Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 187 (27.7.1919)
- Date
- 1919-07-27
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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t WkM. Gonnkäcj' Wiener Morgsttzetturrg vr /rrrtat u tt. 27. JuN ISIS Nr. t S7 eicfit fKit.* Dieser Brief Betrifft das Angebot der englischen Re» Vierung — es folgt die 1Tßanbatvafiobic und sie wird vom Autor pcuccfit und ergreifend wehcrflthlfitt bis zu teuer letzten, h istorischen Kampfsitzung im Avril 1904, die eine B-.uristmnng -i-ik den „Remsagern" bringt, nach welcher aber unmittelbar der Kampf mit Bern Tode beguml. Ohm falsche Sentit,irntalitat wird von Herzls letzt-«;. Tagen und Stunden erzählt. W-ederhvlt batte der Autor au fübeien Stellen auf das Herzleiden hingewiesen. das stch durch übermenschliche Anstrengungen verschlimmert Mid schleßlich den Helden niederstreckt. Ilm so' inniger und rüinender wirkt d"r Schluß und bei , der schlichten Crlnidermig der Letzten Edlacher Stunden wird es manchem Leser ui den Augen tauen. ' ' Mit Nachdruck fei betont, daß da- Buck f-u einseit'grr, süßlicher Paneghriku? ist. So ist betsvielsrveite d.'ntt:ch zum Ausdruck gebracht, daß Herzl, als er Nationaljnd? urnvtK, „ruiiächst nicht einmal dir nationalen Instinkte erkannte", und die große Unvorsichtigkeit, die Her?,l beging, als er am 3. Oktober 1898 tu einem Londoner Massenmeeting dir Verwirklichung senter Blanc für nabe bevorstehend erklärte, wird nicht «richwiegen. , > Ein großes Stück mühsamer, ehrlicher Arbeit steckt in diesem kleinen Werke und sie kommt dem Leser de, der fesselnden Lektüre nicht znm Bewußtsein. Friedmanns „Leben Tlreodor Herzls" ist ein Buch, würdig des HeldenlebmS, das es beschreibt. _; O. A. Dr. Vmrl Roth: „Die politische Entwichlimg in Kongretzpolen während der deutschen Okkupation." Verlag F. Kochler, Leipzig. Zu-n Nukerschied von »den meisten seit 1914 erschienenen deutschen Büchern über Polen zeichnet sich dieses durch einen weitgehenden Mangel an Tendenz und Schönfärberei aus; eS befleißigt sich' einer objektiven, wenn auch, wie nicht anders zu erwarten, dadurch recht scharfen Kritik an der dun den Deutschen Polen gegenüber befolgten Politik. In großen Umrissen und dennoch ohne irgendwelche' wesentliche Einzelheiten zu übergehen, wird hier eine geschichtliche Darstellung im besten SinnL geliefert. Der jüdischen Frage wurde ein ausführliches Sonderkapitel gewidmet, als dessen Verfasser Wilhelm Stein zeichnet urtö welches gleichfalls eine langerwünscht« objektive Zusammenfassung dieses unübersichtlichen Fragenkomplexes, eine informierende Beschreibung' der nationalistischen Entwicklung während deS Krieges und eine Einführung in die jüdische Parteigruppierung enthält. — Beide Verfasser gehörten mehr als drei Jahre der Presse^ abteilung der deutschen OkkupationZbehörden mt; wenn es ihnen gelungen wäre, ihre Ansichten zu einem früheren Zeitpunkt zur. Geltung zu bringen, wäre den Deutschen wie den Juden manches Unheil erspart geblieben. Dr. Julian Hirsch: „Die Genesis des Ruhmes". Verlag I. A. Barth, Leipzig. - Dieses Buch bedeutet einen wesentlichen Fortschritt auf dem Gebiete der kritischen Geschichtserkenntnis. Dr. .Hirsch geht, in Anlehnung an ein Nietzsche entlehntes Motto, davon aus, daß die geschichtliche Wirkung einer Persönlichkeit ungleich' weniger auf deren eigentliches Wesen als vielmehr darauf zurückzuführen ist, wie die „Imagination" der Masse, die Phantasie des Volkes auf sie reagiert. Damit tritt also' eine Reihe ganz zufälliger, nicht mehr vom Einzelnen abhängiger Faktoren an die entscheidensten Stellen der Weltgeschichte. Zwar wird der Wert der ursächkich wirkenden Persönlichkeit nicht bestritten; aber so wie es für das von einer Lawine verschüttete Dorf völlig ohne Einfluß ist, ob der Stein, der ins Rollen kam, so ooer so beschaffen, ob er Nein oder groß war, so ist auch bei all dry Persönlichkeiten, die sich uns „gvoß" aus der Eefchichtsübertteferung hervorheben, ihr eigentliches Wesen als winziger Kern in einer Lawine von zufälligem Geröll verborgen, dessen Analyse für die Geschichtserkenntnis fast schon dar wichtigere Problem barstellt. Der Aufgabe solcher Analyse hat sich Dr. Hirsch mit streng sachlicher, rein wissenschaftlicher Gewissenhaftigkeit unterzogen utrd da er, was bei der deutschen Geschichts- und Sozialphilosophie ohnedies nur selten genug zu finden ist, die Ergebnisse der rvnrantischen Skeptiker, vor allem Gabriel Tardes und Gustave le Bons, fmchkbar mitverwertete, nimmt sein Werk einen besonderen Platz in dev geschichtsphilosophischen Literatur ein. M. Eine antideutsche Ramfay-Stiftung. In Paris ist ein Komitee gegründet worden, das über ein Kapital von einer Millton Franks verfügt und das die Absicht verfolgt, unter dem Namen Ramfay-Stlftung zehn Stipendten für französische Studenten der Chemie zu schaffen. Die Rarnsay-Süftung soll die srarizösssch-erralii'che Freundschaft festigen, indem sie dm Stipendiaten zur Pflicht macht, an englischen Hochschulen oder lechntfchen Schulen zu studieren: dadurch gedenkt man gleichzeitigzrt verhindern, das; die Studmtm deutsche Universitäten besuchen. Dm Vorsitz der Stiftung hat der Prinz von Wales übernommen. , Romain Roland, der sich kürzlich zur Beerdigung seiner Mutter in eine kleine französische Stadt begebm hatte, ist dor interniert worden. Seine Briefe unterliegen strengster Zensur. * „DaS Herz des Feindes." Unter dem Titel „Herz deS Feindes" ist in Paris eine Sammlung von deutfchm Gedichten aus der Kriegszeit in französischer Uwersetznng erschienen. Die vertretmen Schriftsteller sind unter ander« Ehrenstein, Hasenclever, Rubinet und Zweig. Zeitschriftenschau. „Der neue Orient", Berlin W 50. Nummer 5/6. Die reichhaltige Dopvelnummer mtihält unter anderem einen bemerkenswertm Aussatz von Adolf Koch: Der Aufbau des jüdischen Palästina. — »DaSliteir a r i s ch e Echo", Egon Fleischet L Co.. Berlin, Nummer 20, Enthält unter anderem einen Aussatz von Albert Ludwig über Otto Soyka. —. „DasneueEurop a". Schweizer Druck- und Verlagshaus, Zürich (Herausgeber Dr. Paul Cohn). Doppelnummer 5/6 enthätt unter anderem: Dr. Otto Köster: „Die Schuldfrage"; Emil Ludwig: „Erinnerungen an Ernst Körber." > Büchereirrlanf. Norbert Einstein: »Der Erfolg", Rütten & Loening, Frankfurt a. M. — Viktor Schiff: »Stimmen aus dem Grabe", Reden Jean I a u r ö s', Paul Singer, Berlin. — Franz Mehring: „Karl Marx", Leipziger Buchdruckerei A.-G.. Leipzig. — S. Friedländer: -»Schöpferische Indifferenz", Georg Müller, München. — Nob. Michel: „Der heilige Candidus", S. Fisch«, Berlin. — Mich. Mvbrus: „Vom gewifsmlosm Tod", Gotth. Rödel Co., Dresden. — P a r v u S„Der Staat, die fÄn'dustrie und der Sozialismus", Verlag für -ozialwifsenschaft, Berlin. — Dr. R. v. E r d d e r g : „Die olkshochschrck", En giert & Schlaffer, Frankfurt a. M. — . O. Weber: „Vor und nach der Revolution", Gebrüder Mveckel,Leipzig. — St. PrzybySzewSkr: „DerSchrei", Müller, München. — Boris S f a w i n k o w r ,Ar:S deü Minnerungm eines Terroristen", Musariou-Verlag, München, ftfflei S ch n mp et er: „gar Sozwlo-ie der Jmpvna- «*,.$ 8t,c: .2«» WettichVimrnrrr „Qrrpr drrrch Wien". Heute um 5 Tlfjr nachmittags gelangt das schon mehrmals angeküudigtc Wettschwimmen ..Quer durch Wien" zur Austrag'.mg. D-ese Veraustalrung, d-r wohl der größte propagandistische Wert inucwohnt, wurde zun: letzteumale im Juli 1911 durch geführt; damals wohnte ihr schätzungsweise eine Viertclmillion Menschen bei. Dieses Schwimmen stellt nicht nur an die Ausdauer der Teilnehmer, sondern auch an die Abhärtung große Anforderungen. Die Wasiertemperatur im Douankanal ist stets eine.relativ sehr niedrige, um so mehr jetzt, wo in den letzten Tagen sehr nnbeständiges, kühles Wetter geherrscht hat. Es ist daher höchstens mit einer Temperatur von 12 Grad zu rechnen, was in Anbetracht dessen, daß stch die Schwimmer zirka Dreiviertelstunden im Wasser aufhalten müssen, sehrwenig ist. Die Renuleiwng hat selbstverständlich für die Sicherheit der Teilnehmer gesorgt, die von Booten begleitet werde.!. . Die Teilnehmerzahl ist eine erfreulich große, obgleich nicht alle 131 Genannten starten dlirfen, teilweise deshalb, weil ste stch iinm- PriisnngSschwimmcn nicht gemeldet, teilweise, west sie es nicht bestanden haben. Jnsgesantt sind noch 100 Gemeldete — 34 Damen und 66 Herren — teilnahmsberechtigt. Erfreulicherweise sind darunter mehrere Mitglieder des Sportklubs Hakoah, die in der letzten Zeit im Kuchclauer Strandbade eifrig trainiert haben. Die Hakoahner und Hakoahnerinnen haben folgende Kappennummern: Frl. Olga U (tmonK (17), Frl. Hilda U l t nt a n n (87), Frl. Martha Sobotka (28), Frl. Selma Much (29); Eugen T e i ch-- n e r (9), Oskar U l l m a n n (10), Äiichard S ch o ß b e r« g t x (11), Rudolf Spitzer (76), Erich Spitzer (90), Siegmmd Deutsch (91). Der Start erfolgt um 5 Uhr nachmittags bei der N u Hdorfer Schleuß«. Zuerst werden die Damen abgelassen, 5 Minuten später die Herreu. Das Ziel brsirtdet sich beim städtischen Strombad oberhalb der S o s i e n b r ü ck e. Es ist anzunehmen, daß die ersten Konkurrenten vor */* 6 Uhr beim Ziele emtreffen werden. Die Strecke ist 7'5 Kilometer lang. Die heutigen F^nßbatlwettspirlr. Die Schauplätze der Ereignisse befinden sich wieder in der Umgebung Wiens. In Wien selbst sinden nur die Entscheidungsspiele der Bolkswebr statt. Die Einteilung ist folgende: F. A. C.- Platz: Baon. XXI- Geb.-Art.-Abt.; W. A. F.-P l a tz : Baon. XUl—Baou. V.; Sportklubplatz: Baon. XVII— Baon. Vl. In S ch w e ch a t findet, ein große? Sportfest statt. Veranlassung dazu bietet das 20jährige Inbiläum des Spielers Engelbert König, der einst zu den besten Fußballern Wiens zählte. In den letzten Jahren machte er allerdings mehr durch seine häufigen Disqualifikationen von sich reden. Die Germania hat zu dwser Feier den Grazer Athletikklub eingeladm, der mittelmäßige Wiener zweite Klaffe repräsentieren dürfte. Der Sieg der Schwechat« steht daher außer Frage. In L i e s i n g tragen ,,D' s ch w a r'n Elf" ein Wettspiel gegen da? V olkswehr-Baon. XM. aus. Ursprünglich sollte dieses Treffen in Wien stattfinden, da es aber wegen der Sommerpause vom Fußballverbande verboten wurde, mußte es in die Provinz' verlegt werden. Da in beiden Mannschaften «Massige Spieler Mg find, wird es einen spannenden Kampf geben. ■ Leichtathletische Wettbewerbe in Schwechat. In Schwechat finden im Rahmen des Sportfestes auch leichtathletische Wettbewerbe statt, M welchen zahlreiche Nennungen eingelaufen sind. Auf dem Programme stehen: 100 m - Lauf. Diskuswerfen, Hochsprung, Weittprung, 1000 m-Lauf, 400m-Lauf, «nal 160 m-Stafctie und Stabhochsprung. Es sind fast durchwegs int«effante Kämpfe zu erwarten. Beginn 2 Uhr nachmittags. _ Wettschwimmen „Quer durch Paris". Dor kurzem fand dies« populäre Wettbewerb in der französischen Hauptstadt statt, Sieger wurde d« Amerikaner Normann Roß, der die Strecke in genau 1'/, Standen durchschwamm. HLhenrekord für Weibliche Flieger. Die Baronin Delarochehat durch einen Flug m 4800 Met« Höhe einer Meldung au- Paris zufolge einen neum Höhenrekord für weibliche Flieger aufgestellt. Den früheren Rekord von 4240 Meter hatte dir amerikanische Fliegerin Ruth inne. Da» internationale Meeting des W, A. F. wurde vom 3. August auf einen Septembertermin verschoben. Spielerverstcherung. Der Fußballverband, hat die Vereine d« ersten und zweiten Klaffe bemüßigt, ihre Spieler gegen Unfall versichern zu lasten. Die Versicherung ist d«art abzuschließen, daß der Spieler im Falle d« bauernden Invalidität X 20.000.— und für den Fall eines Unfalles X 10.— Taggeld «hält. ' Sportplatzba« in Deutschland. Unter den Notstandsarbbeiten m Hamburg besindet sich auch der Bau eines Stadions, skr das 224.000 Mark bewilligt worden sind. Ind. Sp.-V. Hechawer. Morgen Montag vormittags, Mittwoch nachmittags von 2 bis 4 Uhr und Donnerstag vormittags Training der Fußballer auf dem Hakoahplatz in Floridsdorf. _ Gerichtssaal. Die Hylleschmrer Pogrome. (Bericht der „Wiener Morgenzeitung.") Olmtttz, 25. Juli. (Verspätet eingetroffeu.) DaS Zeugenverhör drehte sich hepte hauptsächlich um die Vorgänge. bei den Plünderungen selbst. Der Tuchhändler Wilhelm Berg wurde von seinen Angestellten rechtzettig aufmerksam gemacht, daß stch die Barrde dem Geschäfte nähere, und RmU seiner Familie, indem er den Laden der Obhut ckäuferin überließ. Gegen 3 Uhr nachmittags drang ein Trupp von Plünderern ins Geschäft. Die Verkäuferin forderte die Leute auf, sich so viel zu nehmen, als sie nur brauchten. Es seien dvkizehA MLuner -Wwehess, ft«* Um »alb kyW Der tfcm Pack M WK forttrirg. Der Anführer dieser Leute stellte sich als Franz H r a b i l vor und gab der Angestellten das Ehrenwort, daß aus dem Geschäfte des Berg nichts mehr geraubt werden würde. Hradil bestreitet, sich aktiv an den Plünderungen beteiligt zu haben. Der nächste, Zmge ist der 8 0jährige Br a n n ntzw e i it f dj e «f e r M vritz G r ü n. Man brach in seine Wohnung ein. Ungefähr 300 Leute plünderte» alles anS, auch sein Branntwein läge r. Grün wurde gezwungen, die Fässer selbst zu öffnen. Eine Stunde später kam der Angeklagte Älois Senkirik mit einem Soldaten, ' . setzte dem Grün dnS Gewehr m die Brust ’? und Verlangte in drohendein Tone Brmmtewrin. Frau Grün suchte in au beschwichtigen, ging in das Nebenzimmer, von wo sie eine halbe Literflasche Slibowitz mitbrachte. Senkirik ließ sich ein Gläschen holen, zwang aber den Greis, vorher ans der Flasche zu trinken, damit er sehe, M der Branntwein nicht vergiftet sei. Der Schaden Grüns beträgt K. '48.000. Sodann wird der Holzhändler Adolf Basch.einvernommen. 'Als dis Plünderer in seine Wohnung eindrangen, flüchtete er mit seinem Söhnchen auf den DachbodeN und sah von dort dem Treiben der Leute zu: Seine Wohnung ist vollständig ausgeraubt wowen. Der Schaden beträgt K. 170.000. Don den Plünderern habe er niemartden erkannt. Die rrächste Zeugin ist Frau Rosalia G r ä tz e r. Sie gibt an: Bevor' die Leute eindrangen, sei durch die eingeschlagenen Fenster ' , * ein Schutz i» das Zimmer abgefeüert worden. Die Familie Grützer stand zwischen Tür' und Angel. Das Projektil drang in den in der Näüe der Wand stehenden Kasten ein uttd durchbohrte die Wmw.ri Unter den Leuten, die zuerst hereinstürzteir, befand sich e i n Zugsführer, welcher dem Friedrich Grätzer däS-l Bajonett an die, Brust setzte und von ihm Geld^ verlangte.. Unter Tvdesdrohungen wurde Grätzer gezwungen, . die Kasten selbst zu öffnen, aus denen außer einer größereir Geldsumme auch Silberzeug, Kleider und Wäsche entnommen wurden. Der Schaden. beträgt K. 69.000. Der Portier des Grätzer, Robert Hör sak, war schon einige Stunden früher verständigt worden, daß Judenpogrome vorbereitet i werben, und war zunr Schutze der Familie Grätzer herbeigeeilt. Als die Plünderer eindrangen, ging sofort ein Zugsführer aus Horsar zu und herrschte ihn an: „Daß du dich nicht rührst, sonst wirst du erschossen!" Unter den Eingedrungenen, befand sich Franz Bakala, welcher sich rreben Horsak stellte uno ihm zuraunte: „Mhr dich nicht, der Zugsführerist ein gefährlicher Mensch!" Frau Rosalia Grätzer bestätigte diese 'Angaben und, sagte aus, daß der Zugsführer ihr erklärt hätte, er sei aus der Bolschewikenschule gekommen. Die Juden seien an dem Kriege schuld und müßten vernichtet werden. Ein ZwÄuzigjZhriger ermordet einen Vierzehnjährigen. - Zu fünfzehn Jahre« schweren Kerkers verurteilt. \ Der 20jährige Handlungsgehilfe Friedrich B i e h a w k a siand gestern vor den Geschwornen (Vorsitzender Hofral Dr. Alimann) tmter der Anklage des Meuchelmordes. Die Anklage,vertreten durch Staatsanwalt Dr. Herrdegen, schildert den Angeklagten als letchtfinnigerl Tmnchtgut, der schon seit frühester Jugend d« schiefen Bahn deS BerbrechenS zumtgte. Um seinen verschwenderischen Lebmswandel fortführen zu können, bestahl er semen Lehrherm um X 2000. seine Brüder um K 8000.. Als auch dieses Geld nach kurzer^ Zeit verbraucht war, yiendete sich B i e h a w k a dem Schleichhandel zu. Am 17. Jänner d. I. lanerte « auf der Straße zwischen Hetzendorf und Trautmannsdprf dem 14jähngen Wrrtssohn Franz T n r e k, der auf einem Fuhrwerk Getreide zum Ausschroten in die Mühle führte, auf. Der ahnungslose Bursche lud ihn zu sich auf den Bock ein. Biehawka.nabm seinen Sitz hint« dem traben ein und in einem nnbewachten Moment schoß er ihn hinterrücks nieder. Den Leichnam steckte « mit dem Kopf nach unten in eine Mulde. Dann fuhr der Mörder mit dem Gespann in ein nahes Wirtshaus, wo er es vergeblich zu verkaufen versuchte. Am Abend desselben Tages wurde er verhaftet. Der Angeklagte, verteidigt von Dr. F i s ch m a n n, Be* kennt stch auf Befragen des Vorsitzenden schuldig, fügt aber, hinzu: Aber ich hatte nicht die Absicht^ den Buben umzubringen! Dann schildert der Angeklagte sein ziemlich bewegtes Borleden. Der Vorsitzende hält oem Angeklagten nun seine Angaben bei der Polizei und im Landesgerichte vor und konstatiert, daß Biehawka wiederholt gesagt lwvr, er wollte den jungen Burschen ermorden, um sich des Wagnis und der Pferde zu bemächtigen. Der Angeklagte erzählte dem Untersuchungsrichter auch, er sei durch den Bericht über eine ganz gleiche Tat angeregt morden, den Jungen zu «schießen. Die Zeugen bestätigen vollinhaltlich den Tatbe-»and der Anklage. Primarius Dr. Gchnopfhaaen sagt in seinem Gutachten über den Geisteszustand des Angeklagten, « habe die Tat planmäßig vor^ bereitet und ausgeführt. Ja, er war noch so vorsichtig, auf der Straße nach Blntspnren Kt forschen, die ihn verraten könuten. Obzwar, die DsPoralisatton der Zeit einen wesentlichen Einstich auf ihn genommen habe, war der Angeklagte zur Zeck der Tat vollständtggeistesgesnnd. Me; Geschwvrnm bejahten mit 12 Stimmen d e Schuldfratze auf meuchlerischen Raubmord, worauf der Gerichtshof den Angellagten Friedrich Biehawka zu 15 Jahren chweren Kerkers, verschärft mit einem Fasttage und ernem harten ^Lager vierteljährlich, sowie zu Dmckclhaft an jedem Jahrestage der Tat vennteilte. z Der Angeklagte nahm daS Urteil mit vollständiger. Glerck" miUißfcit anf. Ein verLrartenswüMger Laufbursche. Das Urteil. Die Berhandlimg gegen den Laufburschen der Depositenbank Rudolf Havel wegen Beruntrenmig von kt 140.000, welche Summe dann von den 'Mitgliedcni der Familie Ohlenschläger verhehlt wurde, woröl'er wir berichteten, endete in später Rächtstimde. Der Gerichtshof verurteilte anf Grund des Wahrwruches der Geschworncu Rudolf H a v e l zn z w e i I a h r e n. Franz sO h l e n s ch l ä g, r r ssn. und feimn Brud« Alois O y l euch l 8 g e r z u je zweieinhalb Jahren, Franz Ohlenschläger jrm. und Karoltne Ohlenschläger zujedreiMonaten urtd Agnes O h l e« f ch l ä g t r zu vier Monaten einfache» Knk«S.