Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 236 (15.9.1919)
- Date
- 1919-09-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2979076-2979077-2979313--02110-2987587- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
/ V«ls »O Heller ttl«: d AMU«»- brt ■ i Jean?: M»««iUch. . . . X V.- itffct-UüJlUrifl . 80.- ,?»Mrtfä>rvks ..... 40.— A^rrräveis. . . )i 80.— >; ,Mt, Kost^«rsrnd: TL^otUrk i . . .» 7.50 , .?,<H»vioÜSdrrs. l .'.'88.— '>- Eistshvks: 88»— Jwwwi!1 3^titbri|lnh "■) :• r tgfrttfwwaqffgrs Kr«i« peviflrffer >«O I»«iR»v7 mm*«Uidt . . JC.. 8.50 PMWwfWB ••kV**0*^ \iv . , . . jtfcwn,-:''-' ■, bh«*,[tu *?& g4Vl&0.ftd*! P’> Nr. 236 Oien» Montag» den 15. September ISIS 1. Jahrgang Die „Eroberung von Fiume" durch d'Annunzio. Scharfe Maßnahmen der italienischen Regierung, — Ein Verhaftungsbefehl gegen Len Dichter. . e r rr, 15. September. (Tel. der „Wr. Morgen- 's'ckirlg".) Aus Rom wird^ gemeldet, daß die itaUsnifche Regierung beschlossen habe, dMunurtzio, der sich am Samstag durch einen Handstreich Fiumes LsmachtigL hatte, sofort V erhaften zu lassen, falls er Linnen 48 Stunden die Stadt Fiume samt Wnvr G^rde nicht verlasse. Aus Venedig find zwei Ltalierüsche Kriegsschiffe nach Fiume «chgedampft. Man hofft, die Entwaffnung dM Aufrührer ohne Blutvergießen durchzuführen. . Rom, 14. September. (Funkspruch.) In seinen AüSsührungen, womit - Ministerpräsident Ritt i in der Samstagsitzung der Kammer auf die Meldung non . den Zwischen s ä 11 e n in Fiume reftyfctierte, erklärte et, daß er die Sonderaktion einer Handvoll böswilliger Leute in entschiedenster Weise mißbillige, die das Land ür-ein gefährliches Abenteuer siürren wollen, während es der Ruhe..und des Friedens bedürfe, um zu arbeiten. Der Ministerpräsident er» k(arre, daß die Regierung mit den Verbündeten durchaus solidarisch sei, und kündigte an, daß energische Gegenmaßnahcken auf Grund des Militärstrafgesetzes werden ergriffen werden. Die Mehrheit der Kammer, einschließlich der Sozialisten, nahm, die Erklärungen des Ministerpräsidenten mit Beifall auf. Mailand, 14. September. „Secolo" schätzt das Freiwjlligenkorps d'Annunzios in Fiume auf mehr als 10.000 M a n n. Dem „Corrlere della Sera" zufolge wird General Badoglio die Offiziere und Mannschaften auffordern, innerhalb fünf Tagen zu ihren Einheiten zurüchzukehren, widrigenfalls sie als Deserteure behandelt würden. Rom, 14. September. „Epoca" vernimmt, daß General Badoglio, der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes, mit unbeschränkten Vollmachten nach Fiume ahgereist ist. . •. Paris, 11 September. Der Raid d'A nnunzio s nach Fiume wird von der Presse ironisch besprochen, ohne daß ihm eine Bedeutung beigelegt wird. Zahlreiche Blätter begnügen sich mit der Wiedergabe italienischer j Zeitungsstimmen, die dem Alt den Charakter einer per- | sönlichen Geste beimessen und ihm jede politische Wichtig- ' lest absprechen. ' V Die RöMimoWS em? der Lauer, v Großfürst Michael russischer KronpräteAdent. Pari 5, 14. September, „tzumanrte" wjll wissen, ^atz sich GrotzfÄst Mlchael Rsnt-notv, der Prüder des verstorbenen Zaren, aus Perm, wo er gefangengeh alten wurde, gefluchtet habe. Er befinde sich gegenwärtigim Hauptquartier Koltfchaks und schicke sich an, die Rolle eines Kronprätendenten zu spielen. ... Eine Niederlage der Bolschewiken. London, 14. September. Wie aus dem Kriegsminifierinm mitgetellt wird, hat die FreiwiÄigenärMee des GLnebals Wrangel bei der Verteidigung Zarhzins einen vollen Erfolg erzielt. Der Angriff der Bolschewiken dauerte drei'Tage. Die Roten Truppen wurden zurück" geworfen, wobei sie W90 Gefangene, 11 Geschütze und Ivv Maschinengewehre in der Hand des Generals Wrangel zurückließen^ Drei bolschewistische Regimenter haben sich ergeben, zwei andere wurden vollständig ausgerieberr. Aus Ungarn.? Christlichsoziale Machenschaften. Budapest, 13. September. (Meldung des Ung. Ml.-Korr.-Bnr.) Der Klub 'der Lov aszy-Partei hielt - heule abends eine Sitzung ab, . die äußerst lärmend verlief. In der Partei war bekanntlich die Absicht aasgetaucht, die Partei aufzulösen und in vre geplante liberale Hartei einzutreten, welche den Namen „National- Partei" erhalten sollte. Ein bedeutender Teil des Ausschusses der Unabhängigkeitspartei unversetzte sich .jedoch dieser Absicht und berief eine Sitzung ein, in welcher die Einberufer eine Resolution beantragten, welche gegen : die sich auf Grundlage der Jnternmionale organisierenden .Kräfte in der energischesten Weise Stellung nehmen soll. Die Anhänger Lovaszys faßten diesen Antrag als gegen die Person ihres Führers gerichtet auf und machten einen derartigen Skandal, daß' die Sitzung des Ausschusses, ohne emenAeschsuß zu fassen, sich ruflöste. Zwischen dem Vorsitzenden Ala dar B a l l a S und', dem gewesenen Abgeordneten Ernst L e t a y kam eS zu einer Affäre, die eine ritterliche Fortsetzung haben wird. / Die Anhänger L o v a s z y s wollen die gegen sie gerichtete Bewegung jetzt in der Weise vereiteln, daß sie jene Parteimitglieder, welche unlängst zugunsten des Anschlusses an den christlichen Block gestimmt haben, aus der Partei ausschließen wollen. Was Erzherzog Josef erzählt. > Paris, 13. September. Erzherzog Josef äußerte sich dem Budapester Berichterstatter des „Temps" gegenüber über die„ ungarische Politik und über die Stellung Ungarns zur Entente u. a. folgendermaßen: Ungarn hatte immer und hat auch heute noch Sympathien für die Entente. Es hat nie gewünscht, in den Krieg gegen die Alliierten einzutreten, aber es war immer ein Opfer- Oesterreichs und Deutschlands. Diese zwei verbündeten Staaten warm die Herren über Ungarns Schicksal (?). - Ungarn muß sich auf gewisse seiner Nachbarn stützen, die ihm Rohstoffe liefern können und mit denen es ein enges politisches Bündnis eingeHen kann. Man muß Ungarn helfen, damit cs das Bündms mit Oesterreich und mit Deutschland entbehren kann. Ungarn müßte sich mit denjenigen seiner Nachbarn verbünden, die die Freundschaft und die Unterstützung der Entente genießen. Bevorstehende Unterzeichnung des bulgarischen und 'ungarischen Vertrages. Belmar, 14. September. (Funkspruch des Tel.- Korr.-Bur.) Der „Associated Preß"' wird aus Paris gemeldet, daß der bulgarische und der ungarische Vertrag vermutlich bis Mitte Oktober unterzeichnet sein werden, worauf sich die Friedenskonferenz vertagen und anfangs 1920 zur Regelung der türkischen und aller andercn noch schwebenden Fragen von neuem zusammentreten wird. Paris, 14. September. Der „Tcmps" meldet, daß der Wortlaut 'der bulgarischen Friedensbedingungen der griechischen und rumänischen Delegation unterbreitet wurde, die einige Einwendungen gegen gewisse territoriale und wirtschaftliche Bestimmungen erhoben. Der Oberste Rat wird sich voraussichtlich Montag abends weiter mit dem bulgarischen Vertrage befassen. * Werden sie Unterzeichnen? Paris, 13. September. »Llbertö" glaubt, daß bezüglich Rumäniens und Südsläwiens eine Entspannung eingetreten sei und daß dieselben den Vertrag von Samt-Gennain demnächst unterzeichnen werden. Ehina wird nicht unterzeichnen. ' London, ’ 14. September.' (Korr.-Bür.) Zum chmesisch-japcmischen Widerstteit wird nun erklärt, datz die chinesische RegrÄung fest entschlossen sei, den Dersailler Vertrag nicht zu unterzeichnenbevor Japan ihm die Provinz Schantung zurückerstattet habe. Sieg der Arbeiterpartei in England. Anrstercham, ,14. September. Der Londoner 5wrrLspondent des „Delegrraf" meldet anläßlich des Wählsieges HAndersons in Widnes, der Sieg sei, um so bemeröenstverter, als der Wahlkreis seit 1885 immer in konservativen Händen gewesen sei. Die-. Konservativen haben seit Dezember 1098 Stimmen verloren. Die Aussichten der Arbeiterpartei für die bevorstehendeir allgemeinen Wahlen bezeichnet der Korrespondent als ausgezeichnet. f! - Der Londoner Korrespondent des „Algemeeu Handelsblad" meldet: Hendersons Rückkehr ins Parlament muß ziveifellos als großer Sieg der Arbeiterpartei betrachtet werden.' „Evening Standard" schreibt: Henderson wird es als seine erste Aufgabe betrachten, eine Arbeiterregie- > rüng zu bilden. Dieser Plan habe die Rede, die er am - 11. d. M. im Gewerkschastskongreß hielt, beherrscht. ,Mesüninster Gazette^ sagt: Der Verlust des Wahlkreises Widnes zeigt, daß es tatsächlich keine« 'Wählkreis mehr gibt, auf den sich, die Regierung einiger-' .maßen verlassen kann. Die Stellung der Regierung wird dadurch noch mehr geschwächt. Frankreichs Furcht vor Deutschland. Paris, > . 13. 'September. , Die ^Abendblätter stehe'n unfcy dem Eindruck der gestrigen Kammerrede Lefevres, in der die.Entwaffnung Deutsch- . ,lands durchsden^Friedensvertrag als ungenügend . bezeichrvet und ein v.o bist and iges Verbot der. Habrikativn vou Ges chützen'jeden Kalibers g.efordert wird. Der Leitartikel des „Temps"- bespricht im Zusanunenhang damit die deutsche Politik in 'den baltischen Provinzen, wo durch das Zusammenarbeiten zwischen Generalstab und. Sozialdemokraten der preußische Militarisnvcs wieder aus- - gerichtet werde. , Bei Besprechung der Kammerdebatte '' erklärt sich de x „Temps"' von der Rede T a r d i e -u s, .der den Vertrag verteidigte, nicht vollständig befriedigt.- > B a i lbe.h schreibt im. „Jntransigeant" in demselben Sinne und sagt: Ohäe Kanonen, gibt es keinen Krieg. Deutschland darf keine einzige Kanone mehr Herstellen. Wenn wir dem Besiegten diese Verpflichtungen jetzt nicht aus^leg-en, solange ^die militärische Besetzung dauert, so würde das nur beweisen, daß wir dazu nicht fähig sind. Und was nützen uns dann alle optimistischen Formeln, mit denen sich die Herren Loucheur und Tardie u jeden Tag um die.Dankbarkeit der Massen bewerben? ä . Paris, . 14. September. H i rv c werdet sichin der „Victoire" gegen die von Lefevre in seiner Kauuuerrede vertretenen Anfsassung von der ungenügenden Eirtwasftrung Deutschlands und erklärt, daß, die . .im Vertrag getroffenen Vorsichtsmaßregeln vollständig . genügen. Die Tschechen ans Paris aögersist. Versailles, 13. September. Dr. Kramar und B en e s ch werden Frankreich im Laufe der nächsten Woche verlassen. Inzwischen soll der Gesandte der Tschecho-Slowakei in London Osudsky provisorisch zum .Pertreter bei der Friedenskonferenz ernannt werden. tzanderttausead polnische Arbeiter für Frankreich. Amsterdam, 14. September. Dem ^Telegraas* zufolge wird 8en ^TimeS" aus Warschau gemeldet, daß am 6. September zwischen der französischen und der polnischen Regierung ein Abkommen zur Entsendung von 100.900 polnischen Arbeitern nach Frankreich abgeschlossen * wurde. Die polnische Regienmg erhält dadurch die Möglichkeit, einen Kredit in französischem Gelbe aufzunehmev. Die Zahl der Arbeitslosen in Paris. Lyon, 14. September. (Funkspruch des Tcl.-Korr.- Bur.) Die Zahl der Arbeitslosen in Paris ist seit April von 77.500 auf 29.600 gesunken.. A , 1/ v«