Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 176 (15.7.1919)
- Date
- 1919-07-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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In Bezug auf dis zu leistende Schadensv ergütung tyÄb Keine feste Turn m e genannt werden, sondern die $ eststellung d er Sumnre und die Zahlun.gs art einer eigenen Kommis s i o n über t r a g e n werden. Mit anderen Worten, diese kitzliche Aufgabe, aus einem Stein Blut zu extrahieren,, hat fich für die Friedenskonferenz als zu schwer ertpresen, die es daher vorzieht, die Verantwortlichkeit auf eine Kommission zu übertragen, die ihren 'Tchnelkengang von der Ocssentlichkeit unbemerkt wird nehmen können. Dagegen ist die Frage der Rückgabe von Rindvieh bereits gelöst. Die Rückgabe in natura, soweit Oesterteich sie leisten kann, wird;sofort erfolgen müssen. Der Löwenanteilder Schulden der alten Monarchie wird jedenfalls von Wien getragen werden müssen. . ' ■ Warum die Nationalstaaten die Kriegsschulden der Monarchie mMezahlen / Die Austeilung der Kriegsschulden ans Grund des Staatsbudgets. . ’ V Krakau, 14. Juls. (Poln. Preßagent.) Der Pariser Korrespondent des „Czas" erhielt folgende Aufklürungeu über die Gründe, welche die Entente bewogen haben, einen Teil der Ztzrk^gsfchlulden Oesterreich-Ungarns auf die NMonalstaaten abzuwalzen. ■'*r!;• Die Entente wünscht ein Lebensfühiges Oesterreich zu schaffen und dessen Neigung Mtz Anschlüsse an Deutschland zu verhindern. Aus diesem Grunde kany tzer ueue Staat nicht «M Schulden Werlast^t werden. E Außerdem sind sechs MiMarden österreichischer Werte im ^A«slast^e-pürek«rt.iDie -Entente, mutz cherhinder«, daß sie zu den riefigen Opfern auch noch diese Last aus sich nehmen müßte. Die Nationalstaaten haben übrigens aus den oster» refchischen-HnLeihen' Nrchen.-siezöge«, es ist somit recht und billig, daß sie zu deren Bezahlung beitrage». f - / Drei Viertel der Kriegsanleihen find in Wien Konzentriert. Es genügt, somit nicht; daß die neuen Staaten nur soviel der alten Kriegsanleihen übernehmen, wieviel sich von denselben in den Händen ihrer Staatsangehörigen befinden. Als Schlüssel der Aufteilung der Kriegsschulden soll der AuLeil der neuen Staaten an dem allgemeine« Staatsbudget gelten. Die Tschechen Md Wien. Interessante Aeutzerüngen der tschechischen Regierung. Prag, 14. Juli. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") In der osstziellen Tschecho-slowakischen Korrespondenz wird ein Communiqus veröffentlicht, in welchem es unter anderem heißt: ^In kurzer Zeit werden wir sehr sorgfältig und verständig über die Richtlinie unserer Be z i ehnngen zu Wien und Budapest nachdenke» müssen. Unsere ganze auswärtige Politik mutz nach dieser Richtung hin klar und präzis sei». Prag mutz das diplomati sch e Haupt Zentrum ganz Mitteleuropas werden und wird es auch werden. Das bedeutet, daß die Bedeutung Wiens und Budapests stark finken «ud datz das Ziel unserer nationalen Politik wird sein müssen, daß wir über beide das politische und wirtschaftliche Uebergewicht gewinnen. Man mutz sich aber vergegenwärtigen, datz man es auch heute nicht darauf abgesehen hat, Wien vollkommen zu vernichten. Wien wird ein b estimmtes Zentrum f e itt utt& esf ittb Ins b e s o n d e r e d i e W e st st a a t e n, w e l ch e ein Int e r e s s e daran hüben, datz Wien eine bestimmte eingeschränktere Bedeutung erhalten b l erb e. Das bedeutet, datz wir in jedem Falle mit Wien als mit einem gewissen puliLischen Faktor rechnen müssrn, nnd datz es in unserem Interesse ist, uns das rechtzeitig zu vergegenwärtigen. Die Grenzen Polens. n T h o r n, 14.. Juli.' (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Der Pariser KorresPottdenL des Warschauer führenden Blattes „Krrryer Warszawski" erfährt über den Stand der Behandlungen bezüglich der Süd- und Ostgrenzen Potensr Ostgalizie» mit den P et r o len m g e b i e t e «wird Polen zuerkannt, mit dem Vorbehalte der Autonomie für dis ostgattzischen Akrainer. Im Süden werden Polen und Rumänien gern eins am e Grenzen Haben; Wilna und Grodno werden wahrscheinlich polnisch werden. Unentschieden ist noch die Zukunft von KrzemienLec, Bezüglich7^ embergs ist noch u n h e st i m m t>- ob es eine rein polnische Stadt werden wirp, oder zum autonomen^ ukrainischen Territorium gehören soll.,. Die ungarischen Komitate Ä r v a upd L e u t s ch a u werden voraussichtlich polnisch. Die Weichsel wird als mitteleuropäischer Strom i n t e r u o t i o u a l r s i e r t werdet;. Die neue Baftille-. 1 . ■ —Y W, i c tt, 15. litt. \ Bor hunderLreißig. Jahren, am -1'4. Juli!1789,, wurde das Pariser Staatsgefängnis vrm'der..durch die Entlassung des volkstümlichen Finanzministers Neüer> aufgeregten Volksmenge erstürmt, der Gouverneur, .de- -Launah ermordet -und das Haus am nächsten Tag de- - moliert. Dieser Tag gilt allgemein als der äußerliche! Beginn der französischen Revolution. - Dieser^ Tag ist! von Clemenceau für den feierlichem Einzug, der/sieg-' reichen französischen Truppen,in die Metropole , ihres. Heimatlandes bestimmt ivorden, unr gewissermaßen eine' geistige Brücke zwischen dem-Sturz des frqnMischeft-. und des mitteleuropäischen Monarchismus ^zn .l^lüen.' - Unter dem Bogen des Triumphes,her für/ NaMepui-.. aufgerichtet wurde, hat Clemenceau gesternunter derch. Jubel einer enthusiastisch erregten Volksmenge die De-/ filierung der Truppen abgenomEn und in Nachahmung der Formen der Antike, die Cbmnenceau so sehr licö.t,t ejne Statue der Siegesgöttin sich überreichen.lassen, bte er auf einem den Gefallenen geweihten .Altar-ahs- . stellte. Damit ist sein Leben gekrönt, Frankreich wiederj nn jenen Grenzen hergestellt, die es, als^ ClemeucegU^ ein Knabe war, besessen hatte. . / - \f-;.V‘ ' Die Zeit, die nun beginnt, soll' nach der Mittuüg^ »ller, die an Menschentum und Menschlichstnicht> ver-° Hessen haben, die Versöhnung bringen. Sie /soll b.ifc Gpuren des Krieges tilgen und - Europa wieder/den Frieden geben, der seine schaffenden. Kräfte ungtzhinderr mrtfalten soll. Ein großes und-bedeutsames. Stück Arbeit ist; geleistet worden, Deutschland hat den Friedech unter>- fertigt und ratifiziert, die-. Entente hat chie- Watifikatio'n-. anerkannt, die./Blockade ^gegeu. Deutschland aüHe^sbek; unp^.den Handel mit Msem-,Staat schränkungen freigegeben. Es 'ist:-«Ln' grüeT Zeichen, dieser Schritt der - Entente mit der" Erinnerung an den Tag zusamnienfällt, an dem die Zwingburg ^gefallen ist, in deren Kerkern jeder' Mächtige in Frankreich', vori Karl dem Fünften angefangen,/die politischen Geguer, ohne Verhör und Urteil hatzugrunde gehen-lassen. .Das-"Datum des Tages, der der Beginn der großen Freiheitskämpfe Europas war, ist nun der Beginn einer ' Zeit, die den grausamen Blockadekrieg, der gegen Frauen und -Kinder geführt wurde, beendet. Aber es ist nnrein» halber Anfang. Der Friedensvertrag, der die Unterschrift der deutschen Reichsregierung trägt,zielt auf die vollständige Zerstörung Deutschlands hin und wenn er sie auch nicht so bald erreichen wird, so stellt er doch den Ausgangspunkt schwerer politischer Krisen dar, die das wirtschaftliche Leben Deutschlands,.,dr^ durch unaufhörliche und unverständliche Streiks er-: schüttert ist, vollends untergraben können. Es wird gesagt, daß selbst auf seiten der Entente die Absichtbestehe, Deutschland nicht so hart zu behandeln und ihm! auf dem Weg nachträglicher Verhandlungen sein. Losetwas zu erleichtern. Bei dem Haß der Franzosen gegen Deutschland ist es aber schwer, anzunehmen, daß. es! gelingen wird, in die Bastille der Feindschaft, die durch; den Friedensvertrag aufgerichtet wird, eine Bresche zu. legen und dem durch sozial. Kämpfe und "durch die innere militaristische Reaktion in seiner WiderstandKkrgft geschwächten deutschen Volk etwas Ellbogensreiheib' zugeben. 7' i Der Haß gegen Deutschland erstreckt sich auch anf diejenigen Staaten, die im Krieg , an seiner Seite kämpften' und mit ihm-zugrunde gingen. Vornehmlich auf-Deutschösterreich, dem im Hungerfieber sich. windenden.^Restj der einstmals' so mächtigen österreichisch-ungarisches Monarchie. Auch für Deutschösterreich wird eine . Zelle in der neuen Bastille eingerichtet. Seine wirtschaftlichen' Lebensadern werden unterbunden, seine Hoheitsrechte eingeschränkt, seine inuerpolitische Entwicklung allen Gefahren preisgegeben, die aus dem Hader der unglücklichen-Hinterbliebenen des Krieges entstehen.- Die/Personen, die den Zusammenbruch des -Staates sMbei-' geführt haben, die die Taschen des Voltes ausgeplürtdert und an seinem Mark gesogen haben, sind, -Kaiser Karl von Häbsburg als . erster, ins Ausland geAhen. und lassen sichs dort' gut. gehen. Die -zurück gebljebeu sind, suchen sich durch allerlei-Mittel, das Leben-. zu-erleichtern und dem Ellnd ihvrr -Mitbürger, fern zuhleibe». Was sonst'.noch/in diesem, sogenannten' ^Ataat leb't,7wird unter, allerleiSchlagworten,', die von bezahltem Ge- .sindel aus. dem Ausland. aüsgehen, in den KampsMlcr gegen'alle hineingehetzt und die Politische Unvermunst der!Sicgfriedler,' die in ihren Hoffnungen aus Annexionen sich betrogen. Men^ Wrt schreiende Orgien! Es! sind