Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 227 (5.9.1919)
- Date
- 1919-09-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ein Ultimatum derEntente an Rumänien. Forderung nach RLuwnng von Ungarn. Haag, 4. September. (Tel.-Komp.) Hollandsch NienwsLnreau meldet ans Paris; Die tutn aursch e Frage ist in ein neues» außerordentlich gefährliches Stadium getreten. Der Oberste Rat, der bis jetzt noch keinerlei Antwort von Rumänien auf ferne jüngste Note erhalten hat, hat beschlossen, einen Abgesandten nach Budapest zu entsenden, um ein def vift e tes A l ti m a tum an die rumänische Regierung Zu überreichen. Sollte es Rumänien ablehnen, die in dem Ultimatum gestellten Forderungen innerhalb der gesetzten Frist zu erfüllen, so werden die diplomatischen Beziehungen Zwischen Den allirerLen rmd assoziierten Machten und Rumänien aufhoren. Der VeeLreLsr der alliierten ur.d affoziierLen Mächte wird bei sein?« Rückreise aus Bukarest die diplomatischer Vertreter aller StaaLen, die ihren Sitz in dev rmnamschen Hauptstadt haben, miLnehmsn. Man erwartet, daß die Entente die Forderung stellen wird, die Rumänen mögen sich ans Ungarn ZuruckZiehen und anerkennen, daß Ms requirierten ^Zarerr den Alliierten zur Verteilung «ntex die Gläubiger Ungarns zurückgegehen werden. .x','M«intsGer»tnitt, 4.Mc^mhee.. Die heutigen U.baMbläiter best'ätigen-^haH, nach' Crtlärungen bcr,nlmaMchen Delegation .'i^Hürrs Lüe.< drahtlosen Telelaiffen sind.^M^ußHMPnr.GWHL Mke Mhoort' 1 /''Deri,,DeÜch8"7-?neÜ»et/'Äex> OöerM'! Rat hah-e^Pch IMte entschlossen, den. RumiWen gegenüber -mit aller Äflschkert,. die inan,. ewSM/- MliiHr'ten.. schuldet, eine NA.ch d r ü ck l i ch e Dem zu veranstalten^run. sie chüszyfordern, ihre Haltnng Mgenüher den.Entschsrhun-.. gen des Obersten Rates zu .ändern. ' Diese Demarche rperde von. einem Spezialgesandten.des Obersten Rates Wichgeführt werden, einem enAischen Diplomatzn, der sich, als geineinsamer BevoNlnöchLigter der Alliierten rnich Budapest und Bukarest Gegeben wird. > Der „Demps" meldet, sernex,.. daß' es angesichts der ' erschwerten Beziehungen zwischen der Budapests iuteraMertenMilitärLommissi-M unb dsü*' rumänischen Mli« -'.tärbchörden. nicht- -'.ausgescylossen ^erscheine,' daß.-'-'dis; i rumänische^ Mgierung?Hre'Trnppem.vMi nngarischen WbW zstrsickziehett weW/ :Mo lsche->: I tvislNÜs führe:? . - Ly,, * „Jntransige-änt" erführt, daß gesterm ein Telegramm* Bratianns eingelaufen sei, in Hem, dieser die Meinungsverschiedenheiten zwischen Rumänien und den Alliierten auf gewisse persönliche'Boreingeironinrenheiten, insbesondere von feilen Hoovers, zurüüführe. Man habe. in rumänischen 5kreisen den EmbruMKaß > die üble Laune .Amerikas gegenüber RumäniLE ^-kommerzielle) Gründe habe und hauptsächlich aus. dtzr Enttäuschung entstanden sei, daß es den Amerikanern, mißlungen Tst, den rumänischen .Petroleumhandel in die Hand zu be-! kommen. Umtriebe gegen die UegiernM TNsar. PogroMstiMMUNg in Prag. « Prag, 4. Septencker. (Tel. der „Wr. Morgen- Leitung".) Hier herrscht seit heute deutliche Pogromstimmung. Aeußerlich ist das Bild das bekannte. Schon seit den Mütagsstunden sieht man an verschiedenen Plätzen der Stadt k l e i n e Z usammenc d t t u n g e n v o n M e n s ch e n, denen irgend ein Agent provocatenr männlicher oder weiblicher Art Hetzreden gegen die Juden und die Deutschen hält. Am Abend waren diese Ansmnmlungen bereits ganz außerordentlich zahlceich. Es heißt, daß die Legionäre dazu bewogen worden seien, nächste Woche einen Po grom großen Stiles z u veranstalten. W-ie gut vorbereitet die Po-, gromhetze ist, geht daraus hervor, daß Schweizer Bürgern Plakate zugestellt wurden, auf denen steht, daß hier Schweizer Bürger wohnen, deren Eigentum und Leben geschont werden müsse. Die betreffenden Parteien erhielten diese Plakate mit dem Bemerken, sie an der Innenseite ihrer Wohnungstür zu befestigen. Die ganze Hetze hat politischen Hintergrund. Es handelt sich um d en S turz Tusars. Sowohl den Nationaldemokraten wie den Klosaeianern und den Klerikalen ist er ein Dom im Auge. Der Angriff des Sozialdemokraten' S t i o i n im „Pravo Lidu" gegen Klofae hat durch feine Wucht die Tschechischnationalen in Erregung gebracht und es herrscht nun zwischen beiden sozialistischen Lagem, den Nationalsozialisten und den Sozialdemokraten tiefer Zwiespalt. Dazu kommt nun der Teplitzer Parteitag, auf dem ebenfalls gegen die Klofacpartei scharfe Töne angeschlagen wurden. Das „Cesko Slovo" veröffentlicht heute einen Artikel, in dem es erklärt, die Republik fei in Gefahr, und zwar sei sie von inneren Feinden bedroht. Zu diesen zählen der linke Flüge! der tschechischen Sozialdemokratie, dann die Deutschsozialen. Seliger welcher nichts anderes sei als eine Neuauflage der Spartakisten in Deutschland, ferner die Klerikalen und die Monarchisten. Zmn Schutze der Republik bedürfe es daher einer starken Armee. Die Nationaldemokraten, deren Herrschaft vollständig zu Ende ist, arbeiten im stillen aber sehr intensiv gegen die Regierung Tusar, die sich durch ihr deutschfreundliches Verhalten unbeliebt gemacht hat. Es ist noch nicht abzusehen, ob es wirklich zu einem Pogrom großen Stiles kommen wird, aber nach dem äußeren Bild zu schließerr und nach den getroffenen Vorbereitungen nrüssen Befürchtungen schlimmster Art gehegt.werden. Eine mittlärLsche -gMerventto» der Eut«ie in .Montenegro?- Versailles, 4. September. (Korr.-Bur.) Die „Chicago Tribüne" meLL.'L: ' NruLralc Beobachter erklärten, ein Militärisches Eingreifen A nr e r i k a s und Englands in Montenegro sei notwendig» damit die Massenmorde unter de« KSnigstrenen MonLensgrinrrn durch die Serben verbmderL würden. Das balkanische Chaos. —fc. Wie». 8. September. Die Balkamvirren, welche der Ausgarrgspunkt so mancher Kriege im vorigen Jahrhundert waren und die auch — was man in der letzten Zeit ganz vergessen zu haben scheint — den letzten Anlaß zum Weltkrieg bildeten, sind nach fünf Jahren Weltweg! nicht nur nicht beendet, sondern drohen vielmehr der!. Ausgangspunkt einer ganzen Reihe neuer Berwicks lungen zu werden. - Chauvinistische, imperialistische und ökonomische Gründe sowie das Streben verschiedener Großmächte.' an die Stelle Rußlands und Oesterreich-Ungarns das Primat am Balkan an sich zu reißen, komplizieren * 'die ohnedies verwickelte Situation. Hierzu gesellt sich noch die Rivalität der verschiedenen Balkanvölker um drei führende Stellung, am Balkan selbst. ' Vor allem muß von jener Frage gespwchen' werden, die schon im alten Oesterreich-Ungam aus ein totales Unverständnis der führenden Deutschen und noch mehr der tonangebenden magyarischen Holitiker in Regierung'und Parlament stieß und die nicht nur eine Hauptursache des Zusammenbruches des altert Donaureiches bildete, sondern auch der jetzigen Wirren' im S. H. S.-Staate .sowie weiters der Unruhen in Montenegro. Die Südslawen haben genau so wie die Deutschen und Italienerstets das Streben gehabt^ die fremdnationale magyarische, deutsche und Italienische Herrschaft abzuschütteln und aus ihrer staatlichen, beziehungsweise staatsrechtliche!: Zerrissenheitheraus zu einer nationalen Einigung zu gelangen.! Da ihnen dies die Wiener und Pester Politik infolge? . des Hpälrsryus und der weiteren Furcht vor Zuwachs! der - .slawischen Vevölkerung unmöglich machte, so bliebs s auch ^eM^slchvsnisWn'' und ' kroakischemPMtiLern^ p die.sestre^iHmgung'^,der.7Südflmyen,' im. Sinne des ^! GrHsWWms7!MchÄHi,I nWs^. anderes übrig, als* die Hchischs! Wsung ' der südslawischen Frage zu akzeptier«!/!'.'.'insbesondere in dem Momente, als Oesterreich-Ungarn und Rußland zusammengebrochen war; und Italien auf slowenische und kroatische /Gebiete * aspirierte. 'Aber fast dieselben Momente, die zm Gründung des Staates S. H. S. führten, haben eine ' akute Krise herbeigesührt, die zur Gesundung, aber auch zum' Gegentelle führen kann, je nachdem man sich in Belgrad zu einem Regime der Demokratte, des Föderalismus und zu einer radikalen Gesellschastsrefvrm entschließt, oder aber den Weg der militärischen Reaktion, des Zentralismus und der kapitalistischen WrrtschaftspoliLik wandelt. Bequemer mag ja das letztere sein; wohin aber dies führt, das zeigen heute bereits die Zustände in Montenegro, wo das Volk sich gegen die . Einverleibung in ein Großserbien wehrt und wo bereits Ströme Blutes geflossen sind, ebenso wie die Zustände in Kroatien und die Stimmung, in Kram, wo die Opposition gegen den Belgrader i Zentralismus immer größer wird und die äußere Ruhe nur mit Hilfe des serbischen Militärs künstlich aufrechtechalten wird. Zu alledem gesellt sich noch die ökonomische Unzufriedenheit im Lande, die Verfolgung der sozialistischen Elemente sowie endlich die Gefahr weiterer Verwicklungen mit Rumänien und unter Umständen auch mit Italien und Bulgarien. Serbien will unter.. gär Leinen Umstanden, und mit einem gewissen Rechte, aus die serbischen Teile des ungarischen Banates verzichten und gegenüber den sortschreiLenden rumänischen Rüstungen ist man trotz der^ natürlichen Kciegsmüdigkeit des serbischen Volkes fest entschlossen, den rumänischen Aspirationen,' die seit der Besetzung Budapests ins Maßlose ge-/ stiegen sind, aufs entschiedenste, entgegenzutreten. l . Man ist nun in Belgrad sehr verbittert gegen die italienische Regierung, iveil man ihr vorwirst, daß sie sowohl die rumänischen Machthaber als auch die 2lufständischen m Montenegro, jasogar die nie erloschenen Besitzforderungen. ..'Bülgarierrs auf. Mazedonien direkt und indirekt fördere, gleichartig aber auch in Albanien alle antiserbischen Bestrebungen begünstige, um huf diese Weife an der Stelle Rußlands j und Oesterreich-Ungarns die Hegemonie am Balkan an sich zu reißen. ' j Wenn man überdies noch berücksichtigt, daß in Bulgarien bei den letzten Wahlen die ko'nnnunisttsche Partei beinahe zur stärksten inr Lande geworden ist und im Bunde mit anderen revolutionären Gruppen bie. Errichtung einer Republik erstrebt, Griechenland . aber aus Furcht vor dem Uebergreifen der revolutionären Strömung an den. Grenzen Bulaariens