Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 230 (9.9.1919)
- Date
- 1919-09-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Kreis 2kEk Heller <Rt«»r MV IvsttLadl» Hi»u«r timftitvii ... .7 8o.— Mt Gopsechivdr |KM«tUi4. . . .» 7.5t) «Äb^Liirra . . » „ 44.— , « . * &8.~ «MMrfmt«! ALM»«»». #£« aos&*»*»«äi«ii f'fia**' Nr. 230 -teste; Wien, Dienstag, den S. September ISIS Krers LS« HH« fiir fra» Aus1a«r» BUrnatttch .. ,rc 8 so Nkrktstjnlsvig . »u «!>.- >v!b4Lhrks . . . „ Si>.—, tzn-irkfirOvkg . . . „ ii fürfsnhtfrn u. Admirrrjk-a^ iia«; * ';/ UU-.-r, 7X. Labsrstvatz« iXv. 1-0 8>s-stsr,»r?t«ssz>»r.Ko»t» ii*. läo.oaa 1. Jahrgang Der Kampf der Bolschewiken gegen das Judentum. . W r t u, S. Geptemb«. Den.„Mitteilungen" des Kopenhagener Zionistischen Bureaus wird von Herrn Mein G ro ß manu, Mitglied des Zionistischen Zentralkomitees sowie der Jüdische« nationalen $cxfamnilung in der Ukraine, der jich zurzeit in zionistischsn und allgemein jüdischen Änzelegenheiten auf der Durchreise nach England, uns Amerika, in Kopenhagen aufhält, ein Artikel, betitelt „Der Kampf gegen den Zionismus in Rußland und:der YÄaine", zur Verfügung gestellt '. " Diesem Artikel ist zu entnehmen, welche Leiden die Monistische Organisation unter dein bolschervikischen Regime durchgemacht hat. Doch nicht die Bolschewiken, &fc im Grunde wercig Interesse an jüdischen .Angelegenheiten haben, sind .es gewesen, die die NnterdrLckmlgsklUnpatzne gegen die jüvischnaLionale Eetveguug Ms freien Stücken begonueu haben; vielmehr haben H.' Mischen Sozialisten aller Schattierungen.Pie. Gelegenheit ft'ir gekomncen erachtet, mu der. zroniftischeu Organisation den Tod-esstoß zu versetze«.' Es ist'un-. säglich traurig, was hierüber den erwähnten/Jnsormachpüen zu enttcchümn ist.Diejttdi'chcu Sozialisten haben rH-nicht verschmäht, nnt denselben Mitteln gegen den Arpiiisyius zu kämpfen wie früher die-liberalen Aifani-.- lauter: und die Protestrabbiner: sie Haberl den jüdiM'n Nationalismus als stcatsseindlich. denunziert. Die Meralen Patrioten taten'die?, indem sie die-Jüdischnationalen als unzuverlässige Staatsbür^r verdäch-^ . tigten; die sozialistischen' 'Patrioten, finden geschickt/däs ' Wort „gegenrevolr c ti-onür", mm. dem Empfindens der/ Mttgen Gewalthaber zn schmeicheln. Die Mischen Moralisten haben sich als richtige'Söhne des Ghetto rrtviesen; sie schrewn und toben vor Angst, daß man sip' - dsr.. Mischen. Solidarität' bezichtigen köMd,-/' MschrÄpfen auf alles Jüdische -los,Äi.m - .sich salbst'-nicht krA/Juden z« kowprorniiticrerr; sie lcuguen dcrr Wert iader Tradition, jeden blutgegebenen ZüsamÜMrhanges Mö aller geistigen Gitter mit demselben; 'ja -Nrit"Wch wMtlichepem Zynismus als. die Mischen Nationalisten' der assimilatorischen Aufklärung, die sich ein L»snchpolitisches Mäntelchen umhäng den, um nicht erkannt zu werden. Die hebräische Sprache, Vieser Eckpfeiler aller Kulturen, die gerade zu neuem, blühendem Leben erwacht ist, ist/ ihnen der „Gtündstein des Klerikalis- «mrs", der nationale Befreiungskampf. des jüdischen Volkes' ans zweitausend jähriger Klwchischast ist ihnen sticht mehr als ein -Anlaß-." z«' 'BerleuNchung,-- wie sie vorher den Zionismus der deutschen Okkupationsmacht (!) gegenüber als „euglandfteuydlich" denunziert hatten! - -Diese „jüdischen Sozialisten" sind nicht nur Schädlinge des eigenen Volkes, sondern auch keine.Sozialisten. Der Sozialismus ist eine große Idee urw ec Leidet heute, wo er modern und in manchen Staaten. Konijunktnr ist, schwer unter der kompromittierenden Wirkung unlauterer Elemente, die sich ihm angeschlossen haben. Gewiß gibt es eine große Zahl von Juden, die Lsts reinsfem Idealismus Sozialisten sind; aber ein größer. Teil der Juden, die noch in dem engen Gesichtskreis des Ghetto ausgewachsen sind, ist für ein wirkliches Erfassen der. sozialistischen Idee ebensowenig reif wie für andere große Ideen. Und so ersetzt er, was ihm an politischer Einsicht «bgeht, durch antijüdische Betätigung. .Die Bolschelviken habenseinerzeit jedem Volke.vollste Freiheit und'Autonomie versprochen; sie haben vor allem die Pflege seiner Kultur jedem Volk überlassen. Diese - verständnisvolle Lil'eralität ist aber bald enrer engherzig parteimäßigen Kulturpolitik gewichen; und nvr. allem das jüdische Volk wurde seiner primitivsten Rechte beraubt. Aber dieser Kulturkampf geipn das jüdische Volk wurde nur möglich, weil die jüdischen Sozialisten -ihr Volk verrieten. Es ist eine besondere /Tragik, daß. der Bolschewismus in Rußland und der Ukraine seinen Vernich tungslaüipf gegen das Judentum zurselben Zeit führt, während da? Judentum von der -demagogisch verhetzten Wttt für den Bolschewismus verantwortlich gemacht und um seinetwillen zum Mär-, tyrer wird. .. Wir lassen nach stehend einzelne Alb schnitte. des Memorandums folgen: '' " ' ' Die Waksi/rege der: '''.' . Der rücksichtslose -Kaucpf . gqgen. die . ^.onisnsche pr^äuiiation wurdL.iwt der...xu!1Men. Die Entente beharrt mf der Aenderrmg der dentschen Verfassung. L y o n, 8. September. (Fmcksvruch.) „PeM Journalveröffentlicht die Nachricht» daß, nach ihm von Zrrstaadiger Seite zugekommenev Mittsilurrg der Ober ft e Rat in TrngeLeZenhsit der A e n b e r « n g d e r d e n t f ch e n V e r f a f f u n g au? seiuem Beschlutz unwidervnflich bestehen wird. . . Der Weiße. Terror in Weftungarn, Die Drahtzieher der PsZroMr. — BeftiaWche Marterurrgerr der Verhasteterr» Aus einwandfreier Quelle wicd uns mitgelcilt:. Der frühere Diktator, von Westungnrn, Alexander, Kel.lue r, und der dortige - Führer p'cv Sozialdemokraten, K v. ap p, wurden vom OedMurger - Gesängnis indie StrafanstaltSteinbrück üLcrsührl. Der-, Begleitmannschaft wurcs her stillschweigeiche Be-- fehl gegeben, beide unterwegs zuermorde.n. Dch- Gefangenen, wurden .einer BegleiLmärurfchaft von -.fünfzig ^rsonen geftsselt übergeoen, auf. dem Wege' von.dieser erst halbtot-.geprügelt und nachdem .sie sich wc'gerten,. Ux Aufforderung' zur Flucht Folge zu Leiste.:,' eö-' schostsen.".Die Leichen.fwurdcu iui-Srra^ngeaLen -gelassen und die üuZQedAnbürg KiMrissidn stellte im Protokoll fest, daß-an -den' Lc"chen'-feine äutzeruchen Ersetzungen lonstat-örti-werLen.kMtchn^ Außerdem smd. eine Lsnzahl wahllMHerhüstetörMMStrasanstalt überführt And halbtot geschlagerr^-Wordew/emenr der-Verhafteten wurde der Batt'.h«va.usgevisfe/n^ In der Strafanstalt rverden sie durch' Hunger gechrült.' Die'Anstifter dieser Marteruugen.sMr^est S'stdt- 'kommaudant Oberst B o zio,-Än ObeLSutnW--B r-az'a <; die moralischen Anstifter find . .tmi MchMinehänÄ:-er. 'Rupa.nowicz und ein ehemaliger Greißler Benkü,!wM)2''st'wLihL.end des Krieges Millionen verdientem.-und .'ihre/'Verwandtschaft/noch 'unter dev KoMnmnistenheer- /chM^dürch SchlerchhMel/.bereicherten. Diese beiden 'sMMereu' jetzt..bas „Erwachende''Ungarn".' Benkö, -.wr stdlÄ noch ein halb falliter Greißler, hat-durä) " Pachuing deö MiütärsMals in Oedeuüurg^ ein Bernrögerr vonetwa 20 Mllionen verdient. Ergab nach bettl. Shurzder Komutun'istenherrschaft, um sich rein .zu waschen, eure halbe Ncillion. Krvneu. zur 'Gründung. seMA ungarischen «rtichmittschen Blattes und des christ-.- 'lichen.. „QedLnbu'.'g2r Tageblattes" her,' als desseir- .Hera-usgeLer er selbst figuriert..^ , 7: ’ Jnieressant ist,, daß der Korrespoudent des Wiener- -„Mörgenst, ein'gewisser Georg. Hagüer,,.Redakteur der i„DeoenLärger Grsnzpvst",. in dem Augenblick"v-Lrhastüt. /unirtc/' als er den Mord. ün. Kellner und< Knapp "nach. Wien üerichien wollte.sfWagner bststudett sich noch heute. an: .Hast. - Der. Ichdakteür des früheren Oedenburg-ee ' .s,,-Äör.3s':-UjjLgst,. -tzrZl<Mvisser. Eugen Farkas, wurdr"im Gesär'üins gezwirngen,.seine Zeitun g z \ic.ff,eit., fErchefiichet sich/schwer krankMiWt. - der RNMÄRLN MRS AKMM. S a r nt - G L r rrr a i rr, 8. September. (Korr.-Bur.) „InLrmrsigoanL" meldet, daß der Entente delegierte Sir George S r a v h den A u f t v c g hat, unter Ä n d r oh u n g d es Ä bb r u ch e s d e r freu« V f ch a f Glichen B e z i e h n n g e n folgende Forderungen an Rumänien zn stellen: RüÄzug der rumänische« Lrn pp en aus Angavrr innerhal'ö einer destimmLen Frist. E i n st e l l n n g der R e q « i s i t x s> n c n, A b- Liefern«g des bereits requirierte« MateriaLs an die Repararioirs- Äommission^ Unterstellung der in Ungarn dssrndLichen Rumänen unter die Weisungen des Oberste« Rates, soweit es sich «ch die Errichtung einer Regierung und die ÄnfrechLe<haLtu«g der Ordnnng handelt. ideologische Inhalt und die Hauptaufgabe der jüdischen sozialisttschen Parteien in Rußlarck» und. der Ukraine.? Die Zionisten waren aber nicht so leicht zu besiegen, [ zumal sie ein klares demokratisches -Aktionsprogramm für die jüdische und die allgemeine Poliffk proklamiert; batten. Sämtliche Wahlen -> in den jüdischen Ge- \ meinden, zu den jüdischen Konstituarrttn in Ühi{jTaitt? und der Ukraine sowie zu den ukrainischen und rvssischer: Gründungsversannnlungen — brachten der zionistischen Organisation einen berarttgen Erfolg, daß es den Sozialisten bald klar wurde, daß', man auf dem geraden Wege der Demokratie den Zionismus nicht bezwingen könne. Die Mehrheit.des jüdischen Volkes — dieses „kleinbürgerlichen Volkes" — stand eben hinter den Zionisten. WahrenddLsscn befestigte sich der B.'sschevnsmus in Rußland. Die Demokratie wurde als eine reakttonäre Erfindung betrachtet und abgetan. Dieser Jdeengangtzckßie. dLn Jüdischen Sozialistei:. gerade ins Zeug. Diese. Kainpsesmekhoden waren - wir cur gepaßt für eine Minderheit, wie die jüdischen Sozialisten es nun einmal sind, um auf dem Wege der . Diktatur den polittschey. Feind zu vernichten und die eigene:: Ideen den VoMmassen zwangsweise einzupflanzen. Und wenn mar: selbst keine Kraft besaß, : so -konnte man einfach den Gegner, vor den nicht--; jüdischen mächtigen Gerrosseu d e n u n z i e r e n. -.' Da aber die jüdischer: Sozialisten früher, \ größtenteils MenschewiLen und als solche gewissernraße« politisch errgagiertwaren mW da' die eigentlichem Kommunisten kein Interesse a n jüdis'Gen Ang-tzfe.so. verging doch noch eine Zeit, bis die Feinde des Zionismus! zu Taten übergehen konnten. Das bolschewikische Regime rn Rußland. Im eigentlichen Rußland, wo keine, grostcir 'jMjch.cn' Massen vorh-mrden sind und der polittschtz Kampf innerhalb der Iudenheit nicht s-o.'scharf .geführt' wurde, wie in der Ukraine, konnte die zionistische Organisation:' trotz der Herrschaft des Bolschewismus unh der Gegnerschaft der Mischen Sozialisten ihre organisatorische und. rein palästinensische Tätigkeit, a'inigermaßcn fortsetzen, Die' jüdischen Sozialisten und Kommunisten setzten natürlich den Kampf gegen de;r Zionismus' fort, aber alle . Versuche, die zionistischL .Organisation als gegenrevolütwnär zn erklären und sie zu unterdrücken, scheiterten an der Einsicht einiger leidender Persönlichkeiten, die -in der palästinensischen.Tätigkeit.der zionistischen Orgaiiisation, keine-'tzroß^.. Gefahr für die kommunistische R-epüblik sahenk' So gar einige hebräische Schulen würden irr.haS allaeMM« Schuluetz eingeschlossen.' Diese Lage dauerte bis April—Mai '1919 .unverändert an. Der Dräng nach' Taten gegen die' zionistische Organisation, wurde. aber in' hen Reihen der jüdischen Sdzialisien immer größer. Die Berfolgtmg in der Ukraine. Aickers gestalten sich die Dinge in der 'U'k r a i» e. Diejüdische Gefellschflft war dort anfangs 1919 in zwei entschieden entgegengesetzte Gruppen geteilt. Zu chieser Zieit eroberten die bolschew'ikischen Armeen Kiew und die ganze Ukraine; ein Teil der jüdischen Sozialisten, die. noch vor hnzem mit KWnA und Wmitschenkv.