Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 185 (25.7.1919)
- Date
- 1919-07-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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InProsknrow sind nach den von einem Arzte angegebenen Ziffer« 3964 Ansässige und zahlreiche durchreisende Juden getötet worden. Zn FLLLschin ist die ganze jüdische Bevölkerung, mehrere Lausende, ,LLs auf 23 Familien getötet worden. Das ganze jüdische Viertel ist durch BrändSomben VLrMztst. Zn Kamjenetz Podolski (sind hundert Personen getötet worden. Verschiedene jüdische Kolonien im Gouvernement Iekaterinoslaw sind vernichtet. Die Lifte führt wehr als Ü60 Ortschaften an, wo Morde, Schändungen und Plünderungen begangen wurden. f Stahlbad und HAngerLyphus.. —7 i e r, 25. Juli. Wilsons GLeMW erschüttert. 7/ Die Opposition gegen den FrLshensVerLrag. Berlin, 24. Juli. (Korr.°Bur.) Das „Berliner LageblatL" meldet ans Gens: Das ^Bnrerm Eutzvpe Preß erfährt ans Washington: Die Opposition im arrrerikaniifche« Senat gegen die Ratifikation des Fried ensV er träges wächst zn-;s e h e n d s. Die Z ahl der Senatoren, die sich verpstichLeL habe», gegen den Friedens- «ertrag und den Völkerbnnd zu stimmen, hat sich bereits auf 43 erhöht. Da 33 Stimmen hinreichend sind, um die NaLLsikaLion. des FrredensVertrages zunichte zu machen, wird dis Stellung Wilsons äntzerft schwierig sein. Sa int -Ge m«.i n, 20. Juli. (Korr.-Bm.) „Echo de PariSA mÄldet aus Washington: Die Khefs der Spposftion l/aben eine Liste von 33 0.? «:-eii©:rcß..«.uf ^.efi,,elit,-.c i«lf H l 0 s f e « Sud,^ den -U tt a Sud ernn g en an ge b ra ch t werden, g latt ab znlehn en. Die reMblikanische Partei hat Wilson vorgeschlagen, ihm diese Liste zu AbMMLeln und ihm die Mdglichksft zu gebe«, sich die Tatsache von den betreffenden Senatoren selbst bestLMen zn 'lasset 'Die OWdsition von 35 Senstoren würde genügen, die RMstkation zu ^erhinLrr«. W i l so n s B e rf«che, sie durch mündliche, vertraulich eBesprechnnHen sÜrOen Uriedens- Vertrag zu gewinnen, scheiterten infolge der WlehNAng des bisher als Anhänger des Völkerbundes angesehenen Senators Morris, der Einladung WiEsK^ zu folgen. Der Grund der Ablehnung liegt in der Absicht Vtorris', den Präsidenten von neireM in der SchanLnng-Frage anzngveifen. Der Kampf gegen ClemeneeMr.^ / Renwahlen in Frankreich. — Wie sich Clemeneearr vertD-igt. Englische Blatter veröffentlichen einen Bericht des Internationalen Roten Kreuzes, der in knapper, gewissermaßen wissenschaftlich kühler Darstellung das ganze Elend schildert, das der Krieg über Mitteleuropa gebracht hat. In dem Bericht ist vom Kmderelend, vom Hungertyphus, von der Knochenerweichung, der Tuberkulose die Rede,' und auch die Fälle von Kannibalismus, von denen mitteldeutsche Zeitungen andeutungsweise und sehr vorsichtig berichteten, werden erwähnt. Und so wie die Generalstabsbenchte des verdammten Krieges in langsamem Anstieg so ziemlich ganz Europa, Vorderasien und Nordaftika in b|t Bereich ihrer Mitteilungen zogen, so bringt Mr Rapport des Roten Kreuzes ein Bild derselben Aktionsgebiete des Krieges, nur von einer anderen' Seite betrachtet. ..Me Kinder unter zwei Jahren sind in Petersburg tat-, sachlich tot. ES gibt Teile Rumäniens, wo überhaupt.keine Kinder unter zwölf Jahren mehr leben. In Russisch-Armenien ist die Nahrungszufichr so ungenügend, daß sich nur ein,Teil der Bevölkerung ernähren kann, und natürlich sind die Kinder die ersten Opfer. Man muß, so schwer es einem, fällt,, die Geschichten von Menschenfresserei glauben, die von. hier gemeldet werden. In Prag gibt cs weder Brot noch Milch, irpch Fett oder Reis. Die Kinder, die hier noch am Leben Md. können nach dem Bericht der Aerzte kaum, noch auf ihren . Beinen stehen und sehen mehr wie traurige Gespenster als wie menschliche Wesen ans. Im Bakkrmgrbiet kommen nach ben Mitteilungen des amerikanischen Roten KrenZeS die Flüchtlinge in Scharen zu dm Rettungsstationen, Frauen mit Ihren wttn Kindern auf dem Arm, junge Mädchen, die. vor Hunger wahn-, sinnig sind, und Kinder, die nur noch lebende Skelette darstellen. Unter der Hungersnot leiden ebenso Rumänien wie Serbien,, Montenegro wie Albanien und Bosnien'., In Ärnrenien, Syriew und im Kaukasus gibt es eine halbe Million vaterloser und hilfloser Kinder. Die Pocken wüten in Konstantinypel untere ‘ dem Nachwuchs.^ Män könnte sich und des weiteren ausMren, ihlm, daß nicht ".nur die Mganzen die Moral der ist. Man könnte Niedermetzelung Wehrlüser, im Osten, die scheußlichen auf seine Kultm so stolzen schmutzige Quelle zurück- . DersaMeS, 23. Juli. (Meldung des Wolffsch?.n BureaüS.) In ber gestrigen Kammer fitz ung wurde die JnteEellation Francois Fourniers über die allgemeine Politik im Anschluß an die Abstimmung in der Sitzung vom letzten Freitag beraten. Der neuernannte Ernährungsminister, Nvulens, erklärte, die Regierung werde bestrebt sein, große Mengen von Lebensmitteln einzüführen und anfzustapeln. Besonders streng soll auch gegen die Spekulanten und Lebens mittel falscher vorgegangen werden. Loucheur (Mnister für den wirtschaftlichen Aufbau) sagte: Man befindet sich inmitten einer Weltkrisis. Er habe Vorkehrungen getoofftn, um Frankreich möglichst viel Kvhlenlieferungen aus Amerika -U sichern. Nachdem die Abgeordneten Brun und Chaumet die Politik der Regierung bemängelt hatten, ergriff Ministerpräsident Clemen ceau das Wort zu einer scharfen Entgegnung auf den Dorwurf Chaumets, Clemenceau habe den Fehler begangen, daß er gleichzeitig Ministerpräsident und Präsident der Friedenskonferenz sein wollte, deshalb Frankreich weder nach innen noch nach außen habe vertreten können und nicht gemerkt habe, daß von Tag zu Tag alles teurer würde. Clemenceau sagte: Man befinde sich noch immer im Kriegszustand. Er habe auf der Konftrenz Frankreichs Interessen vertreten. Es sei nicht leicht, eine Macht wie Deutschland, das die Welt an vier Ecken angezündet habe, zur Unterschrift zu bringen. Bei'den Friedensbedingungen habe er immer bedenken müssen, daß Frankreich nicht allein gesiegt habe, iondem fcafe -ißr.. La t ip.§ e,n. d>ir> S.io Ler seien^ von denen jede einzelne die nationalen Interesse« habe verteidigen müssen. Wenn er einpr4ll tv^ fei, so werde Frankreich erfahren, wgs sich alfes auf der Konferenz zu getragen' hähe und Chaumei werde seine Worte bedauern. Gr wisse, daß man gesagt habe, wen» man ihn an die Spitze der Konferenz stelle, werde er sich mit der ganzen Welt verfeinden. Wäre das einmal eingetreten, so würde man gesagt haben, er sei kein Diplomat, da dies aber nicht der Fall sei, behaupte man jetzt, er habe nachgegeben und sich nicht verteidigt. Sofort nach der Ratifizierung des Vertrages würden die erforderlichen Schritte zur Neuwahl ber Kammer getan werben. Er würde dafür Sorge tragen, daß auch der Senat, die Mmizipalräte und die DepartementSräte bis zur nächsten Präsidentenwahl im Jahre 1920 erneuert würden. Sodann bemängelte Franklin Bouillon mit scharfen Worten Clem en ceaus.Politik. Er verlangte, daß die Wahlen in einem von allen Hemmungen befreiten Frankreich stattfinden sollen. Die Opposition brachte eine Tagesordnung ChaumeLS ein, die die Tagesordnung Augagneurs vom letzten Freitag bestätigen sollte. Die Priorität für diese Tagesordnung wurde mit 372 gegen 181 Stimmen verworfen und schließlich die Tagesordnung Symian Mit 283 gegen 176 Stimmen angenommen. 38 Abgeordnete, die am letzten Freitag gegen die Regierungs- Politik gestimmt hatten, stimmten gestern dafilr. Zwölf andere Abgeordnete enthielten sich der Abstimmung. Zehn Abgeordnete der Friedensvppo,ition waren abwesend.^ sundheit, sondern Welt zerstört worden fiigen, daß auch die die Judenverfolgungen Negerpogrome in dem Amerika, auf dieselbe gehen: aus die Erhebung der Mwalt zum Prinzip, aus den Sieg des Faüstrechtes über Gesetzmäßigkeit. Eine Zeit, in der der Soldat Mehr selten, konnte als der Lehrer, der Feldherr höher stand tlls der geistige Führer, konnte zu Leinen anderen Ergeh-' nisten gelangen, als sie das Rote Kreuz festhält. Ilnd der Untergang einer Wirtschaftsordnung, die sich "der Machtmittel des Staates bediente, um Menschen' in Hürden zu sperren, sie an die Maschine zu feffeln, Hre Freude an - per Arbeit in Geld und Gold um* zumiiNzen, ist.nur eine natmnotwendige Erscheinung, dieist dem Augenblick eintreten mutzte, in dem die Kriegs-», disziplin zusammenbrach und die Menschen wiedec, ' frei denken durften. Daß sie zunächst zur Rache greifen; und das, pas sie auf Befehl und als Patriotismus^ fünf Jahre lang dem Feind antmr durften und mrchtem gegen ihre bishengen Zwingherreu versuchen,' ist aus der Psychologie der Maste leicht erklärlH. - j Die Zukunft Europas ist durch diese Erscheinungen so sehr bedroht» datz allein die weiseste, gütigste-und rationellste Zusammenfastung aller schaffendenunb? bauenden Kräfte imstande wäre, der erschöpften weißen Menschheit —- nur diese hat sich im Kriege zerfleischt^ — die Ruhe zu schaffen, in der sie sich wieder saimneln und notdürftig erholen Könnte. Aber dieser Geist der Güte, der Menschlichkeit und Brüderlichkeit ist der Welt/ vollkommen abhanden gekommen, ist in irgendeinem Minentrichter vder einem Mastengrab erstickt und die Liquidation der, Kutturkatastrophe vollzieht sich in einem Sinn, alsob es sich nicht um einen Frieden, sondern nvt um einen Waffenstillstand handeln würde. Die siegenden Mächte treten oie besiegten Staaten in den Staub und ihv Imperialismus läßt sich durch die auch ihre Völker angreifeirde Verarmung in nichts beemflusten. Andererseits ist im Lager der Besiegten ein KlastenKampst entstanden, der mit den Mitteln des Krieges die in Stücke zerbrochene Wirtschaft noch in Staub und, Asche wandeln und die unter Hunger und Kriegs-, elend seufzenden Masten gewaltsam zu einer Glücksauffafftwg bekehren will, für die man vielleicht in zwei Jahrhunderten ruhiger und logischer Entwick- Umg reif sein wird. Aer gMk Krieg ist vergebens geführt^