Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 261 (11.10.1919)
- Date
- 1919-10-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Hilfsbereitschaft für die. gequälten. Brüder weckte» die aber den auf die Zivilisation feiner Umwelt stolzen Westjuden nicht unmittelbar betraf. Heute aber ertönen auf der Aingstrüße' und auf dem Kursürstendamm dieselben Hetzrufe;Me. in Warschau, Lemberg und Kiew. Während das ftMifche Volk als Ganzes. unter tausend Schmerzen!Md Schwierigkeiten den Prozeß seiner emeuten Rationswerdung und feinen Eintritt in die Geschichte vollzieht, ist für die Juden der einzelnen Länder eine Feit der Gefahr und Leiden heraufgezogen. 7:7 Als vor nun bald einem Jahr die Revolution hie alte. Ordnung zerbrochen hatte, da wußten einen Ärgenblick lang die Juden instinktiv, daß nun die Stunde der Sammlung gekommen ist. Die Juden! Wen eingesehen, daß sie Schutz und Vertretung-nur bM sich selbst finden können, vaß ihnen 7urs ihrem Herumstreichen in den verschiedenen fremden Lagern nur Schaden erwachsen ist. Denn während in demallgemeinen Chaos die nationalen Gegensätze noch schärfer, aneinanderpralltem waren es innerhalb jeder Gruppe vor allem die jüdischen Assimilanten, die als eM Zielscheibe des nationglen/Hüsses gewählt wmdem das ganze. jüdische VAk hätte dann die Folgen HKageu, da nicht nur Wfchuldigsn Personen, die Wß wirklich. Mr sremdnÄiönaje Zwecke.- expomei' HHeM. fvnKrtz glft KdemHerantworMchl -M Ourdett/SöTivürbÄ die J'rch^HMMrffe'VM fsir alle anderen Völker der gemeinsame Gegner, schien. Daraus mußten .die Juden lernen. Die Fest, die hgs Vertrauen in die ^festgefügte bürgerliche Ordnung 7zu; erschüttern verlirochte, brachte äuü) andere eingerostete Begriffe des j Wischen Bürgers fns Wanken. -Er verstand mit einem Male, M alle feine frerndncrüünalen Attribute nur ober- Wchliche Tünche sind -und daß in -der Stunde des Weltgerichtes, in der Stunde der Entscheidung, doch rsur der nackte Jude übrigbleibt. Hier ging es nur mehr als um btc „konfessionellen" Gegensätze, die Mcür.durch den einmal jährlich '.geübten Synagogenbesuch markierte. Hier stand Volk gegen Volk. Und erst wenn dieses Bewußtsein klar und eindeutig die Seele gereinigt hat. Können Mensch miÄ Mensch über den Abgrund ihrer Verschiedenheit hinweg einander unbefangen und aufrecht die Hände reichen. Ist der Feit der Revolution hat der südische Liberalismus ein für allemal Schiffbrüch gslitten und der Mrsä)- rrationale Gedanke, der Gedankeder Einheit des stanzenjüdischest Volkes, hat die unbestrittene politische Führung e^rüngen. Hatte der jüdische Liberalismus allen. SonderzMecken und Sondetbestrebungen, aller! Eigenbrödelei, allen selbstsüchtige'n und gemeinschaftlichen Tendenzen die Tür offen gelassen, - so war i dcht jüdische Rationalismus die prinzipielle un- Mgefchränkte Proklamierung der jüdischen Einigbest. * Das - jüdische Volk ist in alle r Winde zerstreut und war bisher schwach und miß achteh weil zeder Splitter und jedes Individuum eigene Wege girig. Eine groteske Tragik - liegt darin, daß von unseren Gegnern immer die weltumspannende „Macht" des Judentums als eine „Gefahr" hingestellt wird, weil einzelne Juden in einzelnen Landern Geld und einflußreiche Positionen errungen haben,' in Wirklichkeit war das Volk als Ganzes schwach, kraftlos und willenlos, weil ihm der Zusammenhang, die Einigkeit, die belebende Idee und der Wille zum gemeinsamen Handeln kehlte. Der jüdische Nationalismus erst hat die jüdische Einigkeit befruchtet und dem Volk ein Ziel gegeben, **. hat die einzelnen Splitter durch die Verpflichtung öm Arbeit an der gemeinsamen Zukunft geeinigt. Er' hat die Möglichkeit eröffnet, daß das jüdische Volk wirklich eine Macht wird, allerdings in ganz anderem Ginn als die Gehässigkeit unserer Gegner es -uns vürwirft. ~ Ja der Zeit des Umsturzes find in allen Ländern sticht nur diejenigen Juden zu ihrem Volkstum zurückgekehrt. welchen, die Ereignisse wirklich eine. Erkennt- '' rüs desZuscittuuenhastges brachten,- .sondern.auch - viele»-- welche .in Ermangelung einer wanderen, schützenden MstöNL bei Ler eimmen Stelle.Sckytz suchten, ^die. Der Lebensmittelvertrag mit Südflawien wird von der Belgrader Regierung annulliert. Laibach, 10. Oktober- (TeK-Komp.) Ausi Belgrad wird gemeldet: Die fugosLarsrifche Regierung beabsichtigt den Ke Pt rag, den: Me Ceutralua Aprava in Belgrad urtt dem Wiener Warenverke^rsbureau achHKschlofsen hat, zn annultieren» da die dentfchösLerreichischL Wgierüng die 'verembarten Bedingungen nicht eingehalten hat. Die deutschöisterreichische Regiernng hat nicht rechtzeitig die Valuta hinterlegt, und nicht rechtzeitig die notwendigen Waggons znr BerMgUNg gestellt, wie es «ach dem Wortlaut des Vertrages, hatte geschehen «ürfle«. Außerdem ist die Kursdifierirnz zwischen der jnZoslamsschen und der Vfterreichischen KrMe in der letzten Zeit eine derart große geworden, daß hierdurch die ganze barrrtarischv Basis, auf deü^ der frühere Vertrag äufgebaut wurde, hinfällig geworden ist. Das Handelsministerium Ln.Belgrad arbeitet mmmehr einen Entwurf für die Einhebung eines Ansfrihxzolles anf Lehevsmittel, Lefonders auf Getreide und Mehl ans. Dieser AnsfrchrZpL würdch etsva 15v Kronen für Itttt Kilogramm betragen. Deuikin» der FudMchMchter. Pogromr i» AekaLerrnoslaw. i Charkron» mid Mrementschug. Genf, 9. Oktober. Wi'mO- ©cr-tefe -..Tenchs" -be-" ftatrot, daß die Frerwilligen d'rr Armee -DNtzklys exptteÄ u Si ä) r c 11 u k fl e n geg en die I u -Wvuvrrnements von Ie k a r e r i.n o ö I a w u.i^ k o w bc-. Mvgen haben. --- . - In I ekaLerirrv slaw sind M MMn Hmmr. g « v!. ü u d t x.t und zahlreiche I u be'netiitv rdct, worden. In Cb a rko rv uub• in stbn C;-brr soültrn 'üch-.'dirstlbcn-g r n Ä e n -b ä f'r e-r^S/z-N^-n üb. ^n . vwleflErsnibahnstüt!onen wurden-dLe i,ü LW w rp ail ag l tx c-. aD ^dru /Wi);rons gezerrt. und i\ t v t. Dtr fu 11 8 ft c P o,8 io pl länd in K r ch uj Mt. ' Gis Bauern gsgeu die. Freibeuter. ' Kamenetz-'podolsK, 10. Oktober. <Ukr. Preßburean)' brr.-R-ihL -des Hafer.ortrs B o b n n bei Kww haben die/ K n di ich;f u; d e n Bnj-e v x.. .« b e-r s-e"tz-t und / .'einige Dorkr - emgeftonunm. - Die Aufständischen haben sich in. H-rttVven'geuilt. eine sÄurvpe- \Mt gegen K a n iw vor. Die Ä:r'-stau büchen sdnern -dw Bevölkerung im Grbitte. von. K'.rw zum i-Münanbe g e-g? n D e ni kin'au.- DreZ a n b b e v ö!k ei!ün g i , cheem. Rufe nnd ine Zabl der AnsständiMn nrnnnt zu. Ärif dem Dnjep.rhchen .die Aufftändlschen d r eUrL-r -L t n Hik l t. r e i sch s f f e'' g e k a p e r t, die Mnfdem M^'g^/ von- . HreMentf.chüg nachV Äiem , A-nr ^-n. ""h'‘'-vV'V-" \:4 ~ •- ' i ' . •. k . » - - - ' , .;■/ Oie dTRLschM.TrzrWM marschiererr gegen - L o nd o n,. 16. Q'kLvber. (Tel.-Komp.) Der Wrrespdndeut der ^Times" LberiLndrt seinem^ Blatte folgende Deyssche des Generals Mg''LlheLysKL : „Ich komms soeben aus Reval zurück. Die Truppen des Generals .'.-der GoLtz Ä^Mteu ihren Aufmarsch vor und innerhalb 14 Tagen wird ihre.VoshÄL unter-Oberst Deruguht znm - Än-zriff - auf Pskyw Vorgehen. Sie wird versuche«,-^Litauen zu befeGest und. nach -Hetershrrrg rrorzuruckön, .um-dort eine dßutfchs MonarchLstischs Verwaltung Mzurichten. Mte diele Nachricht an Marschall Foch weiterzugeden." 7/ mmnt immer und unter allen Umstünden sist sie einzuLreLen bereit war: bei der Vertretung des^ jüdischen Volkes, welche die verschiedenen jüdischen^ Nationa!- räte übernommen Hütten. Aber Entscheidungen der Politik vollziehen sich nur mdmerrtweise imd Revolutionen dauern nicht ewig. Es kommt daraus an, zu prüfen, ob wirklich im Leben der Juden und in ihrem Verhalten zu allen FragM/der Prans,dic Konsequenzen' aus der neuen Lags gezogen werden. Haben die. Juden gelernt, das Wohl .der Gesamtheit über. augenblickliche persönliche Vorteile zu stellen? Die Lehre der großen Ereignisse mußte hoch die sein, daß selbst für düs persönliche Geschick jedes einzelnen die Äaqe der Gesamtheit von weit höherer Bedeutung war als feine \ persönliche Position./ Aber sobald sich die Stimmung etwas berllhW hatte, erhob wieder der alte Feind des jüdischen Volkes, der Dämon des Eigennutzes, fein Haupt- Jmmeö wieder zeigte es sich, daß es Juden gibt, dje nichts gelernt und nichts vergessen haben, die immer noch klüger sein wollen als die anderen, die immer noch ihre persönliche Lage auf Kosten der onderen verbesjem wollen. Dies zeigt sich ün Privatleben, wo um eines Geschäftes willen alle politischen Grundsätze. preisgegeben werden, . dies zeigt sich tm politischen Leben, wo immer wieder ein Klüngel oder eine lokale Gruppe bester zu handeln meint, wenn sie getrennt marschiert und dadurch das Intereste der Gesamtheit prelsgibt. In der Slowakei zum Beispiel haben sich Fälle ereignet, wo einzelne orthodoxe Gemeinden die- Politik des ^Jüdischen Dolksverdalldes" durchkreuzt' und desavouiert haben, um sich, bei der " Regierung einzufchmeicheln', damit haben sie ober natürlich nur die - ganze jüdische Sache geschädigt. Aehuliche Lncheuumgen zeigten sich - auch anderswo. -Äud /wie sieht es ' schließlich in der.-Mste. des ^MtoWmM^Wimev j jsihischen Bürgertums aus? Dieselbe Apcllhie, dieselbe y mit Großsprecherei gepaarte Aengstlichkeü, die früher - httrschte. gibt auch heute diesem jüdischen Bürgertum j sein Gepräge. Polnisch langst zur Bedelltuugslosigkeit ü 1)Ärabgesuuken, vermochte es bisher noch immer nicht,- gründlich umzulernrn. und laviert in unserer Zeit der Htscheldungen, m der nur energische Stellung-' Mhms' gill, nach Men Seiten, nnmer sprungbereit,'''- um Hort, --wo - 'ein- -Meiner^ momentaner' oder auch nur scheinbarer Vorteil wirkt, sich, preiszugeben. In dieses Zeit der schwersten Bedrohung des Judentums! muß' immer'wieder daran erinnert werden, daß die jüdische .Einigkeit als tätige Einheit bewährt werden muß .und daß - es nicht angeht, untätig abseits zu stehen. Ist das Westjudcntnm so degeneriert, daß es jeden Sinn 'für Verantwortung verloren hat? Der jüdische Hberai. liMus-war ein Unglnk fürs jüdische Volk^ivest er- . zu einer Atomisierung der Gemeinschaft führte ‘un^ yls IreLüries für die rücksichtslose Verfolgung privater Interessen aufgefaßt wurde. Erst der jüdische. Siationalismus wird auch den wahren Äiberalisums. zum. Leben erwecken; er schafft Freiheit für die geistige und' seelische Entwicklung des jüdischen Individuums, ündenr er-es aus seiner Zerrissenheit ecltzsi. Gleichzeitig aber lehrt er die höchsten Pflichten gegenüber der Gemein-, schüft und die Ueberwindung eigensüchtiger , materieller Tendenzen zugunsten der höheren Idee, der Gemeinschaft. Nur im Zeichen des Nationalismus kann .sich die große Einigung des Iud'emums voll-- ziehen.' Dazu ist es über notwendig,, daß auch drei „liberalen'' Juden von ehemals aus ihrer Gieich-j gültigkrit erwachen und den Geist der Zeit verstöhrn! lernen Not und Gefahr einigt, aber nur der gc« Meinfäme Lebenswille -macht die -Eiu's-/'.»i; und dauerhaft. Irr einem Meer vou / - schüft befestigen wir unsem.Mi!lcn i : öWWW Zukunft. . ■ ,.