Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 246 (25.9.1919)
- Date
- 1919-09-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Alles seufzt und stöhnt nach .^üi^Gelde der reichen Brüder aus dem Westen, aber Estland bemüht sich ernstlich darum. Die Regierung Agt nicht das geringste Bestreben, um ausländisches ' Mpital zu werben. Sie begnügt' sich, vom Hunger der Bevölkerung getrieben, im Ausland Kredit .für Nahrungsmittel zu erbitten, also einen Kredit/zu Hassen, der in. des Wortes gröblichstem Sinne aufgegessen 'wird -und bald erschöpft sein muß, weil dis Barmherzigkeit der Gläubiger schließlich ein Ende nehmen. wird, wenn jede Aussicht auf den Beginn, fruchtbarer Arbeit in Oesterreich schwindet. Die sozial- ' demokratischen Mitglieder der Regierung zeigen keine Lpst,. mit dem ausländischen Kapital Verbindungen anzuMpfen und ihm die Betätigung in Oesterreich zu euWhlen. Ihr parteipolitisches Programm steht ihnen hinderlich im Wege, die Parole des Klassenkampses" hängt' wie ein Bleigewicht an ihnen. Es geht wohl aüch/nicht an, die sofortige. Ausmerzung der kapitalistischen Produktivusweise zu predigen und gleichzeitig die'Festsetzung fremden Großkapitals zu fördern. Die foziaMmokratische Partei Oesterreichs hat sich, von Drl Muer und seinen engeren Freunden schlecht beraten, aMd^n 'Anschluß an' Deutschland'' nutzt nur im-politjschM sondern auch im wirtschaftlichen Sinne festgMM.r Sie hat vom /Anschlüsse, der ihr als sichere, haS' .wirtschaftliche Heil erwartet und alles i aüM>i'efe Kaxte. gefetzt/ Nun ^ist. das Spiel verloren und^dre Sozialdemokratie steht dein brennenden Pvoblem der Wiederaufnahme industrieller Arbeit rat- und miyellos gegenüber. Die bürgerlichen, richtiger gesagt, christlichsozialen Mitglieder der Regierung zeig-.n noch lvchuger: Fähigkeit, und Neigung, die Aufgabe zu LewältitzeA M. "haben sich ..in eine, primitive, dem kleinbäuerlichen Geschmack angepaßte Kirchturmpolitik festggrMNt und erschöpfen ihre Kraft und ihren Geist im Kachpfe für hohe Brotpreise und gegen das Vordringen dM sozialistischen Elemente. Bon den Großdeutschen eMrigt sich, zu. sprechen.' Sie' veranstalten Demon- . Haiionen für die Monarchie' und gegen die' Juden pW Tschechen und tun ihr Möglichstes, das Quentchen Mjmpcllhie und Vertrauen, mit welchem Oesterreich bMißen noch rechnen konnte, völlig zu zerstreuen. Unter Dsen Umständen ist es absolut nicht verwunderlich, Paß. bisher kein ausländisches Kapital, welches für produktive. Zwecke bestimmt wäre, nach Oesterreich gekommen ist.. ' Und Wrch Ämmt täglich fremdes Geld zu uns, täglich mehr, ungerufen, von einer Tendenz getragen, welche dem verelendeten Oesterreich - den letzten Rest gehen kann. - Die enorme Kursdifferenz treibt dunkle Spekulanten aus der Schweiz, Amerika, England usw. zu uns. Ist doch Oesterreich heute dasbilligsteLand! Mit einigen Dollar oder Franks kann man große österreichische Warenlager aufkaufen und für ein paar Pfundnoten ist alles zu haben. Die Kursspekulanten aus den Entente ändern sind jetzt dutzendweise in WienerGeschüften und Magazinen anzutreffen. Keine Vertreter großer Firmen oder alte Geschäftsfreunde, sondern vhskure wirtschaftliche Freibeuter, die auf eigene Faust r^lch Oesterreich.wildert! fahren. Sie kommen zu uns, hzie man zu einem Bankerotteur kommt, um rasch aus Hr Konkursmasse herauszufetzen, was nur möglich ist. Ihnen liegt nichts an -dauernden Verbindungen, sie find an der Pvoduktionskvast des Landes nicht interessiert, sie benützen einfach die Gelegenheit, den armen Kridatar auszuwuchern und aus seiner Bedrängnis Kapital zu, schlagen. Sie stürzen sich wie Aasgeier auf hen wirtschaftlichen Leichnam Oesterreich. Ihre Tätigkeit muß es dahin bringen, daß in kürzester Zeit Oesterreich warenleer sein wich. So ist eine kommerzielle „Bewegung" über uns gervminen, die unS zu vernichten droht. Fiakerkutscher, Kokotten, Hoteliers und .Restaurateure können sich freuen, aber wer am wirtschaftlichen Schicksal Oesterreichs interessiert ist, muß verzweifeln. Es ist wirklich' hoch an der Zeit, daß eine Regierung und Parteien, welche es nicht verstanden haben, produktiv wirkendes Auslandskapital ins Land ,^4,bxizirsn. M UrMrudes, sanaendes LluslandskavLtal. Ein italienisch-südslawischer Konflikt. Kümpfe zwischen Italienern und Südflawen in Trau. Belgrad, 23. September. Dem Südslawischen Preßburea« wird ans Spalato gemeldet? Heute früh hat eine italienische Abteilung von noch nicht festgesteMer Starke die Demarkationslinie -ei Trau mit mehreren Panzerantomobilen überschritten und ist in T r a n e i ng e d r « n g e n, wo sie nach einem Kampf mit etwa zehn jugoslawischen Soldaten, die hartnäckig Widerstand leisteten. Halt machte. Unsere Truppen zogen der italienischen Abteilung entgegen. Am die Mittagsstunde war noch kein Zusammenstoß gemeldet. Amerikanische Kriegsschiffe find in der Richtung «ach Trau abgegangen. Der italienische Admiral Mill o hat de« amerikanische» Kommandanten offiziell verständigt, daß die Abteilung aus flüchtenden Meuterern bestehe, die anf eigens Faust Handel«. Die Bevölkerung von Spalato ist sehr beunruhigt. Cs habe« Kundgebungen stattgesunden. AlleMünuerlassensichindieFrei willi genlisten eintragen. Die italienische Regierung ersucht die Alliierten um Intervention. Ententetruppen gegen Fiume. New-Bork, 24 September. (Tel.-Komp.) Associated Preß berichtet ans London, daß die italienische Regierung die Alliierten «ach hartnäckigen Gerüchten gebeten habe, eine! Kriegsmacht, 'bestehend aus Truppe« aller Verbündeten, mit Ausnahme der Italiener selbst, gegen d'Annunzio z« schicken, «« diese» und seine Anhänger ans Fimne zu vertreiben. Der geplante neue Umsturz in Deutschland. batWK l;er MpWMmD» *—•*“ *• “ 3 J Zur gleichen Wimte b«s SturMS aus Lid KaicLvM' r smd alle öffentlichen Gebäüde, Stvaßenkreüzüntzsn und' Plätze zu besetzen. Desgleichen muß zur gleichen Zeit von allen militärischen Depots, Geschützstellungen usw. / Besitz ergriffen werben. Wer sich zur Wehr setzt, wich; erschossen.;; ■ Jeder bewaffnete. Zivilist, der nicht zur RotenArm«^' gehört, wird erschössest. Der gesamte Eisenbahn-, Post-" und Telegraphenverkehr ist mit der Minute des Um-, stnrzes lahmzulegen. Kein Mensch bars München der-, lassen oder betreten. 1 Ein Waffengang ist unvermeidlich'. Dem Truppen-, vberkommaicko ist eine irreführende Abschrift dieses. Planes durch Spione zuzustellen. Zivilisten mit Schußwaffen in der Hand werde«, ohne Standgericht auf Befehl eines Offiziers erschossen. Plündern wird mit dem Tode bestraft. Eisernste Disziplin! Vorherige Festsetzung der Offiziere, sofortige Propaganda in der Reichswehr! Rote Annes in Verbänden organisieren! . Berlin, 24. September. In der „B. Z. am Mittag" wird eine geheime Order veröffentlicht,' die bei dem kürzlich in Pasing bei München verhafteten Kommunisten Heile gefunden wurde. Sie enthält im Auszug unter anderem folgende Bestimmungen:' ^Betrifft die Organisation eines neuen gewaltsamen Umsturzes und einer Reichswehranshebung, wie sie eventuell vorzunehmen ist. / ' Angefertigt anfangs September 1919. / Die Reichswehr ist bei Hellwerden in den Kasernen anzugreifen und im Schlafe auszuheben. Während der Nacht sind die Wohnungen der Offiziere aufs schärfste zu Überwachen. Bekannte Monarchistenofsiziere sind unverzüglich zu beseitigen. Unblutig. Ueber' das Eindringen in die Tore liegt für jede Kaserne ein besonderer Plan vor. Alle Unteroffiziere sind in einem Raume unterzubrrngen und schärfstens zu überwachen. Die Mannschaften bleiben auf ihren Stuben. Die Kasernen j . I sind bann aufs schärfste zu überwachen und zu besetzen. Ein Plan zur Ermordung unbeLWler politischer Persönlichkeiten. Geheime Instruktionen der Kommunisten. Berlin, 24. September. Im Haushaltsausschuß der preußischen Landesversammlung teilte, wie „B. Z. am Mittag" veröffentlicht, der Ministerpräsident unter anderem mit: Die sächsische Regierung hat bei einem Agitator des Spartakusbundes, der ins Ausland reisen wollte, eine Instruktion mit der Ueberschriftr „An alle Vertrauensmänner!" vorgefunden. Diese Induktion besagt: Alle Gruppen Deutschlands, Oesterreichs und der Tschecho-Slowakei gründen eine streng geheime politische Organisationsgruppe, deren Zweck es ist, alle politischen Machtfaktoreu zu registrieren, die der kommunistischen Bewegung schädlich sind. Durch dieses angelegte . Ranrensverzeichnis ist es ermöglicht, unsere Feinde aufs schärfste zu überwachen und bei einem Aufstand dingfest zu machen und abzuurteilen. Sollte die Zentrale der Kommunistenpartei , Deutschlands, Oesterreichs und der Tfchecho-Sbowakei den Plan zur Beseitigung einer unliebsamen politischen Person für gut finden, so erhält diejenige politische Gruppe den Auftrag.zur Ausführung, wo die betreffende Persvrlihren ständigen Wohnsitz hat. Welcher Genosse die Tat auszuführen hat, entscheidet das Los. Derselbe ist verpflichtet, innerhalb 24 Stunden den Plan auszuführen, wenn er nicht selbst dasselbe Schicksal erleiden will. In diese politische Gruppe dürfen nur die verschwiegensten, und vertrauensvollsten Genossen zugelassen werden. Der Verrat wird sofort mit dem Tode b-estrafi. Ein gewählter Zentralrat entscheidet in geheimer Wahl über die Ausführung der Tat und des Planes." j Ministerpräsident Hirsch erklärte: Das sind' biS' Leute, die von der äußersten Linken und der unabhängigen sozialdemokratischen Partei stets in Schütz ge-' nommen werden. fernzuhalten. eMich,ihre Unfähigkeit einbekmnen und der privaten Initiative in wirtschaftlichen Angelegenheiten freie Bahn lassen. Allerdings müßten sie noch ein Uebriges tun: Jeder engherzigen, chauvinlsiischen . .A>Ü> WM -„--«Mn u»d M.t ins Laune verbissener Revanchepolitik:!: und böäariig:r Demagogen Opfer bringen, welche das österreichische, speziell aber das Wiener Volk mit :,'h;.mu Rinn . znhlW muß. t