Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 229 (7.9.1919)
- Date
- 1919-09-07
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 4 väj-.uiio* Dkefev Zwangslage ntub die Nattoüaloerfämm. laag leider Rechnung tragen, obscho» sie den Frieden von Tairrt-Germain für national ungerecht, psiltifch verhängnisvoll und syr^fchuftlich undnrchführbax hält. Politisch und national nrttß sie die «vrtnng den Mächten Lrettaffen» wtetschafMch Mrstz sie abwarLcn. welche Pläne di» Möchte fiit die Durchführung der rvirLjchaftlichen und finanziellen Bedingungen haben. Sie erwartet, daß dis in der Antwort gegebenen Zusicherungen von den Mächten erfnTt werden, sie fiehl in dem Völkerbund jene Instanz, die berufen sein wird» auch unserer Republik ihr Recht wiederzugeben und dauernd zu stchern» und beauftragt den Kanzler, den F r i e d e n S v e r t r a g z « zeichnen." Der Vertreter der Trofidentsche». Abg. Dr. Dinghsfer beklagt, daß die Versprechlingen Will'ons nicht gehalten wurden und legt in eingehender Weile die Stellung der Deutschen in Oesterreich'dar. Wir stimmen an dem henk gen Tage gegen die llnterzerchnling, weil wir die Ücher- ^engnng haben, daß noch nicht die letzten Schritte gemacht worden find. Redner gibt schließlich^ nanmrs der größdru'.schcn Äeretmp.itnft die Erklcirvno ab, daß Liese n i ch t in dir tzage ch, der tin!c! VMr!nunifl dieses Friedens zaznsiitnmen. (Lebhafter Beifall bc» den 0roi!de:ns6)en.) Der Sprecher der Sozialdemokraten. Abg. Leuthn er erklär«, nach einer Schtibrtung der Schaden durch das Haus Habsburg, daß daß cnveiteride Bolk den Bcnrag uuterschtetben müsse, weil es vor allem die Gesänge neu dm Familien -urückgeben wolle. (Beifall.) Der Sprecher Südtirols. Namens der Tiroler Abgeordneten sprach Abg. Nikolessi. Er sprach ruhig, ohne jedes Pathos und mit.tiefer Wirkung. Gegenüber diesem Vertrag haben die Südt»rolet nur ein .Ncm". (Beifall.) Seine Parteigenosse« werden sich au der Abstimmung nicht beteiligen. Der Vertreter der Thristttchsozkalen. Abg. K un s ch ak (Generalredner pro, chrn'tkichsozial^: Unfeve Ausgabe ist heute nur dir Erfüllung einer) Formalität, rnnchreden ist es schon m Paris worden. Wir sind kein freier Staat mehr,, wir sind schon Statisten geworden. Als Redner mehrmals die Mantelnote als «Schandwer!" bezeichnetdie mit ^Jauche gefchrrrdrn scheint", ermahnt der Präsident Seitz den Redner, sich in der Krmk gegenüber Machten der Entente), zu denen wir «us freundliches Verhältnis gestalten wollen, etwas zu mäßigen. Kunsckak repliziert darauf er könne nicht anders, denn des ^deutschen Mannes höchste Zier sei Wahrhaftigkeit", was bei den Thristlichsopolen und Sozialdemokraten toieudenden Gelfall auslöst. Wrr können diesen Beitrag nicht erfüllen» ^wenn aber die Entente auf dem Scheu, besteht, so soll sie den Schein haben. Redner schließt: Be» Philipps sehen wir Uns Wieder!!Be»fall.) Ei» Schlußwort Do. Veirrrers. Der Staatskancker bittet vor der Abstimmung ums Wort. Im Attgcndlkcke der Entscheidung, eiklärt Dt. Rennet, daß, wenn wir unterschreiben, wir unser Wort redlich halten wollen. Lrr Ememe har wirklich das letzte Wort gesprochen. Es war mcht rnchr z» erreichen^ Das ,st wem MstiiliLer E'ndn-ck. Unsere Hoffnung ist Skr Bölkrrbüiid» W-r Dci'.'schm muhten früher magtzarifche mb polnische Pölitic machen, nun sind wir 1t eil NUN gilt düs Wort Hamers: ^Arbeiten und nicht verzweifelnWir wttM wohl die Kure beugen müssen, die Hirten aber werden wir Hochhalten. (Liiinnifcher Beifall idi ganzen Hause.) Die AbstiniMüNg, Abgeordneter Dr. Dinghofer beantragt getreuuie Äb'- st'.rnmung über den Antrag Hauser. bis znm drrtiletzttn Absatz. Für den ersten Teil erhebt sich das ganze Haus» Für den iunitcn Tett erheben sich die Christlichw-ialeu, Sozialdemokraten l:nd der Abgeordnete Friedmann. Abgeordneter Stricker 1t -.nun gleichfalls mü der Mehrheit- Die Großdeutschen stimmen dagegen. Bor der A b si i m m u N g über den zweiten T r : l Les Antrages verlassen die Brrtreier der besetzten Gebiete den Saal. DerzwriteTeil wird mtt 67 gegen 23 Stimmen anfceiiommtn, das heißt, daß der Friede unterzeichnet wird. Rach einem Schlußworte des Präsidenten Seih, daß in tem Rm ai^-itaug: sir^> ein. emig Volk von deutschen Ö.iiüeni!" m.M die Sitzung g e k chr osse n.. Nächste Sitzung auf schriftlichem Wege. Farben, bewimpelt mit Fahnen aller Nationen ftt dlt ten siebenhuttdertundzWanZig Kombittätionen, die man aus den sieben Grundfärben bildest kann und noch einigen darüber, dahinter iirt Alpenglühen (genau wie auf den Ansichtskarten) unten graublau, oben krtwäbrfcheintich wfa, der Rigr und der Pilatus, mtt auf der Straße flanierend die Eleganz aller Zonen, in Smoking und Ballkleid zu iegendeinem Rvsenfest ist irgendrinem Grand-Majestic-SpjenVid-Mvnstrs-Hotel... Was Sozialismus! Je ernster es mit ihm wird, desto weniger wollen sie von ihm wissen. Sie gedenken ihn durch Ignorieren zum Äbsterben zu bringen.. . ÄmBürgerstock blinkten neue Giern« ans, denn es war mittlerroerle dunkel geworden. Dort faß wohl jetzt beim Diner, wie allabendlich im Llreisü der Seinen, Friedrich, Oesterreichs Erzherzog, der „Sieger von LimüttowL"... Nun, wir saßen da, im Garten des Kursaals, mitten im Paradiese und Oscar Cohn erzählte MS von ernstlicher Pogromgefahr in BerlinW, bayrisches Viertel. Gut, dar heißt, schlecht. Aber, sagte ich ihm, Genossin Malta Locker hier ifi aus Kuty und sie wird ihnen e» iädlcn — nicht was Pogrom in Kuky ist, nicht Totjchwg. nrin: Le-ben, nicht Zerstörung, «ein: Wohlstand und dann erst werden sie wissen, was dort im Osten ji:0t geschieht. Denk' ich an unsere kleinen, armseligen Städtchen, mit ihrem engen, kümmerlichen Dasein, unfaßbar ist es mir dann, daß es Mttschen gibt, die in Luzern geboren werden, in Luzern leben ihr Leben lang, in Luzern sterbvn und da begraben werden und nicht wissen, wie sehr sie Gott begnadet hat... Mznitz, Kuty, tzttryj, Ezernowitz, Sniathn, Zaleszczyki... Und doch wart ihr einst glücklich . .. Bern, LIAuaust 1819. Markus Reiner. ___ x .V. CUtgMj&M**!! ' 7. September iJIS Nr. DrZ Fürsten Lsbkswitz Verhaftet. (3ist .Komplott aufgeweckt. — MvrtürchWfchs ^^MtrleÄe. v H v a 5» 6. September. (Tel. der. Zentr.-Korr.) Kolvffalö Ssnsatbo« erregt die Mitteilung des MinlsLeriums für LfittÄkSverterdigüng» daß heute die Firsten Friedrich und Fdentto L o L L y w i tz und noch mehrere Veranstaltsr der gestrigen Dsm-nstvartvn, darunter drei Beamte des Ministeriums für nationale Verteidigung, Ä e i x u e r, tz a y i k und Dvlezal ferner der ehemalige Kommandant der Bürg» RittMeWr a. D. Micka, verhaftet würde«. Weiert derselben Angelegenheit wurden antzerdern verhaftetr Her Vermalter der katholischen Bonifaz'msdrucksrei, R h d u l e k i, der die Fiugzettel dr.Mte, ein bekannter Revolverjonrnalist namens Flöget dann drei Frauen: Ve 1 \% D sfselh und Stab a. „Prrwo Lidn" schreibt, daß nutzer den bekannttzegebenen Verhaftungen noch znhlreich> andere folgen würden, da die P ö l i j e i c i» Zdo mp 1 o t t a n f g e d e chi h ab e, bei dem sehr viele Personen beteiligt seien. In den Wohnnn.ien der Verhafteten fanden Durchsuchungen statt, wobei belastende Korrespondenzen bsschlaMühMt wurde». „Venkov" sagt^ es fei erwiefs«, daß bei L o b K o w i tz Und R o st i tz Dtratüttge» ftattgefnnden Habens an denen stch auch k a t h o l i f ch e WÜrdentr ä g e r sowie ein dsutscher Bischof bstsUigt haben. Dsr eheMÄlige AdjnLant deS Kaisers Karl, Zsenko Loökowitz stand mit den Klsridalen in eifrigste« A n t e r h a l« « g e m Das Blatt behauptet, daß die KLerikaLe «alten Feinden der Nepublik ihre Hilfe g « w Ä h r e» Zdenko L o b k o w r tz und Montennovo hätten, von Kaiser Karl kommend, eine R ü ndreise durch ganz Böhmen gemacht. DLS Blatt fragt, warum man ditzftn KayMtzöeü Einlaß in dis Republik gewÜhrt habe, „P r a v o Lid nu erzählt, daß vor drei Wochen dev ehemalige Minister dos Aentzern Berchtold in Böhmen war und verschiedene Personen empfingdarunter Movraeek. Die Heldentaten der MrnLner Volkswehr. -Sine genaue Darstellung der Mitzhandlung Mischer Heimkehrer. P)ir haben schon unlängst vvn den schändlichen Uebsrgvifsen und Gewälttciten berichtet, die sich die Kärntner Volkswehr gegonübet jüdischen Hörmkehrorn zuschulden-kommen läßt. Wir fhtb heute in der Lage» ein Pwtokoll auszugsweise zu veLöfftutlichsn, düs im Bureau des Jüdischen Rationalrütes in LLieN nnt dem Heimkehrer Einjährig-Kreiwtlligen Korporal Richard W t l le r ausgenommen wurde. Aus den Aussagen dss Clnjährig-Freiivilligen Korporals ist zu entnehmen, wie nicht nur die Mannschaft, söndern auch 'die Offiziere jede Pflicht der Rechtlichkeit außera'cht gelassen haben. Die Schandtaten von Villach find ein Makel auf der Ehre der österreichifcheu Volkswehr und wir hoffen, daß das Maats» sekretariat alles tun wird, um dan Tatbestand einwandfrei festzustellen und die Schuldigen zu bestrafen^ Dem Protokoll entnehmen wtr folgsndssr Die Einjährigen haben in - italienischer Gtzfangenschaft in Forte Begatv die schwerster» Arbeiten verrichtet. Später wurde Willer in FiNalmarina vom italienischen Kommandanten wegen seiner Kenntälsse Md Zuverlässigkeit in die Rechnüngskanzlei berufen. Später Halde er auch beider Heimreise und im Äonzentrationslagcr als Kanzlist Hin-L etwäs angenehmere Stellung als die Übrige Mannschaft, worüber Stimmen der Unzufriedenheit und des Neides laut wurden. Witter berichtet sodann weiter (Wortlaut des Protofolls): Am 15. August l. $. um W Uhr früh kam der Transport von zirka 1800 Mälln in der Haltestrckä Warmbad-Villach an und wurde von dem italienischen HänptMatrN dem BarackenköMMMdäNtew Übergeben. Ich hielt mich den gänzen Vormittag dieses Tages UN Lager oder in der Nähe bös Lagers auf, aß auch zu Mittag dsrtselbst und hatte Gelegenheit zu bemerken, daß die Kärntner Bolkswshr den Heimkehrern erzählte, wie tagsvarhev einige Juden verprügelt worden seien; überhaupt bemerkte ich, datz Leute dsr Bolkswehr im Kreise der Heimkehmr Hetzreden göM die Juden hielten. Um 1/24 Uhr nachmittags beMEe ich ttr der Nähe des Schieuenstranges beim Barackenlager einen starken Vottsauflanf, ich lief hinzu und sah, wie der Einjährig-Freiwillig« Gefreiter David Malten fort von der Menge gepackt, geschlagentvnrde und ich hörte allgemein dis Rufe: ,Haut'S den Juden! Erschlagt ihn! Mhmt ihm sein Gelb weg!" Ich ging sofort zum diensthabenden Offizier, einem OLarMtnattt in Zivildessen Namen ich nicht emtsren konnte; dieser stand in dsr Nähe, fchauts zu und auf meine Frage und mein höfliches Ersuchen, einznschrsitön, antwortete er: „Das sollen die. Heimkehrer selber untereinander ausmachen." Nachdem ich trachtete» dem Einjährtg-Frstwittigen MaltsnfvrL zu helfen und ihn vsrteidtgte, kam die Menge über mich; ich hatte schwere Mühe mich der vielen Faustschläge zu erwehren, wurde im Handgemenge in den Bach geworfen und als ich herauskam, erhielt ich einen Faustschlag ins Gsftcht, durch, welchsn dt« Unterlippe durchgeschlagen und zwei Zäbus eingedrückt wurden. Im Wr sicht erhielt ich mehrere Ritzwunden Md der ärztliche Befund des dortigen StaMrztrs erzad 96 Quetsch wunden. Während der ganzen Prügelei hörte ich nichts anderes als die Rufe: JUdtzttSengel- Judenjüttgs Mb ähnliche Ausdrücks. Ich mftbr mich vor der Menge auf eir^e Wieft suMhalb SG Lagers, dort kam ein Fähnrich der Oottswehr auf mich zu und sagte mir: „Einjähriger, kommen Sie mit rnir ins Marodettzimmer" Er führte mich ins Lager hinein, wo sich die ganze Menge herumstetttk tat« sächlich aber keiner in Ann>escnhett des FühMchs es lvätzte, neuerlich Über Mich herzufatten. Auf BeraNlassungemes Stabsfeldwebels der Volkswehr, welcher zu hrM Fähnrich' herantrat und ihm sagte: ,^here Fähnrich, wen nehmen Sie denn da in Schutz, lassen Sir doch diesen Juden laufen". Mndw sich dev Fähnrich wieder zu mir: „Machen Gw sich die Sache mit den Leuten selber ab" Und . ließ msttz mitten in der Meng« stehen. So wurde ich wieder in bi« Prügelei verw»Mt und rettete mich schließlich in dte Telephonzelt« des Lagers. Dort stellte sich ein Oberleutnant ein, der Partei für Vie Menge Nahm! und mich insbesondere als Juden zu beschimpfen begann und aus mein Verlangen, daß die Anklage», welche die Leute gegen mich hätten, untersucht werden sollten und ich Mich aus die Dauer der llntersuchüng freiwillig itt Haft Legöbett, mich aber auch selber verteidigen will, Littwörtete er mir: „Ja, wir wer den gleich die Stricke bringen lassen und Si« aufhängen, Sie Jud»." Schließlich Erlangte ich ' itt Begleitung eirws Sättitätsunteröfsiziers in daß Marodenzimnler wo kürz darauf derEinjähriEreiwillige! Gefreite M a l t e n f» r t und der Bormeister Gustav Pollack aus Teplitz vollkommen verprügest eintrafen. Meines Wissens hat der Kormetster Gustav Pvl'lack im Spital von Finalmarina Hunderte von flecktyphuskranksn Kriegsgefangenen vom Tode gerettet Und auf uneigennützigste Weise gepflegt. Sämtlich« anderen Ec'^ugenen, welche in der Kriegsgefangenschaft in Kanzleien beschafttgt waren und ebenso die meisten Juden hatte« sofort bei Beginn der Prügeleien di« Flucht ergriffe». Ich wurde am 17. August itt der Frühe Mit dem Einjährig-Kreiwilligen David Maltenfort, welcher ein« Rtppenqustschung und mehrere schwere BerlktzMgeU erlitten hatte» ins Reservespital nach Klagensurt transferiert. Am 16. August, während deS Aufenthaltes im Marvdenzimmer in Villach hatte» wir moralisch viel durch ironische Bemerkungen der DvtkSwehrsffiziere zu leiden» welche mit antbsemitischen Spötteleien nicht sparten. Im Laufe der Prügeleien wurden sänitlich« Effekten« Rucksäcke, Kofstv usw. dev Geprügsüsn und ebenso der vor dev Meng« Geflohenen gestohlen. Ebenso wurde dem Kriegsgesangeuen Einjährig-Freiwilligen Gefreiten Maltenfort fallt Selb im Betrage von 100 Lire weg- Mvmmsn. ML^ettmeeUng. zionistische Vezirkssektion Leopotvstadi ttnd Brigittenau» Dienstag den S. d. M. findet um 6 Uhr abends iu dev Produktenbörse, II.» Labore stratze l», ein -votzes Wische» Massenmeeting statt. Äefsrent De. Echemnel Margofches ans New-Pork, Präsident des Verbandes galizifcher nnd bukowinaer Juden in Amerika, spricht über „Grötze aus Amerika". Der Frkdensvertrag Mit Ungarn vollendet» Ä aint-O ermaiu. 6. September. (Korr.» Bur.) „NewtzuvkAerald^ meldet, datz der Vertrag mit Ungarn im wesend tichen vollendet sei. Er wird überreicht werben, wen« sich in Budapest eine stabile Veniernug gebildet haben wirb.