Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 240 (19.9.1919)
- Date
- 1919-09-19
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Wiener MorgeuzeiLynK 19. September 1919 Nr. 249 Wien, Freitag anstaltet Kurse und Vorträge allgemeinen und jüdischen Inhaltes. Beitrittsanmeldungen sind an das Sekretariat des I. H. B., 2. Bezirk. Obere Donaustraße 65, zu richten. Sprechstunden täglich von 6 bis 8 Uhr abends (Freitag ausgenommen). a Zur Gewinnbeteiligung -er Angestellten Nichts wird zur Stunde in den weitesten'Kreisen mit größerer Selbstverständlichkeit hingenommen, als die Forderung nach einer entsprechenden Beteiligung der Angestellten eines Unternehmens an dessen Gewinnertrag. Die sozialistische Parteipresse stellt diese Forderung mit solchem Nachdruck in den Vordergrund, daß man glauben müßte, von ihrer Verwirklichung hänge allein die Wiederherstellung der Wirtschaft und die Lösung des sozialen Problems ab. Tatsächlich ist dieser Glaube auch bereits in solchen Kreisen fest verwurzelt, die, ohne selbst sachverständig oder auch nur innerlich beteiligt zu sein, lediglich der Suggestiv kraft von publizistischen Schlagworten unterliegen. Es ist interessant, daß selbst ein so ernster Publizist wie Maximilian Harden davon keine Ausnahme gemacht hat. In einem seiner letzten Aufsätze stand der Satz: „Noch wichtiger aber ist, daß jeder Arbeiter am Gewinn des Unternehmens Beteiligt werde." Kurze Zeit darauf, in der „Zukunft" vom 30. August, mußte er dann selbst zugeben, daß dieser Satz nur einer unklar empfundenen Hoffnung und nicht einer sachverständigen Erkenntnis entsprungen war; denn inzwischen war ihm von einer Seite, die auch er als autoritativ anerkennen mußte, schwarz auf weiß nachgewiesen worden, wie es sich .mit dieser Forderung verhält, sobald man sie vom Parteiinteresse loslöst und sie zahlenmäßig auf ihre Berechtigung hin prüft. Geheimrat Deutsch, Direktor der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft, intimer Mitarbeiter des bekannten Sozialreformers Walter Rathenau, der im Aufsichtsrat dieser Gesellschaft den Vorsitz führt, ein Mann also, der in jahrelanger Führung eines der gewalttgsten Industriekonzernes seine Legitimation aufs einwandfreieste erwiesen hat, unternahm es nämlich, die einschlägige Frage an Hand des vorliegenden Bilanzenmaterials eingehend zu prüfen. Zu diesem Zwecke verarbeitete er die zehn letzten Jahresbilanzen mrd Geschäftsberichte von 66 der am besten rentierenden Jndustriegesellschaften. Hierbei kam. er tzü dem Ergebnis, daß in dieser Zeit von jeder ausgegebenen Mark Staat und Kommune 11.7, Aktionäre [Li.6, Arbeiter und Angestellte 76.7 Pfennige erhalten haben. Er sagt; „Nimmt man einen Augenblick an, alle Aktionäre wären Idealisten, sie würden auf jede Verzinsung ihres Besitzes verzichten, und den Gesamtgewinn den Angestellten und Arbeitern überlassen, welches wäre das Resultat? Selbst bei diesen besonders gut rentierenden Unternehmungen würden pro Kopf und Stunde Nur 11 Pfennige, also im Jahre 1270 Mark mehr entfallen-" Geheimrat Deutsch hat seine Ergebnisse in einer kleinen Schrift niedergelegt, die von der Geschäftsstelle der Berliner Handelskammer, . Berlin, Dorotheenstraße 8, zu beziehen ist und von jedermann mit dem Rechenstift nachgeprüft werden kann. Hürden sah sich veranlaßt, daraufhin seine Meinung jnififc folgenden Worten zu korrigieren: „Zur Nachprüfung dieser überraschenden Ziffern bin ich nicht sachverständig genug; habe auch keinen Zweifel an ihrer Richtigkeit, dü sie von einen: auf sein Ansehen bedachten Mann kommen, der seit Jahrzehnten in der deutschen Industrie voran steht und zu dem Weltruf der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft mitgewirkt hat. Wenn die Beteiligung am Gewinn, von der ich viel erhofft hatte, dem Arbeiter Beträchtliches nicht einüringen kann, hat er auch von der .Sozialisierung, die nicht einfach das Gesamtkapital - für die Arbeiter und Angestellten konfisziert ( woran schon wegen des Versailler FpiÄrens nicht zu denken ist), keine wesentliche Besserung der Lage zu erwarten. Mir scheint, /dvese Lebensfrage deutscher Wirtschaft müßte öffent- " lich in einem Jndustrieparlament erörtert werden. Der nüchtern.kluge deutsche Arbeiter würde sich der Logik einer Rechnung, wie sie Herr Deutsch gibt, nicht verschließen. Und die Erfahrung der Arbeiterschaft wiese, vielleicht, einen Weg, von dessen Rand bessere Frucht zü ernten ist. Etwas wäre schon gewonnen, wenn die Parteien über Lohn und Produktion offen, öffentlich, als Gleichberechtigte parlamentarisch, nicht nur im Einzelbetrieb, miteinander verhandelt hätten" ' Im „Plutus" ist unlängst ein neuer Vorschlag für die Verteilung der Gewinne gemacht worden^ Zur Vermeidung der Ungerechtigkeiten, welche dadurch entstehen, daß die eine Gesellschaft große, die andere kleine Gewinne erzielt, soll eine Zentralgemeinschaft aller Angestellten gegründet werden. Die Verteilung des. Gewinnes hätte dann so zu erfolgen, daß 1. 4 Prozent an die Aktionäre, 2. von dem verbleibenden Reingewinn 25 Prozent an die Zentralgemeinschaft abzusühren wären. Ueberfteigt der Reingewinn 10 Prozent, so soll die Gemeinschaft von dem Ueberschuß weitere 50 Prozent erhalten. Auch dieser Vorschlag ist von Geheimrat Deutsch geprüft worden. Seine Anwendung auf die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft, welche im Geschäftsjahr 1917/18 14°/° Dividende auf ssin Kapital von 200 Mill. Mark, also 28 Mill. Mark, ausgeschüttet hat, würde ergeben, daß auf den Verband 6t/a Millionen zu entfallen hätten, was für jeden der schüft ganze 86 Mark und 66 Pfennige ausmachen würde. Wobei noch nicht berücksichtigt ist, daß im Falle solcher Gewinnverteilung der Kurs der Mtten wahrscheinlich um mindestens 25 Prozent, also um etwa 50 Millionen Mark entwertet worden wäre. Die Wohnungsfrage. Bestellung von Einspruchssenaten in sämtlichen einundzwanzig Bezirken. Stadtrat Dr. Winter berichtete in der gestrigen Sitzung des Stadtrates über Bestellung von Einspruchssenaten in sämtlichen 21 Bezirken Wiens. Die Airforderungsentscheidnngen bezüglich Wohnungen Werder bisher vom Mietemte der Stadt Wien gefällt, das seinen Sitz beim magistratischen Bezirksamt« für den 8. Bezirk hat. Mit Rücksicht, auf die erhöhte Anforderungstätigkeit des Wohnungsamtes mußte bald an die Errichtung weiterer Senate geschritten werden, um zu ermöglichen, daß die bezüglichen Fragen so rasch als möglich zur Entscheidung gelangen. Es hat sich gezeigt,, daß bisher, da infolge der gesteigerten Tätigkeit der Wohnungskommission täglich rund 40 Einsprüche aus allen Wiener Bezirken einlausen, diese nicht zeitgerecht erledigt werden können. Aus diesem Grunde muß nunmehr an die Dezentralisierung des Emspruchsverfahrens geschritten werden. Stadtrat Dr. Winter stellt daher den Antrag: 1. Nunmehr die Fällung der Entscheidung über die gegen die Anforderungsbescheide der Wohnungskommissäre erhobenen Einsprüche den in den Bezirken bestehenden Mietämtern zu übertragen. 2. Das Mietamt der Stadt Wien hat sich nunmehr auf jene Ansprüche zu beschränken, welche gegen die vom Wohnungsamts erlassenen Entscheidungen eingebracht werden. 3. Dem Mietamte 8 sind auch die Einsprüche zuzuweisen, die sich auf Doppel- Wohnungen in Nachbrrgemeinden beziehen. Stadtrat Dr. Kienböck bemerkte, bei der kommenden Generalausnahme müsse Gewicht darauf gelegt werden, daß die Wohnungen nur von amtlichen Organen ausgenommen werden. Stadtrat Körb er betonte insbesondere, daß man gewisse Hotels, die jetzt zu Kanzleizwecken usw. verwendet werden, in dieselben einbeziehen möge. Stadtrat Dr. Scheu hob hervor, es sei notwendig, daß man über das, was sre iwillig hergegeben werde, hinausgehe und dem Wohnungsamts hierzu die notwendigen Machtmittel an die Hand gebe, weil sonst kein entsprechender Erfolg erzielt werden könne. Weiters teilt er mit, daß die Ans o rderung der Stundenhotels schon im Zuge sei. Stadtrat V a u g o i n erklärte, die Kommission dürfe keine einseitige Zusammensetzung ausweisen. Entweder sei es eine amtliche Kommission ober, wen n Räte beigezoge» werden würden, dann müßten ebe n alle Räte beigezog e n werden. Stadtrat D'r, Grün befürwortete seinen Antrag, daß auch eine Nachschau bei jenen Geschäftsräumen Platz greife, "die bei Tag geschlossen und nur bei Nacht für Zweck: des Schleichhandels geöffnet seien. Der Vorsitzende Vizebürgermeister Emm erling glaubt, daß es am zweäDienlichsten sei, wenn der Bürger-- meister in dieser Angelegenheit dem Stadtrate einen eingehenden Bericht vorlegen würde. Er werde deshalb in diesem Sinne beim Bürgermeister vorsprechen. Die Anträge wurden angenommen. GroßLüchenbeLrieHe Ln Wien und Deutschösterreich. Wie wir erfahren, hat die Lanbwirffchaftsgesellschaft in Wien eine Großkückenbetriebsgesellschafl gebildet, welche unter dem Namen „Hegea" die Ausspcisung der breiten Masten der Bevölkerung im großen Maßstab durchführen soll und du Lebensmittel unter Ausschaltung des Zwischenhandels direkt vom Landwirt beziehen soll. Die Stadt Wien, welche' die Fortführung der Knegsküchen als Pflicht des Staates betrachtet, verhält sich dem Plan der LandwirtschaftsgeseMchast gegenüber ablehnend. Das von der Gesellschaft in Ausstcht genommeue Programm umfaßt ein Frühstück (einen halben Liter Milchkaffee zu 30 Heller), ein Mittagesten, b estehend aus Supve, Gemüse und Mehlspeise (einmal in der Woche Fleisch) zum Preste von K 2.50 und ein Nachtmahl, bestehend aus einem halben Lüer warmen Essens (einmal in der Woche Fleisch) zum Preise von bl 1.—. Die Aktion soll am 1. Oktober beginnen. Es sollen in Wien täglich 50.M0 Personen versorgt werden. Der Betrieb besitzt 50 Millionen Kronen. Eine englische Mitteilung über die Notlage Wiens. London» 18. September. (Tel.-Konrp.) Die britischen Blätter veröffentlichen alarmierende Nachrichten ihrer Korrespondenten über die verzweiselte wirtschaftliche Lage Wiens. Der Reuter-Korrespondent hatte eine Unterredung mit Dr. Munro, dem Chef der Internationalen Hospitalorgamsation in Oesterreich und Ungarn. Dieser sagte, daß es unmöglich wäre, die Notlage noch zu überschreiten. Wenn nicht bald Steinkohlen eintteffen, werden sämtliche Hospitäler in Wien und Budapest geschloffen werden müssen. Mehr als hunderttausend Kranke werden auf diese Weise httflos dem Verderben überlaffen. Jüdische Invalide Ln einer christlich sozialen Redaktion. Die Grazer Presie überbietet sich seit Monate» m gehässigen Angriffe» gegen alles Jüdische. So veröffentlichte das „Grazer Volksblatt* einen Aufruf des christlichen Heimkrhrersekretariats, in dem es unter anderem heißt : «ChrMche Männer allein waren es, die, um die Heimat zu schützen, Blut und Leben ließen; nur christliche, deutsche Männer müssen es sein, die Miseren jungen Staat verwalten". Hierauf begab sich eine Abordnung jüdischer Invalider in die Redaktion des »Grazer Voltsblattes* die dort ausführte, daß der christliche Invalide, der, wenigstens in seine Heimat zurückgekehrt, liebevoll ausgenommen wird und noch unendlich viel glücklicher sei, als die unzähligen jüdischen Invaliden, die schwer verwundet und arbeitsunfähig, ihrer Habe beraubt, auS dem Felde zmückgekehrt sind und im Falle der Heimkehr neue Bluttaten befürchte» müssen, so daß sie gezwungen sind, die Heimat zu meiden und nun von Ort zu Ort verjagt, selbst um Erlaubnis» nur wenige Tage hier weilen zu dürfen, betteln müssen, oder aber sich diese Erlaubnis, die hiesige Luft zu atmen, erschwindeln «Affen» * Die Vorstellungen Her. iüdischey Invaliden Sette 5 Schreibmaschinen« Reparaturen schnell, billig und gut j Franz Josef Pelz, B., Bifoersfrasse dj ' u . I -,j machten aus die gesamte Redaktion einen tiefen Eindruck- Das "Volksblatt" veröffentlicht nun unter der Bezeichnung „Juden als Heimkehrer" eine längere Notiz,!... in der es unter anderem heißt: »Wir sind weit davon entfernt die Tatsache zu leugnen, daß Juden ebenso treu ihre Pflicht' erfüllt haben, wie die Angehörigen aller übrigen Nationen ' im , Kriege. Alle die vielen Juden, die durch den Krieg, durch ihre Treue und Heldenhaftigkeit in unverschuldetes Elend im erwerhsfähigen Alter gekommen, die Krüppel sind, deren Gut gebravdschatzt liegt und deren Habe geraubt ist, haben unsere Sympathie^ - in gleicher Weise wie jeder andere Invalide." , ■ Auch Rumänien weist die Flüchtlinge aus» : Einer Meldung der Czernowitzer „Ostjüdischen Zeitung" zufolge, werden sämtliche nach Galizien zu- . ständigen Personen, die nach dem 1. August 1914 in der Bukowina sich niedergelassen haben, ausgewiesen. Wie verlautet, werden bald mit der Ausweisung aus der Bukowina auch diejenigen „Galizianer" bedacht . werden, welche dort schon länger wohnen. Durch Mefeit. Ausweisungsbefehl dürften zirka 40.000 Juden be< troffen werden. Internationale Vereinigung von Kriegsteilnehmern. In Genf hat am Mittwoch eine Versammlung vor»' deutschen, französischen, italienischen,! türkis chen und s erbis chen Kriegsteilnehmern stattgefunden. Es wurde einstimmig der Bildung einer intern nationalen Vereinigung ehemaliger Kriegsteilnehmer zugestimmft Aufgabe dieser Vereinigung wird cs sein, die V e r s ö h n n n o; d e r Volker herbeizuführen und den Kampf gegen Wej Machenschaften des Chauvinismus anszunehmm. ■ , Begnadigung Hosrichters. Der Präsident der Nationalversammlung hat im Emver».• nehmen mit dem zweiten und dritten Präsidenten dem seinerzeit wegen Giftmordes verurteilten ehemaligen Oberleutnants Adolf H o f r i ch t e r 1 gnadenweise den Rest der Freiheitsstrafe .. nachgesehen. j Wie wir erfahren, geschah dies aus folgenden Gründen: Zur Zeit des Umsturzes in: November 1918 hatte die Wachmannschaft in Möllersdors den Dienst eigenmächtig verlassen. Hieraus, entwichen fast alle Häftlinge und nur einige, darunter Hof-> richter blieben freiwillig zurück. Da der Staatsrat und di« - damalige , Regierung eine geordnete Aussicht in der Strafanstalt nicht einzurichten vermochten, mußte hie Entlassung auch dev zurückgebliebenen Personen verfügt worden. Bei -.desir' damaligen, Zcirverhältmsten lag hierin keine Begünstigung, : sondern vielfach eine Härte für die Sträflinge, da sie in Regel . , weder über Geldmittel verfügten, noch Arbeitsgelegenheit zu finden vermochten. Manchen gelang es, sich nach hartem Kampfe eine itcut: r Existenzmögllchkelt zu schaffen. Sw nunmehr abermals aus ihren! neuen Lebmsverhältnisseu herauszureißm und noch für lange Zeit im Kerker anznhalten, erschiene als eine schwere Strafverschärfung. ' Speziell Hofrichter hatte bereits neun Jahre schwere Kerker- - strafe, noch dazu zumeist in Einzelhaft abgebüßt und erschiene um so uublilliger, die verfügte Strafentlassung wrcdcr ouszuheben. Selbstverständlich werden die gleichen ' Grundsätze auch bei den anderen Mlitärsträslingen augewendet, - die in Mollersdorf zur Zeit des Umsturzes auf Grund der ' Verfügungen des Staatsrates ihre Freiheit wiedererlcmgt hatten, sofern die betreffenden Personen nicht für die öffentliche Sicher- 1 heit gefährlich sind. _; * Einreisebewilligung nach Oberösterreich. Zurzeit ist in jeder Gemeinde Oberösterreichs ein dreitägiger Aufenthalt ohne besondere Bewilligung zulässig, mit Ausnahme Gmundens, wo nur ein eintägiger Aufenthalt gestattet ist. > > * Antisemitisches von der Straßenbahn. Wiederholt werden Win aus das merkwürdige Verhalten einzelner Straßerv-! v-. bahnbedienstüter gegenüber jüdischen Fahrgästen aufmerksam ge>< ) macht. So berichtet uns ein Augenzeuge, der jüdischn-ationvller . Mandatar ist, folgenden Vorfall: Ein polnischer Jude, ein wür- ' diger Greis, dessen Narne uns bekannt ist, wollte die Fahr-, karte mit einem Zweikronenschein bezahlen und als die, \ Schaffnerin Kleingeld verlangte, erklärte er, keines' zu be-, . sitzen. Hierauf bemerkte die Schaffnerin in barschem Totze,! er habe gewiß Kleingeld, wolle es aber nicht Hergeben.,' * Der Fahrgast öffnete nun die Börse und wies.nach, daß! er kein Kleingeld besitze. Hierauf die Schaffnerin:' „Dass . kennen wir schon, das macht's'Ihr alle - s ö^I , Las sen's mich nur Ihre Taschen durchsuchen.- v Dort haben sie die gehamstert«u Sech serln."' * Ueberdres machte sie ihrem Unmut in einigen spitzigen^ nicht ’ allzu judenfreundlichen Bemerkungen Lust, die das besondere? - Gefallen einiger Fahrgäste erregten. Wir meinen, daß die - Straßenbahner, wenn sie schon am Biertisch gegen, die Juden! > losziehen, im Dienste die jüdischen Fahrgäste ebenso be-i handeln müssen, wie die anderen und daß unsere alten?' { Männer nicht dazu da sind, von einzelnen Schaffner Und! ' Schaffnerinnen belacht, verdächtigt oder gar beschimpftzw werden. Auch ist es gewiß zu verdammen, daß Motorsührer^ > die im Dienste sich überhaupt nicht unterhalten sollen/mit den Fahrgästen über die Juden losziehen, wie dies wieder.^ f' holt bemerkt wurde. Wir betonen, daß diese Fälle gewiß vereinzelt sind und daß die Straßenbahner bei Versetzung! ' ihres schweren Dienstes im allgemeinen pflichtgemäß chor- * gehen. Um so mehr müßte die Straßenbahndirektion^ darauf > sehen, daß nicht -eirczelne Elemente derart gröblich' ihre?' Pflicht verletzen und das Ansehen des Straßenbahuerstandesl schädigen. i Wir bitten alle unsere Leser und Freunde» §#* schriflen für die „Wiener Morgenzeitung" nicht an die einzelnen Mitglieder der Redaktion» sondern nur an die Redaktion selbst zu adressieren. '