Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 252 (1.10.1919)
- Date
- 1919-10-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ijteefaLjÄ® Keller ^öaaaurfnJisjjivpi-.rHje: W l PU' W! ptJi'u'Üi'iig MS MonaUlch. . . . K t!.~ . .sr«.— . , 33.- Nanxkalirlg . . . .UM.— Mir r>osn M-natirö, . - K jJin-faJtaUir«*! . . .. 2r>— ßallijl'vJjin.g . . . .. SimjjüJftTtg . . .100.- Tfilt bis TschriLo.Tlowalei seife» obige ÄenugSpreise m lichrckiicher Wnhriuig. Nr. 252 ij* Wien, Mittwoch, den 1. Oktober 1918 Urrrs ^8L© Keller V « »« ttte» at iött< - greife l&v Vs» Ar,st»n>r Monatlich - - -L 10.- jßlttkclt&bvie . . .. «so.— aMSirvre . . ... oj>.- (ÖätJtfiUjfcip « - .. 120.— $Ubikti«MT u.AdminiKva-; ■ tion: Mr»ttÄrr.?ab»rstratz« - r-:r &tUpht>ut‘. Administrnticrt 14038, Wdakii»« 4381S. »t» V Uhr «veov« Ur. 16801 >igSsr 1. Jahrgang Wir «nd die Anderen. k Wien, 1. Oktober. In den letzten fünf Jahren sind gewaltige vEsche' und wirtschaftliche Umwälzungen vor sich gegangen, in Mitteleuropa sind neue Staätsgebilde entstcmden, die RegierungsmeLhoden sowie die pcirla- .uentarische Betätigung in den PertretungsKörpern her einzelnen Staaten ist aber leider von denselben beschränkten Gesichtspunkten beherrscht, die nicht nur yim Weltkriege führten, die derzeitige trostlose wirtschaftliche Lage der produzierenden Volksrichter: . allüberall und besonders irr Oester- -eich herbeisühcten. sondern auch ohne Betretung keugr Bahnen zur Katastrophe ganz Mitteleuropas lowie Osteuropas führen müssen. Man sollte doch anrehmcn, daß angesichts des Mnhlich wachsenden 'ozialen Elends sowie weiters der zunehmendenVerbmemng 'der physiftl) und' geistig Arbeitenden ' gegen?in Parteiwesen, das der Bevölkerung statt Brot und Kohle die Steine der nationalen* und konfessionellen/ ."»er Bassen- und Klassenverhe^iing bietet, die führenden Politiker aller Nationen und, Wer Staaten endlich die Streitaxt begraben, und an/die Stelle ihrer einseitigen FraKlivnspolitik endlich zu einer '.größzugWN ÄZirtjchaftspolitik schreiten werden, Statt dessen hören die Rekriminationen zwischen Wien. Präg, ^Warschau. Pest nicht auf ru:d in jedem, dieser Zentren mache;: die verschiedenen Parteien und..Frah.tlon.eu'. einander für die heutige Lage verantwöMch, obwohl. der unparteiische Beobachter an der. Hand von unwiderlegbaren Tatsachen ihnen allen zusammen zurusen könnte: „Vosira cnlpa, vostra. rtmiina culpa \“ Wahrhaftig, es wäre besser, nun endlich Ke 'jo-ftrciünge Bergangmhcit,zp liquidieren und sich, darüber,'.Klar zu werden, baß fmnsere poWchcn . PWiM^nup, plmnn / Geschichte erlangen werdöüIivMn siePmd mrd sonders mit Len Traditionen der BecaangenheiL brechen. Diese Parteien müssen endlich erkennen, " das; sie und der gesamte Parlamentarismus, ja sogar die gesamten estaatslustitutioneu sämtllchrr ucnevstnnbcner' Nailonalsiaaten keine Existenzberechtigung besitzen, wenn sie nicht ein friedliches. Zusammenwirken der Bürger jedes einzelnen Staates und den Zusamnienschluß der geogcaphisch wie wirtschaftlich aufeinander angewiesenen Stuatsarbilde zu eiucru großen ' Kultur- und Wirtsch'aftsbimde ermöglichen. Das und nichts anderes müßte das Ziel einer wahren Demokratie. eines unverfälschten Sozialismus und "'nicht in letzter Linie eines echten Chriftentmns ftim- / Da -vom aber zum .Unterschiede von jeder jüdischnssimilawrischen Politik unsere Ausgabe nicht darin sehen, uns als Bormund anderer Völker aufzuspielen und uns in ihre spezifisch nationülen. oder konfessionelle': Angelegenheiten einzil mischen, wohl aber mit aller. Entschiedenheit die, gleiche Rücksicht auch für das jüdische Volk in Anspruch nehmen, so können wir niemanden als Repräsentanten Unseres Volkes anschem der nicht aus diesem Standpunkte süßt und verwahren uns aufs entschiedenste dagegen, daß aufs Kerbholz des jüdischen Volkes Tun und Lassen von Personen geschrieben wird, die sich selbst zu anderen Völkern bekennen. Unter diesen Gesichtspunkten find wir, wie wir bereits wiederholt erklärt baden, bei voller Wahrung unserer Forderung nach staatsbürgerlicher Gleichberechtigung, nach Anerkennung als gleichberechtigte jüdische Nation und Konfession jederzeit bereit, mit dem deutschen wie tschechischen Volke, Polen und Ukrainern, Italienern und Südslawen, Magyaren, Slowakei:, Rumänen usw. in Frieden und Freundschaft zu leben und ttt jedem von Juden bewohnten Territorium an dem Ausbau des Staates zu einem modernen Rechts-, Kultur- und Wirtschaftsstaate nntzuarbeiten. Aber eines muß mit allem Nachdruck und aller Klarheit als Grundprinzip einer'' jüdischen Volkspolitik - festgestellt werden: Frei von jeder nationalen und religiösen 'Intoleranz sowie einseitigem Klassenegoisnms folgt ans der nationalen Eigenart, der Weltanschauung und sLzi^len Struktur des jüdischen Volkes . und nicht in letzter Linie aus der Zerstreuung des jüdischen Volkes, daß es uns die Lebensinteressen unseres Volkes verbieten, uns für nationale, religiöse oder ökonomische Hecrschaftsbestrebungen für die Tyrannei oder Ausbeutung gegen irgendeine Nation. Konfession oder Molle mißbrauchen zu lallen. Die Vertreter der Die msjMe RäteregierMstg will Frieden schließen Lenin und zwölf Führer fordern freies Gelette nach Südamerika. P a r i S, 30. September. (Körr.-Bm.) Die Mgenee Havas meldet ans Washington: Die Bolschewiken sind» amtlichen Nachrichten zufolge, bereit, Fried e« zn sch lie tz e n, wen« zwölf Führer» dnrnntsr L e tt in, f r e % e s G e l e i t e nach S ü d a m e r i L a e r hält e n, falls die Bolschewikenherrfchaft gestürzt wirb. Man nimmt an, daß Wilson die ueu< Regierung erst nach Einbernfnug der Konstituante anerkennen würde. Tschechische NationaLVersammlNug. Das Expose Hr. Bevelch'. Pn»z, Lö. September/ In der hcniigeii Siinmg der dkttiolmlttersammlung hielt Minister Benesch sein" (kxposö. /.Er,erklärte W^r' änhereM: 'Ich kehre zurück ,unrll>em H<siüAe'dÄ Optiinismiis, 'bet 'SMrrheik. Üüd' > des. Glaubens in ein?. ruhige Und' gNEich^-DWjAfb iiustxer. ReppßlÄ^-. Der Minister zähllf. Mann die Teindeln en Etappen des KdMS .gegen- Österreich" auf, ,''öffizielll.pnt.lö'. KovinEr 1915.-.mit -eiuer...ftier- Iir;.:-u Erklänmg begann, woraus eine.iuörnfive ftlftnalisi ifche Eberk/ besönders'- in der G -«».w:m - in -Paris uütr Lonban -einschin. In diesem' jt 'wlgte. dann hie Organisierung v?r Baril-r F?ujrüti!'. und berefts barualS buchte man au dir Bildung ein?r national?!! Armee. "Der erst? größere Erfolg' würde in: Jänner 1917 erzielt, als die Alliierten in -ihret Antwort >rn Len Präsidenten Wilsorr zrmr ersten Male die.Befreiung der österreichisch-i'MgarLWii Völker als ihr Kriegszicl erklärten. Sodann schildert? der Minister die.Ä-an ganze Haus erhebt sich bei diesen. Worten) und feinet- .nuernletzllchen Verdienste. . - Wir hätten von Anfang an, sagte dev Minister, ^sehr. genaue und klare Pläne. Wir betonten, daß die pangermanische Bewegung hauptsächlich deswegen 'geffährlich' ftft weil; ,fie; die ■ Kräfte der .UntMrückben'-., Stationen . der ' österreichisch --nngarisrhen ' ^Monarchie jDelftschland. zur Berftlgung stelle und haß. .deshglb. Öesterreich-llngarn. Vernich tet werden müM denn' dieses.' seinoch mehr als Deutschlandselbsti für -den 'Krieg' verautwortlich. Die^.stingsteü,.'Drfthü'tlung.sn Bestätigen dies. Wir harten drei Präbl-eme vor' uns: . ein klares politisches und Kviegsprogranutt aufzustellen, 'das in den Worten gipfelte: Oesterreich-Ungarn Zn vernichten, eine mteustve Informations- und Pr.'Pa-' gänbatätLgkeit zu entfalten und schließlich eine Arurr? aufzuftellen. Ohne, die- Armee, ohne.tatsächlich?Fnhriurg hätte!: wif. unsere Selbständigkeit'' niemals'erreicht. (Leb- Ivelche. Akt? in 8er Konftjfftklerüttgl kr t Lsten schon tschecho - slotvakischÄr - Regierung -.ün' .Paris^ an: 14. September 1918 gipfelten. Dadurch wurde di? tschecho-stowakrsche Frag? gelöst und so geschah es, daß ii: dein Augenblick,.als die Alliierten-derlZentralnmchten den Wafsenftillstand gewahrten, h& tschecho-slowakische Staat bereits Bon: iirternationalen Standpunkt aus existierte und der Minister als dessen Vertreter nach vierjährigem Kampf gegen die Habsburger.Monarchie die Friedensbedingiillgeu für -das ehernaftge .Kaiserreich unterzeichnen könnt?. «'Beifall.) W.liers charatt-erinertcder Minister?''inausführlicher Weise di? revointiouäre Aktion der' tschecho-ftvwakischcn Emigranten im Ausland und hob dabei-insbesondere hervor, wie diszipliniert und. zielbewußt die ganze Bewegung geführt wurde und tvie spstematisch und durchdacht diese Arbeit war. Dey. Mnister schilderte rhalten. Auftre Situation ist günstig. Wir haben, definitw? Grenzen auf allen Seiten bis auf die Teschoner.- Greife, wir haben finanzielle und. ökonomische Frieoeusl'edinguugen. Nach außen hin betreibe!: wir und werden ° Iv.ir"?ine nach allen Seiten hin pazifistische Politil betreiben. Wir wollen und tvevden keine Erdderungsskmege führen. : ' Der Minister kommt auf die Frage der Min.'--^ ritätsrechte und der nationalen Mind'erhei teu überhaupt-,Zu.sprechen und führt, ans: Schon i während des 5trieges wurde .uns., von de::. Franzueu' verbürgt, daß sie sich um jeden Preis dagegen stellen, werden, daß das gemischtsprachige Gebiet von den böhlmscheu Ländern losgerissen werde. Ich.'muß fest-' stellen, daß die Berichterstattung der deutschen Presst: ^ans einer durchaus falschen Grundlage aufgebant war.' dabei eingehend, wie er vom ersten Tage des Krieges i We Frgge der sogenannten deutschböhmischen Regie an erkannt hatte, daß man "im Ausland Arbeiten müsse, rung s würde auf der Konferenz überhaupt nicht in Er« wie er -'mit Professor M a s a rp ls in Verbüüdung getreten ist, wie die Maffia ihr?. Arbeit begann, wie die auSlvärtigc Aktion nach einem absolut klaren und fest vorgezeichneten Programm vor sich ging, und gedachte badei besonders seines Genossen Milan Stcfanik (das jüdischen Nationalpolitik sind weit entfernt davon und betrachten . es auch: gar. nicht als ihre Pflicht, das Vorgehen jedes einzelnen Juden, sei es in politischer, sei es. in wirtschaftlicher Richtung, zu verteidigen, aber auf: das energischeste muß gerade in dem jetzigen Momente dagegen protestiert werden, wenn man die Juden in ihrer Gesamtheit für politische oder ökonomische Sünder: einzelner Juden verantwortlich macht, sie zu Fremden in Staaten sternpelt, für die sie Gut und Blut wie andere Staatsbürger opferten und sie schließlich jetzt wieder in den einzelnen Nationalstaaten für die Mißgriffe von Parteien und Ministern in nationaler ui:b sozialer Hinsicht verantwortlich nmcht. Keinem^zurechnungsfähigen jüdischen Politiker fällt ( es ein •- es ist tk-ftraung. es erst betonen zu müssen, eine Iirdercherrschaft über das christliche Volk zu erstreben, schon darum, well wir als eine unter allen Völkern zerstreute Minorität programmatisch jede nationale Vergewaltigung, jeden Kulturkampf und jede wirtschaftliche Ausbeutung, energisch bekämpfen. Wir lehrren es daher entschieden ab, daß das jüdische Volk als solches von den einander bekämpfenden Parteien als Prügelknabe benützt .als Sündenbock für alle nationalen und ökonomischen Lerrschaftsbcstrebungen dom Demagogentum aller wägung gezogen. Niemand. kümmerte sich um sie und niemand hat die Frage der Dentschen in Böhmen, in dem j Sinne, wie sie in Bien und von der sogenannten: bcn'tsrbbohmi'chen Regierung aufgefaßt wurde, jemals ernstlich in Betracht gezogen. Richtungen dient. Als unsere nationale Pflicht sehen wir es allerdings an. für das jüdische Volk, wo auch immer es in nationaler wie in ökonomischer Richtung unterdrückt oder ausgebeutet wird, einzutreten. Aber eben därun: stehen wir mit unseren Sympathien auf' Seiten aller national und sozial Anterdrücktcn sämtlicher Völker. Deshalb müssen wir unbedingt im Interesse nicht nur der jüdischen, sondern aller nationalen Minoritäten in sämtlichen Staaten den völkerrechtlich verbürgten Minoritätenschutz fordern, der eine ' Hauptvoraussetzung zum Völkerfrieden und zur wirtschaftlichen Remmisance Europas bildet: Dieser hon nns vertretene Kultiln:at:onalismus schließt in. sich einen? Kultursozialismus, der eine Wirtschaftsordnung, rrstcx-btz,. in welcher jedes Individuum ein feiner Arbeitsleistung entsprechendes Arbeitseinkommen erhält, jedcrn wohl nicht das Gleiche, aber das Seine. Wir wollen sein und bleiben ein gleichberechtigtes Volk lucker gleichberechtigten Völkern mit allen, die guten Willens find, und für welche die Nation das Bindeglied b-ckvet zwischen Individuum und Menschheit, an den: Aufbau einer Gesellschastsordimng arbeiten, an deren Eingangsplotie die Worte prangen: „Individuelle Freiheit und soziale Gerechtigkeit für Alle!"