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Wiener Morgenzeitung · 1919-07-27 · Heft 187 (27.7.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 187 (27.7.1919)
Date
1919-07-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Die Frage, wer unmittelbar den Krieg herbeigeführt hat und ob er Überhaupt von Personen herbeigeführt oder verhindert hätte werden können, läßt sich heute nicht beantworten. Wir haben leider noch zu wenig Distanz zu den Ereignissen des Hochsommers 1914, wir kennen nicht die Akten in den Geheimaixhioen der unterschiedlichen Mußenministerien und wir wissen nur, daß der Weltkrieg seit dem Jahre 1908 eine ständige Gefahr war. Gewiß liegen die Keime zum Krieg in der Eroberung des Elsaß dmch Deutschland, in der ganzen auf einen bewaffneten Konflikt eingestellten Politik Deutschlands, die dann eine Gegenaktion des sich bedroht fühlenden übrigen Europa unter Führung Englands zur Folge hatte. Den Anstoß zum Krieg gab aber sicherlich die offizielle Wiener Politik, die im Jahre 1908 ihre Faust auf die junge Türkei legte und durch den rein aufs Dynastische und Dekorative hinauslaufenden Akt der Annexion Bosniens Feuer. an die Lunte legte. Der Bälkankrieg, in welchem Serben, Vulgaren und Griechen gemeinsam die .faul gewordene türkische Herrschaft auf dem Balkan Zertrümmerten, wurde von hm GrrHmächten in schwerer Arbeit lokalisiert. Oesterreich-Ungarn und Deutschland stellten durch ihr Eingreifen in dem zwischen den Balkansiegem entstandenen Streit um die Beute die ganze Friedensarbeit wieder in Frage und es gab dann im Wechsel der Jahre bald eine serbische, halb eine bulgarisch-rumämsche, halb eine albanische Krise, in deren Verlauf die zwei Großstaaten des Dreibundes immer wieder an den Säbel schlugen. Rußland, das wegen seines im Jahre 190.8 als Beschützer Serbiens erlittenen diplomatischen Cchees grollte, verstärkte unter dem Vorwand von Probemobilisierungen seine Truppen an der galizischen Grenze. Deutschland rüstete fieberhaft, Frankreich folgte ihm. Das Gewittergewölk zog sich immer finsterer über Europa zusammen, bis die Ermordung Franz Ferdinands in Sarajevo, die, wie sich das offiziöse Papierdeutsch damals ausdrückte, »unerträglich gewordene Spannung" löste. Der Verlauf des Krieges, der in seiner ersten Mt den glänzenden militärischen Aufstieg Deutschlands der staunenden Welt zeigte und schließlich mit dem Zusammenbruch der Msttelstaaten endete, ist uns allen rwch viel zu frisch ün Gedächtnis, als daß es uns möglich wäre, auch hier die Schuldfrage zu beantworten und festzustellen, ob das Debacle des deutschen MWansmus und seines österreichischen Nachläufers dmch die Unterlassungssünden der deutschen Generäle, durch die grandiose Dummheit der Dchlomaüe der Wütelstaaten oder durch die technische Ueberlegenheit Amerikas entschieden wurde. Das Leid, das die ganze Welt getroffen hat, verhindert ein Klares Ürkih weil es leicht zu ungerechten Schlüssen verleitet. Aber mit vollster Deutlichkeit treten heute schon die Elemente in das Gesichtsfeld, die den Krieg verlängert haben, die aus sicherem Port immer neue Lieder aus die Schönheit des Schlachtfeldes, auf das Stahlbad des Krieges. anstimmten, denen niemals genug Blut floß, wenn es nur nicht das ihre war, und denen das große, fleißige und im Grunde seines Herzens brave deutsche Volk nichts anderes war als ein Reservoir, aus dem streberhafte Generale immer von neuem schöpfen konnten. Bis eben die Kraft versiegte und Hinterland und Front keine Kraftreserven mehr hatten. Die Alldeutschen find es gewesen; jene Kraftmeier und Barden, denen die Geschichte nie etwas anderes war als eine Zusammenstellung von Kriegen und Siegen; jene dem Phantom einer deutschen Westherrschaft nachjagcnden Walhallantter, denen Uniformen, Litzen, Orden und Titel das Höchste aus der Welt bedeuteten und deren vornehmstes Streben es jederzeit war, ein wild gewordenes hemmungsloses '»mmniinrrfinin Der.ettgftfdüe WergarLsiterstreLk heigelegt. . Saint-Germki«, 26. Juli. (Korr.-Bur.) Nach der „Daily Mai l" habe» die englische« Bergarb eiterführer die Vorschläge der Regierung arrgenomruö« und den Bergarbeitern empföhle«, die ArbeiL wieder arrfzu « eh me», was auch schon zum großen Teile geschehen sei. Die den Arbeitern gemährten Konzessionen bestehen darin, daß Verluste an Stücklohn, die den Arbeitern durch die Pv« ihnen durchgesstzte Verminderung der Arbeitszeit auf sieben Stunden drohten, durch Erhöhung dieses Stücklohnes wieder wettgerrmcht werden. Es wurde aber vereinbart, daß dieses NsdsrsinkomMen nnr dann gilt, wenn die Verminderung der Förderung 10 Prozent nicht übersteigt. London, 26. Juli. (Korr.-Bur.) Auf Grund der von der Negierung vorgeschlagenen Formel ist der Streik beigelegt worden. Bulgarien soll drei Milliarden . zahlen. V ers ailles, 26. Juli. (Korr.-Bur.) Nach dem „Intransigeant" werden die Alliierten von Bulgarien drei Milliarden Franks Entschädigung veyrangen. Mareel Sem bat plädiert in der „H eure" für Milde, die m^n gegenüber Bulgarien walten lassen solle und führt ans, daß es bulgarische Generale waren, die im voÄgerr Herbste französischen Generalen das Angebot der Asb ergäbe machten. Der mMuKFML GeMsaWeik. Haa g, 28. Juli./Tel. der »Wr. Morgenztg") 'Zu detU 'MAdis U. G. T. die Verschiebung des Streiks und deren Begründung mitterlt, erklärt Herv 6 in der ^Vietoire", die C. G. T. habe den Streik abbestellt, weil sie gewußt habe, daß ihreTruppe« ihr nicht ge ho r ch e n würde« und weil die amerikanischen, belgischen und englischen Arbeiter sich nicht beteiligte«. __ Englands ernste Wirtschasts- RÜMzNg der Ungarischen Roten Armee. VorrRrkerr der Tschechen gegen die neutrale Zone. j Budapest, 26. Juli. (Ung. Tel.-Korr.-Bur.) Das Armeeoberkommando meldet mm 26. Juli; Am unsere siegreich kärrrpfenden Truppen aufzuhalten, habe« die NumLue« in den Setzten Lagen aus allen Teilen Rumäniens ihre ganze Heeresmacht in dem Gebiete jenseits der Theiß zusammengezogen. Am den Zusammenstößen mit der mehrfachen AeLerwacht auszrMeiche«, habe« wir unsere Truppen hinter die TLeiß zurückaezogen. Wir halten den Sfj ol» u o ker' WÄückre n K o p f und die T h e i ß. L i n i e fest. Die-Zurückziehung der Truppe« wurde in größter Ordnung ohne Verluste a« Menschen und Material durchgesührt. Die Tschechen haben unter Verletzung des WaffeuftiLKaudsvertrageS mit kleineren Abteilungen mehrere Or t« der neutralen Zone besetzt. Amsterdam, 26. Juli. (Korr.-Bm.) In einer in Plymouth gehaltenen Rede sprach Asqujth über den Eruft der wirtschaftlichen Lage Englands. Er erinnerte daran, daß sich Englands Nationalschuld wahrend des Krieges «ngefähr verzwölffacht Habs und daß in den nächsten Jahren ÄusgLosn von etwa 800 Millionen Pf v ud Sterling bestritten werden wüßten. Tschecho-flowakischer Mo- * «istenlag. 8 Prag, 26. Juli. (Tel. der »Wiener Morgenzeitung".) Heute wurde im jüdischen Rathause der für zwei Tage anberarrMte tschecho-slowa» Kischs Zionistentag in feierlicher Weise eröffnet. Die Tagung wird sich insbesondere «ttt der Frage des N a t i o n a l f o n d s und der Ne no rg a nisi er«ng der Partei aus' Grund der geänderten StaaÄövsrhältniffe defaffe«. Seitens der deutschbohwischen Zioniste« ist eine starke Opposition zu erwarten. tnessxsmmtimxmB Gottesgnadentum lakaienhaft m bedienen und auf den Knim anzubstm. Das Geschrei der alldeutschen Presse nach dem Weltimperium, ihr chauMWcher Wahnsinn, per die Einschätzung'deutschen Wesens so hoch hinausschrcmbte, daß für eine gerechte Wüchigung anderer Völker in der Seele des deutschen Volkes schließlich kein Platz mehr war, hat mit dazu beigetragen, den Feuerring um Deutschland und seine Vervimdeten immer enger zu ziehen, bis sich die Schwaden vernichtend und etttickend über Wttelemvpa legten. In Deutschland ftwst ist eine Menge von Dächern rmd Broschüren erschienen, die sich mit dem Verlauf des Krieges und seiner politischen Geschichte bofchWgen. In der dmch die Revolutton erzwrmasusn Muße schreiben Deutschlands Feldherren und Diplomaten Hre Lebenserinnerungen nieder. And aus all dieser Literatm kristallisiert sich immer klarer die entschüche Schuld der alldeutschen sieg- und alkoholberauschten Hetzer, die die ganze weiße Menschheit zum Opfer ihrer Blutträume herabgewürdigt haben. Wer immer in Deutschland oder in Wien oder i« Sofia oder in Konftantmspel ehrlich am Frieden arbeitete, wurde von diesen Leuten verlzöhnt rmd begeifert; wer nicht einstimmen wollte in dieHaßgesmige, wen: das „Gott strafe Englandl" als eine verbrecherische Sünde am Geist der Morschheit erschien, wrude von der Entente bestochen hingestellt und feine Zumijielw^hällnijse so dinge durchschnüffett, bis sich irgendein stanzöstscher oder englischer oder -- jüdischer Punkt ergab. , Und diese ganze Schm von Schreihälsen und Eisenftessew, die me einen Schützengraben gesehen haben und dm Krieg bei irgendeinem Stab, bei einer Etappe, in einer Kanzlei oder überhaupt nur dccheim mitgemacht haben, gibt auch heute noch keine Ruhe und verpestet die Lust, in der die besten aller Völker mit Aufgebot aller ihrer Kräfte daran arbeiten, den Haß zu beseitigm und die Welt zur Ruhe zu brmgen. Die alldeutsche Prasse und die alldeutschen Politiker redm heute noch so, als wäre me etwas geschehen, als hätte Deutschland den Krieg gewonnen. Ihr Gott ist noch immer das Schwett. Gewiß haben sie auf der anderen Seite Gegenspicker gleicher Verfassrmg und Zeichen politischen Verständnisses. Aber doch nicht solcher Resonanz in dem müde gewordenen Volk. Die größte Umsicht und. die verständigste Polttik wäre heute nötig, unt Deutschland wieder Wohlwollen zu werben. Ader solange Deutschland sich nicht tatkräftig zur Dsnrokratie bekennt uw den. alldeutschen Hetzern den Boden abgnlbt, solang« haben auf der anderm Seite jene Elemente das Oberwasser, derren die mitteleuropäische Hetzpresse stets btzn wibmmeiren Vorwand liefert, mit der Angst vo, Deutschln^'-' die Welt zu schrccken -rurd hr<i Siegftiede» Ine "-.ix; \ - Vernichtung der Mi auo-

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