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Wiener Morgenzeitung · 1919-09-03 · Heft 225 (3.9.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 225 (3.9.1919)
Date
1919-09-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Den Geleitbr ief des Präsidenten Clemenceau -1«« den Leiter der österreichischen Friedensdelegation. ' '2. Die Antwort der alliierten und assoziierten ML'chte auf die Bemerkungen der österreichischen Abordnung. Mn endgültigen Text der Frie'öensbedingimgen. " ... - : v :4. Gin!0 u satzprot o k 2 l l, das die in dem früheren Memorandum enthaltenen Bestimmrlngen ttiäerhvlt., 5-. Eine Er k lä r un g betrefferrd die Erteilung von Auskünften über versenkte! Schiffe und 6. eine besondere Erklärung betrrffeud die Aus-, Cstn- und Dur ch f uh rb e s ch r ä utu n g e n zwischen Oesterreich mnd Ungarn. . , "> ., Generalsekretär Dutasta überreichte die einzelnen Stucke mit kurzen Erläuterungen- und legte sodann eine Berhandlungsschrift vor, in der der Empfang dieser Schriftstücke vom Staatskanzler bestätigt wurde. Hierauf teilte der Generalsekretär mit, daß die Mächte zur Beantwortung eine.F r i st v o n f ü n f T a g e n in Aussicht nehmen und ersuchte den Kanzler, sich zu dieser Friststellung zu äußern. Der Kanzler erklärte, daß die Schwierigkeit der Verbindung und die große Entfernung und vor allem die parlamentarischen Verhandlungen die Einhaltung dieser Frist unmöglich erscheinen lassen. Der Kanzler werde sich' genötigt sehen, von Wien aus je nach dem Verlauf der Dinge wegen einer Fristverlängerung vorstellig zu werden. Zugleich mit dem ofsizielten Exemplar übernahm die österreichische Delegation fünfzehn weitere Stücke des Friedensvertrages. Nach kurzer Dauer war die Ueberreichung beendet und 'die österreichische Abordnung kehrte im Automobil inihre Quartiere zurück. / (Bis 12 Uhr nachts hat das' offizielle 'Telegraphen- - bureau weitere Details über die Friedensüedmguugen nicht erhalten. Die Red.) _ . ’ Eine neue englische Erklärung für den Zionismus. Das Kopenhagener Zionistische Bureau meldet: . Infolge verschiedener Vorkommnisse i« Palästina hät das britische A u sm-ßt t i£t ÄM t ein MLssgramm an die O k k tt p a t r o n s b e h ö r d e n t tt P a l ä st i n a gerichtet, irr welchem Diese'tm Die D e k l a r ntio n d d v iFWDeM nmg vvM 2. November 1917 erinnert werden und in dem sie angewiesen werden, es als f.a it ae t o m p 1 i zn befrachten, daß Palästina die nationale Heimstätte der Zn d en werden soll. Es wird den Behörden demgemäß dringend ans Herz gelegt, die jüdische Bevölkerung Palästinas in einer W eife zu behandeln, die mir der Entschließung dev britischen Regierung» wie sie in der Regierungserklärung zum Ausdruck gelangt ist, im Einklang steht, und zwar ohne Rücksicht auf die Tatsache, daß die Inden gegenwärtig noch eine Minorität in Palästina bilden. Die Ukraine fordert eine jüdische Antersuchnngskommisfion wegen der Pogrome. Wie der Mrainische Pressedienst meldet, hat der Minister des Äeußeru Wladimir Temnycki an den Präsidenten der ukrainischen Friedensdelegation in Paris, Graf Tyszkiewi.cz, ein Telegramm gerichtet, in welchem er wieder energisch in Abrede stellt, daß die Regierung Petljuras für die Pogrome verantwortliche ist. Die meisten der in den Pögromberichten genannten Örw gehören zum okkupierten Gebiet. .In" dem der Ukrainischen Regierung rmterstehenden Gebiet. kam es ' rn der Zeit vom Slovember 1918 bis Ende August 1919 in drei Fällen zu antijüdischen Exzessen seitens-der Bevölkerung, und zwar in Proskurow, Schwerin k a und in einem Falle in W o l h y n i e n. Als Grund hierfür.wird in altbewährter Weise die!bolschewikische Gesinnung eines Teiles der Juden angeführt. Die Negierung gibt aber selbst zu, daß dies keinen hinreichenden Enlschuldigungsgrund darstellt ' Das'Telegramm fährt bann fort: „Die Stellung der ukrainisch-republikanischen Regierung zur jüdischen 'Bevölkerung in der Ukraine ist über alle boshaften Verdächtigungen erhaben. Die ukrainische Volksrepublik Hat bis jetzt als erster und einziger Staat Europas! die Juden als eine eigene selbständige Natron anerkannt, sie hat ihnen die nationale Autonomie gegeben-, ihren offiziellen Vertreter in den Ministerrat berufen, ein eigenes Ministerium für jüdische Angelegenheiten kreiert und den Juden alle nationalen und religiösen. Rechte 'Mr Minderheit Anerkannt. Die ukrainisch-republikanische Regierung Petljuras nimmt die jitdische Bevölkerung ebenso wie. alle anderen .nationalen Minderheiten in Schütz,' bekämpft mit Energie alle antisemitischen Agitationen, hat zur Untersuchung der antijüdrschen..- Exzesse in den drei genannten Orten eine spezielleintet* ministerielle - Kommission gebildet, - den Opfern dieser Exzesse wurde. die volle. Entschädigung zu. geben, be* plarisch bestraft. Angesichts dieser zweifellosen Tatsache wird es klar, daß die Verbreitung der alarmierenden Nachrichten über antijüdische Pogrome in der Ukraine durch die auswärtige Presse und die Beschuldigung, daß die ukrainisch-republikanische Regierung Petljuras dafür verantwortlich sei, ihre Quelle nicht in den objektiven Berichterstattungen der Begebenheiten, sondern in der boshaften Absicht hat, die junge) ukrainische Republik in den Augen der zivilisierten Welt anzuschwärzen und zu diskreditieren." Um all diesen Treibereien ein Eside zu machen und der Wahrheit zu ihrem Rechte zu verhelfen, schlageichvor.einc sp ezielle Kommission aus den Vertretern des jüdischen Volkes zu bilden und sie in die Ukraine zwecks Konstatierung und Neberpvüfung der wirklichen Sachlage zu entsenden. Zu dieser Kommission habe ich die Ehre, den Herrn Schriftsteller A ch a d H a a m, (N. Ginöburg) derzeit in London, die Mitglieder des zentralen Komitees der zionistischen Organisationen U s s i s ch k i n und Goldstein, jetzt in Paris» und Dr. Joche! mann, den Präsidenten des Londoner Zentralkomitees der «Iewish territorial organisation" emznladen. * i- * Es ist erfreulich, daß die Petljura-Äeg^ruug sich diesmal nicht mit einem bloßen Dementi begnügt, sondern selbst die .Initiative zur- Untersuchung durch 'eine jüdische Kommission ergreift und die. bewährtesten Führer des jüdischen Volkes der Ukraiüe dazu «inladet. Allerdings wird angesichts des - Umstandes, daß der, Hauptteil des Pogromgebietes in den Händen der.Aufständigen und der Bolschewiken ist, die Untersuchung sich nur .auf den kleimn. westlichcn Teil der. Ukraine be- Mrärtten.können». F&it accompli. w Wie», 4. September. Seit dem 2. November 1917, dem Tage, an de« Artur James Balfour jenen historischen Brief an die zionistische Organisation richtete, in welchem er den Entschluß der englischen Negierung bekanntgab, Palästina als nationale Heimstätte für das jüdische Volk wieder zu errichten, sind nunmehr volle zweiundzwanzig Monate verstrichen. Zur Zeit jener Erklärung war nur ein kleiner Teil Palästinas von britischen Truppen besetzt,' erst Anfang Oktober 1918 wurde auch der Nest des Landes erobert und unter englische Militärverwaltung gestellt. Diese Besetzung war eines der letzten Ereignisse des Krieges. Bald darauf wurde der Waffenstillstand geschlossen, die Niederlage der Zentralmächte und der Türkei war besiegett und der Friedensvertrag sollte das Geschick Palästinas endgültig bestimmen. In den Tagen des großen Umsturzes in Mittel- und Osteuropa, als das W.erk der Befreiung der kleinen Nationen vollendet schien, war, das jüdische Volk der ganzen Welt nur von dem einen d Gedanken erfüllt, daß jetzt die Zeit gekommen sei, die Balfoursche Erklärung in Wirklichkeit umzüsetzen. Mit einem Schlage sollte auch das jüdische Volk nach zweitausendjährigem Leiden erlöst werden und die Herrlichkeit Zions in feinem Lande wieder' auftichten.! Zweiundzwanzig Monate find kein langer Zeit- . raum in der Geschichte der Völker. Aber für ein gepeinigtes. hoffendes Volk ist das Wartenmüffen eine unerträgliche Prüfung. Das jüdische Volk, das durch den Sieg der Alliierten den Tag seiner Befteiung ge- - kommen wähnte, .wurde von öer grausamen Wirklichkeit nur allzu schnell von überschwänglichen Jllusionerr geheilt. Es begann eine Zeit des Martyriums, derengleichen die an Schrecken reiche Gäluthgeschichte nicht ..jüdische, Ehre wmdeir , vögelfrei, die jüdischen Menschen ein Spielball in den .Händen barbarischer Horden, preisgegeüen den fenchfeligen^Handlungen der neu entstandenen Staatsvölker. ' Palästina aber, das Land der Sehnsucht, ist feitbem noch immer unter englischer Militärherrschaft, eine Einwanderung. ist unmöglich und unzulässig/, die Verhandlungen in Paris schweben noch immer und die zuversichtlichen Versicherungen der zionistischen- Führer begannen das Vertrauen einzubüßen. Auch die jüdische Bevölkerung Palästinas ist über das Andauern der militärischen Okkupation ungehalten. Eine Enttäuschung beginnt sich der jüdischen Massen zu bemächtigen, weil das Werk der nationalen Auferstehung^ keine Fortschritte macht. Dazu kommt noch die in letzter Zeit immer mächtiger werdende arabische Agitation gegen den Zionismus und die Schwierigkeüen, welche Frankreich der Erteilung des Mandates an England entgegenstellt. Die Leitung der zionistischen Organisation hat nun ein ausführliches Rundschreiben an alle Landesverbände erlassen» in welchem es über die politische Situation Aufschluß gibt und die ungeduldige Sttmmung zu beruhigen sucht. Wir haben bereits wiederholt darauf hingewiesen, daß der Aufschub der Entscheidung vor allem darauf zurückzuführen ist, daß die Palästtnasrage nicht aus dem ganzen Komplex der durch die Liquidation des türkischen Reiches" entstandenen Probleme losgelöst werden kann und daß daher der Friedensschluß mit der Türkei abgewartet werden muß.^ Auf diesen Umstand weist auch, die zionistische Leitung hin und versichert gleichzeitig „im vollen Bewußtsein ihrer großen Verantwortung", daß sich an der Stellung der Machtfaktoren zu den jüdischen Forderungen nichts geändert hat und daß die Zustimmung der Friedenskonferenz zuversichtlich zu erwarten ist. Gleichzeitig wird verlautbart, daß das britische Auswärtige Amt ein Telegramm an die Okkupationsbehörden in Palästina gerichtet hat, in welchem diese an die Deklaration der britischen Regierung vom 2. November 1917 erinnert werden und in dem sie angewiesenwerden, es als' fait accompli zu betrachten, daß Palästina die nationale Heimstätte der Juden werden soll., Die Okkupationsbehörden, die -bisher wenig Neigung zeigten, den Juden entgegenzukommen, werden beauftragt, dieser Auffassung entsprechend vorzugehen. Dieser Erlaß des Foreign Office ist der erste offizielle Schritt der englischen Regierung seit der Erklärung vom 2. November und. Weizmann bezeichnete ihn in einer Rede als das bedeutungsvollste Ereignis nach dieser. Die englische Regierung ist sich sehr wohl beemußt, welche I&Lto LiMMe der Erfüllung ihres, Verivradeu.^

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