet lokalen Regierung und Institutisns« fördern werden. . Wilson. Haag. 1. Np»emtz«r. „Kinn»« farmw“ uMHL W1 Präsident Nils»« das Krasrkesbett lassen und dabelgische KönigSpaar kurz begrüßt hat-