Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 222 (31.8.1919)
- Date
- 1919-08-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/2979076-2979077-2979299--01978-2987441- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Gi«rFtt«»«Pt«rr Kreis »« Wrr Wt«r Rtt KvsteLttO M Haurr . . ..» |0, «AM 80**^ LLML''->- L!-- .... h so*"* 1. . vkkt Vostverfror M«r«t»ch. . . ,X 7,50 . . .. »*.— WWs.'MrLL M * *y5*V—' , 'L. »V* ®ixtq#!mwavt ■ W$rJ sz^-o --- iWtenwiaitl» m*ü >• « ..:' iw^Ufi» M» *>&* toutß&t j , ■;• V’vSastowttiAr. &«n> - '■i.flaHrtälrwö . SV - "[ Hr*«nrfSfc*ig .«W«« vr.- 3 _•• . JJ* i aitli«» »t. 3i!>»i i*-i/>x'<“. ••/•.v tio-rr . . ■ , 7- Mir», ».Li.^Ki»da^»«L> . * ■■ r'r^t• ■■ yr.t—3' i ' Nr. 15,0.628 Nr. 222 Wie«, Sonnlag, den 31. Angnst ISIS 1. Jahrgang > >>;; Der anglo-franzöfische Orient- .V- Konflikt und Palästina. fb'o« Dr. Markus Reiner. '- Bern, 27. August. Der anglo-französtsche OrierttDnflikt, der vor einiger Zeit schon sich in dem gereizten Don mancher französischer Blätter gegenüber dem so engalliierten ,>Cönfröre anglais" ankündigtc, steht plötzlich in voller Stärk: da. Der „Temps" spricht Ln seinem Leitartikel vy»n 18. August von einem „L'orage d' ortend und reklamiert die französischen Rechte. „Wir warnen vor einer Politik, welche sich : lediglich auf den Erfolg stützt", schreibt er. „Nur indemman die Rechte anderer respektiert, kann die seinigen nicht sichern." -Worauf stützen sich nun Liese Rechte? Sehen wir Kb. pon einer sentimentalen Tradition, welche von ter!Zeit der Kreuzzüge her Ansprüche auf Syrien und Palästina ableitetso ist tatsächlich keine andere Unterläge-vorhanden, als jeneri Geheimvertrag,' der im Jahre 1916 zwischen Rußland, Frankreich und England geschlossen wurde. Darnach -hätte bei der Aufteilung' der Türkei Frankreich die syrische Küste, das , Büchet von. Adana und ein Stücknordwärts, Rußland Konstcurtmopel und Armenien, England Mesopotamien -und'die „syrischen" Häfen Akka und Hais,a erhalten solleisi Für Palästina war eine besondere Verwaltung vorgesehen; und das Territorium zwischen denfranzösischen und englischen Erwerbungmr sollte in ein arabisches Reich umgewandelt werdest, das ist-eine französische und englische - „Einflußsphäre" geteilt war. - ,^>ies war beschlossen 'worden:' -7Äpr-, der russischen Kevplntion, vor dem arahifHen? AuHand-'? des' Emir FstMl? an. Ey-glands. Sesiec-i psch Perkündigung däi^MilsMchM^Mtststdsätze^7^^,y7?-PM^? ^27)^ -. - I' -Wsun? schMRWtand^aÄdu§., MM tstänm 1e,. eist.. und - Wilson schickte M'e Kommission näch^ (Hyrichl >" mst. ’jb.fö ^Bewohner' nach ilhrpn Äünschen MI fragen..' Frankreich-ist aber nicht bescheidener.geworden, cs .erhebt vielmehr Ansprüche^ aüf Nordpälästina,. lindern es sich auf ein imaginäres LMnongebiet mit imaginären „historischen^. -Grenzen -Mht. - . -s. % i «?j Astch in diesem Falle ist dicieiMge. Grundlage eine Hmarrtische Tradition ..... Im Jahre 1860 fand —7wie man jetzt sagen würde — ein „Pogrorn" von katholischen Uräbern im Libanongebiet, , veranstaltet von möham-. Hödanischen Drusen statt und die Großmächte übertrugen, Manzösischen Truppen, die sich gerade^ in Port?Said >äus. dtzm Wege nach China befanden,hieKufgabe/die Qrdrning tvieperherzustelleu. Darnach erhielt das -Gebiet, eine gesonderte Verwaltung unter türkischer Oberhoheit und, ivy: Garantie von .Frankreich, England, Oesterreich, Preußen und Rußland. Frankreich -bekam,.2ein§ anderes. Horvecht als die iLpinnerung an eür exotisches,Abenteuer. , 7 - Undnun solb sie.dazu dienen, urp nicht .nur Mussprüche auf dieses Gebiet zu legitimieren,^-sondern.mit Hilfe des Tricks , der „historischen" Gvcnzyr-(WM ist nicht alles historisch?!) Galiläa zu usurpieren,.-das an diesein Abenteuer. nie beteiligt war.- -Tatsächlich muß sich auch der >,Temps" nach puderen Argumenten Umsehen und so dwh t er England mit der mohammedanischen Gefahr. „Seit einiger Zeit", schrejbt^er, „werden Waffen und Munition ' von englischen.-Schiffen, in Beirut ausgeladen und Abgesandte. des Emir.. Faisstl stehmen sie in Empfang.". „Sind die- Engländer sicher", 'fügt er hinzu, ,Haß diese Waffep,/sich nie .gegen, - sie iselbstwenden werden?" M Dieses Argument hat-.. imty^Ust'-.r--eiye,-l-.gewisie Schlagkraft. Es geht nicht an, heutzutage deftige Ä)nfMe auf dem Wege.antiquierter Jptrigen ausszutragen. Und so kann sich auch der „New ^tatesttian"^. Zvlssozialistisches Organ, ähnlichen Ueberlegungen nicht Verschließen. Es muß dafür Sorge;,-getragen - stechen, daß. Westasien nicht eine Quelle - neuer ^rtern-atiqwaler Konflikte werde. Der Zustand, der jetzt festgelegt wird, , muß seinen Schwerpunkt in sich tragen.;„Nichts ist ^gewonnen", schreibt der „Mw Statesman" am 16. August, „wenn wir uns darauf beschränken, für die Integrität von Palästina -zu sorgen ur.rd> es: üst Ädrigen Frankreich und dem Emir Fcstsul überlassen, ihre gegnerischen Interessen äm Norden-,-- selbst auszutragen so lange wir hinter Faisul stehen . . . Wir sind interessiert an dem Wohlbefinden der, Völker von Syrien, Palästina und dem Rest von Mittelasien.Aber wir tfütb auch interessiert an der Aufrechwrhaltnng -tzuter Beziehimgcn mit unseren Verbündeten ... Uitb Mewiec': „Aegypten hat uns eben eine Lektion erteilt. Renner in Wien. Die Staatskorrespondenz verlantbart: Da Staatsöanzler Dr. Renner voraus-' sichtlich Freitag den 5. September in Wie« eirrtresfe« wird, dürfte der Ha«ptausschütz San:stag denß. September vormittags, die Nationalversammlung Sonntag de« 7. September znsammentreten. ' Der Friedensvertrag wird schon gedrucht. Ueberreichung Dienstag? Saint-Germai«, 30. August. (Korr.-Bur.) Die Blatter melde« übereittstimmeud, daß der Oberste Rat heute morgens die Prüfung des geänderte« österreichischen Vertrages und des mit ihm zu überreichende« Begleitbriefes vollendet habe. Die Dokumente seien beteits trt Die Staatsdrntkevei gebracht worden. ' . Die Blätter hören, datz die Ueberreichnng Dienstag in Saint- Germain durch den Generalsekretär der Konferenz, Dntasta, ohne weitere Feierlichkeit erfolgen werde. v.\*v' „Temps" glaubt zu wissen, datz die neue Grenze zwischen Deutschösterre ich und Jugoslawien der oberen Mur folgen, also Radkersbnrg Dentfchösterreich Werlassen werde. 8 „Intransigeant" erfährt, der Begleitbrief enthalte die Versicherung» datz das durch de« Vertrag geschaffene Regime für Dentfchösterreich erträglich sei und daß die Alliierten seiner Lage, die nicht verzweifelt sei, in weitem Maße Rechnung trage» würde». Dagegen werde der Grundsatz, daß Dentschösterreich für den Krieg unter de» Erbstaate« allem verantwortlich sei, anfrechterhalte«. Der Konflikt der Entente Mit Rumänien, i tz a a g, 3Ö. August Mel.-Komp) Höllandsch NieKwsbure.Lu meldet ans Paris: Bis gestern abLnds hatWdet ObeMd alliierte Rat n v H keine Antwort auf seine letzte Note an Rumänien. Er ordnete daher die Einstellung der Lebensmittel-, W a f f e nn n d M n n i t i o n s f e n d p ngen an Rumänien an. Rumänien gegen den Mrnorrtatenschntz. . Horsea, 30. Augusts (Funkspruch.) ^T i m e s" veröffentlicht eine Erklärung a in t l!t ch e r; t um änischer Kreise über.die Bestimmungen des Friedensvertrages hinsichtlich des Schutzes der Minderheiten. Rumänien könne diese Vorbehalte n i-.ch.ck'.' a n n e h m e n.. D iej ü d i s ch^e Frage hänge damit nicht .zusammen. Polen, Tscheeljenland, .Südslawien seien ein - schlechtes Beispiel, - dem Rumänien nicht folgen werde, weil diese Staaten ihre Selbständigkeit der Entente verdanken, während Rumänien seine Unabhängigkeit m i t - eü g e n e r K r a f terobert habe und das Recht verlange, die so teuer erkaufte Selbständigkeit auch inallen i n.»..-H-W gelegenh eite n z u b eh alten, j Wie au§ vorstehender Melduuq ersichikHA B r a t i a n u hartnäckig. Rumänien ist groß geworden, -rwMnsche Truppen haben Ungarn überflutet imd schon emmal dem Gebot der Enterlle Widerstand geleistet. Nun. verweigern -sie den Minoritütenschutz nnd bekunden dadurch ihreÄbstcht» die Bojaren- Herrschaft ungeschwächt aufrecht zu erhalten Mdsich das Objev ihrer rücksichtslosen Willkür und Unterdrückung Nichtrcmben zn lassen. Es klingt geradezu wre ein übler Scherf MM Rumänien darauf pocht, daß ihm nicht wie den anderen Äemm'Staaten d« Entente die Freiheit erkämpft hat, sondern daß eS M dmch eigene Kraft seine Stellung geschaffm habe. Man. kmnt - die Methode der rmnänischen Siege vom Balkankriege zur Genüge. - Und wenn Rumänien Selbständigkeit für seine inneren Angelegenheiten beansprucht, so heißt das nichts anderes, als daß e§ msbefondere die Jüdenfrage nicht befriedigend lösen will. Völlig unverständlich st der Passus der Meldung, daß die I u d enkragedamit n i ch t z u f a m m e n h ä n g e. Es ist klar, daß es sich ausschließ l ich umd i e I u d e n f rage handelt. Rumänien har es zustande gebracht, durch vierzigFahre den Berti n e r V er t r a g z u s a b o ti e r en. Es ist nicht anztt- , nehmen, daß es jetzt plötzlich aus eigenem guten Willen sein Un-; recht gutmacht, wenn nicht ein entsprechmder Druck ausgeübt I wirkst Hoffentlich wird auch die Entente über ihre Aüffaffuvg > keinen Zweifel laffen. . r Großer Sieg der Bolschewiken. ' --C Amsterdam, 30. August. Die englischen Blätter vom 28. d. M. bringen eine Wireletz-Pretzweldung, derZnfolgedie Bolschewiken einen großen S i e g ü b er D enrkin errnngest, haben sollen und biß znr Linie Wvltschansk (49 Meilen nordöstlich von Charkow) Kupiansk—Borissoglebsk—PoworNo^KnMyschie vorgedrnnge« sind und z a h l reich e Gefangene sowie gro tze Beute gemacht haben. Die Donkosaken unter General Mantow, denen es gelungen war, die bolschewikifche Front zu durchbrechen, sind vollständig ab geschnitten worden. Eine ans Freiwilligen bestehende Offiziersdivision hat vierhundert Offiziere an Toten nnd hnndertsechzig an Gefangenen verloren. Das Astrachaner Infanterieregiment ist gefangen genommen worden. Auffallend an dieser Meldung ist jedoch» daß die Gefangenenzahl nach dem bolschewikischen Commnnigne nur tausend Mann und die Gesamtzahl der erbeuteten Maschinengewehre nur zehn beträgt. Vergessen wir''nicht, büß Palästina nicht nur von änglyphilen Zionisten bewohnt ist." Was unser jüdisches Jntsvesse anbetangt, so genügt es, aus diesem Streitfall zu entnehmen, daß für Palästina much.;,nach dem Geheiinvertragü' vom Jahre 1916 leine.bejonbere Stellung vorgesehen, war, daß alle englischen Areise bereit sind, für die Integrität von 'Palästhm.-einzusteyen und daß auch die amerikanische Kommissiou hierin nicht anders urteilen wird. Jy dem französisch.-arabischeu Streit können wir nicht anders als neu!rat' sein, von dem Prinzip ausgehend, daß lediglich der Wille der B vvllerung maßgebend ist. den zu prüfen der vmerikailUry.-n Kommission zur Ausgäbe gesetzt wurde. Daß dieser Wille nicht sc» eindeutig ist, behauptet der (um dies nochmals zu betonen) sozialistische ,,New Statesman", wenn er sagt: „Man erklärt, daß die syrische Meinung Frankreich nicht günstig gesinnt ist — aber mau wird kaum behaupten, daß die Syrier die Araber des Hedschas lieben.^ Jedenfalls nruß es als ein gefährliches Spiel erscheinen, einer verträglichen > Lösung aus dem Wege zil gehen »md dadurch Konflikte zu provoziererc, daß man arabiscln? Bebuinen mit GelvehveN,- Geschützen und Fl!lg?.erm.ru Versorgt nnd' so die -Zerstörnrrgsmafä'in?cie. ru.-st d.vman Europa noch nicht einmal vollnavdi--> ge'ä-.d.'--j-!, '\, bereits nach Asien verpflanzt.