Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 209 (18.8.1919)
- Date
- 1919-08-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Heute ist es gelungen, die Besprechungen zu einem günstigen Abschluß zu bringen. Das. Handelsportefeuille übernahm Franz Heinrich. Zum VolkSerncihrnngsmmister wurde Kar! E r e k y ernannt. Ueber Vorschlag des Ministerpräsidenten Friedrich nahm der Verweser Prinz Josef bereits heute die Ernennung der beiden Minister vor, die im Lauft des Abends den Eid ablegten. Der neuernannte Handelsminister Franz Heinrich ist Chef der Elsengroßhandlungsfirma Heinrich. Volksernährungsminisier Kar! Ereky ist von Beruf Ingenieur. Er ist Begründer Und langjähriger Leiter der Schweinemästerei in Nagy-Teteny und Direktor der Viehverwertungsanstalt. < Nach der Eidesleistung erklärte Minister Franz Heinrich einem Mitarbeiter des Ung. Tel.-Korr.-Bur. gegenüber u. a.: Von einem politischen Programm kann selbstverständlich keine Rede sein. Ich kann nur vom Programm meines Portefeuilles sprechen. Auf der ganzen Linie müssen wir die intensivste Arbeit beginnen. Alle berufenen Faktoren des nationalen Lebens - müssen Schüller an Schulter ohne Unterschied derPaickei an der Wiederaufrichtung deS Landes arbetten. Ich für. meine Person weihe meine ganze Arbeitskraft meinem Nachdem Handel und Gewerbe, und halte es für meine ernste Ausgabe, die Vorbedingung für ein Zusammenarbeiten und ein gegenseitiges . Sichverstehen zwischen Llrbeitgeber und Arbeitnehmer zu schaffen. Ich glaube fest daran, daß diese Bemühungen von Erfolg gekrönt sei« werden. Sodann erklärte der Minister, daß er alles, was. konfessionellen oder Rassenhaß hervorzurnfen geeignet sei, entschieden verurteile und bekämpft. Das Laub ftönne aus seiner jetzigen schweren Lage nur durch das harmonische Zusammenarbeiten aller nationalen und gesellschaftlichen Kräfte in eine bessere Zukunft hinübergeführt werden. Volksernähruugsministcr E r e k y sagte in einer Unterredung dem Mitarbeiter des Ungarischen Telegraphen» Korrespondenzbureans, als seine erste Aufgabe betrachte er die Besserung der Emahrungsverhältnisse der Hauptstadt und er werde alles tun, um Budapest Lebensmittel zu verschaffen, das während der bolschewistischen Herrschaft so sehr hungerte. Er vertraue darauf, daß diesbezüglich eine Verständigung mit dm Produzenten in Kürze zustande kommen werde. Budapest, 17. August. (Meldung des Ung. Tel.- Korr.-Bur.) Die neuen Mitglieder des Kabinetts haben im Laufe des gestrigen Tages ihre Aemter übernommen. Justizminisier Baloghy erklärte in seiner Erwiderung auf die Begrüßungsansprache des Beamtenkorps des Ministeriums, die verbrecherischen Taten, die unter der Räte-Herrschast begangen wurden, schreien nach gerechter Sühne; diese werde auch nicht ausbleiben. Das Symbol der Rechtsprechung sei aber nicht die blinde Themis, sondern die Justitia mit den offenen Augen. Sie möge den Arm des Richters führen, wenn er den Schuldigen trifft, sie möge auch sein Gewissen leiten, wo es sich um den Schutz der Jrregeführten handelt, welche unter der Suggestionswirkung der Massenpsychose standen. Unterrichlsminister Karl H u s z a r erklärte Lei Uebernahme seines Amtes unter anderem: Die große Aufgabe, vor welcher wir heute in Ungarn stehen, erfordert vereinte Kräfte. Jedex Zwist und jede Schwächung ist eine Sünde gegenüber dem Staate. Auch von diesem Standpunkte aus muß ich den konfessionellen Haß verurteilen. Zum Schluffe sagte der Minister, daß er im Rechtszustand von Kirche und Staat die Lage vom 31. Oktober 1918 wieder herzustellen wünsche. Budapest, 17. August. (Meldung des Ung. Tel.- Korr.-Bur.) Der Minister für Propagandawesen Stefan Haller erklärte einer Arbeiterdeputativn gegenüber, die Regierung denke absolut nicht au eine Reaktion, ja sie werde auch von anderer Seite keinerlei gegen die Rechte Vazssrryi gegen Ne Psgrsmhetze. dulden. Die Regierung wolle die. vollkommene Freiheit. der wirtschaftlichen Organisierung sichern und werde nur darüber wachen, daß unter dem Vorwände der Reorganisierung keine das nationale Leben gefährdende Propaganda betrieben werde, die nur die Klassengegensätze wieder in gefährlicher Weise zuspitzen würde. Schließlich verwies der Minister aus die Verhandlungen zur Sicherung der Ernährung Budapests und fügte hinzu, die Arbeiter dürsten keinesfalls durch Aushungerung gestraft werden/ denn sie seien ja selbst nur'Opfer des Terrors. Der Führer der Deputation erklärte sich namens der Arbeiter mit den Aeußerungen des Ministers zufriedeu und sagte, die Arbeiter werden auch ihrerseits alles daransetzen, daß Ungarn wirtschaftlich wieder ausgebaut werde. Budapest, 17. August. (Meldung des Ung. Tel.- Korr.-Bur.) Minister a. D. Wilhelm V a z s o n y i veröffentlicht im nichtamtlichen Teile des Amtsblattes einen Ausruf an die ungarische Gesellschaft, worin es u..ä. heißt: Die Bolschewiken haben als Vulkan des Klassenhasses den furchtbaren Boden unseres Landes, mit Lava und Asche bedeckt und kaum ist -dieser Krater, welcher das Leben zur irdischen Hölle gemacht hat, erloschen, muß ich voll Schrecken die drohende Eruption eines neuen unser Leben bedrohenden Kraters erblicke», jenes des konfessionellen Hasses. Es ist keine' Selbstüberhebung, wenn ich daran und Interessen der WZtzsHajt.. gerichtete, IkaUon 1 transpyrten geführt. hoben habe. Ich habe also das Recht, zu fordern, daß mau meinen Worten Gehör schenke. Gibt es doch niemanden im Ungarn, den die 'Bolschewiken mehr gehaßt batten als mich. Die Schuldigen sollen ohne Unterschied der Konfession bestraft werden, aber uieMnd darf nur, deshalb verfolgt werden, weil er einer bestimmten Konfession angehört. Die Zugehörigkeit zu einer andern Konfession darf für niemanden ein Palladium bilden. Die Herrschaft des Hasses möge in Ungarn ein Ende nehmen. Auf der ganzen Welt haben wir keinen Freund. Alles hat uns verlassen. Wir bluten aus tausend Wunden und nur brüderliche Liebe und schwere Arbeit Schulter an Schulter können uns aus der schrecklichen Tiefe wieder cmporheben. Die Lass irr Budapest. Budapest, 17. August. Das Ungarische Tel.-Korr.- Bureau meldet: DaS Amtsblatt „Vudapesti Közlöuy", das in der letzten Zeit auch den Informationsdienst versehen hat, kehrt mit dem heutigen Tag wieder zu seinem ursprünglichen Berns zurück und wird sich von nun an auf die Veröffentlichung der Verordnungen der Negierung beschränken. Von heute an erscheint im Verlag der Negierung unter dem Titel „ReggeliHirek" in den Morgenstunden und unter dem Titel „Esti Hire!" in den Abendstunden ein Blatt, das völlig selbständig in moderner Weise die Ansprüche des lesenden Publikums befriedigen wird. In'dem Augenblick, wo die Möglichkeit' normaler Presseverhältnisse wieder geschaffen sein wird, werden beide Blätter eingestellt werden. Als Schriftleiter des neuen Blattes fungiert der gewesene Abgeordnete Paul von Szöts. Budapest, 17. August. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Von d«n^ Bestreben geleitet, die Approvisionierung der Hauptstadt zu sichern, haben sich Minister des Aeußern Lovaszy, Finanzminister Grün und der Leiter des Ministeriums für Volksernährung T e r s f y sofort nach Uebernahme ihrer Aemter mit den hier weilenden Vertretern der Entente-Missionen in Verbindung gesetzt. Als Ergebnis der bisherigen Verhandlungen kann festgestellt werden, daß schon in kürzester Zeit große Lebens m ittelsend ungen im Ausmaß vvn ungefähr 1000 Tonnen auf d em Donauweg in Budapest eintresftn werden. Bezüglich der Zahluügsmodalitäten ist gleichfalls ein Uebereinkommen getroffen worden. Auch die Verhandlungen des Ministeriums für! Volksernährung mit dem rumänischen General Holban I haben zu einem Nebcreinkv.imrc-ir l'i'/rtwtMi der Fre'gebmlg j gewisser Eiftnbahulinien zum Zwrck von Lebensmittel- Wis Navsy ermordet wurde. Budapest, 17. August. Das Amtsblatt veröffentlicht im nichtosfiziellen Teil einen Bericht über die Ermordung des gewesenen Präsidenten des Abgeordnetenhauses Ludwig von Navay. Darnach wurde Navay einige Tage vor der Besetzung Czegleds durch die Franzosen auf seiner Besitzung von Terroristen, darunter dem berüchtigten Czerny, verhaftet und nach Czegled gebracht, wo sich bereits zahlreiche Geiseln befanden, so auch ein Neffe Navays und Vizebürgermeisters K i^ß. Sie sollten in Gemeinschaft mit den anderen Geiseln nach Budapest gebracht werden. Auf der Strecke Kiskun-FelegyhGa mußte ein Teil, darunter die drei Obgenannten, denMüg verlassen. Drei Leninbuben hatten in der Nähe desBcchndcrmmesdrei Gruben geschaufelt, zu denen die bMn Navay und Kiß geführt, wurden. Dort angelangt, wurden sie mit den Worten apostrophiert: „Eure letzte Stunde hat geschlagen!* und kurz darauf durch drei Pistolenschüsse niedergestreckt, dann, obwohl noch', nicht leblos, mit Stichwaffen bearbeitet und schließlich.-in die Gruben gestoßen. Der Inhaber der Bühnhosgastwirtschaft und noch andere Personen'waren vom Bahnhof aus Zeugen der schrecklichen Vorgänge. Nach: vollbrachter Untat bestiegen die Terroristen den Zug und. setzten die Fahrt fort. Die Nachricht von dem Verbrechen war bald m Budapest bekannt geworden und auch zurMnntms der Ententemissionen gelangt. Ueber ihren Wunsch rettete Bela Kun eine Untersuchung ein, über deren Ergebnis jedoch nichts bekannt wurde. Die Zuständigen Behörden fahnden nun nach den Verbrechern. Wilson für den FriedLNSVertrag. Eine Drohung mit ernem Separatfrieden. Saint-GsVMLM, 17. August. „Matin" meldet ans' New Jork ^Präsident W i l s o n hat in seiner UnterredWg.L^stL->.HW^MHrßr^'cher-/Demokrchen,., .Senator i tchftock die/ TenAl^ -Nzeftier De'nwWen getadelt, sich dem - republikanischen Programm bezüglich des Friedensverträges anzuschließen. Es sei die wichtigste Aufgabe der Demokraten, mit aller Entschiedenheit jeden Zusatz zum Friedensvertrag zu bekämpfen. Das geringste Amendement würde die Vereinigten Staaten zwingen, eilten Separatvertrag mit Deutschland abzuschließen. Wenn der Senat den Vertrag zmückweisen sollte, würde Wilson die Senatoren L o d g e und K n o x als Unterhändler nach Berlin schicken. Senator Hitchcock wird in der nächsten Woche im Senat den Kamps gegen die Amendements aufnehmen. Wilson wird am Mittwoch die Kommission der auswärtigen Angelegenheiten empfangen. Die MirsseNVerhaftungen in Nord mähren. Eine energische Verwahrung der Wiener Regierung. Offiziell wird mitgeteilt: Die „Narodni Listy" versucht den durch die massenhaften Verhaftungen von Deutschen in Nordmähren hervorgerufenen Eindruck durch einen Artikel zu entkräften, worin sie die Tatsache der Verhaftungen nicht bestreitet, aber die Behauptung ausstellt, daß eine Masse von Studenten und Beamten in die tschechische Republik entsandt worden sei, um gegen die Gesamtheit des tschechischen Staates zu arbeiten. Diese Behauptung entbehrt jeder tatsächlichen Grundlage, und Deutschösterceich kann der Erfüllung der von der „Narodni Listy" an die tschecho-slowakische Negierung gestellten Forderung, das über diesen Gegenstand gesammelte Material der Oeffentlichkeit vorzulegeu, ruhig entgegenfthen. Von deutschösterreichischer Seite ist nichtsgetan worden, um das nachbarliche Verhältnis der Leiden- Staaten zu stören und der-künftigen Lösung der weiterbestehenden Probleme im Rahmen des Völkerbundes vörzugreifen. _____ ' , Polnischer Putsch in Schlesien. Berlin, 18. August. Die Blätter melden au? Kflttowih: In der Nacht zum 17. d. M. haben polnische Banden im Kreise Pleß durch einen. Putsch die Gewalt an sich zu reißen und das Milttär zu entwaffnen versucht. An den meisten Stellen ist dieser Versuch mißlungen und die Truppen sind Zerren ^drc Lage geblieben. Nm in Paprotzan gelang es den Auf- , rührern, eine' Batterie' zu' .überrumpeln ' und zu entwaffnen. Weiters haben die Ausrührer in Tichau deir - Bahnhof und die Postanstatt besetzt. rische Maßnahmen zur Unterdrückurrg des! Aufruhrs find im Gange. Nach Oberschlesien sind neuerlich T:ustpen.,Mj!gM. worden.