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Wiener Morgenzeitung · 1919-10-06 · Heft 256 (6.10.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 256 (6.10.1919)
Date
1919-10-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Tittoni bestano entschieden auf der sofortigen Ratifizierung der Friedensverträge von Versailles und Saint-Germain. Nachmittags beschäftigte sich der Ministerrat neuerdings mtt dieser Frage und beschloß, den König zu ersuchen, die Friedensverträge zu ratifizieren, wozu die Berfaffung das Recht gäbe und wie dies die Regierung in dem der Kammer vorausgegangenen Motivenbericht auseinandergesetzt habe. Die Zustimmung des Königs wird, um Gesetzeskraft zu erlangen, so bald als möglich dem Parlament unterbreitet werden. Die Regierung ist überzeugt, daß diese Handlungsweise als ein neuer Beweis der Solidarität zwischen Italien Md seinen Verbündeten gewertet werden wird. l Cholera und astatische Pest in der Türkei. Bukarest, 5. Oktober. (Tel.-Komp.) Das Rumänische Pretzbnrearr meldet: Iu Ho u st aut inopel sowie in der ganze n Türkei sindzahlrei che Eh o l e r af äIle zu verzeich«en. Aus den in Eonstanza aus der Türkei eingeirofferrerrPersonendampfer« find vier Cholerafülle yorgekommen, in Smyrna wurden bisher 25 Falle asi all sch er P est sestgestellt. Alle aus der Türkei in Rumänien eintreffenden Personen werden einer strengen Quarantäne unterzogen. Sozialistische Kundgebungen in Paris. Paris, 5<-Oktober. (Korr.-Bur.) Den Blättem zufolge veranstaltete die sozialistische Partei heute in ihrem Heim eine Versammlung zugunsten einer allgemeinen Amnestie. Die Regierung hatte die Abhaltung d er Versammlung in einem öffentlichen Saale verboten, weil, wie die „Liberte" meldet, die Amnestiefrage nur der Vorwand für die Einleitung einer ähnlicher: HeweMng. gewesen wäre, wie' sie unter den Eisenbahnern in England ausgebrochen ist. Sämtliche Redner verlangten die Amnestie aller Verurteilten des Zivil- und Militärstandes. Während, der Kundgebung kam es infolge der Gegensätze zwischen den Extremisten und den gemäßigten Sozialisten zu heftigen Tumulten, die. der „Libertö" zufolge, nach. Schluß der Versammlung m Zusammenstößen mit der Polizei ihre Fortsetzung fanden. BW; Leichte Besserung int Befinden Wilsons. V Haag» . 5. Oktober. (Meldung der Tel.-Komp.) Hollaudsch Nieuwsbmeau meldet aus Washington: Der Zustand des Präsidenten Wilson ist nach der Mitteilung seiner Aerzte wieder etwas ß eff c r. Er mußte den g<t nz eu Tag im Be tl verbringen und hat nur die Mitteilung von der Ablehnung der Äendemngsanträge des Senators Fall entgegengenommen, die ihn sichtlich erstellte. Washington, 5. Oktober. Doktor Grayson bat sich geweigert, sich über den Gesundheitszustand des Präsidenten Wilson näher zu äußern. Immerhin wird versichert, daß Wilson etwas Nahrung zu sich nehmen konnte und im Verlaufe des Freitags etwas geschlafen hat. Paris, 5. Oktober. „Echo de Paris* erfährt aus Washington aus sicherster, dem Präsidenten W i l s o » nahestehender Quelle, daß der Präsident auf alle Fälle während längerer Zeit nicht fähig sein wird, seinen amtlichen Pflichten vollwertig nachzukommen. Man werde daher wenigstens vorübergehend semanden mit der Erledigung dringender Angelegenheiten der inneren und äußeren Politik betrauen muffen. Der berufene Beamte hiezu sei der Vizepräsident. Allerdings sei es bisher nicht vorgekommen, daß der Präsident' während der Ausübung seines Amtes interimistisch ersetzt werden mußte. Ende des Eisenbahnerstreiks in England. London, 5. Oktober. (Korr.-Bur.) Das Reutersche Bureau meldet amtlich: Der Eisenbahnerstreik ist deigelegt. * ' Paris, 5. Oktober. „New Jork Herald" meldet aus London: Berichten aus den großen Industriezentren zufolge ist die Wirkung des Ansstandes auf die Industrie im allgemeinen nicht groß. Es haben zwar Fabriken geschloffen/im Verhältnis zur Zahl der Arbeiter des ganzen LgndeS handle es sich aber doch nur um einen kleinen Teil. Haag, 5. Oktober. (Priv.-Tel.) Der Streik der Eisenbahner hat London in schwere Nöten gebracht. Der Hyde-Park gleicht einer riesigen Garage, voll von allen möglichen Transportmitteln. Trotzdem war es der englischen Regierung nicht möglich, der Bevbllerung gewisse tärten zu ersparen. Dazu ist vor allem die Rückkehr zum atwnrerungssystem zu rechnen. ES soll allerdings nur für di« Dauer des Streiks Geltung haben. Folgende Mengen wurden festgesetzt: 10 Unzen Fleisch (1 Unze--- nngefähr 28 (Sjeaatm), 4®/4 Unzen Zucker, 8 Unzen Brot M Tc^eSratiou, Uuze Butter und 112 Pfund Kohle (1 engl. Pfund ---- 328 Gramm, also etwa 367 Kilogramm) für die Woche. Die Rationen sind, wie man sieht, allerdings ganz erträglich. Der Berliner Metallarbetterftreik. Berlin, 5. Oktober. Der Verband der Berliner Metallindustriellen hat die Annahme des Vorschlages des Metallarbeiterverbandes auf Anknüpfung ganz neuer Verhandlungen abgelehnt. Damit find die vom Oberbürgermeister W e r m u t h eingeleiteten Verhandlungen wiederum abgebrochen worden. Leipzig, 5. Oktober. (Priv.-Tel.) In einer vertraulichen Versammlung der Leipziger Unabhängigen, in der über den Eintritt in den Streik entschieden werden sollte, scheiterte diese Absicht an dem energischen Widerstand der Mehrzahl. Es wurde betont, daß die Zeiten für kommunistische Putsche vorüber seien. Die Arbeiter seien zur Ueberzeugnng gekommen, daß sie sich durch derartige Streiks nur selber schädigen, und zwar lediglich zugunsten des ausländischen Kapitals. Der Antrag auf einen Sympathiestreik für die Berliner Metallarbetter wurde abgelehnt. Die Bekämpfung der Verkehrsschwierigkeiten in Deutschland. Berlin, 6. Oktober. (Korr.-Bur.) Me das „Berliner Tageblatt" hört, find gegenwärtig Erwägungen über neue Methoden im Gänge, durch die man eine Hebung der Arbeit in den Eisenbahnreparaturwerkstätten zu erreichen hofft, wodurch die Verkehrsschwierigkeiten, unter denen die Nahrungsmittelzufuhr, die Kohlenttansporte und das ganze Wirtschaftsleben .leiden, vermindert werden könnten. ' Die Fiumaner Frage. Paris, 5. Oktober. (Korr.-Bur.) Der „Temps" meldet aus Rom: In parlamentarischen Kreisen geht das Gerücht, daß der Herzog von A oft a zum Oberkommissär der Verbündeten in der Fiumaner Frage ernanntwerden soll. Der Herzog ist gestern von Abbazia nach Rom zurückgekehrt und hatte eine lange Unterredung mit Nitti, dem er feine Ansichten darlegte, wie die Fiumaner Frage würdig gelöst werden sollte. Eine geheime Vanknotendruckerei in Krakau. Mährisch-Ostrau, 5. Oktober. Den Krakauer Blättem zufolge ist dort eine Geheimdruckerer entdeckt worden, die für den Druck tschechischer,' russischer Md ungarischer Banknoten eingerichtet war. Sieben' Personen wurden.verhaftet. . Der englische Le-ensmitteldienst in* Ungarn. ' Budapest, S. Oktober. (Meldung des Ungar. Del.-! Korr.-Büreau.) Die englische Lebensmittelkommission/ ' hie für die Lebensmittelversorgung der Hauptstadt im! Dolnaer Komitat Requisitionen vornirnmt, har im Laufe des Monats September 130 Ladungen^ Lebensmittel, das sind etwa 60.00 00 Tonnen, für dis Hauptstadt geliefert. In der Umgebung von Szekfzard; sind weitere 8500' Wagponlrdnngen aufgestap-elt. Dis' Kommission wird ihre Tätigkeit demnächst in das Fehe-! rer - Komitat verlegen.'; .,ji ''? : Budapest, 5. Oktober. Meldung des Ungar. Tel.-' Nprr>Burvau.),. Seit Freitag, nachmittags find hieu ÄerhandlünMtt im ZuZr.'-di«' für' die Versorgung deÄ Landes und dessen wirtschaftliche Zukunft., zweifellos; von . sehr großer Bedeutung sind. V f / ‘ .Der Sviiderbeaustragte des Versailler-Obersten Rates, Unierstaatssekretär Sir George Clark, der sich auf'der Rückreisi von Bukarest hier aufhält, lieW ^enMiuisterpräfidenten Friedrich in die in der BurK befindlichen Lokalitäten der englischen Militärmission! bitten, wo der Ministerpräsident zunächst mit dem Be^ anstragten . für die Ernährungsangelegenheiten füv Osteuropa, Buttler, verhandelte. Sodann hatte er ich Anwesenheit des englischen Generals G'orthon eine? änderthälbstündige Besprechung mit Clark, in der es sich um. Fragen von entscheidender Wichtigkeit handelte, mtfi deren Erledigung die ungarische Regierung, nach Jnfor--«, mationen, die das Ungarische Delegraphen-Korrespon^ denz-Bnreau von zuverlässiger Seite erhalten hat, ich vollkommenstem Maße zufrieden sein kann. . fi 'Samstag vormittags erschien -der Stellvertreter! desErnährnngsmiuisters H o o v e r, Minister Sir William G o od, in Begleitung B u tt lers/ sowie Mehrerer englischer Offizisre nrch Fachleute beim^^ MijtiftMchäfiheüMrj der die Gäste in Anwesenheit des Finanzministersj Baron Koranyi und des Ernährungsministers EreL empfing.. Im Laust.der etwa zwei.Stunden währenden! Verhandlungen würden nichtige Ernährungsfragen-.j Kompensationstrausaktionen 'und Finanzfragen besprochen und teilweise einer Erledigung zugcführt. Hiebei! wurde^ beschossen, daß sowohl die Ernährungswie' die finanziellen Detailfragen in den einzelnen Rcssortmmffterien im Wege von Unterausschüssen durci)ve- Mtenwerden. ,, . ._f>.- Wie die zaristische Regierung den - Frieden vereitelte. Deutschlands Fviedeusangebot an Rußland im Juli ISIS. Berlin, 4. Oktober. In den ^Hamburger Nachrichten" hatte Dr.Spiekernagel über einen deutschen Versuch vom Juli 1915, mit Rußland zum Frieden zu komme», berichtet. * Auf eine Anfrage machte der frühere Reichskanzler Dr. v. B e t h m a n n H o l l w e g dem Herausgeber der. »Preußischen Jahrbücher", Professor Hans D e lbrück, dazu folgende Mitteilung: l „Die Angaben Dr. Spiekernagels sind in fast alle» wesentlichen Punkten irrtümlich. Falsch ist zunächst die Meinung des Mitarbeiters der ^Hamburger Nachrichten" , als hatte es erst einer Anregung der Obersten Heeresleitung bedurft, mn im Juli 1915 Fühlung mit Petersburg über Friedensmöglichkeilen zu suchen. Tatsächlich hatten wir schon längere Zeit vor dem Juli des ge- . nannten Jahres durch verschiedene Mittelsmänner die Stimmung in Petersburg sondieren lassen. * * * Was insbesondere die Mission des in dem Artikel genannten dänischen Staatsrates Andersen betrifft, so reichen die Anfänge der mit unserer Kenntnis und Förde-, rung unternommenen Bemühungen dieses hochverdienten Mannes bis zum Beginn des Jahres 1915 zurück. Sein Petersburger Besuch im Juli war nicht der erste. Richtig ist, daß dieser Besuch ebenso ergebnislos verlief, wie seine vorhergehende Reise in die russische Hauptstadt, j Falsch ist, daß in jenem Moment eine günstige BerhandlungsbafiZ vorhanden gewesen sei: bielmehr stellte sich heraus, daß man in Petersburg unsere militärischen Erfolge nicht so hoch einschätzte, um einen Schritt zu Verhandlungen über einen Sonderfrieden als geboten zu erachten. Der Zar hielt daran fest, daß er an sein Wort gebunden sei, nur gemeinsam mit seinen Alliierten Frieden zu machen. Die miMri^chm Kreise wöllten von einem Frieden mit Deutschla'.'d erst dann! etwas wiffen, wenn wir vernichtet wären. Die öffentliche Meinung war noch völlig westmächtlich orientiert und p^rh?rreSzierte stde NZnähenrng. Was den.. Leiter der

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