Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 215 (24.8.1919)
- Date
- 1919-08-24
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 215 Wien, Sonntag Wiener Morgenzeitung - ■ -- — ■ ■=__ -f. ,f,i . ..—■-— :— Deulschösterrtichische Arbeiter für den Wiederaufbau Nordfrankreichs. DaS GtaatSamt für soziale Verwaltung gibt bekannt: Die Verhandlungen mit der französischen Regierung Wer bit B et eil i g « n g d euts ch ö st e r r e i ch i s ch e r L r- 6 eitet o n dem Wideraufbau Nord f r a n kr e i ch S haben, wie bereits mitgeteilt wurde, zu einem v.vrl 8 « f i tz e n Ergebnis geführt, dessen amtliche Migung allerdings noch auSsteht. lieber einige wichtige Punlte und eine Reihe von Einzelfragrn werden die Verhandlun-e« noch fortgeführt. . Die französische Regierung ist bereit, deutchösterreichischeArbeiter hei dm Wiederbau der zerstörten Gebiete zuverwenden. Bedarf besteht in erster Linie für Bauarbeiter (Maurer, Zimmerer, TischKr), aber wahrscheinliche auch für Arbeiter anderer Branchen, i«Sbesondere für Metallarbeiter gewisser Fächer. ’ Der L o ch «' b e r A ybelt e r wird gleich sein dem des franzvsifchm Arbeiters der gleichen Kategorie, der in demselben Unternehmen dieselbe Arbeit verrichtet. Er richtet sich also nach dem in der betreffenden Gegend Üblichen Lohnsatz und beträgt nach. Angabe'der französischen Regierung für den nichtgrlernten Bauarbeiter ungefähr 12 Franke«, für dm gelernten ungefähr 16 Franken täglich. Die französtsche Regierung nimmt an, daß. etwa zwei Drittel. deS Lohnes des ungelernten Arbeiters - für dm Unterhalt aufzuwenden sein werden. Hinsichtlich des Nestes fordert sie, daß ein Teil davon nicht an denArbeiter in Frankreich, sondern durch die deuttchöstrrreichische Regierung an die in Deutschösterreich verbliebene Familie des Arbeiters i n Kronen aus gezählt werde. Die auf diese Weise gezahltm Summen würden der deutschösterreichischen Regierung für die nach dem Fried cnsvertrag zu leistende Wiedererstattung (auf ,RrparatlonSkonto") gutgefchrirben werden. Ucber diess Frage ist eine Einigung noch nicht erzielt und eine besondere Vereinbarung erforderlich. Hinsichllich der Arbeitsbedingungen werden die Bestimmungen deS französischen Arbeiterrechtes auch auf die deutschösterreichischen Arbeiter Anwendung finden. Den deutschösterreichischen Arbeitern wird derfreiePost- und Telegraphen verkehr mit derHeimat zugestchert und jhnen gestattet, ihre Ersparnisse nach Hause zu senden. Vollste Freiheit in der Ausübung der Religion wird ihnen gewährleistet. Es obliegt nunmehr der deutschösterreichischen^ Regierung, die für die Anwerbung der Arbeiter erforderlichen Vorbereitungen zu treffen. D i e Anwerbung von Arbeitern oderAngestellte«selbst jedoch kanch wie nachdrücklich betont werden muß, insolange nicht erfolgen, alS nicht die französische Regierung den Zeitpunkt hierfür und für die Abreise derAr'heiter als gegeben erklärt. Diesen Zeitpunkt schon jetzt zu bezeichnen, hat, diefranzösischeRrgierung abgelehnt. Es kommt insbesondere in Betracht, daß die französtsche Negierung französische Beamte nach Deutschösterreich entsenden wird, die bei Aufnahme der Arbeiter und bei Ausstellung ihrer Legitimationskarirn Mitwirken müssen. Vor d e m E i n t r r s f e n diefrr Beamten ist also eineAufnahmevonArbeiteru o d e r Angestellten unmöglich. Odessa von den Ukrainer» erobert. Carnavon, 23. August.?Funkspr. des Korr.-Bur.) Ein aus ukrainischer Quelle stammendes Telegramm meldet, dastO d e s s a von den ukrainischen Truppen nach schweren Kämpfen mit den Bolschewiken erobert wurde. Truppenabteilungen der Schwarzen Meer-Flotte» welche in aller Eile herbeigeschafft worden waren, um den ukrainischen Bormarsch anfznhalten, g Ingen zu den Ukrainern Über. Die bolfchewikischen Armeen auf dem rechten Dnjepr befinden fich auf panikartiger Flucht vor den Truppen des Generals P e tlj u v a* Boykott des ffapanischen Handels in tzolländifch-Jndien. Haag» 23. August. (Tel.-Komp.) Holländische Blätter melden aus B a t a fr i a, daß ein vollkommener Boykott aller^ japanischen Erzeugnisse in Hollandisch-Jndren seitens der chinesischen Bevölkerung begonnen habe. Sämtliche Verträge mit japanischen Firmen sind annulliert worden; die noch vorrätigen japanischen Waren werden zu Schleuderpreisen verkauft. Chinesische Famen, die Waren im Werte von über - 300.000 Gulden von japanischen Lieferanten erwarten, lehnen die Uebernahme ab. Es sind sämtliche Verbindungen mit japanischen Banken seitens der Chinesen abgebrochen worden. Wiederaufnahme der Bergarbeit in Oberschlesien. t . Berlin, 33. August. (Tel.-Komp.) In Oberschlesien ist die Ruhe überall wiedexbergestellt. Die deutschen . Verluste seit Ausbruch des polnischen Aufstandes betragen i Tote und 19 Verwundete, außerdem hat das Detachement Tyllmann 6 Tote mch 8 Verwundete; die feindlichen Verluste betragen insgesamt 101 Gefangene, 161 Verwundete und 51 Tote. Mit der wiederkehrenden' Rühe wächst auch die .Wiede taüfnabme der Arber t. Im Rybniker-Revier sind von, der Belegschaft der Pleß-Grubcn 15 bis 20%. im Zentralreviere 30 bis 80% der Bergarbeiter u t A r b e i t z u r ü.ck gekehrt; auch in anderen Revreren sind die Arbeiter manchmal vollzählig wieder erschienen. Mexikanische Banditen getötet. , Nrw-Pork, 23. August.' (Korr.-Bur.') Amerikanische Gruppen umzingelten, und stürmten in den mexikanischen Bergen em Blockhaus m e x i k a n r s cherBa.nd t t eju Vier Insassen wurden getötet, zwei konnten entkommen. Die tschechischen Bankbeamten streiken weiter. . Prag, 23. August. (Tel.-Komp.') Heute vormittags hielten die streikenden tschechischen Bankbeamten eine Versammlung ab, iy der der Vorsitzende den Wunsch der Negierung Übernnttelre, dre Beamten mögen im Interesse der Republik am Montag d i e A r b e i t w i e d e r a u f n e h m e n. Die hierüber vorgenommene Abstimmung ergab die einstimmige Ablehnung dieses Wunsches. ___;; Tagesbericht. Die Kohlenkrise. Erleichterung der Situation, Wie uns von informierter Seite mitgetcklt wirb, hat sich der Kvhleneinlauf gestern etwas gebessert. ES sind zirka 200 Waggons Kohle eingetroffen. Aus Mährisch- Ostrau ist das.volle Quantum eingelangt. Abänderung deS Tarife» für Kohlenverrfachiung. Nach einer Verordnung der niederösterreichischen Landesregierung vom 21. d. M, wird verfügt: Für die fuhrenweise Zustreisung der Kohle von den Bahnhöfen Matzleinsdorf, Ostbahnhof, Hütteldors, Penzing, .Ottakring, Hernals, Gersthof, Heiltgenstadt, Nußdorf und Schwechat in denselben Bezirk in Wien wird ein Maximaltarif von 3 Kronen 50 Heller für je 100 Kilogramm, in einen diesem Bezirke benachbarten Bezirk ein solcher von 4 Kronen für je 100 Kilogramm festgesetzt. Für die Beförderung von Koks in offener Fuhre an einen Empfänger ist zum Grundpreise von 3 Kronen 50 Heller,, beziehungsweise 4 Kronen ein Aufschlag von 26 Heller für den Meterzentner zulässig. Für die Beförderung von Briketts in offener Fuhre, ln Säcken oder Trägern als ganze Fuhre an einen Empfänger ist ein Aufschlag von 25 Prozent auf den Grundpreis zulässig. Für die Beförderung von Kohle, Koks und Briketts in Säcken als Hausierfuhre ist für den Meterzentner ein Preis von höchstens 6 Kronen zu berechnen. Siegelung des Abtragens uckd Abfchaufelns von Kohlenfuhre». Die niederösterreichische Landesregierung hat, um den in den letzten Jahren zutage getretenen Uebelstänben beim Maden und Abschaufeln'von Kohlenfuhren (Erpressen hoher Trinkgelder', durch Abträgerpersonale und dergl.) nach Möglichkeit zu steuern, im Anschlüsse an die Verordnungen betreffend die Festsetzung eineS Maximaltarifes für Kohlen- und Koksverfrachtung verfügt, daß die Kohlenlieferanten, die die Lieferung mrd Zustellung von Kohle in offenen Fuhren übernehmen, auf Verlangen des Bestellers verpflichtet sind, durch Beistellung des entsprechenden Personales für das Mschaufeln, beziehungsweise Abtragen der in offener führe zugestreiften Kohle zu sorgen. Hierfür sind an den ieferanten, die in der Verordnung festgesetzten Gebühren zu entrichten. Infolgedessen entfällt auch für die Parteien eine g«sonderte Entlohnung des Kutscher¬ und' AbträgerpersonaleS, dem es untersagt ist, ein Entgelt .(Trinkgeld) oder irgendeine andere Leistung von den Empfängern des Brennmaterials zu verlangen, beziehungsweise sich versprechen zu lassen. \-i \. '^-.-4 , Eingesendet. Möbel n Innenöekoraiioß in grösster Auswahl, Nur gediegene 619 Erzeugnisse. J.SPIRA Wien. Bii.. SttbßnsiBriia. 1 n. Z (Ecke Kart Schweighofergasse). Kleine Nachrichten. Versailles» 23. August. lKorr.-Bnr.') Kommenden Montag beginnt vor dem Kriegsgericht in Paris der Prozeß gegen Georg Gallon Q u i e n, der beschuldigt wud, Miß C a v e l l den deutschen Behörden angczeigtzu haben. :. Mailand» 28. August. (Korr.-Bur.) „<s5 e c o t o" meldet, ottS Rom r In parlamentarischen Kieven sind Gerüchte im Umlauf» daß Schatzmimster Schanzer demissionieren werde. Die bevorstehende Demission sei auf rneml'ch ernste Meinungsverschiedenheiten mit dem Finanzminister T e d e S c o in Bezug auf die italienische Finanzpolitik zurückzuführen. . San Salvador» 23. August. (Havas.) Amtliche Depeschen berichten über eine N red erläge der Rev o l u t i o n ä r e n tu. der Provinz GraciaS nn Staate Honduras. Die Revolution scheint niedcrgeworfen zu sein. Washington» 28. Auaust. (Korr.-Bur.) DaS Etna'samt des Aeußern meldet den Rücktritt des Gesandten in Rom, Page. AuÜusÄleinsalheimer N o. Mrs. Ml Institut für InbalationSthevaPie und physikalische Heilmethoden Dr. Osiermmw, IX. Spuck, .gaffe 1a. 'Tel. 2tt.63. Ord. 0—12, 8- 6 Sämtliche mooernen Heilbehelsc für Erkrankungen der Atmungsorgane; Rheumatismen, Gicht, Ischias, DrüsenlchWellungen, Bartflechten rc. 24. August 1919 Seite 6 Maschinen Größte Auswahl! Billigste Preise! r \ ' «4o Leopold Steilihart,Wien, I.,BiberstraSe 9. Heimkehr aus Yen Sommerfrischen. Amtlich wird verlautbart: Zeitungsnachrichten zufolgtz soll in den beutschösterreichrschen Alpenländern mit 1. September die Sperrung derSo tu tit erfrischen erfolge». Die deutschösterceichische Staatseisenbahnverwaltung macht auf Grund dieser Veröffentlichungen darauf aufmerksam» daß wegen der bestehenden Kohlennot eine Vermehrung der derzeit verkehrenden Personen führenden Züge gänzlich ausgeschlossen ist, und richtet an die in Betracht kommenden Sommerfrischler die eindringliche Mahnung, die Heimkehr! nicht bis zum letzten Tage zu verschieben, sondern schon früher die Rückfahrt anzutreten. Schweizer Hilfsaktion für die Wiener Hochschüler. Wir erhalten folgende Zuschrift: Entgegen den in Umlauf befindlichen alarmierenden Gerüchten über unsere Hilfsaktion stellt der Interfraktionelle Wiener. Studentenausschuß, gebildet mit Zustimmung der aka-, demischen Behörden und unter der Zusicherung ihrer weitestgehenden Unterstützung von bevollmächtigten Beauftragten aller studentischen Gruppen folgendes fest: Die von dem Berner Zentralausschüß der Schweizer Hvchschüler den Wiener S ubenten zugesicherten fünfhundert Freiplätze in der Schweiz wurden im Einvernehmen mit dem Schweizer Bevollmächtigten Doktor E. Last durch den'Unterzeichneten Ausschuß über den ausdrücklichen, wiederholt schärfstens betonten Wunsch' der Schweizer.an die bedürftigsten Hochschüler ohne Unterschied der Nationalität und Konfession in gerechter Weise vergeben. Diese fünfhundert Studenten harverr seit Tagen der Abreise, 'doch konnte der Transport noch nicht bewerkstelligt werden, ^da gegen unsere Aktion! hier und in der Schweiz von utis namentlich noch nicht bekannten Personen in gewissenloser Weise aus allzu; durchsichtigen Gründen intrigiert wurde. i Es würde das Gerücht verbreitet, die Teilnehmer an der Aktion seien in der Mehrzahl Juden und Bol-' schewiken, tatsächlich sind 65 Prozent der Reiseteilnehmer Arier und ist jede politische Betätigung der Wiener Hvchschüler in der Schweiz ausgeschlossen. Davon wurde der Berner Zentralausschuß durch unsere! dort weilenden Delegierten pnterrichtet und auch die. Schweizer Gesandtschaft in Wien bemüht sich lebhaft^ die endliche Abreise der Wiener Studenten raschest zu ermöglichen! Die letzte bei uns eingelangte Drahtnachrichk kündigt an, 170 Studenten würden als erster Trans?-- Port Mitte dieser Woche abreisen. Wir vertrauen auf diese bestimmte Zusicherung^, hoffen aber zufolge' der Erklärungen des Attaches der Schweizer Gesandtschaft, Herrn Dr. Burcardt, daß es u,ns gelingen wird, doch noch allen von uns dev Schweiz vorgesch'lagenen Studenten die gleichzeitige M->. reise zu ermöglichen. Mit aller Entschiedenheit weisen wir schließlich, die hier und in. der Schweiz verbreiteten tendenziösen Gerüchte im Interesse -der von uns vertretenen Studentenschaft als vollkommen unwahr zurück. Für den Interfraktionellen Wiener Studenten^ ausschuß: Karl Witt Halm als Vorsitzender. * (Wir behalten uns vor, nach Untersuchung' den Sachlage auf diese Angelegenheit zurückzukommen. Die. Red.) •! ji - I Verhinderte Reise von Sokolrr nach Znaim. Mit - dem gestern um 3 Uhr 10 Minuten nachmittags vom Nordlvestbahnhofe abgehenden Zuge wollten auch 300 S okoln die Fahrt nach Znaim mitmachen, ' um dort bei. einem staatfindenden tschechischen Feste mitzuwirken. Etwa 30 dieser tschechischen Turner trugen S o ko l tr a ch t. Als sich die Sokoln, ohne vorher Karten zu lösen, durch die auf den Einlaßj wartende Menge durchdrängten,, um auf den Bahnsteig zu gelangen, nahmen Fahrgäste dagegen; Stellung. Die Polizeidirektion hatte zur Hintanhaltung von Ausschreitungen schön vorher ein Sicherheitswachaufgebot von 310 Mann zu Fuß und,30 Reitern auf den Nordwestbahnhöf entsendet. Die Sicherheitswachä veranlaßt angesichts der bedrohlichen Situation, daß die Sokoln in einen-eigenen Warteraum geführt wur-, den, von dort sollten sie unter dem Schutze der Wache auf den Bahnsteig gelassen werden, um die' für sie bereitgestellten Waggons zu .besteigen. Bahnbedienstete drohten jedoch, diese Waggons abzukoppeln und erklärten,'die Abreise nur dann zu gestatten, wenn diese die Sokoltracht ablegen würden. Da die tschechischen Turner s^ch weigerten, diese Bedingung zu erfüllen», unterblieb ihre Abfahrt.. Sicherheitswache hielt den Zugang zu den Waggons durch Aufstellung eines starken Kordons frei und verhinderte einen Zusammenstoß, doch wurden die-.Sokoln. von her hinter dem Kordon drängenden Äenge mit abfälligen Rufen bedacht, wobei auch ' Stöcke geschwungen wurden. Der LLiener tschecho-slowakische Geschäftsträger, der mit den Sokoln nach Znaim fahren - wollte, und dem.-die Sicherheitswache eine» 3Leg durch die Menge der Demonstranten gebahnt hatte, stand gleichfalls von der Reise ab.