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Wiener Morgenzeitung · 1919-08-25 · Heft 216 (25.8.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 216 (25.8.1919)
Date
1919-08-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Die christlichsoziale Partei' und die magyarische Iugendvereinrgung «rffichierten Plakate nnd verteilten Flugzettel gegen die Sozialdemokraten, denen das Recht der Beteilig««- an der Leitung des Staates abgefprochen wird. " Pie Eruähruugsfituation hat sich sichtlich gebessert. EnteuLessudungen mit Fleisch und Mehl treffen bereits täglich eir^. Antzenminister Lovaszy verhandelt mit dem EntenLevrererrak Gegen-er LSfung der Waffenstillstandsschwierigkeiten. Die Mildernngen der ftKanZielleU BedmMKgen -es FriedensVertraDLK. Heute Ueberreichmrß des endgültigem Textes. S L int-G e rm ain, 24. August. Nach dem ^Eorriere delta Sera" hat der italienische FinanzminisLer Schanzer iw römischen Mrnisterrat über seine Pariser Reise Bericht «wstattet. Der Ministerrat nahm mit Be- ^DdiigWg. i.yßtm der'-. enerMchen^ Haltung WKntnisdie- TiL'Lo yii^KeqMMsr^de^-rnAer"- Honfereriz in Erfcheisinn § getretenen Strömung, Oesterreich nicht mehr als eigenLLichon Feind jK betrachte«, bewahrt Gr erklärte sich auch mit der einstimmigen Ansicht einverstanden, daß die Last der Entschädigungen, die PeutschVsterreich einseitig aufgebürdet werden Jßfttte, auf alle Erbstaatey der Monarchie verteilt werden soll. Die Revision der finanziellen Klauseln werde wahrscheinlich eine Verzögerung des Abschlusses des Vertrages mit Oesterreich mit sich bringen. Der Ministerrat hat aber den Vorschlag Tittonis einstimmig gutgeheitzen, wonach die Konferenz ihre Arbeiten nicht Unterbrechen soll, bis die Probleme, die von unmittelbarer Bedeutung sind, gelöst fein werden. , Paris, ,24. August. (Meldung der Agence HavaS.) Die Redaktionskommission für den österreichischen Friedens- Vertrag wird heute ihre Arbeiten beendigen und morgen 1)cm Obersten Rat den endgültigen Text überreichen. .* /. Saint-Germain, 24. August. Nach den heute vorliegenden Nachrichten der Pariser Presse hat die Konferenz mit größtem Eifer die Arbeit an dem österreichischen Pertrag ausgenommen, was vielleicht auf das Drängen Tittonis zwückzüführen ist, der vor dem 3. September, dem Eröffnungstag der italienischen Parlamentssitzungen, in Rom eintreffen will. i Es wird berichtest daß das Koordinationskomitee den ganzen Tag über bis spät in die Nacht hinein tätig war. Einzelne Kommissionen haben ihre Berichte zunächst nicht diesem Komitee, sondern direkt dem Obersten Rat unterbreitet, der sie nach Prüfung an das Koordinationskomitee weitergab. Die Begleitnöte ist angeblich bereits vollendet. Aus der Tatsache,, daß das finanzielle Komitee länger als alle anderen beriet, schließt man, daß auf diesem Gebiet die hauptsächlichsten Aenderungen vorgepowmen werden sollen, wobei allerdings einzelne Blätter wie „Action francaise" zu wissen glauben, daß die Aenderungen weder sehr zahlreich noch sehr erheblich sein würden.;• Dasselbe Blatt meldet, daß die Haltung der Oesterreich benachbarten Staaten lebhafte Diskussionen hervorherusen habe, weil diese verlangten, daß die Dcutschöstetteich aufzubürdenden Lasten nicht erleichtert werden sollen. Die meisten Blätter find der Ansicht, daß dank der außerordentlich eifrigen. Arbeit'der Konferenz der Obers!«: , Rat. doch schon Montag Gelegenheit haben werde, zu' dem vollständig^ Entwurf der Antwort - auf die österreichischen Gegenvorschläge Stellung zu yehmeri. : " 4 Littom -gegen den»BLersrrst. , ’ , Haag, B4, August. Mel.-KMs),)/HoKyds'NieiiWs^ in der er erklärte, daß die Friedenskonferenz sich selbst m gewissem Sinne zum Regenten eines großen Teil s, von Europa proklamiert habe, und daß, Europa über die Tatenlosigkeit der Konferenz ungeduldig sei. Italiens Forderungen bezüglich der Adriafrage, die Abkommen mit Oesterreich, der Türkei, Ungarn und Bulgarien seien noch nicht abgeschlossen.- Es herrsche der Eindruck, daß die englische und französische Regierung verschiedene Fragen nicht zu einer endgültigen Lösung bringen wollten, ehelicht' die Entscheidung Amerikas über den Friedensvcrtrag und das Völkerbund abkommen gefallen sei/ Die Völkerbuudverfassung bilde ans Wunsch Wilsons bekanntlich einen wesentlichen Teil des österreichischen nnd bulgarischen Friedens- Vertrages. Dies sei wohl die Ursache-der .jetzigen Verzögerung, denn vor der endgültigen Entscheidung des Senats über den Völkerbundvcrtrag können die' Verträge - mit Deutschösterreich, Ungarn und Bulgarien nicht abgeschlossen Werden. Rom. 24. Aügust. In den italienischen Zeitungen kommt die Mißstimmung über Pie fortwährenden Verzögerungen der noch ausständigen Friedensschlüsse znm Ausdruck. * Wie dem „Corriere Hella Sera" aus Paris gemeldet wird, hat sich Littoni zum Sprecher der Drängenden gemacht und bei seinen Kollegen in Paris darauf hmgewiesen, . daß seit dem Fricdensschlus; mit Deutschland por zwei Monaten kein einziger Vertrag weder unterzeichnet noch überhaupt fertiggestellt worden ist. Gerade diese Verzögerungen sind schuld, daß immer wieder neue Zwischenfalle die Pariser Konferenz in Nebengelcise ablenken. Die Pariser Konferenz ist nach der Erkliirung Tittonis eigentlich -die Regierung für alles geworden. Sie ist als Konferenz zur Beratung nnd Abschließung von Friedensverträgen znsammenberusen worden und nicht zu dem Zwecke eine Großregierung von Europa zu werden nnd sich iy alle politischen Fragen der einzelnen Staaten . einzumischen. Tsttoni tritt dem angeblichen Plane, am 25. August.die Friedensberatungen in Paris zu vertagen ohne vorher mit Oesterreich, Bulgarien und Ungarn den Frieden abgeschlossen oder auch nuypdie adriatifche Frage gelöst zu haben, sehr scharf entgegen und glaubt, . daß er die öffentliche Meinung Europas auf seiner Seite hat. In einem Mailänder Blatte wird darauf hingewiesen, daß eine ungenannte Großmacht die Schuld an den Verzögerungen hat, die wahrscheinlich eigene Pläne verfolgt. Wenn dein Drängen Tittonis in Paris Rechnung getragen wird, sci .es möglich, bis Ende dieses Monats den Vertrag. mit Oeftermch zu' unterzeichnen. Es seien neue Intrigen und Verschleppungen nicht ausgeschlossen. En Land entsendet eine AntersuchnngskoMMission nach Polen. Die Judenpogrome sollen klargesteLt rverden. Versailles, 24. August. Nach Meldungen auS London entscrdet die englische Regierung eine Mission nach Polen, die eine Untersuchung über die Judenpogrome veranstalten soll. An der Spitze der Mission steht Sw Stuart Samuel. ______ Oberfchlesien soll besetze rverden. E.irr Vorschlag der Entente an Deutschland. , Berlin, 24. August. (Prw.-Tel.) Der '„Lokalauzeiger" meldet aus Paris: Der amerikanische Lebensmittellvntrollor Hoover hat dem Obersten Allnertenrat über die furchtbaren Aussichten Mitteleuropas, für den kommenden Winter Bericht erstattet. Oesterreich sei vollkommen ohne Steinkohle. Der Vorschlag an Deutschland, sich mit der schleunigsten Besetzung O b e r s ch l e s i e n s einverstanden zu erklären, damit die Ordnung wiederhergestellt und die Steinkohlensörderung erhöht werde, wirv von Hoover selbst an Deutschland übermittelt werden. s , Die Alliierten glauben, daß Deutschlanddiesen Vorschlag annehmen werde. Hoover wird sich in den nächsten Tagen in-dieser Angelegenheit nach' Berlin begeben. * . Versailles, 24. August. Der „T e m p s" meldet, daß die interalliierte Militärmission in, Öberschlesien auch dse Frage zu erörtern habe, ob sich im Interesse des allgemeinen Friedens und im- Einverständnis mit dem deutschen Behörden nicht eine militärische Besetzung Ober-, schlesiens zu einem früheren Zeitpunkte als dem im Friedeusvertrag vorgesehenen notwendig erweise. ' ■ ■ .• -.., ■ ■, •; * ' > ' 24. A meldet', das;',Großbritannien, Frankre.ich und Italien scher. einIekmmtlen sind, je ein Regiment zur Wiederherstellung der Ordnung nach Oberschlesien zu schicken, falls Deutschland znstimmt. Die amerikanischen.Bevollmächtigten warten tvegerr Entsendung amerikanischer Truppen ans Weisungen ans Washington. * Benöhen, 28. August, Die 32. Jnfau:criLÜrlgade' teilt mit: In der Gegend von Pleß um 4 blhr nachmittags starke Angriffe auf die Feldwachen Lonkau und Gottschalkowitz. Letztere wurden von polnischen Bauden und regulären Truppen unter Führung von Offizieren durch Minenwerferfeuer eingeleitet. Der in Gottschalkowitz eingebrochene-Feind wurde im ' Gegenstoß über die Grenze znrückgewvrfen. Der Angriff aus die Feldwache - Lenkau wurde ' abgewieseu. In Gleiwitz wurde ein Angriff auf das Proviantamt abgewieseni Sonst ist der Tag im Anfstandsgebiet ruhige verlaufen. Der Kampf gegen die Bolschewiken. Bukarest, 24. August. (Funkspruch des Tel.-Korr.- - Bnr.) Wie die Blätter' melden, haben die rumänischen^ Truppen die Bolschewiken am Ueberschreiten -des Dnjestr verhindert und ihnen in einem sehr erbitterten Kampf schwere Verluste beigebracht. Frankreichs Interessen in der Türkei. Lyon, 24. August. (Funkspruch des Tel.-Korr.-Bnr. „Journal des Döbats" >schreibj in einem Artikel über die Interessen und Rechte Frankreichs in der Türkei: Frankreich nimmt in der Nirkei vom finanziellen Standpunkt aus sowie in industrieller Beziehung den ersten Platz ein. Es wäre äußerst ungerecht,' wenn es den drückendsten Teil , der Schäden auf sich nchnken müßte, die ans der Wertminderung der den Gläubigern desottomanischen Kaiserreiches eingeräumten Pfänder sich ergeben. Der Züsammenbrn-ch der Türkei würde für Frankreich unheilvolle Folgen nach sich ziehen.. Daher muß Frankreich, was immer auch das Schicksal sein möge; das die Türkei vom Friedensvertrag zu erwarten habe, die Anwendung des durch den Berliner Vertrag anerkannten Grundsatzes der Subregation durchsetzen. Es muß überall in seine alten Rechte wieder eingesetzt, und alle Wiedergutmachungs- und Bürgschaftsverpsttchtungen müssen sowohl durch den ottomanischen Staat.als durch jene Staaten gesichert werden, die ehemals ottomanische Gebiete annektieren. Wir sind überzeugt, daß die britische Regierung nicht durch übereifrige Agenten den Eindruck erwecken lassen wird, daß sic sich dem Recht entgegen- .stellt.

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