Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 257 (7.10.1919)
- Date
- 1919-10-07
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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f Seite 6 Men, Dienstag?. Oftfebtt' 15X9 Rr. 257 Kommunales. ■•> Aus der Bezirksvertretung Alsergrunds Bei der am 1. d. M. stattgefmidenen Sitzung der Bezirks- Vertretung Alsergrund richtete der Bezirksrat Dr. Weiner an dm Bezirksvorsteher Schober die Anfrage, ob ihm bekannt fet, -aß beabsichtigt werde, das Armenratsmstitnt ausznlöscn und die Armenpflege besoldeten Beamten anzuvertrauen und ob er bereit sei, gegen diesen Plan, welcher sowohl cm§ prinzipiellen Gründen als auch wegen der budgetären Belastung der Gemeinde Wirnzu verwerfen sei. entsprechend cnrfzutretm. Der Bezirks- Vorsteher erklärte, daß ihm von bicfein Plane nichts bekannt sei. daß er aber gegen ihn energisch anftreten und auch der Bezirksvertretung Gelegenheit gebe«' würde, dazu Stellung zu nehmen. Bezicksrat Robert Auer führte Beschwerde über die Ber- Weigerung einer Konzession durch dir Laudesrraierunq, obwohl die EezirkSvertretuna zweimal dir Erteilung der Konzession besürworttt hatte. Auch m diese« Falle sagte der Bezirksvorstcher sein Einschreiten zn. Im Laufe der Sitzung kam es auch zu einer Debatte Über die tz i ü ch r l i n g s a u Z w e i s u n g. in welcher Bezirfsrat Robert Auer das Wort ergriff und gegen die Panschalverdcichtigung der jüdischen Flüchtlinge Stellung nahm. Bn dm Ersatzwahlen für das Armenratsiustitut wurde Rechnungsrat Moses Weiner zum Armenrate gewählt. Ber den demnächst stattfindenden Neuwahlen werden der jüdifchnationalen Partei acht Mandate eingeranmt werde». Die Ernährung. Der Marktbericht. Dw Beschicümg ber Märkte fiel gestern fv schlecht aus, daß die Borräte der meistere Marktgebiete nicht einmal ^ur Deckung des schwachen Montagsbedarfes reichten. Gemüse gab eS nur in knapp ausreichender Menge, zur Verfügung stand fast ausnahmslos nur seemäßig gebautes! Gem üfe gab es nur in knapp ausreichender Menge,zur Die Fis chmärkte boten nur Reste an gewässerten And geräucherten Klippfischen. gn ber Großmarkthalle wäre« nichts als Mettwürste und Selchfieisch für die Nachzügler zu haben. Heute kommt Geflügel zum Verkaufe. Reichlich waren nur di« Obstzufuhren, die noch sin Zunehmen begriffen sind. In der Bik tu alienhalle fin 'S. 'Bezirk allein kamen heute 6 Waggons Aepfel an, vow wachen 5 aus iBteiermark stammen. Auf dem Naschmarkte gibt es außer Aepfeln auch Birnen Und täglich Weintrauben in großen Mengen, das Kilogramm zu 13 bis i14 Kronen. Karivsfclnbgahe. Diensatg bis Donnerstag werden im 2. Bezirk ein halbes Kilogramm Kartoffeln (ausländischer Herkunft) pro Person zum Preise von K. 2.(50 für. das Kilogramm und im 17. Bezirk ein halbes Kilogramm Kartoffeln (inländischer Herkunft) pro Person zum Preise von K. 1.80 pro Kilogramm gegen Abtrennung des Buchstabens .ßy* der Kartoffelkarte abgegeben. Auf dem Markte im -AI. Bezirk weiten außerhalb der Rayonierung ein halbes Kilogramm Kartoffeln pro Kopf zum Preis« von K. 3.84 Nge« Durchlochung des Buchstaben- „%* am Unteren Rande der Mehlbezugskarte verkauft. — Die gemeldete Abgabe von Kartoffeln im 11. Bezirk von Samstag bis Montag beruhte auf einem Irrtum und werden in diesem Bezirke Dienstag bis Donnerstag ein halbes Kilogramm Kartoffeln ausländischer Herkunft zum Preise von K. 2.60 gegen Abtrennung des Buchstabens „D" der Kartoffelkarte abgegeben. Lauerkraut wird ohne Einschränkung der Menge und ohne Ausweiskartc zum Preise von .70 Heller für bas Kilogramm abgegeben. Rudolf Feldschuh. If.f Praterstrahe 54. Zuckerrchgabe für August, Schokolade, Ter, Kakao, Tischwemr, Sardinen usw. Geöffnet von 8 bis 12 und V,3 bis 6 Uhr abends. Jüdische Volksgenosse«! Was der Jüdische Naiionalrat dm Juden ist und was er für sie leistet, wird mit jedem Tage klarer. Die jiidischen Mandatare sind unaufhörlich tütiy, um den Juden zu ihrem Rechte zu verhelfen, fte leisten Unübertroffenes auf dem Gebiete der Aufklärung und der Wahrung jüdischer Würde. Vor nicht zu langer Zeit hat das energische Dazwischentretm des Jüdischen Nationalrates für Deuifchösterreich hie Erlassung eines Ausweisungsbefehles geam die jüdischen Flüchtlinge zu verhindern gewußt. Auch jetzt, wo die Kundmachung doch erfragte, ist der Jüdische Nationalrat nach Kräften bemüht, dasAenßerpe abzuwmdm; er stellt sich schützend vor die Volks- ' genossen und geht ihnen mit Rat und Tat an die Hand. Jedermann muß es aber auch als eine Ehrenpflicht ansehm, dem Jüdischen Naiionalrat seine schwere Aufgabe zu erleichtern. Daher ergeht an alle volksbewußten Juden die Aufforderung: Zahlet Volkssteuer! Zahlet sie so rasch als möglich! Auch wer gezahlt hat, mache eine weitere Anstrengung! Gebe jeder so viel er Kanu, ja wehr als er kann! Jüdischer Nationalrat für Dentschvsterreich * Einzahlungen werden bei allen Wiener Wechselstuben der Mercur A.-G. und bei unserer Kasse, * Wien, II., Tahorstnake 20a (Herrn Lrwi.n K ob n), 7 ^evtLAWLMvmmen.. Das beste Mittel zur Propaganda und Aufklärung bildet die Broschüre des Abg. Robert Stricker: Preis K 2.50. - Zu beziehen durch die Administration der „Wiener Morgenzeitung“, Wien, II. Bez„Taborstras8e1—3 Nor gegen Voreinsendung de« Betrages, gegen Nachnahme wird nickt« versendet Bühne und Kunst. Konzert Joses Schwarz. Amerika gönnt uns noch fite eine Welle bas Vergnügest, J'osef Schwarz hören zu können, ehe auch ihn der große' Voldstrom magisch hinüberzieht. In diesen letzten Kom» zerten kommt es uns doppelt zu Bewußtsein, wie viel wir verloren haben, als wir den Sänger an die Beigaben. Diese Stimme ist reich gesegnet mit Vorzügen,^ die man sonst nur bei Tenören antrifft: lyrische Weichheit, Wärme und Glanz der Mittellag« und bestrickendster Wohllaut dort, wo sie sich voll gedrängter Süße in das leuchtende Kopftegister verivandelt. Kein deutscher Baritonist verfügt heute über ähnliche Gaben und man gebraucht kein schieM, Blld, wenn man Josef Schwarz den Caruso unter den Baritonsängern ne,mt. Sein eigentliches Reich ist die' Bühne und dort die Berdische Oper. Aber er hat ebenso' erfolgreich die besonderen Bedingungen des Liedgesangvs erforscht und in weiser Begrenzung seiner VestaltungsfWgkM ein Repertoire studiert, das ihm auf dem Konzertpodinur! ermöglicht, die intimsten Wunder feiner Gesangsknrrst zu ritt*" hüllen. An seinem ersten Abend begann er mit Schubert, und aus dem Melodienstrom dieser Meisterlieder leuchteten,' all« Schönheiten des Organes strahlend hervor. Ein« Arie! aus .Maskenball" zeigte den Sänger des italienischen Opern» salans: Leidenschaft, gebändigt durch, Eleganz und Rohlest«. Zwei Lieder von Korngow stellten den Tribut an die Mobpme dar. Auch sie bemühen sich trat die welsche Gesangslinie,' streben mit Netmckt nach Einfachheit des Ausdruckes. Wer man merkt die Anstrengung neben dem einfachen, ungekünstelten Musizieren dealten Verdi. Lieder von Strauß imb Gretfchaninvw beschlossen dev Abend. Der „Schwan" von Grieg wurde als Zugabe erzwungen, ehe das begeistert^ Publikum den Saal verlassen wollte.. Sin zweiter Mond ist noch in Aussicht gestellt, der Josef Schwarz in ''tzinev Roll« zeigen soll, die den Wienern neu ist — als lAöpgev hebräischer Lieber. Man kann dieser dankenswerte» Ar»" grammwahl mit Spannung entgegensetz«*. Dr.K-M- Deutsches VolksLheaLsr. (Znnr ersten Male: „Vas höhere Leben", Komödie in vier Alten von Hermann Gndermann.) In der Blütezeit des „Simplizissimus" erregte Einmal > eine Karikatur Clülbrannssons „Sudermanrr mit und ohne Bart" lebhafte Heiterkeit. An, dieses Doppelbildnis muß man unwillkürlich Lei der Aufführung dieses Stückes denken- Diese Komödie schrieb jener zweite Sudermann (ohne den berühmten Bollbart), der sein gutes, so lange Jahre mit Erfolg geübtes Handwerk des DramenzimmernS ungenützt laßt und sich aufS „Subtile" verlegt. Du meine Güte, was da herauskommt! , Wie solch eine Halbweltdame Sudermannschen Geistes aussiehr, die den Männern ^bas „höhere Leben", das ist nämlich bas Leben des „höheren RäuscheS" vaugaukelt, um sich «Mich ein behagliches Heim zu eraanern, und sich, vom Freund ihres letzten Opfers entlarvt, rasch noch einen Vorgänger des endgültig verlorenen Ehegatten als Nachfolger sichert, wie sie sich daun im letzten Austritt (allen Ernstes!) als Rächerin und Bor-' kämpMir des „Jahrhunderte niebergehalwnen Frauengeschlechtes" entpuppt — — das ist eü,e wirklich peinliche Angelegenheit, Über die man besser schweigt. Jedenfalls wachsen bis Sympathien für den Sudsrmann mit Bart, wenn man einmal jenen ohne Bart zu sehen und hören bekommen hat. Alles an diesem Stücke ist gequält, unbehaglich, KckünsÄt und ber etngestvmte „©eijr ist schweißtreibend. Dazu waren die weiblichen Hauptrollen nicht glücklich besetzt. Der Gewinn des Abends: Die anmutige Kunst d«S Herrn Edthofer. Sehr tüchtig Herr Werner-Kahle und Fron Hetsey. Nach dem dritten Akt gab es starken Beifall und starkes Zischen. A. , Wiener Stadttheatsr. Direktor Jarno will in der Iofefstadt allem Anscheine nach ganz« Arbeit machen und hat sich mit sicherem Griff SchönherrS „Weibsteufel" einverleibt. Dazu ist freilich keine große »Arbeit nötig gewesen, wenn man Herrn Mart, derzeit Wiens männlichste Theatererscheinung, an sein Unternehmen gefesselt hat, Herrn Treßler aus seinem Kabarett herbeiholen kann — zweimaliges Auftreten an einem Abend bietet die Möglichkeit einer Extrareklanw — Und Frau Niese zu den Stützen seines Ensembles zählt. Diese — ihre männlichen Partner kennt man ja von der Burg her — bietet als Weib mit den aus ihrem Schlummer geweckten und nun hochauf flammenden Jnstlnften «ine fesselnde und eindrucksvolle Leistung. Daß der herben Wucht der Tirolerin ein Tröpflein des unwiderstehlichen goldenen Niese-HumoxS sich zugesellt, ist bet ihr selbstverständlich; an dern Wert der Leistung ändert der Umstand nichts. Einen reichlich ebenbürtigen Partner Hat die Niese in Herrn Mar r, dessen „Grenzjäger" ein vollsaftiger, lebensprühender Naturkert ist, wie ihn baS heutige Wiener Theater nicht eben jeden Tag zu bieten vermag. Neben den beiden verblaßt das „FlasckMmanderk" Herrn T r e ß l r r S. Gr spielt den Jämmerling gu-k, aber tiwu merkt es immer, wie er ihn spielt. Routine mstß gegen Nätur unterliegen. Und dazu fehlt seinem „Manne" alle Bodenständigkeit, auch in jenen seltenen Augenblicken, wo er sich bemüht, im Dialekt z« rederc. und Im ganzen aber eine starke, sehenswerte Vorstellung für Herm Jarno, «st, neuer Erfolg, . a. f. IT erstklassige! Qualität, sein preiswert Emarmel Reicher — Direktor eines jüdische« Theaters in Rew-Pork. Aus N e w - N o r k wird die erfreufiche Nachricht gemeldet, hast sich Emanuel Reicher, der große Berliner Künstler» das be-, rühmte ehemalige Mitglied der Brahmsbühnr, ganz dem Mdischnr Theater zugewendet hat. Gr hat die Leitung des neuen Ü?«»* Korker »Jewish Art Theater" übernommen.' Reicher hat für das neue Kunsiinstitut, in welchem natürlich nur in jüdiMev Sprache gespielt wnd, einm Beirat gewonnen, dem nebst den! Schauspielern des Theaters die Kritiker der New-Dorker jüdischen! Blätter und namhafte jüdische Schriftsteller angyhoren. Es Werden nicht nur die Stücke jüdischer Dichter in der Ursprache aufgeführt,! auch die bedeutendsten Werke der dramatischen Weltliteratur werde» in jüdischer Uebertraguug gespielt. Gleich in der ersten Woche! brachte Reicher Hauptmanns ^Biberpelz" m einer züglichen Darstellung heraus. Reichers „Jewish Art Thttt«E verspricht, eine jüdische Mustnbühm zu werden. Ans de« Theater«. Im B u r g tch e a t e r gelangt morgen Mittwoch. »D i e versunkene G l o ck e* zur Aufführung. Beginn Uhr. Im Schönbrunner Schloßtheater find^ morgen Mittwoch die Erstausführung von Beward S h a w S" ,C a n d i d a" statt. Beginn 6Uhr. Im O p e r n dH e a t e r wird morgen Mittwoch .D \ d EnNithrurlsarrsdemSerail* anfgesÜhtt. Anfang 7 Uhr. Im Stabith eater wwd morgen Mittwoch SchönherrS »WetbSteufel mit Herrn Msrr, T r e H l e r und Krau Niese gegeben. Beginn V»? Uhr. ] Kammersänger Josef Schwarz gibt am 15. Oktober im großen Konzerthauösaale einen klassisch e n und althebräis che «Abend. ES m dies daS erstemal^ daß ein Künstler vom Range des Kammersängers Schwarz sich auf dieses Gebiet begibt. In Berlin halte der Künstler mü viefe» Abenden sensationelle Erfolge und ist zu erwarten, daß sich auch hier dir jüdischen Kreise sehr dafür interessieren. Kammersänger Schwarz wird Lieder von Mendelsohn, vier bidlffcheHch sänge von D v o r a k, dir Hymne von B e h m. ,Die Mrv GottrS in der Natur* von Beethoven sowie daS striM von H ä n d v l und daS Kol Mre von L e w a n d o w S k i (mit Cello- und Orgelbealeitung) zum Vortrag bringen. Mul wirkend t Professor 8 o n r.S D t t ä (Orgel). H»yo KreiSlev (Cello). Das ReinerlrügntS fließt jüdischen wohltätigen Zweckest zu.Karten an der Konzertkaffe G ntmann, l., Kärntneri ring S, und in der Buchhandlung R. L ö w i t, Rotenturm^ strage SS. ' Irma, Strunz gibt am 9. Oktober. Uhr, im Wlener Konzer 1 h auß ihren sechsten B o v t x a e M abend. Das Prograntm enthält Dichtungen von Slom> Michelangelo, Verharren, Walt Wyltman, BarreErownin^ Poe, Ludwig Goblschtider, Hartleben. AvenariuS und Jelimch^ Karlen an der KonzerthauSkaffe und bei Kehlendorfer. Arnold Zwelgv: Nitualmord kn Ungarn. Die Aufführung der jüdischen Tragödie „R i t u a l m o rd i st Ungarn" von Arnold Zweig an der Neuen Mene» Bühne wmde für den 18. d.M. festgesetzt. Ein Teil des Möses ist durch Bermittsimg der „A r ch e" für jüdische Organisationen gesichert worden. Dev Kartenverkauf beginnt Üentd Dir«Sta.g an den Theaterkassen und in der Buchhandlung R. L8w!i, t.,RstkNttmnstraße SS. > Vsr Reinertrag wird zur Schaffung eines Reinefonds för arme PaÄ8tina»Eralgranten verwendet YerMMal „MM Erez Israelin,, Praterstr. 9 l Stock! | ■ -1r ^<||>- ' Wall»« sasaroiSHB olle Ghstrmki nstklasstne« Maierial. .,'Der 3nde." Heft 6 ist erschienen und enthalt solgende Beiftäge: M. Scigorin; Randbemerkungen, A. D. Gordo«: Unsere Selbstprüsmtg, Aakob RadinüwM): Kur Geschichte dtp Beziehungen zwischen Polen md Huden, .Samuel RgpvWrtr Dom rrllgivsen Lebe« der Osiiudm, David Baumgüldt: Ueoev dm innerm Aufbau der Jom-KippuEturgie. Gerhard Scholem i ns!- mittrlaljLrlichrö Klagelied, MartinLuber^ Die schwere rm -Lcov. Dmr. Wen, W., 'TkklL>vL.Ll.W.Im.} % stutze, Hugo Deraman«: DaS hebräische Puch und die deujs Zionisten. Hreis deS Heftes ki 4.80. Mit diesem Hefte schließt 3. Qetartal. Neue BierteljrhrabounemeutS 10.6t) nttimi N. L^w i t, Ve^gWeilung „Der Jude", Mim,Ws'