Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 199 (8.8.1919)
- Date
- 1919-08-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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vnifauwumi»: HMrr lpoSmmw»«ttp««pr-rst x f&lrat Mt ZnstUluuz ta» : H«r»; «-»aurä,. ,.. k 7,— »UrtiMwlKfid . . «, S0.- ««llySkrr» . . . ., 40.— Waürfährig..... 8».— . Mt Bastvcyand: N-»»«rS^ch. . . rr fftftrtfliahcia . i AsldsLhris . . . .. 44.-- Van^jiht'ig, . . ,. 88.— Adminksträtfcro 44038, XltbaUtic» 4M319, ttb fi me abtti>r> K». L6SV4 ' Nr. ISS rener Wien, Freitag» den 8. August ISIS Hrüer PeSmmtrrL yvriT* fü* das^ ,,, Mo«at»ch . NkevtelfShrrs. ..'/SS.- -1»U»fShria...^SO— YrrnftShris . SS.— ' pskrsV-rvkass<rr-Ko«r- Nr. laU.098 Jahrgang ■ Die MMWrLMe RegiemW i« ANggrZr. Das ZrrLrrnstsprogramm des^ ErZherzogs Josef. Budapest, 7. August. Das Angarifche TeLegraphen-KorrespoNdenz-Bureau veröffentlicht folgende Mitteilung : Erzherzog I o f e f hat mit Zustimmung der V u L a p e st e r Vertreter der Ente Kt e eine provisorische Regie rrrng mir. der Führung der Geschäfte betraut, die so lange in Amte Llerbcrr rmrd, bis der Erzherzog nach Anhörung der Landbevölkerung, der Arbeiterschaft und der B ü r g erschaft ein Ar b e r g a n g s k a b l n c 11 ernennen w r r d. Die provisorische Regierung besteht ans Fachlenten, Hochschullehrern, Militärs und der Elite der bewährten Beamten der Ministerien. Ihre erste Aufgabe ist die AnfrechterhMrnrg des inneren Friedens und der Ordnung. Der Präsident der provisorischen Regierung, Stephan Friedrich, wird sicherlich die Mittel und Wsge finden, .um, gestützt auf die gesamte Bevölkerung Angarns, das Land, das durch die jahrelangen Leiden an den Rand des Abgrundes geraten ist, vor der Anarchie zu bewahren und auf den Weg einer gesunden Entwicklung Zurückzuführerr. Die Bewohnerschaft der Hauptstadt hat die historische Wendung im Geschicke des Landes^ die Zn den besten Hoffnungen berechtigt, mit. der größten Freude begrüßt. Nach den Stürmen der Vergangenheit wirkt das Hervortreten der Person des Erzherzogs Josef beruhigend und verheißend. (Man sieht aus der Depesche, daß das Ungarische Telegraphen-Korrespoudenz-Bmecnr bereits dem Erzherzog Josef untersteht.) < - ' ' V ■ hwiikuwwi iwmwwm.i-i’» ja— ' Hoover Iler, hie KphleKVerssrgMg EurLMS. ^Zessimrstische USußerrrrrgerr. -Säint-Germain, 7. August.-",.Match" veröffesttticht!>L? Memorandum, das HoovÄv- :b<uu Obersten Wirt-, schaftsrat tu bezug auf die Ko h le n frage überreicht hat. Das Memorandum ist yehr pessimistisch ge-, h altzXlpund'iührtccks, daß MchMchangAelftLuMe^ rechnupgen m den enröMschri^UMrErnit^AuMahmtz"'' Kußlands und des Balkans im.Jahre 1919 etwa' 443 ' Millionten Tonnen, gegen 686: Millionen / Tonn-en. im Jahre 1913 gefördert werdeOdürften. Amerika sei bei weitem nicht imstand^, pisses Defizit zu decken, ab gese he n d a v o n, d a ß d ie Bes ch a ffung des Schiffsraumes ein Ding der Unmöglich ke^t.w ctr-c; .Die Kohlensrage verdränge nunmehr alle anderen.Fragen imö man müsse, den BergwerkDbesitzern und den Bergarbeitern, ftar^nlachen, daß das Schicksal der europäischen Zivilisation jetzt in dem-, selben oder in noch höherein Maße.von ihnen abhängt, wie es^im nächsten Jahm in^den Händen der LebensmiLtelproduzenten ruhen lvird. Die' Produktion könne und müsse erhöht werden. Hvover schlägt vor, in Europa eine Kontrolle für die Köylenpooduktion und Verteilung der Kohlen zu dem Zweck' zu schaffen, um d^ie Produktion anzuvegen und die Verteilung so zu.. ' Mitzln,. daß-Dienste,, auf denen das w.ir^ ' schäftlichtz >Mrb 1rgeführt tverden können. . - . In einem Interview mit einen: Mitarbeiter des „Matin" fügte H o o ve r hinzu, daß man den Arbeitern und Grubenbesitzern gar nicht eindringlich, genug sagen könne, wie groß ihre Verantwortung sei. Niemand verlange, daß die, Aröefter, etwas leisten sollen, was über ihre Kräfte geht. Der. Achtstundentag sei das richtige, denn niemand könne mehr als achtz Stunden wirtlich n:it aller . Kraft arbeiten. Diese acht Stunden aber müssen ausgenützt werden. Das Interview schließt mit den Sätzen: Arbeiter Europas, strengt euch an. Ihr habt die Welt schon einknat gerettet, rettet sie nunmehr zum zweiten Mal. . ' ■ Hie. Enteule gegen Rumänien. Der WaMustiMaM Von 'dem Obersten Mat nicht Lmerkarmt. .Paris,?. Augüst. (Korr.°Bur.)„New 2)ork tzrraltz" und „Ehieagv Trrbune^ melden, daß der neue Waffenstillstand v o m O b e r st e n R a t nicht anerkannt wird und daß die Budapests? rumänischen.Behörden knapp vor Ablauf des Ultimatums eine Depesche dör Pariser Konferenz erhielten, worin sie aufgefprdert werden, solange keine weiteren.Verfügungen zu treffe«, bis eine Verständigung zwischen der rumänischen Regierung und der Pariser Konferenz eingetreten sein wird. „New Pork Herald" schreibt, daß der rumänische Delegierte bei den gestrigen Beratungen des Obersten Rates nicht anwesend war und die Botschaft au die rumänische Regierung ohne wertere Bemerkungen Zur Beförderrmg übernahm. Man sei in amerikanischen Kreisen /der Ansicht, daß Rumänien sich durch fein Vorgehen in direktem Widerspruch zur Friedenskonferenz gefetzt habe. Man fürchtet, daß die Note, die gestern abging, nicht genügen wird, um die Rumänen uwzustimmen, hofft aber, daß die Mission der Generale ihren WiTsn durchsetzen wird. Das Blatt erfährt, daß dfe Rumänen davon verständigt werden sollen, daß sie, falls sie in ihrer Haltung beharren, auf Kerne weitere fi n an z i e L L e u n d ökonomische Hilfe der Alliierten rechnen können. ' *. Ein KoWektiVschML gegM RreMKNie«.. Berlin, 7. August. Der „Abend" meldet aus Wern. Aus Paris wird berichtet: Der. Hberpe Rat hat sich dem Standpunkt des die rr konischen Vertreters Po l k Grtzeschloffen und gleichfalls^ die Ei g sn m ä ch ti g k eiL Rum ä nie n s mißb i l l i g t. Die Besetzung der ungarischen Hauptstadt durch rmnänifche Gruppen und die Aufstellung der W a f f e n st i l l st a n d ö b e ding « n g e n ohne vorherige Uiihlungna5)me mit der Friedenskonferenz wurde als ein e Ei g eum ä ch tL g keit Ru m Lniens b et rach t e t, die der Oberste Rat nicht dulden kann. Falls dis in Bukarest erteilte Warnung ergebnislos bleibest sollte, ist ein Ko llektivschritt der alliierten G roß m a ch t e gep l ä nt/durch den -Rumänien., gezwungen werden soll, in der uuaarischen Fraae der Entscheidung der Kriedeuskonferem Zn untsrrVerfen. Won Beln Knn Zn GrZherzog 'Aofes. , 9 f— W r'e n, 8. August. - . Die Ereignisse, die seit den Tagen des großen Zufaulmenbruches der. Mittelmächte einander - ablöseu» sind von einer solchen Wucht und VeränMrlichkeit. . daß man darüber das Staunen längst verlernt hat. Trotzdem bedeuten die Geschehnisse in Ungarn, die sich in einem Zeitraum von wenigen Stunden zusammenballen, für jedermann em starkes Stück. Die Aäteregierung Bela Kuns ist zusammengebrochen, er selbst und seine Komplicen sind mit Siebenmeilenstiefeln vor dem Chaos geflüchtet, das sie zu verschlingeu drohte. und aus ihren Fersen ist eine nach unblutigen Lorbeeren und reicher Beute gierende rumänische Armee in Budapest eingezogen. Die Rumänen hatten sich rasch in Ungarns Hauptstadt etabliert und äußerten mit nicht mißzuverstehender Deutlichkeit ihre Absicht, unbekümmert um ihre Zugehörigkeit zur Entente den, Kriegszustand mit Ungarn auf eigene Faust zu beenden und diesem einen Waffenstillstand in Form eines Ultimatums aufzunötigen, der selbst die überaus drückenden Bedingungen der ursprünglichen, von: seinerzeitigen Ententevertreter . Vir der ungarischen Regierung vorgelegten Waffenstillstandsformel weit im Schatten - gelassen hätte. Die Entente hat sich im letzten Augenblick besonnen; sie hat erkannt, daß es. nicht opportun' wäre, den raubgierigen Rumänen freie, Hand zu lasten und die, Entsendung einer aus vier Generalen bestehenden Mission beschlossen, welche den Auftrag hatte, in Ungarn Ordnung zu machen. Bis zu diesem Llugenblick vermag man die Er- - eignisse klar zu überblicken. Von nun an aber beginnen sich die Dinge zu .verwirren und in später Nacht. ist ein plötzlicher Umsturz erfolgt, als dessen - Frücht' man den^habsbmgischen Erzherzog Josef als obersten Gewalthaber in Ungarn sieht. In der Proklamgüon,, welche Erzherzog Josef an das ungarische Volk' erlassen hat, ist 'der Feldmarschalltitel nicht < weggeblieben, er hat als Regent von det obersten Gewalt des Landes Besitz ergriffen und 'eine provisorische Regierung eingesetzt. 'Es besteht kein Zweifel, daß die Einführung dieser' neuen Ordnung der Dinge im Einvernehmen mit der Ententekonmnssion erfolgt ist. Welche Absichten der Erzherzog hegen mag, der im * bisherigen Verlauf der Ereignisse eine ungewöhnliche Anpassungsfähigkeit an die gerade^ gegebenen Verhältnisse bewiesen hat, bleibt vorläufig dunkel, und es ist nicht abzusehen, ob der Mann, der der-ungarischen Republik seinerzeit die Treue gelobt hat, König oder Präsideut zu werden beabsichtigt, oder ob er sich gar als Platzhalter für Karl von Habsburg fühlt. Ob der plötzliche Umschwung, beziehungsweise dessen Bestätigung durch die Budavester Bevollmächtigten der Entente das Ergebnis einer momentanen Situation darstellt, oder ob er von langer Hand vorbereitet ist, läßt sich im Augenblick nicht feststellen. Die ungarische Volksrepublik stand von allem ' Anfang an auf schwachen Beinen, und das Wort von der „Republik, ohne Republikaner" mag nirgends so gelten, wie gerade in Üngam. Die verwerfliche Gewaltwirtschaft'Bela Kuns und der „Volksbeauftragten" ohne Auftraggeber hat in Ungarn, wo die Politik immer ein schmutziges Handwerk gewesen ist, wo das Gefühl für wahre demokratische Freibett kaum vorhanden ist, und ein mit mittelalterlichen Vorstellungen gespeister nationaler Chauvinismus das Bürgertum und die oberen Klaffen völlig beherrscht, die schwachen Sympathien für die republikanische Staatssorm sicherlich völlig .schwinden gemacht.. Der Verdacht, den man seit langem hegte, daß die gegenrevolutionären gräflichen Schmarotzer am ungarische!: Volkskörper, die sich in Szegedin zu einer sogenannten Regierung zusammengetan hatten, deren hauptsächliche Stützen die Scharen von plötzlich stellenlos gewordenen ungarischen Osfizierek bildeten, den Umsturz in dieser Form von langer Hand vorbereitet haben, wird - nunniehr zur Gewißheit. Und auch an ihren: Einvernehmen mit den Rumänen wird nicht mehr gezweifeltwerden dürfen, trotzdem deren Waffenstillstandsforderungen nicht' gerade nach dem Geschmack , der Herren, gewesen sein, mochten. "Die Entscheidung über Ungarns zukünftige Staatssorm liegt nunmehr in den Händen der Entente. Das-sozialistische Ministerium Peidl, das in den Stunden seiner ihm unter der rumänischen'Knute be- / schiedenen Existenz ein kümmerliches Schattendaseü: