Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 177 (16.7.1919)
- Date
- 1919-07-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Irr der Debatte über den Friedensve r t rag Sarnen, nach einer Meldung der ^Hmnantte", meistens Gegner znw Worte, die die Ablehnung durch die parlamentarische Fraktion forderten. Lo«gnet bezeichnete den Fried ensvertrag als unheilvoll für Krankreich und die Menschheit. Die ehemals unterdrückten Völker seien zn Unterdrückern geworden und die Konsliktsstoffe feien vervielfacht. Er^ nannte in diesem Zusammenhänge Polen und die Tschecho-Slowakei. Bei der Abstimmung wurde zunächst die Frage „für oder gegen den Friedens- Vertrag" entschieden. 450 Stimmerr waren für, 1420, Stimmen gegen den Kriedeusvertrag; 114 Delegierte enthielten sich der Abstimmnng, 387 lehnten es ab, ihre Stimme abzngeben. Hierauf wurde eine von dem linksstehenden Delegierten R e n a u l t eiugebrachte Resolution mit 980 Stimmen angenommen. Eine von Renaudel beantragte Resolution, die sich im Prinzip für die Nichtratiftzisrung ausspricht, aber den Parlamentariern offenbar doch die Abstimmung freihalten wollte, bekam 437, ein Amendement, das der Resolution RenSuldels den formellen Auftrag an die Deputierten, gegen die Ratifizierung zu Kimmen, hinzufügte, 319 Stimmen. .... § Die Verwertung der Diebsbeute der Mgarifchen RASregierung. / Ungarische Agenten Verkaufen Wertpapiere in Wien. Im Lause des gestrigen Tages sind n n g a r i s ch e Agenten in Wien eingetryffen, welche die von der Räteregiernng in den Banken gestohlenen W.vrt-tz'ap i ev e nach Wie n brachten. Die Agenten versuchten die Papiere im Läufe des NächmÜtags durch VeWittlung KlKuer Baukiers än de« Mann zu bringen und es.wurdeu'Muriv aitx Kette zahlreiche Abschlüffe getätigt. ArmeeoberLVMWMdWL WiLtzeLm Böhm — Wiener - -• .; Gesandter? Wien, 15.,Juli. (Korr. Expreß.) Gestern wurde von mehreren in Wien lebenden Ungarn zu, ihrer Ueberraschnng der beurlanbLs ArmeeoLerksmMandanL der ungarischen Roten Armee, Wilhelm Böh m, erkannt.Wie wir erfahren, hat sich Böhm gestern wirklich einige Stunden in Wien aufgehalten, ist aber dann wieder nach Ungarn abgereist, von wo er im Laufe der nachftsu Woche zum Kurgebranch in einem Sanatorium nach Wien znrückkehrsn wird. Seine Anwesenheit in Wien hat zu der Vermutung Anlaß gegeben, daß Böhm zum Nachfolger des abberufenen Wiener ungarischen Gesandten Dr. Ernst CzobeL ausersehen sei. Wie Budapest „eMasLeL^ wird. MassenLNSweisLMgen. — AnhMnng zur ZWangsarbeit. n B n d a p e ft, 15. Juli. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Der neuernannte Leiter der Kommission zur Entlastung der Hauptstadt, Emil H o rty, äußerte sich über die bevorstehenden Ausweisungen in folgender Weiser Die erste und wichtigste Aufgabe bildet die Ausweisung der Galizianer. Wir werden j e d e »Galizianer ausweiseu, dev nicht glaubhaft wachen kan«, daß er sich bereits vor dem 1. November 1918 mit p r o d n k t i v e r Arbeit beschäftigt hat. Es werden ckit den Tschechen und Polen Verhandlungen über die Art der Beförderung der Ansgewiesenen über die Demarkationslinie hinaus geführt. Fm schlimmsten Falle werden die Galizianer zur Zwangsarbeit angehatten. Außer den Galizianer» «eise» wir hieZenigen aus der Hauptstadt aus, die von einem arb eits lo s e» Einkommen lebe«. Diesen wird zum Verlassen der Hauptstadt eine Frist bestimmt. Die AuslieferuNg Kaiser Wilhelms. . Der englische Köuig gegen den Prozeß. Berlin, 16. Juli. (Korr.-Bur.) Das „8 Uhr-Abendblatt" meldet ans Basel: Die Prehinformation berichtet ans London: In der Angelegenheit des deutschen Kaisers hat König Georg ein Schreiben an Lloyd George gesandt. Ferner haben sich mehrere Lords und ein Verwandter des Königs, der mit der deutschen Kaiserfamilie verw and t ist, sich an anderen Stellen verwendet, um die Al l i i e rten jrr v era n l a s s e n, auf die A u s l i e f e r » it g des Kaisers zu v e r z i ch.t e n. Augenblicklich ist jedoch die Regierung nicht in der Lage, eine offizielle Erklärung abzngeben. Sicher ist, daß die weitere Meratmrg dies^7^^ge.^.e^n^eilen^-^sgesetzt wird/ . - > Zudentum und Völkerbund' —7 W i e », 16. tzuli. . Eine Anzahl von Deputierte!: der ftanzösischen Kammer^ die allen Parteien angehören, hat an den. Minister des Aenßern, Pichon, ein Schreiben gerichtet, in dem sie diesen über die Haltung Frankreichs aus der Konserenz in der Judenfrage und der Frage der 'anderen Minoritäten befragten. In dem Schreiben heißt es, daß die Gerüchte über.Pogrome und Vergewaltigungen der polnischen Juden im Wesen aus Wahrheit beruhen. Pichon antwortete,, daß die französische . Regierung vom Konferenzbeginn an die Initiative zu einem gründlichen Studium der jüdischen Probleme.gegeben habe. Die Studien seien von - einer Sonderkommission unter Vorsitz eines Franzosen betrieben worden und hätten sich namentlich auf den Schutz der jüdischen "Minder-' heiten in Osteuropa erstreckt. Es sei anzuerkennen, daß die Vertreter der polnischen und rumänischen Regierung die völlige Gleichheit und Freiheit der Juden in ihren Staaten akzeptiert hätten. Dis notwendigen Bürgschaften seien in Form eines Sondervertrages festgelegt worden, den die polnische Regierung: bereits unterzeichnet habe. Die Kommifsionsmit-i glichet hätten mit Liberalismus . die > Gleich» berechtigungsrechte der Juden verteidigt, aber auch getrachtet, Uebertreibungen zu vermeiden, die die jüdischen Minoritäten nur schädigen könnten. Nichts märe gefährlicher,' als den Juden besondere Privilegien zu geben, da die Garantie des Schutzes der Minderheiten nur ein Uebergangsftadium zur völligen Verschmelzung mit der betreffenden Nation, wenn auch ohne Preisgabe der ethnischen und religiösen Besonderheiten, darstelle. Dieser Schutz sei dem Völkerbuno anvertraM, um ihm einen wirklichen' Wert zu verleih^m-v ’ ■■■■■ - Wenn das die Sicherung her 'jüdischen Minorrtätett im Osten, besonders aber in Polen, bezwecken soll, dann hat die damit befaßte „Sonderkommission unter Vorsitz eines Franzosen" in dieser Frage denselben entsetzlichen Dilettantismus bewiesen, wie die übrigen mit irgendeinem Friedensproblem be-. schäftigten Kommissionen. Die Friedenskonferenz hat, worauf wir oft genug hingewiesen haben, allen ^europäischen und außereuropäischen Fragen gegenüber eine ganz erstarmliche Unkenntnis der Verhältnisse ent den Tag gelegt. Wie sollte das bezüglich der über den Osten verstreuten Juden» denerr alle Welt mit der denkbar größten Animosität -gegenüberstcht,' anders fein? Um was handelt es> sich denn bei der ganzen Angelegenheit, die gar nicht so kompliziert liegt, wie man das gewöhnlich annimmt? Doch nur um die gewährleistete Sicherung der nationalen und kulturellen Existenz des jüdischen Volksstammes im Osten, deren Bedrohung außer jeder Frage steht. Daß diese Sicherung irgettdwh; garantiert sein muß, daß irgendeine Instanz öffentlichrechtlicher Natur, deren Autorität und Konrpetenz genau und unzweideutig festgelegt wird, vorhanden sein muß, um Pogromstister, um. die. Hetzpresse, kurz Brändleger .jeder Art» zur Verantwortung zu ziehen, und sie an Vermögen und Ehre zu bestrafen, das sind Forderungen, hinter denen das^ gesamte jüdische Volk stehen muß: Die unwürdige Spiegelfechterei, die mit den /aus die rumänischen Juden zielenden Bestimmungen des Berliner Vertrages vom Jahre 1878 aufgeführt wurde, will und kann das jüdische Volk nicht wiederholen lassen. Dieser Vertrag war von Deutschland,, Oesterreich-Ungarn, Frankreich, .England, Italien, -Rußland und der Türkei . unterfKtigt, aber Leine der Signatarmächte hat; sich dazu - verstanden» die rumänische Regierung zur Einhaltung ihrer Pflicht zu zwingen. Und eine der Signatarmächte» das zaristische Rußland ist über das rumänische Beispiel itdch. weit hinausgegangen. Wenn also das Judentum es heute strikte ablehnt, seine Lebensfragen zum Gegenstand spitzfindiger juristischer Auseinapderfetzungen herabwürdigen zu lassen, so hat^ es dazu seine guten Gründe, die es ihm verbieten, den Schutz seiner MinoHäten als Privilegiert ansehen zu lassen, die ^ein Ueberyangsstadimn zur völligen Verschmelzung" darstellen sollen. Wie - stellt man sich denn eine solche Verschmelzung vor, die — wie-Herr Pichon sich von seiner Kommission Vorschlägen läßt--ohne. Preisgabe der ethnischen und religiösen Besonderheiten erfolgen soll? Solche Plane .dienen doch. nur Unklarheiten , zu, schaffen und