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Wiener Morgenzeitung · 1919-08-11 · Heft 202 (11.8.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 202 (11.8.1919)
Date
1919-08-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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GK»r«o«WP!ar: |forte so Hrlirr jteliniiMtitibwtiwlfi! Sin: Mit ZttsteLrnz fad Hau,: Monatlich. . . .L V.— ärbvtclialtttt« . . M SO.— Kalbsäfaxig.40.— vanrilchrhl . . ... SO.— Mit Postve^aud: Monatlich. . . .L V.SU Nloot-lfälksrs. . 22.— AaMSfaoro . . 4* 44.- KanffLtzors rener 88.- LÄophonor Adnriuiftr»- tfam 44088, Rodaütto« 48818, ab 6 Mls» adrnd» St*. 16801 (Sr^eierfmpVttvtJ; V^te »O HÜ« Monatlich . NtertelsShrkg ^alblSh«t« .. . r«L, .„ m 1 Aodaktion fo Archtlnlftpa* Mi»«, ix. ^a»s-rfir««4 ' itr.l-8 ‘. ‘ p-stfpariraffon^Sont» ' itr. 150.688;; <ya>8« Nr. 202 Wien, Montag, den 11. August ISIS 1. Jahrgang Josef Hsbslmikg — kein Mmmrchift. Er verzichtet aber nicht '.. Budapest, 10. August, Das Ungarische Tel.» Korr.-Bureau meldet: Ein Teil der ausländischen Presse, vor allem die deutschösterreichische, ist wohl der Meinung, daß die historische Wendung,; die jetzt in Ungarn vor sich gegangen ist, die einzig mögliche Lösung sei. Nichtsdestoweniger betrachtet sie die Ereignisse vom Gesichts, punkte der republikanischen Demokratie mit gewissen Besorgnissen, indem sie befürchtet, daß sich hinter dem Auftreten des Erzherzogs Josef als Gouverneur von Ungarn vielleicht monarchistische Bestrebungen verstecken. . Die ausländische Presse war,/indem sie diesen ihren Befürchtungen Ausdruck gab, möglicherweise noch nicht im Reinen über die wahre Bedeutung des Unternehmens des Erzherzogs Josef und war noch nicht verläßlich informiert über die näheren Umstände, unter denen das Ministerium ernannt wurde. Die-Rdgierung erklärte bei ihrer Konstituierung, daß sie den. Erzherzog Josef als Gouverneur von Ungarn anerkenne. Um die in einem Teil der ausländischen Presse zum'Ausdruck gebrachten Zweifel zu zerstreuen, hat es-Erzherzog Josef für notwendig befunden, im Amtsblatt über die Bedeutung seiner Aufgaben als. Gouverneur, eine ofsizielle Erklärung abzugeben. Auf die Frage, ob er von. den Besürchtuügen der ausländischen Presse Kenntnis. habe und welchen Standpunkt er diesbezüglich einnehme,:: erklärte der Erzherzog: Ich erkläre ganz entschieden, daß ich nicht im Interesse der Monarchie tätig bin, sondern daß ich in der geradezu trostlosen Lage, in der sich Ungarn befindet, auf die von allen Seiten an mich gerichtete Aufforderung die Aufgabe übernommen habe bis' zur Wahl der Nationalversammlung. Meine Aufgabe.als Gouverneur ist, unbedingt und gegen jedermann die .Meie und unbeeinflußte Willerißüußerung der Nation - >zu sichetn, danüt dann öE Mt'iön durch ihre auf -Grund - des allgemeinsten Wahlrechtes zustande gekommene Vertretung selbständig - ihre Staatsform und auf den ErzherzogLiteL. über die Zukunft entscheide. Sobald die Nationalversammlung nach den Wahlen Zusammentritt, ist meine Tätigkeit von selbst zu Ende. Die Entscheidung der Nationalversammlung wird uns allen heilig sein. Diese Erklärung des'Erzherzogs läßt es zweifellos erscheinen, daß die freie Willenskundgebung der Nation nicht nur nicht eingeschränkt werden, sondern gegen jedermann zur Geltung kommen wird. , .# Paris, 9. August. »Komme Libre" schreibt, man könne aus der vom »Neuen Tag" wiedergegebenen Aeußerung des Ministerpräsidenten Friedrich, er glaube, daß die Bauern die Monarchie wünschen, ersehen, worauf das Spiel hinauswolle. Die Alliierten würden darüber zu wachen haben, daß die Wahlen wirklich rein und unabhängig durchgeführt werden. .Sie besäßen zu diesem Zwecke genug Pressionsmittel. Die vom Erzherzog Josef verlangte Arkerkenmmg seiner Regierung könne nur unter gewissen Bedingungen gewährt werden, deren geringste die Sicherheit der Wahlen sei. Berlin, 10. August. Das »Berliner Tageblatt" meldet aus Lugano: Der Budapefter Korrespondent des „Corriera della Serü" berichtet über eine Unterredung mit Erzherzog Joses: Auf die Frage des Korrespondenten, ob eswahrsei, daßer d en Erzh erzo gstitel abgelegt und s i ch n u r n o ch H a b sb u r g nennen lasse, erwiderte der Erzherzog, das beruhe a u s e i n e m Mißverständnis. Im Gegenteil, sagte der Erzherzog, ich werde nie vergessen, daß ich vor: einem Kaiserhause 'abstamme, das ich liebe und dem ich treue Dienste geleistet habe.. Ich habe der,.Republik Treüe - geschworen. Mit derselhen Treue werde' ich 'jeder ueM Regierung Menen, welche Ungarns Wohl verbürgt, denn über den Wechsel der Münster - hinweg will Ich meinem Lande dienen. ' Repotten in Blutige Kämpfe zwischen Serben und Montenegrinern.; Saint-Germain, 10. August. Das Montenegrinische Pr§ßbureau teilt dem „Temps" mit, daß sich in der Gegend von Nikschitsch und amS k u t a r t see b lutigeKärupse zyischenMont t u e g rin c m und Serb e n entwickelt haben. Die Serben haben die ansständischen Montenegriner in einer amtlichen Kundgebung für Banditen erkärt, die außerhalb des Gesetzes stünden. Die offiziellen serbischen Berichte geben zu, daß sich, die Mehrzahl der Montenegriner.m/die Berge zurückgezogen hyhk, um sich gegen die serbischen Truppen zu verteidigen. Die serbische Regierung nimmt au, daß' der Aufstand nicht nur nationale Ursachen hübe und kündigt schleunige. und wirh'ame Gegeninaßrzgcln an. Sie hat, wie das „Journal des Debats" meldet, die F r i'e d e n s k o n s e r e n z von den (ÄeigNisscu in Montenegro v e r st ä n di g t und sie ersucht, dafür zu sorgen, daß die italienischen Truppen. auZ Montenegro zurückgezogen werden, unr so mehr, als auch die französischen Truppen, die bisher eine Vermittlerrolle gespielt hatten, Montenegro verlassen haben. Die Lage in Ungarn. Budapest, 10. August, 11 Uhr nachts. (Priv.- T-cl.) Von. einer der neuen Regierung nahestehenden Seite wird folgendes mitgeteilt: In Budapest herrscht heute vollkommene Ruhe. Es muß anerkannt werden, daß das rumänische Oberkommando Vorsorge und Vorkehrungen getroffen hat, daß sich keinerlei Ausschreitungen und Exzesse, wie am ersten Tage der. Besetzung, mehr ereignen. Morgen ist ein sehr bedeutungsvoller Tag für Budapest, da der e r st e L e b e n s-m i t t e l z u g a u s Rumänien .hier c i tt t r t f f *. Die ttostlose Situation der ungarischen Hauptstadt in betreff Verpflegung dürfte demnach, da das Eintreffen weiterer Lebensmittelzüge gemeldet ist, in den nächsten Tagen eine Wendung zum Guten erfahren. Die.Verhandlungen des Ministerpräsidenten Friedrich mit der Szegediner Regierung und den in Wien weilenden ungarischen Politikern nehmen eitlen günstigen Verlauf. Wahrscheinlich -wird das provisorische Kabinett eine Ergänzung durch einige Persönlichkeiten der Szegediner und der.Wiener Gruppe erhalten.. Das Gerücht von einer Kandidatur des Herzogs von Teck für den ungarischen Königsthron wird hier nicht ernst genommen. Man bezweifelt auch in Regierungskreisen, daß der Herzog ernstlich eiste derartige Kandidatur in Erwägung ziehen könnte, da er doch nicht im entferntesten? auf die Popularität rechnen ddrsi deren sich Erzherzog' Josef und seine Gemahlin Erzherzogin Auguste in aästz Unaarn erfreuen. 'gebrauchsfähige Lokomotiven verblieben. Rumänien fordert) von Ungarn nichts anderes, als dieses seinerzeit auis Rumänien verschleppt habe. '; - . ... . i Der Viererrat gegen die „Sieger". St. Gsrmain, 10. August. „DaÜy News"! erfährt, daß die Note der P,a r i s e r Konferenz" an j> die rumänische Regierung eine sehr energische (?)j Sprache geführt habe. Es heißt darin, der Oberste Rar?' habe den Eindruck, daß die rumänische Regierung, beab-i, sichtige,, die alliierten und assoziierten Mächte zu miß-!; achten und sich von ihnen zu trennen. Er hoffe, daß? diefkr Eindruck falsch sei und ersuche die rumänische Re-h gierung, ihn nicht durch Worte, sondern durch Tate»!- richiiumstellen. Die Nichtanerkennung des neuern W a! e u still st an d sv er tr a g es wird in knappew' Worten m i t g e t e i l t. •" , [. Die Uebergrisse der Rumänen werden, wie derj Korrespondent erführt/ von der Friedenskonferenz scharf verurteilt und man ist der Ansicht, daß Rumänien nichts nur die Beschlüsse der Konferenz, sondern auch, bie eivS sachsten Gebote der Menschlichkeit verletzt habc^ . T ,! Werden die Rumänen Budapest räumen? Bukarest, 10. August. (Tel.-Comp.) Das Rumänische Preßbureau meldet: Heute vormittags um 10 Uhr findet in Bukarest ein Mlnisterrat statt, an denr alle in Bukarest anwesenden Regierungsmitglieder sowie Vertreter der nenangegliederten Gebiete teilnehmen werden. Der Ministerrat wird sich mit der Beantwortung der an Rumänien in der ungarischen Frage gerichteten Ententenote befassen. Wie in Regierungskreisen verlautet, wird Rumänien keinesfalls Ungarn räumen, ehe nicht die Entente alle ihm durch den Vertrag vom Jahre 1916 gemachten Zugeständnisse einlöst. Bukarest, 10. Augllst. (Tel.-Comp'.) Das Rumänische Preßbureau meldet': Die Bukarester Presse nimmt einstimmig gegen das Verlangen der Entente, Rumänien solle Budapest räumen, Stellung und fordert die rumänische Regierung auf, von ihrem Standpunkte nicht abzuweichen. Die Entente habe nichts getan, um Rumänien die Opfer, die es in dem ihm von Bela Kun aufgezwungenen Kampfe bringen mußte, zu ersparen, sie könne daher nicht verlangen, daß Rumänien seine Opfer umsonst gebracht habe. . .. 'Die Entente habe auch seinerzeit bei dem Rückzuge der Mittelmächte aus Rumänien keinen Einspruch dygegen erhoben, daß ans Rumänien zahlloses 9Naterial-verschleppt! wurde, so daß zum Beispiel Rumänien nicht mehr als drei VersaiKes, 9. Augllst. Nach dein „Petit Pari^/ fien" hat der Oberste Rat der Alliierten inder unga-j' rischen Angelegenheit in den letzten vier Tagerr'drei Noten? an Rumänien gerichtet, in denen die Einstellung des Bor-«' Marsches und die Anerkennung des alten Waffenstillstands-, ' Vertrages, das heißt die Desavouierung des ungarisMrumänischen Waffenstillstandes verlangt' wird. Außerdem!, fordert der Rat, daß Rumänien 'sich seinen Ratschlüssen! anpasse. ' ' . Nach.der „Heure" soll aus italienischer Qirelle ge-> meldet worden fern, daß die Rumänen es abqelehntz hätten, in Budapest mitdeuAlliiertenzusammenzuarbeiten.il DieKottsLrenZhabedeshalbinBnkarestum Aufklärung gebetey^ \ Rumänische.Erklärungen. ....; St. Germain- 10. August. Ein.WitarbeiLer.-Kep.. „Eclair" hat den rnmäinschen Friedensdelegierien Va"ib ä ^interviewt. Dieser erklärte, daß die Rumänen den Staatsstreich . des .Erzherzogs Joses keinesw e g s. b e g ü n st i g L h ä t t e n. Ätumänien wolle mit Ungarn künftig 'in Frieden leben, aber gegen die Häbsburger kenne es nur Haß. Auf die. Frage des Berichterstatters, ob sich Erzherzog Josef also wirklich auf eine Partei stütze, die fähig wäre, ohne äußere Hilfe zu handeln, antwortete der Befragte nach einigem Zögern, er könne nicht umhin, anzunehmen, daß dem .Erzherzog vons .außen Hilfe geleistet wurde, aber gewiß nicht? von den Rumänen. ■ j Es handle sich um einen Versuch, die Habs-? b u r g e r w i e d e r e i n z u s e tz e n. Er glaube aber nichts haß die Regierung lebensfähig sein werde. Eine ungarische provisorische Regierung, die wirklich der Spiegel der Verhältnisse des Landes sein sollte, müßte zu a cht Z ehnte! aus Vertretern der Bauernschaft, zu ein bis zwei Zehntel aus bürgerlichen Elemen^tew bestehen und der Rest gebühre den städtischen Mrbeitevn. Zu dem Verhalten der Entente gegenüber Rumamen bemerkte Vaida: Wenn man unsere Truppen ihrem Selbstbewußtsein kränkt, indem man jetzt, wo der Sieg von ihnen allein erfochten wurde, fremde Truppeukärper zu ihrer Ueberwachung nach Budapest schickt, dann besteht die Gefahr einer Erkaltung der Beziehungen, ja Ls.d'rphen sogar Zwischenfälle. Da wir Freunde der Entente bleiben wollen, diese Zwischenfälle also vermelden Müssen, bliebe uns nichts übrig, als unsere Kräfte vollständig zurückzuziehen und weder bei der Herstellung de r-O r d n u n g noch bei d c r E n t w a f f n u n g Mzuwirken. Entferrduttg einer ungarischen Delegation nach Paris. Paris, 10. August. Der Oberste AMiertsurat hat Samstag nachmittags vy« Erzherzog Josef die telegraphische Ankündiguug seines Regierungsantrittes erhalten. Der neue ungarische Reichsverweser bittet darin um Anerkennung der Delegierten, die er nach Paris senden werde. Der ALiiertenrat wird Montag darüber Beschluß fassen. Vor der Entscheidung. Haag, 10. August. (Priv.-Tcl.)' Aus Paris wird gemeldet: Mittwoch werden di« AMerte« die deutschssterrerchifchen Gegend vorschlägebeantworten. -

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