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Wiener Morgenzeitung · 1919-10-08 · Heft 258 (8.10.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 258 (8.10.1919)
Date
1919-10-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Er hat in einem Aufruf an die - Jugoslawen ans geführt, daß sowohl die Kr oaten Ms auch die Italiener Opfer internationaler jüdischer Spekulanten seien, die einen Bruch zwischen diesen beiden Völkern herbeizuführen trachten. Der Aufruf schließt Mt dem Ausrufe: „Hoch das italienische Fiume! Hoch die italienisch-slowenische Eintracht!" ' Diese nagelneue Entdeckung des italienischen Mchters kann nicht verfehlen, die Aufmerksamkeit der Brunnenvergifter aller Welt von neuem auf den Mann zü. lenken, dessen literarischer Aame durch , seine Publikation -er an-ihn gerichteten Liebesbriefe der Düse einen ziemlich peinlichen Geruch erhalten hgt. D'Annunzio..ist. das Musterbeispiel des dekadenten Dichters, der h»fe. faulenden. Wundmale einer sterbenden Welt als Sujets für Romane verwertet, die der Schönheit alles ' andere unterordnen. Das. antike Hellenentum, dessen Zauber gerade in der heutigen, von wütenden Kämpfen erfüllten Zeit doppelt stark heraustritt, hat einen Kulturbegriff geschaffen, der, an ethischem Maßstab gemessen, letzten Endes nur hochmütigster Chauvinismus ist, der olles andere als Barbarentum verachtet und als Vater einer Moral angesprochen werden kann, die die Welt von. heute in Trümmer gelegt hat. Ganz antik war es. tpenn d'Annunzw, die Dekadenz mit der Romantik verkirüpfend, in Theaterstücken, in Romanen, in Liedern die Adria als das Meer Italiens -besang, dem die Habsburger Monarchie den Weg zur Größe versperrte. Antik es,- daß hie Italiens mit seinen DreibMdgenössen verschmäht, am Gxabmal Garibaldis den Krieg; predigte, mit entzückenhev, großer Geste, Liebling mrd Führer der bis zur iMÄrehitze aufgepeitschten Volksmassen, die widerstrebenhen Onorevoli zur Kriegserklärung zwang. Es wäre beleidigend, diesen großen Dichter mit dem Sängergeichlecht zu vergleichen, das in den Mittelstaäten von sicherem Port aus die Schönheit des Schlachtfeldes dichtete. D'Annunzio hat seine Haut zu Markt getragen, ist im Feuer gestanden und hat in dem berühmten, vom Wiener Kriegspvessequartier bespöttelten Flug nach Wien eine militärische Großtat gesetzt, wie Mche die Tyrtäosse der besiegten Staaten nie gewagt hübest. Er hat, wieder ganz im Zuge seiner hellenischen Weltauffassung, jetzt, ein Jahr nach dem Ende des Krieges, unnötigerweise ^inen neuen Krieg an> gezündet, indenr er, das Beispiel Garibaldis' kopierend, Mn Zug nach Fiume antrat, der bas Selbstbewußtsein der eben zur Unabhängigkeit geeinigten Südslawen auf das schmerzlichste verwunden mußte. Der - Dichter, 8er in die Politik gerät, kümmert sich nicht um die Wirkungen seines' Unternehmens. Die heroische Tat, dre" sein Volk ob ihrer einfachen, leicht faßlichen Konzeption bewundert, bestaunt, bejubelt, hat schwere Konflikte geschaffen und fast schon zur Ausschaltung Italiens aus der Entente geführt, die durch den Mund Englands und Amerikas mit der Entziehung derKohleu- , ljeferungen droht. Aber Kohlen und d'Annunzio! V l Dichter, so sagt man, haben ein feines Verständnis für den Pulsschlag ihrer Zeit. Fast scheint es, als ob dieses Wort wahr Ware. Es. ist aus diesem -Krieg'ein tobender Lärnr gegen die Juden entstanden'. Es ist-Adobe geworden, alle durch den famosen „Weltfrieden" entstandenen Konflikt« auf ein Geleise zu schieben, wo man leicht einen Blitzableiter für die eigenen dunklen Pläne finden kann. Auch'das italienische Universalgenie d'Annunzio' ist unter diese Konjunktur- Politiker gegangen und sein neuester Trick wird in d>«r ganzen Welt als Ueberraschung empfunden werden. Kör Brennpunkt, in dem die Schmerzen der Völker i Mainmenlaufeii, ist das jüdische Herz. Der große j Mäbriebe macht dieser Strömung seine Verbeugung und flucht' den' internationalen jüdischen Spekulanten, die zwischen Kroaten und Italienern Feindschaft säen. Wiei ' Wann? Mit welchen Mitteln? In dem ganzen streit. um die .dalmatinische Adriaküste hat'man bis- ' hepte keine einzige, jüdische Stimme gehört. Kein Jude Hat ei» Interesse an diesem neuen Krieg: Aber der Untisemittsmus, der einfach , zum, Wesen desNicht-^ Wen gehört, ist ebenso' unaufhaltsam wie Pest und' schwarzer Tod. Er übersteigt die' Alpen und, siehe da, Gabriele d'Annunzio beugt sich dem nenen Hott..mit erschauernder Seel«. Die Ukraine erklärt Denikin den Krieg. Kamenetz-Po dols k, 6. Oktober. (Ukrainischer Pressedienst.) Alle Bemühungen der! nkrainischen Regierung, den Kampf mit Denikin zu vermeiden, sind gescheitert. Die ukraini» schen Truppen wurde» von der russischen Freiwikigenarmee überfallen, Woraus die ukrainische Regierung Denikin den Krieg erklärte. Das Vordringen der Denikin-Truhpen «ach dem Westen wurde ausgeh alten; es finden heftige Kampfe bei tzolhopol und Krystynowka statt. Hinter der Denikinsront find BauernansMndo ans^ gebrochen. - Friedrich übernimmt die Verantwortung. Der Friedrich, dem die Entente noch vorgestern ’ die Anerkennung verweigert hat, tritt in die Fußstapfen Wilhelms von Hohenzollern. Er wird alle zerschmettern. So hat er in einer Rede verkündet, die er vor seinen weißen Pogrombanden in Keszthely gehalten hat. Er ist dabei wie jeder Eisenfresser auch noch feige. Es haben, sagt er, keine Judenverfolgungen, sondern Kommunistenverfolgungen stattgefunden. Waren etwa die ermordeten Kinder, die 14jährigen Mädchen, die den weißen Offizieren in die Hände sielen, Kommunisten? Von nun an, sagt er, soll das Gesetz herrschen. Und im Namen dieses Gesetzes proklamiert der Friedrich die Vorherrschaft des christlich-nationalen Geistes, also die Rechtlosmachung der Juden. Und das ist ein Minister? Er weist allen, die anders als christlichnaüonial denken, die Türe. Nun, das hat auch Wilhelm getan, der schließlich davonrannte. Friedrich erzählt von dem Wohlwollen Englands. Das gilt aber nicht ihm, sondern den Ungarn bewohnenden Menschen. Die englische Presse, die ja die Stimmung Englands besser kennen muß, sagt dem hat schließlich erklärt, die Verantwortung für die Pogrome trügen zu wollen. Dieses Zugeständnis ist sehr wertvoll, denn man wird in Zukunft feine Dementis und Lügereien in der richtigen Art zu werten wissen: als Aeußerungen eines mongolischen Zynikers, die das Papier nicht wert find, auf das sie geschrieben werden. Der Bericht, dm der Friedrich durch einen armen, unschuldigen Draht hinaustelegraphieren läßt, lautet: Budapest, 7. Oktober. (Nng. Tel.-Korr.-Bur.) Ministerpräsident Friedrich reiste Samstag nachmittags in Begleitung der Minister Huszar, Ereky Mv Csillery sowie des Pressechefs Ministerialrates S z a k a c s nach Transdanubien. In seiner Begleitung befanden stch auch der englische Geistliche N c l l y o f N a l l y und der englische Kapitän Mac Lean. In Siosok wurde der Ministerpräsident von Kommandanten -er ungarischen nationalen Armee an der Spitze einer Offiziersdeputalwn begrüßt, der unter anderem sagte, die Regierung werde eine begeistette Md unerschiitlerliche Armee hinter sich finden. Der Ministerpräsident dankte für die Begrüßung und gab seiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß die nationale Armee, welche sozusagen aus dem Nichts in acht Wochen geschaffen worden sei, sich so prächtig entwickle. InKesz 1 hely, wo der Ministerpräsident jubelnd begrüßt wurde, hielt er an die Menge eine Anprache, worin er erklärte: Nach dem Zerstörungswerk, welches die glaubensfeindliche Internationale mddie destruktive Richtung verübten, kann nichts anderes kommen, alsdiechristlicheund nationale Richtung. Wir werden hier niemanden mehr dulden, der seine eigene Nation verleugnet und zur Internationale hält. Der Ministerpräsident hob sodann hervor, daß er n i e m a l s mit Wehklagen und Bittenwinselnd vor die Entente getreten sei. sondern stets die selbstbewußte ungarische Nation vertreten habe. (Eljenrufe.) Diese Nation sei nicht in den Krieg gegangen, um zu rauben, sondern weil sie die Verbündete Deutschlands und Oesterreichs war. Redner fuhr fort: Seitdem eine starke christliche, nationale Regierung besteht, habe ich die Sympathien des Auslandes für die ungarische Nation wieder vergrößert. Seitdem man sieht, daß die Nation erkannt hatte, daß sie ans niemanden anderen als auf sich selbst rechnen kann, haben wir einen guten Freund gefunden und das ist England. (Stürmischer Bestall.) Die englische Mario«, deren Vertreter sich unter uns befindet, war die erste, welche anerkannt^ daß Ungarn eine großes Unrecht widerfahren sei, und Eng-? land übernahm dieVerpflichtuna, Ungarn zuversorgen. (Eljenrufe.) Der Ministerpräsident verwies sodann daraus» daß die Entente noch mehrere andere Wünsche! Ungarns erfüllt habe, so den Wunsch nach Errichtung von acht Divisionen. Ferner wurde der amerikanische Oberst Causey betraut, die Kohlen Versorgung Ungarns zu sichern und mit den tschechischen und der serbischen Regierung kam eine' Vereinbarung betreffend die Durchfuhr zustande. Dev Ministerpräsident glaubt, daß es gelingen werde, für den Winter eine Kohlenkatasirophe zu vermeidend (Lebhafter Bestall.) -- i Der Ministerpräsident erklärte sodann: Vom ersten Tage an nahm ich den Standpunk rm, mit den Vertretern der Sozialdemokraten, welche so leichter Dinge Kommumstentührer und erst danw wieder Sozialdemokraten wurden, nachdem dm große politische Wendung eingetreten war, mich n i cht zusammen a n einen Tischzusetzen. (Lebhafter Beifall und Eljenrufe). Nicht eme Regierung will ich mit ihnen bilden, sondern a br e ch u e n wrll ich mit ihnen. Hier gibt es kein Verhandeln mehr (Stürmischer Beifall). Man sagt, daß in Transdanubien der weiße Terror herrscht, daß die F r i e d r i ch b u b e » die a r m e n u n s ch ü l b i s e n I n d e n hängen. das, mas? geschieht. I» TransLannVien gibt es keine"Küß>e«rk Verfolgung» sondern eine KornmunistenverfvLgung. Daß aber fast jeder K p m m u n i st ein Jude war, dafür kann ich nicht. Ich will dieses Land reinigen, aber ich will selbst dieses Werk verrichten und gehe nicht in d ie N a ch b a r s ch a f t um einen.Besen. (Lebhafter Beifall.) Win wollen den Mrst hinausfegen. (Stürmischer Beifall und Rufe^ D i e u fc t n!) Es ist wahr, daß die Kommunisten z u in großen Teile Juden waren. Diese werden auch die gerechte Strafe erhalten, aber das Gericht wird entscheiden, wer schuldig ist. Niemand anderer hat das Rechts sich da einzumstchen. Hier muß Ordnung sein, hier dürfen niemals wieder Ruhestörungen Vorkommen. In diesem Land hat jede! Revolutron Md Gegenrevolution ein'Ende. Hier wird (lebhafte Eljenrufe). Man w. utsc herrsche» und nichts anderes breitet das Gerücht, daß man in Budapest einen |Uu gegenmich unternehmen wird. Nun, sie mögen es versuche wenn sie es wagen. Sie haben mir auch gesagt, ich möge sie - die Neglerung hiueinnehmeu. Ich war bereit, hierüber zu ve handeln. Ich nehme sie « die Regierung hinein. Ich ernenne f alle zu R, e g i e rn n g s k o m m i ss ä r e n in Tranvan u br e n. Hier können sie zeigen. - wie sehr die ungarisö Natron hinter ihnen steht (lebhafte Heiterkeit). Der Ministe Präsident erklärte dann, daß alle Anstrengungen.vergeblich seie denn 90 Prozent seien ■ christlich «ud national unb-werden es bleiben. (Stürmische Eljenrufe.) Er 'sei'd^e erste M i n r st e r.p r ä s i d ent gewesen, der es wag auszusprechen, daßdrefesLandchristlich bleibe w rr d. Er habe gewußt, daß dies zu schweren Konsequenz, fuhren werde, aber er kenne kernen anderen Richter über sich, a die Natron. Der Ministerpräsident verwies Wetters auf die schwierige finanzielle Lage des Staates, Um Bedürfniffe monatlich eine Milliarde übersteige Deshalb sei es notwendig, daß jedermann seinen Steuervc pflrchlungm Nachkomme und arbeite. t Der Ministerpräsident schloß: Wenn jeder ferne Pflicht t und den chrrstlrchen und nationalen Gei pffegt, dann haben die 8 bis 10 Millionen Ungarn an d Donau und Theiß noch eine schöne Zukunft. Eine Natron, d nicht genergt rst, auf etwas zn verzichten, wird beweisen, U 90 Prozent der chrrstlichnationalen Richtung folgen und rms Tun rechtfertigen, die wir in die eine Hand das Kreuz und in die andere di nationale Fahne genommen haben. (Lebhafter, langanhaltender Beifall '-nt Eljmrufe.) . , Der italienische König ratifiziert die Frieöensverträge. Mail and, 7. Oktober. cKork.-Bm.) „Corriere dskr« Sera" meldet au« Rom: Der! König unterzs-chnete Dekrete, wodurch die Friedensverträge vo« Versailles und Laint- Germai« ratifiziert werden. Die Regierung wird ermächtigt, di« Verträge «oll und ganz zur Anwendung zu bringen. Ferner wird »ersögt, daß die Dekret« dem Barlamsutc «orgelegt WAcke»o>m,voa_djeIem L«m <M«k erbeben t» werden.

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