Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 259 (9.10.1919)
- Date
- 1919-10-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Tu Pariser Konferenzkrsrsen verlarrtst mit Bestimmtheit» daß die Alliierten an Rumänien ein Ultimatum in Angelegenheit der Räumung Ungarns unter Androhung der Blockade für den Fall der Richtbefolgnng des Auftrages» sich an die Demarkationslinie znrückznziehen, gerichtet haben und daß alliierte Kriegsschiffe fogar bereits Konstanza blockiere«. ' Staatssekretär Dr. Schumpeter über die Vermögensabgabe ruck die Kriegsanleihen. Gegrn de» Staatsbankerott. W i e n. 8. Oktober. ' > Staatssekretär Dr. Schumpeter präzisierte seinen Standpunkt in der Vermögensabgabe gegenüber der Abordnung her unabhängigen Bauernbünde folgendermaßen: Ohne Mithilfe der Bevölkerung. gibt es keine Vermögensabgabe. Wenn sie nicht auf dem Rechtsbewußtsein der Bevölkerung beruht, muß sie ein Mißerfolg sein und ich glaube nicht, daß sich die Vorlage der, Regierung von dieser Grundlage entfernt. Zunächst bitte ich überzeugt zu sein, daß ich einen Bankewtt verwerfe und ihn niemals machen werde. Jede, derartige Maßregel werde ich verhindern, Wßrrrr.ich es nicht kann, werde ich gehen. Äi' Kib^MMentftch. auch, gehören die Pnführung --MwEÄMö uE r ^ri g, denn das bÄeutA n-türlich! nichtsanderes, als daß dem Sparer auch < noch ein Teil dessen, was qr vom Ttaate.. zu' fordern hat, weggenommen wird. Zih biii auch? ferner dafür, daß die Kriegs« n le i he z um.'Ans g a'b.e k ur s angenommen wird. Selbst die Deütschböhmen fordern dir volle Einlösung der Kriegsanleihe' von der tschecho-slowakischen Regierung . und,/erklären, von dieser Forderung nicht abzulassen. Hs Wate schimpflich für uns und schädlich für unsere VolkZ^^ssen, wenn die tschechische Negierung ihnen säge^ ..könnte: Ihr' könnt von uns nicht mehr verlangen,/'als was. Deutschösterreich selbst gibt. Auch aus ^'..s:n nationalen Gründen müssen wir die Kriegsanleihe voll einlösen und ich bin überzeugt, daß dies auch einen günstigen Erfolg für unseren Kredit ze>k-. Dann hat auch der Staat selbst insofern einen- Vorteil von der Einlösung der Anleihen, weil dadurch wieder viele Vermögen gut werden und der Besteuerung zugeführt werden können, welche sonst bei einem Bankerott rettungslos vernichtet würden. Der Bankerott würde uns auch garnichts nützen, denn die größten Lasten sind garnicht die Schnüren, sondern die übrigen Ausgaben, die unser bei der Wiederaufrichtung unserer Wirtschaft noch harren. Mit dem Bankewtt würden erst die Schwierigkeiten anfangen und ein Staat, der einmal fein Wort gebrochen hat, würde erst recht nicht mehr in die Höhe kommen können. Z ch ste h e und fa ll> jWk'/bA. N WtdaMex^hH-., m d c| en s. Irgend etwas zu tun oder zu empfehlen, was nur den Anschein eines Bankrotts haben könnte, weis^ ich von mir. Wir dürfen die Vermögensabgabe nichs zu Sozialisierungszwecken, verwenden, besonders in der tzv/:nwärtigen Zeit. Dieser Satz gilt für jeden, auch für den Sozialisten. Auch der könnte es vor dem Volle nicht verantworten, wenn er jetzt die Situation noch durch einen Sozialisierungsplan verwirren würde, der selbst bei einer ruhigen Wirtschaft ungeheure Schwierigkeiten macht. Ich stehe der Svzialisieru.^ gewiß nicht unsympathisch gegenüber, aber jetzt etwas zu tun, halte ichi für unmöglich'. Die neuen Grenzen Ungarns. Las ungarische Gebiet beträgt 140.000 Quadratkilometer. — Die Einwohnerv zahl 10 Millionen. B e r L i n, 8. Oktober. (Korr.-Bur.) Der „Lokalanzeiger" meldet ans Frankfurt: Aus Paris wird berichtetr Der Friedensvertrag mit Ungarn, dev wahrscheinlich noch im Laufe Dieses Monates de» nach Paris zu entsendenden sieben Delegierten übergebe« werden wird» setzt die neuen Grenzen Ungarns etwa wie folgt fest: Irn Norden folgt die Grenze eine gewisse Strecke der Donau, dann einer westöstlichen Linie, die noch genauer zu bestimmen fei« wird und wahrscheinlich von Preßbnrg nach Komorn verlakfen wird. Vor dem großen Donauknie geht die Richtung nordöstlich nnd gewinnt in MarmaroS-Sziget den gemeinsamen Grenzpnnkt Ungarns, der Tfchecho-Slowakei und Rumäniens. Alle nördlich von dieser Linie gelegene« Gebiete werden an die Tschecho-Slowakei abgetreten. Im Osten verläuft die Grenze von Norden nach Süden. Sie geht von Marmaros- Sziget an den Szamosflutz» verlauft diesem entlang und sodann östlich von Debreezin. Im Süden folgt sie der Maros, erreicht bei St. Ivan die Theiß, der sie bis zu ihrem alten Bett folgt, nimmt ostwestliche Richtung nnd zieht sich nördlich von der Drau «ach Radkersburg. Im Westen wird die Grenze so znrückverlegt, daß Oedenbnrg an Oe ft erreich fällt. Die Oberfläche des ungarischen Territoriums beträgt darnach schätzungsweise 140.009 Quadratkilometer, die Zahl seiner Einwohner ungefähr 10 Millionen. Demission der bulgarischen Regierung. Wegen der Friedensbedingungen. Lyon, 8. Oktober. (Funkspruch) Ans Sofia wird gemeldet: Minifterprästdent Dt-eodorow, der der Führer der bulgarischen Friedensdelegation in Paris war berichtete am 2. d. M. Über die von ihm geführten Verhandlungen «nd über die Friedensbedingungen. Da seine Ansführmrgen. ungünstig ausgenommen wurden, übe?-- reichte er dem König die Demission des Gesamtkabinelts. Es ist.wahrscksin'sich. daß- Stambulinski mit der KaddretLsbiidunZ betraut wird. Das C-HV:-::-i*!•:*;/.auch die- Sozialisten umfassen. Kolonisierung Deutsch Österreichs. —? W r e n, 9. Ottober. Die gestrige Sitzungdes Hauptausschusses det Nationalversammlung brachte eine Uebenaschung. Die Verhandlung des Finanzplanes wurde plötzlich von der Tagesordnung abgesetzt, obwohl sich Dr. Schumpeter bereit erklärt hatte, sein Reformprojekt persönlich vor den Mitgliedern des Hauptausschusses zu vertreten. Dieser Vorgang wirst ein helles Licht auf die in der Regiewng bestehenden Differenzen, die in der bekannten Verlautbarung der Regierung am 1. Oktober abgeleugnet worden, war. Das Ungewöhnliche des ganzen Vorganges liegt nun nicht etwa in dieser! Uneinigkeit, die ja bei einem Koalitionssystem! nur selbstverständlich ist, sondern darin, daß das! Kabinett diese Differenzen nicht eingestehen will,! o.bzwar sie selbst erklärt hat, die Entscheidung demi Parlament selbst überlasten zu wollen. Noch auffallen-! der aber berührt es, daß der vielfach als Nachfolger! Dr. Schumpeters genannte Direktor der Bodenkreditanstalt Dr. Richard Reisch am Vormittag im Klub der sozialdemokratischen Partei erschien und dort einen Vortrag über seine Auffassung der FinanzpoMik. hielt, den er am Nachmittag in der christlichsozialen Vereinigung wiederholte. Dr. Reisch, ehemals Sektionschef im. Finanzministerium, hat diese Besuche mit Wissen Dr. Renners abgestattet und es sieht ganz so aus, als ob die Regierung durch eine Beeinflussung^ der Mehrheitsparteien sich selbst zur Einigkeit zwingen lassen möchte. Das entspricht ganz der ängstlichen und kraftlosen Haltung, die sie bei allen wichtigen Fragen an den. Tag legt, wie. ihrer Geheimdiplomatie, :mt der man sich vielleicht noch befteunden konnte, wenn die Regierung wirklich die Summe geistiger Kraft darstellte, die sie sein soll. Aber wenn man sich diese Versammlung von Greisen auf dem Dach ansieht, dann, muß man doch sehr ernst dagegen Verwahrung einlegen, daß die Reform der Finanzen, die alle Not der Bevölkerung , in sich begreift, im geheimen, ohne Mitarbeit der Oeffentlichkeit vorbereitet werden soll, die wahrscheinlich über Intelligenzen genug verfügt, um dem Kabinett aus seiner Not zu helfen. ^: Der Finanzplan ist die persönliche Arbeit des Herrn Dr. Schumpeter, der nicht einmal seine Beamten im.Finanzressort zu Rate gezogen hat. Die Sektionschess, und Ministerialräte, die ja über einige Erfahrung verfügen, sind nicht in die Lage gekommen, ihre Meinung zu sagen. Ob sie nicht gefragt wurden,- weil man ihrer republikanischen Festigkeit nicht ganz; traut, entzieht sich der Kenntnis der Oeffentlichkeit, die! von der jetzigen Regierung so behandelt wird, als! wäre sie nur Steuerobjekt.. Dabei beträgt das Budget-! defizit jetzt schon sieben bis acht Milliarden und der An< leihebedarf wird aus etwa zwanzig Milliarden für die! nächsten vier Jahre geschätzt. Die Krone ist zu einer Bierslaschenvignette geworden und nicht einmal die sieben Centimes wert, die in Zürich notiert werden/ Es scheint uns, als ob die Regierung vollftändigj in die Irre geht und die Bevölkerung in das Labyrinth mitzieht, wenn sie sich überhaupt dm Kopf, damit zerbricht, das Budget mit den Mitteln Deutsch-! österreichs in Ordnung zu bringen. Was immer sie! yorfchlagt, ist unzulänglich. Ob sie nun Bilder oder Gobelins verkaufen und mit schachemden Antiquitäten-. Händlern sich herumschlagen will, ob sie durch Banken mit Amerika um einen Kredit handeln will — sie erreicht nichts. Es fehlt unserer Bevölkerung an aktivem Willen zur Arbeit, die Krtegsnot und die Verhetzung von links und rechts haben eine namenlose Apathie erzeugt, deren erste und wichtigste Folge das leider begründete Mißtrauen des Auslandes ist. Wenn die Regierung Deutschösterreichs Wertgegenstände ins Ausland verkauft, so wird der Erlös aufg eg essen und wir stehen dann wieder ohne Geld unk ohne Lebensmittel da. Es muß Arbeit geschafferr werden und da Deutschöstnreich dazu keine Fähigkeit- und keine Mittel hat, so mutz sie eben an das Ausland appellieren und den Mut aufbringen, ans ihrer Hilflosigkeit die nötigen Schlüffe zu ziehen. Wenn' wir unsere Eisenbahnen, unsere Straßenbahn, unseren' Bergbau nicht in Betrieb setzen können, so wird das! die Entente können. ■ Der Friedensvertrag drückt Deutschöstsrreich auf die politische Stnfe einer Kolonie herunter. Seien wir realpvlitisch^ sehen wir die Dinge, so an, wie sie sind und nicht, wie sie ein anm rmbe- / grundeter leichtsinniger Optimismus rnalen 'uutf. Wir jjjWifctt ftic Entente einladem tzas zu tun, was wir