Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 179 (18.7.1919)
- Date
- 1919-07-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Kreis »« AM« W»U«un»ratrö««pr-rstr Stntt Mit Austelluua in» Han«: VUoaatttch. . . . L V.— VHtUmHpis . . .. 2<W i-aldfLhris . . * 40.-* •omjfSljriat . .SO,— . . Mit Postvcrssndr Monatlich. . . .L 7L0 MsotEyris. . « 82.— Aalbflihpis . *v, „ 44.— «anstLyrig . . .. 88.— Tslephonsr AUmtinistr». tfw 44088« RsdnKtton 48810. ati 8 Mhr «Kendo Sv« 16801 öwla PnSmmtrratto»»» Pwir» f*Hr da* Anskaadr 8.5 0 Uionattkch . .K NkstTtelflihrig. '• 3«llrf5!rrfg . 4 - 25.— 58.—!)?..- UrdaKtton tt. AdMÄ»kst»a>* "' ttoir: ., . Mira, H. Tadorstnatz» Nv. 1-s -• : postfparkass»»-»-»»!* 'M», 150.6»? - Nr. 179 Wid«, Freitag« den 18. Juli 1919 1. Jahrgang %s . GeNLNÄstreiK am 21. Juli. Eire Beschluß des Wiener KreisarbeiLerraLes. — Keine SonTerakLion Lev koMMUNistischen Partei. Wien, 17. Juh. Dev Kreisarb^iterrat hielt gestern im Arbeiterheim in Favoriten eine zahlreich besuchte Sitzung ab, die von 6 Ahr abends bis 10 Ahr nachts dauerte, und in welcher nach Längerer Debatte, an der sich zahlreiche Redner, auch solche der kommunistischen Partei, beteiligten, der Antrag, gegen die Intervention der Entente für Montag den 21. d.M. einen 24stsindrgen Proteststreik zu proklamieren, angenommen wurde. Dem Kreisarbeiterrat Lagen zwei Anträge vor, ysn welchen der erste, der de» in der Sitzung vom 12. d. M. gefaßter Beschluß, am Sonntag den 20. d. M. Demonstrationsumzüge zu veranstalten, zum Gegenstand hatte, während der zweite Antrag dahin ging, daß für Montag den 21. d. M. als Solidaritätskundgebung mit dem internationalen Proletariat und als Protest gegen das Einschreiten gegen die beiden Räterepubliken dev Proteststreik proklamiert werde. Bei der vorgenommenen Abstimmung stimmten für die Demonstration am Sonntag den 20. d. M. 104 Delegierte, für den Generalstreik 142 Delegierte, so daß der letz tereAntrag zum Beschluß erhoben er sch eint. Mit Stimfneüeinhelligkeit wurde beschlossen, daß die sozialdemokratische und komm u n ist if che Partei am Montag vollständig gemeinsam Vorgehen, daß also keine S ondera k t i o n e n stattfinden werden. Es werden am Montag vormittags in allen Wiener Bezirken Versammlungen statt» finden, in welchen die Bedeutung des Generalstreiks erläutert werden wird. Am »Nachmittag finden in den Bezirken Dsmonstrattousnmzüge statt, wobei an bestimmten Plätzen Ansprachen gehalten und von den Gesangsvereinen sozialistische Lieder zum Vorträge gebracht werden» Am Streik nehmen nicht teil: Die Eisenbahner, dis Approvifionierungsgewerbe, Gas- und Elektrizitätswerk; die Straßenbahn wird am Vormittag nicht verkehren. Die ameManischen Delegierten dürfen die Kommissionen der Friedenskonferenz nicht beschicken. S a i n t - G e r m a i n, 15. Juli., (Korr.-Bur.) „New Vork Herald" meldet, daß Präsident Wilson der amerikanischen Delegation in Paris verboten habe, Delegierte in die verschiedenen Kommissionen der Friedenskonferenz zu schicken, solange der Friedensvertrag nicht von Pmerika ratifiziert fei. Der amerikanische Senat gegen den Friedens- Verttag. Der Versailler Vertrag enthalt Verbrechen. Saint-Germain, 17. Juli. (Korr.-Bur.) Dem „Matin" zufolge fand imSena» heute die Debatte über die Schantungsrage statt, wobei Senator Lödge Auskünfte Wer den angeblichen Geheimvertrag zwischen Japan und Deutschland im Zahre 1918 verlangte* Hitcheok protestierte, indem er sagte, daß der Senat auf unbestimmte Preßiusormationeu nichts geben dürfe. Lodgeerwiderte, daß dem Gerüchte nach der Text dieses Vertrages in Händen des amerikanischen Amtes des Aenßern sein soll. Senator Norris verlas diediplomatis.ch eKorrespondenz zwischen Japan, England, Frankreich, Rußland und Italien, in der Japan der Besitz von Schantung zugesprochen wird. Norris klaAe die Alliierten direkt an, gegen China konspiriert zu haben und sagte, daß man in den Annalen der Geschichte kein schmählicheres Aebereinkowme« finden könne, als bei dieser Gelegenheit. Es wurde nicht ein feindliches Gebiet, sondern das von Freunden aufgeteilt. Durch dis Annahme des FriedensVertrages würde Amerika nicht nur die getroffene EntfcheiÄkng, sondern auch die angewendete Methode anerkennen. Früher oder später würde Amerika gezwungen sein, amerikanische Menschenleben für Japan zu opfern, da sich die Chinesen gegen die Japaner erheben würden. Der Vertrag müsse revidiert werden. Wenn das amerikanische Volkwützte, wie viel e Verbrechen er enthaltz würde es ihn einstimmig verurteilen. Die Vorgeschichte der serbischen Krise. Interessante diplomatische Dokumente- Ei« Brief Kaiser Wilhelms an Bethmann. Berlin» 17. Juli. (Korr.-Bur.) Mehrere Blätter verbreiten nach' der Zeitschrift „Deutsche Politik" folgende» Brief Kaiser Wilhelms H. an Reichskanzler von Dethmann-Hollweg: Neues Palais, 28. Juli 1911, 10 Uhr vormittags. Eure Exzellenz! Nach Durchlesung der serbischen Antwort, die ich heute morgens erhielt, bin ich überzeugt, daß im großen und ganzen die Wünsche der Donaumonarchie erfüllt sind. Die paar Reserven, welche Serbien zu einzelnen Punkten macht, können, . meines Erachtens, durch Verhandlungen wohl geklärt werden. Aber die Kapitulation liegt darin urbi st orbi verbündet und durch sie entfällt jeder Grund zum Kriege. Dennoch ist dem Stück Papier wie seinem Inhalte nur beschränkter Wert beizumeffen, solange er nicht -in die Tat umgesetzt wird. Die Serben, sind Orientalen, chlüher verlogen, falsch, und Meister im Verschleppen. Damit diese schönen Versprechungen Wahrheit und Tatsache werden, muß eine douee violence geübt werden. Das würde dergestalt zu wachen sein, Latz Oesterreich ein Faustpfand (Belgrad) für die Erzwingung und Durchführung der Versprechungen besetzte und solange behielte^ bis tatsächlich die Petita durchgeführt sind. Das ist auch notwendig, um der zum dritten Male umsonst mobili- * s i er t e n,5 st e r.r eichischen Armee eine äußere saliskaetion d’ho n ne ux.su g e b e n, den Schein eines Erfolges dem Auslande gegenüber und das Bewußtsein, wenigstens auf fremdem Boden gestanden zu chaben, ihrzuermöglichen. Ohnedies dürste bei .; Unterbleiben eines FMzuges eine lehr üble Stimmung gegen die Dynastie aufkommeü, die höchst bedenklich wäre. Falls Ew. Exzellenz diese meine Auffastung teilen, so würde ichVorschlägen, Oesterreich zu sag en, der Rückzug S e r b i e n s sei erzwungen md mau g r a t u l i ereda z u. Natürlich sei damit ein Kriegsgrund nicht mehr vorhanden, wohl aber eine Garantie nötig, daß die Versprechungen ausgeführt würden. Das würde, durch die vorübergehende militärische Besetzung eines Teiles von Serbien wohl erreichbar fern, ähnlich' Ae wir im Jahre 1871 in Frankreich Truppen stehen ließen,/dis die Milliarden bezahlt waren. Auf dieser Basis bin ich bereit, dm F r i e d e n m i t,O e si e r r e ich z u v e nti itteln. Dagegen lautende Vorschläge oder Proteste von anderer Seite würde ich unbedingt abmeisen, um so mehrm als alle mehr oder weniger osten an mich appellieren, den Frieden erhalten zu helfen. Das werde ick tun, nach meiner Manier so schonend für das österreichische Nationalgcfühl und für die Waffenehre seiner Armee als möglich. Denn an letztere ist schon bereits seitens des obersten Kriegsherrn appelliert worden md sie ist dabei, dem Appell zu folgen. Also nmß sie unbedingt eine, satisfaction d’honneur Ija&ett. Das ist eine Vorbedingung für meine Vermittlung, daher wollen Ew. Exzellenz mir in dem skizzierten Smne einen Vorschlag unterbreiten, der nach Wien mitgeteilt werden soll. Ich habe im obigen Sinne an den Chef des Gmeralstabes durch Pleffen schreiben lasten, der ganz meine Ansicht teilt. Gez. Wilhelm!. kt. Im gleichen Smne ist gehalten, was der Generaladjutant des Kaisers (v. Plesten), an Generalstabschef v. Moltke, zn melden hat. . Potsdam, 38. Juli 1914. Seine Majestät der Kaiser und König lasten Ew. Exzellenz folgendes mitteilen: .. Die Antwort der Serben aus das österreichische Ultimatum liegt jetzt vor. Nach Kenntnisnahme derselben findet Seine Majestät, daß die Serben im wesentlichen alle an sie gestellten Forderungen -«gestanden haben und daß damit, für Oesterreich- Ungarn der Anlaß zum Kriege sortfällt. Grey hat infolge der gleichen Auffassung uns zur Bermittlnug aufgefordert» welcher Aufforderung wir nicht anders als in zusatzloser Weitergabe entsprechen konnten, wenn wir nicht * den Vorwurf auf miS laden wollten, daß wir z n m K r i e g e t r e i b e m Auf alle Fälle müßte Oesterreich-Ungarn aber ein Faustpfand mit Beschlag belegen, als Bürgschaft, daß die gemachten Versprechungen von den Serben auch emgehaltcn werden-. Gez. v. Plesten. Ebenso macht der Kaiser unter die serbische Antwortnote selbst d,e Bemerkung: Eine brillante Leistnng für eine Frist von 18 Stunden. DaS ist niehr. als man erwarten konnte. Ein großer »noralischer Erfolg für Wien. Damit fällt jeder Kriegsgrund kort und G i e ß l hatte ruhig in Belgrad bleiben i o l l e n. D a r a it f h i n h ä t t e i ch n i e m a l s M o b ilm ach un« bekohle n. Wilhelm Böhm ungarischer > Gesandter in Wien. j Wien, 17.Juli. (Korr.-Bur.) Dieunqarischs I Räteregierung hat den früheren Armee- OberkomwnnÄanLen Wilhelm Böhm nach Einholung des Agrements der dentschösterreichischen Regierung zu ihrem Gesandten inWienernaunt. Falsche Meldungen über Clemeneean. Kein ALLentaL. P dt l s, 17. Juli. (Havoci.) , ®.v3 Gtrricht' über die Ermordung Clemeneearrs ist absolut falsch. Es hat sich nichts ereignet, was das Gerücht erklären könnte.