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Wiener Morgenzeitung · 1919-07-14 · Heft 175 (14.7.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 175 (14.7.1919)
Date
1919-07-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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RüteregierunA während Bela Kun der Entente den Vorschlag nnLeröreitete, e^ine ReksnstrukLion der Regierung in dem Sinne dnrchAufnhren, daß Vertreter der sozialdemokratischen in die Regierung berufen werden sollen. Hie bevorstehende EntenLeoffensive gegen Ungarn. •'vi B n Kar oft, 13. Juli. (Tel.-Komp.) Das Rumänische Pretzbnrean meldet: Der griechische ÄLrmeeoberkommandant.Paraskevopulos sandte zur bevorstehenden Aufnahme der Ententeoffensive gegen das Sowietnngarn an General Franchet d'Esperey ein Telegramm, in welchem die EntenteLruppen zu ihrem Unternehmen beglückwünscht werden. In feinem Dank- Telegramm erklärte General Franchet d'Esperey, die Entente stehe noch vor schweren Kämpfen mit dem Bolschewismus, doch hoffe er, Europa werde in nicht allzu ferner Zeit die Ruhe wieder erlangt haben. 7 . Widersprechende Meldungen. 1. Jahrgang Die Entente an Knn. ' Lyon, 13. Juli. (Funkspruch des T.-K.-B.) An Bela Kun wurde in Beantwortung seines Funkspruchs vom 11. Juli ein dringendes Radiogramm gerichtet, in welchem der Präsident der Friedenskonferenz erklärt, daß matt'mit Bela Knn iusolange nicht verhandeln könne, als er'uAt die Waffenstillstandsbehmgungen erfiille. k Die mMtürischen Konferenzen.; Bukarest, 12. Juli. (Meldung - der Telegraphen- Kompagnie.) Die Agentur Dacia' meldet: Unter Vorsitz des "Generals Franchet d'Esperey fand heute eine , militärische Beratung statt, an der sämtliche Kommandanten der an der Front, gegen das Sowietungaru stehenden Truppen teilgenommm haben. Samstag abends sind die Truppenkommandauten, nachdem sie vom König Ferdinand j in Audienz empfangen worden waren, in ihre Hauptauariiexe abgereist. Die Räteregieeung über die Lage. -Budapest, 13. Juli. (Tel. d.„Wr. Morgenztg.^ Ihr Kürrespondent hatte heute Gelegenheit, eine längere Unterredung mit einem Volkskommissär der Räteregierung zu führen und'ihn über die Bedeutung dieser Meldung zu interviewen. Der. Volkskommissar äußerte sich folgendermaßen: Die Nachricht, daß die Anerkennung der Regierung Bela Kun und die Aufforderung. Delegierte nach Zaris' zu entsenden, bevorstehe, - überrascht uns keineswegs. Die rumänischen, amtlichen Berichte besagen aus- ' drücklich, daß die Rumänen bloß 70.000 Mann für eine Offensive zur . Verfügung haben. Ihre Ausrüstung ist nicht besonders gut, und überdies müssen jetzt zahlreiche Erntebeurlaubungen von Mannschaftspersonen stattsinden. Die Rumänen haben auch gar keine . Offensive gegen unsere Rote Armee beabsichtigt, sonst hätten, sie nicht sämtliche Theißbrücken gesprengt. Die Tschecho-Stowaken sind derzeit weder militärisch noch moralisch imstande, eine wirkliche Armee gegen uns anszustellen, und die Jugoslawen ' haben sich im April, glicht gerührt, als die Rumänen und Tschecho-Slowaken den Vormarsch ohne Risiko wagen konnten, was als.b'ester Beweis gelten kann, daß sie für einen ernstlichen Feldzug jetzt nicht gerüstet sind. Was' die Truppen der Kürolhi- Regierung anlangt, sind sie an Zahl> und Ausrüstung ' nicht imponierend und weisen mehr Offiziere als Mannschaftspersonen auf. Die Entente will und wird nach unseren. Informationen militärisch nicht eingreifen, weil ihr mit Variation eines Bismarckschen Wortes ganz Ungarn nicht die Knochen eines Ententeo f s i z i e r e 8 w e r t scheint. Die ungarische Räteregieryng hat durch den Volkskommiffär Bela Kun zu wiederholten Malen verlautbaren lassen, daß es . ihr fern liege, den kommunistischen Gedanken weiter in Europa zu, verbreiten (?) und hat sich in . den letzten Tagen auch lebhaft gegen die Anschuldigung gewehrt, daß sie die' . Ruhe und Ordnung Deutschöstcrreichs, gefährden wolle... Die ungarische Räteregierung legt den größten Wert aus gyle freundschaftliche Beziehungen zu den Nachbarstaaten und würde'es mit großer Genugtuung begrüßen, wenn ihr der Friedensschluß die Möglichkeit böte, daß das Land zur normalen Produktion zurückkehre, ein Zustand, der. den Proletariern und der Bourgeoisie in gleicher Weise zugute käme. Eine nicht bestätigte Werbung. ’ dem in den heutigen Morgchblattern veröffentlichten Fürstspruch aus Paris ist merkwürdigerweise der letzte Satz weg- , geblieben oder weggelassen worden. Die ungarische Radio- ' station in C s e p e l. die den Funkspruch aüfnahm, stellt fest, daß der letzte Satz der Depesche, die von den Beratungen des Fünscrrates wegen Eingreifens gegen die ungarische Sowjetrepublik spricht, folgendermaßen gelautet habe: Die Anffaffüng ist die, daß, wenn die Tschechen, die Rumänen und Jugoslawen nicht imstande Ovaren, eine Armee von 200.000 Mann aufzustellen, mit der die Offensive gegen Bela Kun begonnen werden könnte, die Verbündeten gezwungen wären, die Budapest er bolschewikische Regierung anzuerkennen und Bela Kun aufzufordern, daß er Beauftragte schicke, die die Fried ensb e d i n g u ri g,e n übernehmen. ' Der Pariser Korrespondent der „New Jorker Times" berichtet in einem Funkspruch aus Paris vom 13. d.M. folgendes: Mit Rücksicht darauf, daß zur Offensive gegen die ungarische Räterepublik eine große' Anzahl Entenietrüppen nötig wären, ist die Stimmung der Alliierten nicht dafür, das ungarische Problem militärisch zu l ö s e n. Beschwerden der Budapester Regierung. Budapest, 13..Juli. (Funkspruch des Tel.-Korr.- Bureau.) Volkskommissär Böhm hat dem General Pelle .mitgeteilt, daß die tschechischen Truppen nicht nur auf dem neutralen, sondern auch auf dem ungarischen Gebiete, in Homok, die ungarischen Truppen überfallen und entwaffnen und hierauf mit Hilfe tschechischer Gendarmen eine tschechische Verwaltung einstellen. Böhm protestiert auf das energischeste gegen diese unglaubliche Verletzung des Preßburger.Vertrages und ersucht, die Schuldigen zu bestrafen. Es scheine, daß die untergeordneten Organe weder den Vertrag, noch bie Befehle des Generals Pelle beachten, da solche Vorfälle täglich vorkämen. Die Siebenbürger Regierung gegen den , Friedensvertrag. Bukarests 13. Juli. (Tel.-Komp.) Die Agentur Dacia meldet: Der siebenbürgische Minister Johann. Pep-Csiese erklärte in einer Unterredung nkit einem Mitarbeiter des „Universul", die siebenbürgische Provinzialregievung sei gegen die Unterzeichnung des Friedensvertrages in feinet jetzigen Form: Sollte der Friedensvertrag jedoch von rumänischen. Politikern, unterschrieben werden,- würden die siebenbürgischen. Politiker den Zwang zur.Unterschrift als vis-msjor betrachten und zur na^ne- ^reffen.’ . Der Friedensvertrag entspricht fcer 14 Punkten. Gine Rede Wilsons. Lhon, 13. Juli. (Funkspruch des Tel.-Korr.-Bur.) Aus Washingion wird gemeldet: Präsident Wilson erklärte in der Rede, die er im Senat bei der Vorlage des Friedensvertrciges gehalten hat, er sei der Ansicht,' daß der Friedensvertrag im allgemeinen seinen vierzehn Punkten e n t s p r e ch e. Aber der Vertrag wäre ohne den Völkerbund nur ein Fetzen Papier. Amerika dürfe nicht mehr vereinsamt bleiben. ' . Die Vereinigten Staaten könnterr die i^nen angebokeue Rolle der'moralischen Führung nicht . ablehnen, ohne der Menschheit eine große Enttäuschung zu bereiten/ Europa habe die Teilnahme der Vereinigten Staaten an der Friedenskonferenz mit Freude ausgenommen^ weil es wußte, daß diese Teilnahme u n e i g e n n ü tz i g war. Der Völkerbund, erklärte der Präsident, ist als Gerüst für die zu begründende N e u o r d n u n g der D i n g e notwendig und unentbehrlich geworden. Die Vereinsamung der Vereinigten Staaten - hat vor- 20 Jahren bei Beendigung des Krieges mit Spanien ausgehörk. Es steht außer Zweifel, daß wir nicht aushören. können, eine Großmacht zu sein. Es handelt sich darum, ob wir die uns angebotene Rolle ablehnen können und ob wir, das Vertrauen, das uns die ganze Welt entgsgenbrinllt, annrhmeu oder ablehnen sollen. . . / ■■ .i ter Vertrag mit Deutschland, der die Interessen ölker unmittelbar und mittelbar berührt, hat Schwierigkeiten geboten, die ohne kleine ^Kompromisse unüberwindbar gewesen wären. Dieser Vertrag ist n rch t s o,' wie ^wir und die anderen Delegationen ihn. gewünscht - hätten. Aber diese unvermeidlichen Kompromisse verletzen keinen' Grundsatz. D i e K onfere n z i st d e u v i e r z e h n Punkten gänzlich bei getreten, wennsie mich den aus...der internationalen Lage sich 'crge^Üde.rt>TA sachen Rechnung getragen hat. Frankreichs Machtfteg. . . LLovrencean über den Frieden. Paris» 12. Juli. (Meldung der Ägeuce. Hapas.)^ In der Friedenskommission der Kmmner erklärte E l enk ence au, der Friedensvertrag müsse in seiner Gesamtheit betrachtet und könne kritisiert werden, wie jedes- Menschenwerk, aber er bringe Frankreich die Macht, - aus der es Gewinn ziehen und deren Umfang es vermehren müsse. Es hänge von der Naüon ab, sich durch wirtschaftliche Anstrengungen auf der Höhe zu halten, auf die ihre Tapferkeit sie, gebracht habe?, Clemcnceau erörterte hieraus die wichtigsten Punkt« des Vertrages und teilte mit, daß über die Wiedergutmachungen die zuständigen Minister sprechen werden^ Weiters führte er aus, die Regierung müsse zum Völkerbund stehen, um im Schoße, des. Bundes selbst de» Zusatzantrügen Leon B o u r g e o i s' 'zum Erfolg zu ver» ' helfen. . . ' Bezüglich der Verantwortlichkeiten sagte Clemencea)!, eS sei ein ch a rat t e r i st i s ch er .Zug des Vertrages, daß die Verantwortlichen angeklagt und vernrteilt<werden. Es^'sei eine Sanktion und Warnung. Die Entente wird ihre Stellung ausrechterhalten. ' , / - Clemenceau schloß mit der Mahnung, daß jeder an der gesetzlichen Evolution Frankreichs und außerhalb , jeden imperialistischen Geistes an dem Fortschritt' arbeiten müsse. Zuletzt beantwortete Clemenceau verschiedene Anfragen über einige Artikel des Vertrages. - Die Vorfälle in Fiume. ' Forderungen der Kroaten. Fiume, 11. Juli. (Meldung des Korrespondenz- - bureaus Laibach.) Der kroatische Nationalrat von Fiume- Susak hat an den Völkerbund und an die Friedenskonferenz ein Memorandum gerichtet, worin die dringend« Bitte gestellt wird, weitgehende Verfügungen zur Sichev rung des Lebens sowie des Eigentums der übergroßer Mehrheit der Bevölkerung von Fiume zu treffett, die- " ftiibem die Italiener die Stadt besetzt haben, durch italienische Soldaten und italienische Freiwilligenscharen, di« von den italienischen Militärbehörden dirigiert werden, sowie durch aufgehehte Banden, die offen von dtzn. italienischen Besatzungstruppen unterstützt werden,- systematisch tetrorisiert und angegriffen werden. ' :■ ' ■ Lyon^ 131 Juli. (Funkspruch des Tel.-Korr.-Bnrcau^ . Der Vereinigte Staaten-Panzerkrer^Lr. „Pittsbuxg". ist. mü Lairdnug"dctchements an Bord nach Fiume abgegangen.

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