Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 199 (8.8.1919)
- Date
- 1919-08-08
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Wien. Freitag Wiener Morgenzertrmg; 0 August ittZis Vrr. ~trfsr ---*? » Gründung des „Freiheitlich-sozialistischen Volksvereines". Am 22. Juli fand die Gründlinasvusamm- Mlg des „Freiheillich'sozialistischen Volksveremcs" statt. Zum Obmann wurde Herr Ingenieur Karl Janotta gewälzfl. Oer Proponent des Vereines, Herr Georg H a n i s cb. peglünrete de» Entwurf eines Berettrsprogrammes^ Der Berem, der einen parteipolitischen Charakter trägt, erstrebt 'eine radikale Dirtschaptsreforin aut frredlchem Wege. Lern Ziel ist eine freie Berkehrswirtschaft auf sozial-kavrtalisti'cher Rrundlage. Arr Herbeiführung dersetben soll der Staat Betriebe gun vollen Wert ankaufcn und an Genossmichasten übergeben, »ie bereit sind, sie auf eigene Rechnung gegen Rückerstattung, des Wertes der verbrauchten Bestandteile wcunzchuhrcn. Freren Nmossenschasten wird aber vom Staate kern a iii i cf) 11 e stich e s Verfügungsrecht (kern Migrntnmsrcckt) über die staaticherr Produktionsmittel, sondern nur ein alten S'm.itsb ärgern zlriHmäßig zustebendrs Bmötzungsrecht rmgernumk. Der Bericht wurde von der Versammlung beisäklig ausgenommen und der vorgeschlagene Entwurf einstimmigjmn offiziellen Verejnsw. o gramm Erhoben. Beitrittserklärungen sind an den Schrjniührer des Vereines, Herrn Georg H a n i s ch, Wien, VllI/8, Lrrcheufelderstraste 124, zu richten. ' . ( . ' * Konstituierung der Sektion Krankenpflegerinnen, Fürsorgerinnen und Hebammen bei der Aerztegruppe des Palästinaamles. Im Anschluß an dir Aerttegruppe des Palästnnramtcs rtr sich erne Fachgruppe der ^lantenpflegerinuen konstilnrett. Die Fnäigruppe bezweckt den Zusammenschluß jener jüd' > ch:n Krnntcupflegermneu, Füftorgeeinnen imd Hebammen, welche die Al-nchr haben, nach Palästina aaszuwandern, sobald ihre iveziellen Interessen und die des Landes gestatten. Die Sektion bc-rbsicht. die s achw >ssenschasilichc Vorbereitung ibrer Mitglieder unddie werktätige Mitarbeit an der samtärrn Ileberwackung der zu erwartenden jüdischen Cnuiiwtion. Neuanmeldungen werden ciitgegengenommen: Dienstag und Mittwoch von 6 bis 7 ilhr im Palästinaamt, ll., Zirkusgüfse 33. * Veteilung der Volkswehr mit Legitimationen. Das -Ltaatsamt für Heerwesen hat verfügt : »Um bei nllfälliger Standeskonirolle die Jdcntifiziemng der- Volkswehrmänner zu gewährleisten. ist beschleunigt vorzusorgen,. daß jeder Mann mtt authentischer Legitimation beleckt ist und diese unbedingt stets bei. -ich trägt." Der Landesbefehlshaber fügt hinzu : „D eie- Bestimmung erscheint notwendig, da sich immer häufiger Fälle ereignen, daß Uniformierte, die der Volkswehr nicht anflehöron, bet Betretung bei strafbarer Handlung sich als Volkswehrmänncr ausgeben oder als solche Revisionen oder Anhaltungen vornehmen/ * Die Serben verbieten de» jüdischen Handel? Aus Bukarest wird gemeldet: Die. Agentur Dacja meldet aus L u g o s: Das in Lugos erscheinende Blatt „Banatul" meldet: Die Belgrader serbische Regierung hat d e n I u d e n st r e n g untersagt, m den an dm jugoslawischen Staat ungegliederten Prgvinzcn Hände l zu treiben,. Die Juden verlassen in großen Massen Serbien. iMan wird, die Bestätigung dieser Meldung abwarten müssen. Die serbische Regierung bat bisher keine antisemitischen Tendenzen verfolgt und ist eine plötzliche Kursänderung zumindest zweifelhaft. Die Red.) * Postverkehr mit dem Sndslawenftaat. Die Po st¬ und Telegraphendirektion teilt mrt: Nach dem Königreich S. H. S. (südslawische Gebiete des ehemaligen Oesterreich und Ungarn, ferner Bosnien-Herzegowina, Serbien und Montenegro) sind alle Gattungen von B r i e s s e n d u n g e n, gewöhnlich und eingeschrieben, von Zeitungen jedoch nur solche technischen mrd streng w i s s e n s ch a s 1 l i ch e n I n h a l t e s zulässig., Nächnabmebelnstung ist unzulässig. Die Scnduiigen unterliegen dem Jnlandstarif. # t r * Was in Wien gefunden wird. In der Liste der Fundsachen, dir seit Mai als unbchobcn im polizeilichen Fundnmte an der Elisabethpromenade erliegen, sind: 26 Armbänder imd Armreifen, davon 9 mir Uhren. 7 Boas. 4 alte Damenmieder, 1 Flugzeug- 1 magner, 1 Koffer mit Preßhefe und Butter, 1 -Korb mit Stachrldraht. 6 Stangen Krakauerwurst, 6 österreichische Kriegsanleihen, 1 goldenes Ohrgehänge. 2 Revolver, 2 Kilogramm Rindfleisch. 9^goldene Ringe, 5 Säcke Salz, 7 schirme, 1 Kilogramm Speck 16 Uhren, 5 Ziegen- und Kotzfelle, 53 Zmsencoupons usw. Drei Hunde und eine Ziege sind zugestauden. Briefe aus Amerika. Bei der Delegation des Jüdischen Nationalrates für,' Ostßakzien (Abteilung Amerika) sind nachstehende Briefe eingelaufen: Jsak Rosenstein, Rohatyn bei Lemberg.Gcckizien. MarjemRosenstem, Rohatyn bei Lemberg.'Galizien, Bine> Sima, Chawa, Hme Rosönstem, Jsak und Reise! Spiegel und Familie. Szabse Tichmann und Familie, Rohatpn. Nathan und Regina Spiegel aus Rohatyn, gesucht von Nathan Rosenstein/ 579 Orange Sir., Ncwark, New-Iorü Eisig Hecht, Korolowka bei Kolomca, Galizien, gesucht von 575 Central Av. Brooklyn? Nathan Bacher, Wiznitz, Bukowina gesucht von Mry: Bacher 322 Palmetlon Str., 'Brooklyn,' New-Z-ork. Kalmen Heivisck, wohnhaft Wien, Saul Hrmisch aus Mißzin, Galizien,- Alte Heinisch m Jablonica bet Delatyn, Galrzren. gesucht von Jro Hern,sch, 114 Effex Sir., iliew-Pork. Sigmund Hillcbrand, Stautslau. Haliczergaffe 77 und Familie Sofie Hillebrand, Stanisla«, Leon Hillebrand, Stamslau, wohnhaft in Zösina, Wolagasic 47, gesucht von Dora Werbers, 72 E., 100 Str., New-Mrk. Betty Jabak. Stamslau, Scgelmxiergassc 47. gesucht von Charles Jabak, Ncw-Vork, City, 140—142 Stanton Str. Ruche! Papper Md Familie. DoUna bei Stryj. Galizien,, gesucht von Amue Papper, 919 E. Honston Slr., New Nork. Israel Lnb Dienstag, Strzrliska Nowe bei Lemberg, Galizien, gesucht von Jakob Leichting, 68 Ave,- D., New-Dork. Leib Sztraubcr, Potyk Zloty, Buczacz, Leib Held, Potok Zloty.- Buczacr, - gesucht von Hersch Sztraubcr, 148 Rvvyngton Str., New-Pörk, per Adresse E. Dolttuger. Sonder Fischer, Kopyczhnce, Galizien, gesucht vor, Abrabhant Frschcr, 134 Fomth Ave, New-Uork City., c. o. Schutzmann. Minfanim für die hohen Ueiertage. Die israelitische Kultusgemcittde Wien erläßt nachstehende Künbiiiachilug: t. Der'Vorstand beabsichtigt für den gegen- ' -värtigen Bedarf an temporären Bethäuscru , durch eigene Mastnahmeil vocznsorgen und wlrd demgemäß nnr im Falle tatsächlichen Bedürfnisses die Genehmigitng für «in temporäres Bet Harts ün Private erteilen. Hierzu ist im Simre des § 79 des Gemcindestatuts die Bewilligung des Kultusoorstand-s vor Erlangung der behördlichen Genehmigung einzuholen und wurden hierfür folgende Normen festgesetzt: Die Gesrtche nun Beiolttigung sind bis längstens So August d. I. im EirrreichringsprotyfÄl der israelitischen ShtroiBsemeindc, 1. Bez., Seitenstettengasse '4, 2. Stock, zu, überreiche». Spater eiulangende Gesuche werden zurückgewiesen. Auf nicht entsprechend belegt« Gesuche wird keine Rücksicht genommen. 3. Die Gesuchsteller haben für sich und für, die 4» verwendenden Vorbeter (die Namen derselbe sind im anzugehen) genaue Ausweise über Charakter. Moralität Befähigtmg zu erbringen. 4. An weibliche Personen Wird veder direkt .noch indirekt eine Bewilligung erteilt. 5. Die ijfe Betlotale ernzurichtenden R«uNs''müsteti sicl) für diese« Jüdische WäÄKer imb . Stauen! .4^ ' tmv Wahlrecht ZNM- , Jüdi scheu NMVNKlratKr BLLLts chösterrerch! WaKlbes-echLigt W reder Iude Antsrfchied des Geschlechtes, der sich zur jüdischen Natjon hekerrnt und das 2v. Lebe«sjat)r überschritten hat. / Anmeldmm zur ELntraaung in die Wählerliste im Bureau des NaLrouaLrates: Wie», II«, Laborstr. 20 n Mieters sowie des HauZekgeiltümers zur dicsfälligen . Verwendung schriftlich beizubringen: 6. Wohnungen und andere Lokale dürfen nur dann zur Abhältnng des Gottesdienstes verwendet werden, wenn sie volltommen auSgeraümt sind' und an den Festtagen' ansschliestlich für den erwähnten Zweck benutzt werden.' 7. Für Lokale, in welchen . während des Jahres Veranstaltungen stattfinden, deren Äendcnz nnvewinbar ist mit einer Stätte, az, welchex ei»l Gottesdienst abgehalten werden soll, wird eine Bewilligung nicht »erteilt. 8. Die Errichkilttg elue^ temporären Betlokales in der Nähe von stri.:digrn Betüänsenr wird in der Regel nicht bewilligte 9. Ein Ankauf-, von Betsitzer, seitens der rtiiltusgeinernde ist nicht zu gewärtigen. '10. Die Bewilligung wird, de»z/Betlokalinhabern nur unter der Bedingung erteilt, daß dieselben der Kultusgemrü,di für. unbemittelte Personen (Minner und Frauen) zusanttnen. den zehnten Teil der von der Behörde genehmigten ntuneriertLn Sitzplätze unentgeltlich bis läng-i stens 14. September 1919 zur Verfügung stellen^ 11. Zur Sicherung der Ginhalturrg dieser Verpflichtung sowie aller für die Erteilung der Bewilligung zur Errichtung eines temporären Bethäilses gestellten Bedingungen ist eine Kaution zu erlegen,-welche, bei Nichteinhaltung auch nur einer dieser . Verpflichtungen für wohltätige Zwecke der Kultusgemeinde verfällt. Die zu leistende Kaution wird auf Grundlage der seitens der Behörde-bewilligten Anzahl von Sitzplätzen mit je K. 1 für den Sitzplatz bemessen. 12. Der Text einer etwa'beabsichtigten Aunoncierung oder Plakakierung. ist dem Gesuche zur Genehmigung anzuschlie'ßen. -13. Unmittelbar nach den hohen Feiertagen ist an den Vorstand der israelitischen 5lultusgemeinde Wien ein Verzeichnis der beim Aufrufen zur Thora erfolgten Spenden mit Mamen und Adresse des Spenders^ sowie genauer Bezeichnung des Zweckes einzusenden. Es ist Pflicht einer jeden Partei, für eine entsprechende Polizeiaufsicht auf eigene Kosten zu sorgen. Als ,Hausandachten" werden nur jene gottesdienstlichen Ueburlgen betrachtet, welche ohne jegliches Entgelt und lediglich Familienangehörigen zugänglich sind. Kommmzales. Der BürgermeifteV über den Ausenthnlt ungarischer Kommuniftenführer in Wien. In der gestrigen Stgdtralsitzung heantwortetc Bütgermeister R e u m a n n die Jn;erpellati»n.ver chnstlichsozialcn SkÄdträte Josef Müller, Schmied, und Ko erber betreffend die Verhütung, und Abschiebung ungarischer Kommunistenführer aus Wien. BürgerHeister Renmann erklärte zunächst, daß bezüglich der,rechtlichen Srellrmg der Ausländer m Dentschösterrcich die internationalen Verträge Geltung haben. Bezüglich der Forcemng, daß die ungarischen Konmmniflenführer abgcschaffr werden sollen, erklärte der Blirgernteister, er bcdgure, daß sich Mitglieder des, Stadtrates ''finden, die an den Bürgermeister der 2tobt Wien eine solche Zumutung stellen. Er wäre nicht der Poltzribüttel der ungarischen Bourgeoisie und des ungarischen Feudaladels sondern unbedingter Anhänger der Freizügigkeit. Jmolgedessen liege cs chm fern, die Polizei aus die flüchtenden Mitglieder der Räreregienmg zu Hetzen. Es siegt ihm auch fern,, ihre Abschiebung zu begehren. Der Büige> Meister bestritt den Jnterpcllakiten das Recht, sich als Vertreter' der Gesamtheit der Wiener Bevölkerung hinzustelleu. . , , Die ErRÄHrrmg. f v Dev MavktSericht. ^. Auch gestern waren die G r ü n w a r e n m n r k t e gut beschickt. Die. Zufuhren waren mehr als bedarfdeckrnd. Au§ der Tschrcho-Slowaker rmd' aus Italien waren w eder aröhere Zwiebelfendungen emgelangti Aus dem Naschmarkt gab es auchein kleines Quantum Herrenvilze, die bald vdrgristcn waren. Besonders stgrk waren die. Austellungeu dpf dkm O b st markte des Naschmarkirs, dem 4460 Kilogramm Südtiroler Acpfcl —- das Kilogramm kostete ll 5.50 — 4C0 Kilogramm Johannisbeeren und 500 Kilogramm Hechklbwen zuacsührt worden waren. Auf dem G e s l Ü g e l m a r b t e waren 88 Stück Gänse und 154 Enten angeboren.' die in ^geteiltem Zustand zum Preise von ll 47.— pro Kllograumi vcrtauil wurden. Fett 'notiertell 97.—pro Kilogramm. Während bte F tschmärkte gestern ohne Zlibihren geblieben wären, waren die Fleischstände sowohl in der-Großmarkthalle als auch auf dem Naschmarkt mit Fleisch relativ gut versorgt. In der Groß m arkthalle waren vorrätig 1476 Kilogramm Einlieitsrmdfleisch zu ll 8.20 bis ll 14.—= pro Kilogramm. 226 Kilogramin Ertrcmsieisch zu ll ly.— bis ll 24.—, 655 Kilogramm atlsländiiches Rindfleisch zn ll,36,— bis K 40.—, 1327 Kilogramm Pökelffeffch zu ll 27.20 und 80 KilogrMm Weichwürste zu ll 8.— bis ll 81.— Letztere wurden im Preise »,». durchschnittlich K 1.— bis K 2.- ermäßigt. Für den Samstagmarkt konnten noch Fleischvorrate erübrigt' werden. Pferdefleisch zu ll 28— pro Kilogramm fand auf dem Naschmarkt reißenden Absatz. . Eier wurden auf einzelnen Märkten unter lebhaftem Andrang abgegeben. Der Stückpreis betrug ll 1.90. GrhShung dsr. Gierpvci^. Gestern ist der Bröks für Eier erhöht worpeu; seit kurzem schön zum drittenmal. Ungeleuchtete Eier werden statt ll 1.80 ll 1.00, durchgeleuchtete statt K 2.— ll 2.10 kosten. Angeblich bildet der Schaden durch die vrelen schlechten Eier die Ursache der Preiserhöhung. Abgabe von Frühkarloflel». Freitag und Samstag werden im )!. und XVIII. Bezirk, Frühkartoffeln, und zwar V, Kilogramm pro Kopf gegen Abtrennung des Abschnittes ll der Kartoffelkärte abgegeben. Rudolf Feldschuh, II., Pvaterstratzo 54. Zuckerabgabe für Juni, Srhw.izcr ^ch'ttolabe. ital!n?iiroc VOtaubo- , latti, Tischweine rnw. G,ä,s>'.>: von Uhr s>.üb bis 8 Uhr , wtettitö, ■ BßhM mb Kunst.; i KürrstLerrLte/ / Jn^lzer ,.Wc l i b ii h n a" äußert i'ich Direktor Kar^ Meinha rd in bemerkenswcrt-ex W.ift' -zu diesem^ Problem: -Man braucht dabei gar Nicht so scharf dis, (Ligenartigkeit, die (Linngartigbei-t dier Schaiispielerpsychch zu bebonÄtt, die aiißerstand« ist, objektiv über anders z.u urteii.'N. Es würde zu weit führen, wenn einer,! der selbst, die tleinsten Schauspio!'.'ransängc hinter sich' hat, Nachweisen wollte, daß er unter-der Obhut von,! Künstlerräten schwerlich zu einer leitenden Stellung^ durchgelassen tvorden wäre, ganz einfach,, weil der be^ deutende re- oder gar ältere Bührteiitollege unaus-- bleiblicheö Kritik des jungen Führers an frenrdens Leistungen al.s - Anmaßung betrachtet und nach Kräfte^ einer Latifbahn hinderlich gttvcsen war^, zu der gerade Jugcnd und unverbrauchte Nerven gehören. Aber ess muß endlich einmal' -von einem Bühnenleiter denk unstillbaren No(le«ihu.nger, dem maßlosen Ehrgeiz des! Bühnenkünstlers zmn Munde gesprochen tverden, uni dis Unmöglichkeit einer Schau?-ieler-Republik darzutun. Ja, noch mehr: Lluch zum wiruimen oder vermeintlichen; Größenwahn hat der Bühnenkütist-ler nicht:' allein die; ' Berechtigung, sondern sogar die Eerpflichtuug? Dies! ist -nicht Spiegelfechterei — ich iviederhole: Die Dev-! Pflichtzing! Der unbedeutendste oder, älteste Darstellers Müßte jaein geradezu -grauenhaftes .Dasein führen^ wenn er nicht noch die Hoffnung haben sollte, dass . Höchste zu erreichen. Das Mindeste) was er nach jahrzehntelangem Schattendasein mit - sich heruNrtragen mu^ und herunArägt, was die. Ausübung eines solchen Bett ufi-s überhaupt möglich macht, ist das- Bewußtseins ein verkanntes Genie zu sein.' Und diese wirklich«! obT. scheinbare ^Unterdrückung würde ^er Bühnenkünstler niemals von der Kollegenschaft dulden. Ev ' duldet'sie nur mit geballter Faust in der- Tasche odev durchatrs nicht in der Tasche von dem verstä-iouis-i losen, dem „idiotischen" Direktor, der aus am: Schauspiele rstande hervorgegangen sein, der sogar poch^ spiel'» mag, der Uber der „Direktor" mit muß. Diese stille automatische und .notwendige Feindseligkeit deH Bühnenkünstlers gegen den BühnMeiter ist das einzige^ was der Bühnenbetrieb an Gegenströnlung im eigenen! Hattse gerade noch ertragen kaml (öder auch Manchmal! nicht ertragen 'künfl).'^ i-Eine ßlrbpit'ttiftt dem verbrieften; Recht des Schauspielers, Kritik zu"üben, ist nicht nur; von 'vornherein- .,unWöKtich-:-."Ds"ist.-epstzau'nlich, daß dis maßgebenden Herren der Genossenschaft xine derartig«; Erörterung überhauptzugestehen, um sich erst von den besonnenen Elementen im eigenen Lager mit Mühfl auf den einzig, gangbaren' Weg wieder. .zurückführen! z U ) lasse n. Ich kcrnu < aber in tziner derartigen priw-! zipiöllen PefämpfE''^^''S^M^'^rnunst^ bloß 'weil! sie auf. der einen 'Seite der Gesamtheit der Schauspieler vermeintliche Rechte-gibt, auf der anderen Seit«! die Theater zum mindestesi ki'instlerifch unweigerlich vollständig' zugrunde richtet,, keine politische Klugheit sehen." , Der Pianist ScheMng schwer verletzt. Aus Gens wird tclcgrapbiert: Der bekannte Pianist Ernst S^? e l l i n g, der in Begleitung eines Attaches der amerikanischen Gesandlschaft in Bern eine Antomobilfahrl unternahm, überfuhr bet Gland eine Fran und deren Kind. Das Automobil 'wurde gegen einen B a n m geschleudert.' Schefling wurde schwer verletzt, W* Begleiter ist mit geringfügigen Verletzungen davongekommen. Die polnische 'Judenfrage. Problem und Lösung, von Dr. Max R o s e n f e IJ). D'.eie Schrift des allzu früh verstorbenen Verfassers ist bei seinem Erscheinen als „erste Behandlung der brennendsten Probleme der osijüdischen Massen" begrüßt worden. Auch jetzt noch muß jeder Schritt auf dem Wege zur Klärung der Frage der jüdischen Autonomie diese Schrift züm Ausgangspunkt nebnien. Sie ist darum heute, wo die polnische Judensrage zur Diskuistöu steht, aktueller als je. Preis ll 12.—. Zu,bezieh^» durch R. Löwit, Buchhandlung, Wien, l., Rytenturmstraße 22.. Gtzrichtssaal. Em Kriegsblinder vor Gericht. ' Emnicrich (Spure hat im Felde hen rechten Arm unft d a S A u g e n l,i ch t ,v e r l o r e n. Als er nach Wien heim- . toi», wo er in Friedetlszciteir .if-s Frtse-urg«hllfo^ gearbeitet hatte, traf er seine Familie im tiefsten Elend. Seine» - Fraii war an Tuberkulose erkrauli und unfähig, für dies Ander das Notdilrftigste zu beschaffen. Da er seinen früherer^ Beruf nicht niehr ausüben konnte, brachte er sich rechi undtt schlecht als Hilfsarbeiter fort. ' ' . » - , : Als im Wigter sein« Faniilie unter der Kälte -sehr frt ' leiden hatte) ging er mit zwei. Bekannten, die ihm sagten,' inan würde ihm mit Nüctsicht aufseiyen Austatid etwas? Kohle schenken, auf den Brjgitteiraner Rangierbahuhof, ttty ihm die beiden anstatt der Kohle gestohlenes Mehl in einem!; niitgebrachten Nuckfack schütteten. Der ahnungslose Kriegsblinde, der sich heiniwärts' tasten wallte, ,wurde schon, amz Vahnhofausgange apgeyalten und verhaftet. Ein zweiter Fall, der den Kriegsblindsn-mit'dem Strafgesetz in Konflikt brachte, war «in „Betrug". Sein Bmder aß in einem Gasthaiffe ins her Brigittena'l ein Mttagmahl und bezahlte dafür 48-Kwn«n^ DieS erzählte er keinem Bruder, der Ürvz entschlossen. M dem Wirte ging, sich ihm als S o l d a te u r a t vorstellt«J und die Rückerstattung des Betrages verlangte, welcher ilM jedoch verweigert wurde. ' Der Einzelrichter, LmldesgecichtSmt Dr.' Biztste, verurteilte den von Dr. En och verteidigten Angeklagte«, unten Anwendung deS außerordentlichen MldernngSrechteS z» einer Woche strengen Arrest. Den, Verurteilt«! wurde iuifiseine Bitte ein sechswöcheiitlictier Strafaufschubs .gewährt,. .