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Wiener Morgenzeitung · 1919-08-21 · Heft 212 (21.8.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 212 (21.8.1919)
Date
1919-08-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Morgenztg/) Den vereinten Bemühungen von ungarischen Politikern aus verschiedenen Parteien ist es gelungen, den Prinzen Iofef und seinen Anhang zn überzeugen, daß ein weiteres Festhalten an dem heutigen System den Interessen Angarns nachteiligseiuwürde. Heute nachmittags gab Prinz Josef ferne prinzipielle Bereitwilligkeit kund, eine Koalitionsregierung zu ernenne« und sich dann der politischen Machtzu entledigen nnd den Ausgang der sofort anszuschreibenden Wahle« als Privatmann! abzuwarteu. Ausschlaggebend für diesen Entschluß war die Erwägung, daß die Zustimmnngj der Entente^zu dem unter dem Namen des Prinzen Josef inauguriertem System nicht zu Hierdurch ist die Bahn für die Bildung einer wirklichen Konzentrations- Regiernng auf breitester Grundlage frei geworden. j Man hofft, daß, wenn der morgen in Budapest eintreffende Ernst G a r a m r mit den! heute zwischen Lovaszy, Bazsonyi und P e i d l vereinbarten Abmachungen auch eins verstanden ist, die Bildung der neuen Regierung und der Systemwechsel sehr bald erfolgen! kann. Die neue Regierung wird ein formelles Koalitionsministerium sein. Man glaubt, daß die neue Regierung aus folgenden Mitgliedern bestehen werde: Präsidium und Ministerium des Aeußern Martin Lovaszy (bürgerlicher Demokrat), Handelswinister Ernst G a r a m i (Sozialdemokrat), Finanzmmister Dr. Roland H e g e d ü s (der frühere langjährige Budgetreferent nnd derzeit Direktor der Pester Ungarischen Kommerzialbank), Juftizminister Dr. Wilhelm Dazsonhi, Ackerbaumiuifter der Direktor des Bundes der Landwirte, Julius R u b i n e k, Bolkswohlfahrtminister der Sozialdemokrat P a y Volksernährungsminrster der Sozialdemokrat P e i d l, der Präsident der durch de« Friedrichfchen Putsch gestürzten sozialistischen Regierung. Als Staatssekretär im Ministerium des Aeutzer« wird Emanuel B u ch i« g er, iw Volksernährungsministerium Bernhard Kondor genannt, beide führende Mitglieder der sozialdemokratischen Partei. Betreffs des Minsteriums des Innern nnd des Kultusministeriums werden noch Vev-i Handlungen gepflogen. ___ Die Mißerfolge der russischen Sowiettruppe«. Odessa und Kiew geräumt. S a i n t - G e r m a i«, 20. August. (Korr.°Bur.) „New Pork tzerald" gibt eine Zusammenftellnug der letzten Nachrichten aus Rußland, die auf wilitärischeMitzersolgeder: Bolschewiken an fast allen Fronten schließen lassen. Im finnischen Meerbusen hat die englische Flotte zwei russische Kreuzer versenkt. Der linke Flugeß ® etiih ins macht ununterbrochen starke Fortschritte. Krementschng ist genommen worden^ Eine Panzerzug konnte ungehindert' bis Elisabethgrad an der Strecke nach Odessa vor-! dringen. Die Bolschewiken sollen aus Odessa von der dortigen Be^ völkerung vertrieben worden sein und Kiew räume«. Auch die Esten haben Fortschritte gemacht und die britische Flotte hat mit dem Bombardement von Kronstadt begonnen. Dem „Exeelsiov" zufolge haben die Rumänen ein Abkommen mit Petljura getroffen und ihm die freie Durchfuhr von Lebensmitteln durch Rumänien sowie die Lieferung vort Waffen und Munition zugestanden. Petljuras Truppen, die bei dem Herembringen der angeblich ausgezeichneten Ukrainischen Ernte geholfen haben, sind jetzt wieder versammelt «nv haben de« Bormarsch gegen Kiew angetreten. Der Kampf der Polen gegen die Bolschewiken. Krakau, 20. August. (Korr.-Bur.) Dem polnischen Generalstabsbericht vom IS. d. M. zufolge haben die polnischen Truppen den Fluß Bereziny, nördlich der Stadt gleichen! Namens, erreicht. Der Feind habe große BerLu st eerlitten. Es seien besonders viele Chinesen gefangen genommen worden. Die Wirren in Ungarn. s<Drigi«albericht unseres Budapester Korrespondenten.) r \ Zur Stunde hat Ungarn zwar noch eine Regie-?r>ing, die jedoch nicht viel mehr als.eine Regierung 'für einige Tage sein wird. Die Sozialdemokraten er-! steifen sich täglich unnahbarer, da ihnen die Koalition von Tiszaisten und klerikalen Reaktionären nicht als 'der richtige Nahmen erscheint, in den sich auch sozialdemokratische Minister einstigen könnten. Nun hat man .btefe Ministerposten mit Strohmännern besetzt. Die /Sozialdemokraten sind aber nicht znletzt auch durch die <!in> der politischen. Kulissenwelt Budapests kursierenden TGerächte beunruhigt, die von einer Restauration -der Monarchie in Ungarn sprechen. Wenn es auch ■•nur, wie gesagt, politischer Kulissenklatsch ist, so muß;NM ihn doch in diesem Lande der politischen Abenstuer verzeichnen. Man erzählt in den sogenannten ein- .geweihten Kreisen, daß gegenwärtig nicht mehr die .Habsburger für die Wiederherstellung des. Königreiches in Betracht kommen, sondern daß Erzherzog 'Josef der Platzhalter für eschen englischen, ja sogar belgischen Prinzen sei, währeird, wenn es nach den Wünschen der Franzosen ginge, der Plan einer Personalunion Ungarns mit R u nt ä nt e n mehr Aussichten hätte. MMalls hat die.neue Regierung im letzten Minister- HtOereits ihrem Bestreben einer Rückorientierung und iKnähernng an die Zustärche vor der Oktvber-Revolutiochdadurch deutlich. Ansdruck gegeben, daß sie die bis- HMge.. offizielle Bezeichnung Ungarns als ungarische Volksrepublik aufgehobeir hat. Dafür hat sie den Titel Ungarische Republik als provisorisch emgeführt. Auch dstM Umschwung hat die Sozialdemokraten sehr verstimrnt. Abgesehen von den Sozialdemokraten sind jedoch ' - WMirnerhifibMv: Regierung -Menüichtz M e i n u n g sveHfichiedenhei te n ausgetaucht, die nicht 'Zuletzt die :Pe^svn des. Ministerpräsidenten Friedrich zum Gegenstg.nde haben. Schon während der Verhandlungen zur .Kdistuug des Kabinetts war die Person des Ministerpxäsidenteu das größte Hindernis, da er ein Freund persönlicher Rachegelüste zu sein scheint. Man macht es/dem Ministerpräsidenten auch zum Vorwurf, daß ex den nur angeblichen Führer der kleinen Landwirte Stephan Szübo als Ackerbauminister in das Kabinett gWommen hat, dem mit Rücksicht auf seine geschäftfichen Spekulationen nicht nur dieBauernbündler, sondern auch die C h r i st l i chs 0 zra l e n das größte Mißtrauen entgegenbringen.. Was das zu bedeuten hat, .erhellt aus der Tatsache, daß die Christlich sozialen unter Führung des Unterrichtsministers Karl Huszär sich nahezu des größten An Hanges, im Latüre zu erstellen haben. Das Kabinett Friedrich hat auch bei der hier weilenden interalliierten Generalmission nicht .gerade Sympathien zu verzeichnen, da es den antisemitische n Quertreibereien nicht mit der gebbtenen Energie entgegenkritt. Neulich hat die wegen ihrer Pogromhetze berüchtigte Partei des „Erwachenden Ungarn" in der ganzen Stadt Aufrufe plakatieren lassen, die zum Vernichtungskampfe gegen alle Semiten aufforderten und die Parole verkündeten, daß der Kampf nicht eher eingestellt werden dürfe, bis nicht der letzte Semit vom ungarischen Boden verschwunden sei. Die Plakate riefen nicht allein unter der jüdischen Bevölkerung peinliches Aufsehen hervor. .Auch konnte mau es sich nicht erklären, wie diese der Hetze diertendetl Aufrufe trotz der rumänischen 'Zensur in die Oesfentlichkett,gelangen konnten. Die Runlänen sahen sich schließlich über Intervention der Ententemissionen veranlaßt, die Plakate noch in derselben Nacht beseitigen zu lassen. - Eine den tueitesten Kreisen der ttngarischeu Bevölkerung und nicht zuletzt den Deutschen Westintgarns unsympathische Persöttlichkeit ist der Nattonalitäten- MiUister Professor Jakob Bleyer, der sich immer als ein Gegner der autonomen Bestrebungen der nationalen Minderheiten im alten Ungarn erwiesen hat. In Kreisen, die isti genauer zn kennert erklären, spricht man ihm die Fähigkeit ab, plötzlich nmlernen zu können. Bleyer wird tiicht mrr als ein hartnäckiger Reaktionär, sandertt auch als ein durchaus unduldsamer Antisemit geschildert. Er hat bereits dem ersten, vont t^rzherzog Josef emtannteu und mtter dent Präsidium Stephan Friedrichs gebildeten Kabinett angehört. Bei der ersten Sitzmig des Ministeriums, zu der auch als einziger/ Jude im Kabinett der Eriiährungsminister Po lnai erschien, kam es. zn .einer .heftigen Msefiiandersetzrurg zwischen ihm und Bleyer. /Bleyrr' er-' klärte, daß er sich mit einem jüdischen Kollegen nie zu ernenn Miliistorrat zufammensttzen werde. " ' Abgesehen von diesen innerpolitischeu Schwierigkeiteu, die dem neuen Kabinett das Leben sauer machen, find auch noch die Borg au ge in der Provinz als wesentliche Hemmnisse in Betracht zu ziehen. Die Weiße Terrorgarde, die fast durchwegs aus Offi'Ml'e'ren der ArrstvDraLke imd der Gentry besteht, verübt auf ihrer Heimkehr aus Szeged in furchtbare Gewaltakte. In der Gegend um den Plattensee haben diese Offiziere die Prügelstrafe für alle die Einwohner emgeführt, denen man irgend welche Gemeinschaft mit dem Regime Bela Kuns nachsagt. Das Denunziantentum hat jetzt die besten Gelegenheiten. Aus Berichten, die der amerikanischen Mission zugingen, Mht hervor, daß m den von den Weitzen Gardisten heün'gesuchten Gegenden viele Unschuldige ohne Verhör, ja ohne Protokoll zum Tode durch. den Strang verurteilt wurden. Die Strafe wurde m jedem Falle auf der Stelle vollzogen. Augenblicklich hat tzs den Anschein, das; nicht nur die Stellung des Ministerpräsidenten Friedrich, sondern auch die des Erzherzvgs Joscs, als Ver-! Weser erschüttert sei. Noch immer spielt man in! den tvieder zur Akacht konunenden hohen Offiziers-, kreisen mit dem Gedanken einer Militärdiktatur,^ die die Geschicke Ungarns lenken soll, falls das gegen-j würtige Kabinett in den nächster; Tagen Schisfbruchj! erleiden sollte. , ' h. p. Bericht der Etttentegenerale nach Paris. ' Verweser Josef will die Wahlen ausschreiben. > Haag, 20. August.'(Tel.-Komp.) Hollandscli Nieuws Bureau meldet aus Paris: Bon der Alliiertenkonmussion in Budapest: ist die Meldung eingetroffen, das; Erzherzog Joses amtlich die Bildung seiner Regiernng mitgeteilt und seine Absicht bekanntgegeben habe, sobald die Nationalvenammllmg zusammengetrelem sei, auf der Basis des allgemeinen Wabtrechtes allgemein^ W a l, l e n ansz'.ischreiben. Die fi/cncrate haben die MStellung zur Kcimtnis genau!',iie'n und sic an die Frledenstanicrenz .weite: gele-.ie'. 4> '

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