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Wiener Morgenzeitung · 1919-07-09 · Heft 170 (9.7.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 170 (9.7.1919)
Date
1919-07-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Am die Ordnung wieder herzüsteCen^ iließ der italienische Befehlshaber die Landungskompanien von,zwsi Kriegsschiffen ans Land!gehen. Z« diesem Augenblicke eröffneten die französischen n n d a n am-i tischen Gruppen ans dem Hinterhalt das Feuer. Die Wut dev überfaStenen Italiener ^rmd der Zivilbevölkernng war unbeschreiblich. GetMchte französische SsLdaten. — Zehn Tote. Die französischen Soldaten mußten in dis Kaserne flüchten.' Wen man erreichte, der wurde gelyncht. Zehn Franzosen wurdey rnedergerrmcht, eine große Anzahl verwundet. iAnf italienischer Seite gab es einen Toten, aber gleichfalls zahlreiche Verwundete. Der!Kampf endete mit der Kapitulation. und Entwaffnung der belagerten Franzosen und Anarftiten. Zn der italienischen Kammer wurde ein Antrag eingebracht, die Regierung möge gemäß dem von allen Mächten-gutgeheißenen Selbstbestimmungsrecht eine Volksabstimmung für Finme anerkennen. Deutschösterreich smAert die Ahberufuug des / Wi«er. uugMscheR Gesandten. - Eine Note Dr. Bavers an Bela Kn«. Müen, 8. Juli: Staai^Mcetäp!Dr. Bguer hat rch Hie deutsch österrsichffche" Hesä ndtsch aft tit ' Budapest dem ungarischen Volks kommissäx für Aeußeves folgend^ Note überreichen lassen: ' > Die Negierung der deutschpsterreichische.'t Republik - legt den größten Wert auf die Erholtun g freundn achbarl rcher Beziehungettzu der ungarischen Räterepublik. Leider wurden diese Beziehungen gefährdet durch das Verhalten einiger der ungarischen Gesandtschaft in Wien zügekeilten Organe, die sich nicht nur..in die inneren politischen Verhältnisse. Deutschösterrcichs e i n g e nt e n gt, sondern auch', ihre, exterritoriale Stellung / mißbrauchend, strafbare H andlunge n vurbereitet,' in einzelnen Fällen sogar begangen haben. Der gegemoarbige Gesandte der ungarischen Räterepublik in Wien, Herr Lzsbel, hat diese Umtriebe der ihm untergeor-ircten Organe geduldet, sie. zum, mindesten nicht zu verhindern vermocht. Dadurch ist bedauerlicherweise jenes vertrauensvolle Verhältnis zwischen der deutsch österreichisch en Negierung und der Gesandtschaft der ungarischen Räterepublik, das die dentschösterreichische Regierung im Interesse der freundnachbarlichen Beziehungen zwischen den beiden Republiken stets zu erhalten und zu pflegen bemüht war, empfindlich getrübt worden. Die dentschösterreichische Regierung sieht sich daher zu ihrem aufrichtigen Bedauern gezwungen, der Negierung der ungarischen Räterepublik mitzuteilen.; daß der gegenwärtige unigarifche G-esa.lü>te in Wien der dentschösterreichische« RrgierMg nicht mehr genehm ist. i Die deutschösterreichKsche Regierung bittet die Regierung Her ungarischen Räterepublik, . überzeugt zu sein, daß diese Mitteilung ausschließlich durch den Wunsch bestimmt ist, jede: Trübung des freundschaftlichen Verhältnisses zwischen den beiden Rspublilen, die durch ihre Lage, ihre Geschichte und ihre wirtschaftlichen -Interessen einander so/nahe stchen, zu verhüten. Die Ermnnung einer Persönlichkeit, die mit den beklagenswerten Vorfällen der jüngsten Heit nicht, belastet, und geeignet ist, ein für das freund nachbarliche Verhältnis beider Staaten gedeihliches Wirken zu entfalten, zum Gesandten der ungarischen Räterepublik in Wien würde, von der Regierung der Heutschösterrsichischell Republik als ein Beweis freundschaftlicher Gesinnung der'ungarischen Räterepublik und als eine Birrgs.chaft der freund- - nachbarlichen Beziehungen zwischen den beiden Nationen herzlich begrüßt werden. * Die deutschösterreichische Negierung, sieht sich gezwungen, bei Wer. .OeregeuM.-.d.axMf.,q.nßMxkM zu.. Die Jnternationatttät der Jude«. Bon Arnold Zweig. Den folgenden Aufsatz stellt utt£ der Ber* lag die Monatsschrift „Der Jude" zum Vorabdruck aus dem demnächst erscheinenden , . 3. Heft des ,4. Jahrganges zur, Verfügung^' Wir geben ihn in etwas gekürzter Fassung wieder. Ein preußischer Landstürme^ polnischer Edelmanns sagte mir eines Tages' am Ende eines langen Gespräches im Sommer 1917' überzeugten und resignierten Tones: „Der Friede wird nicht kommen, wenn nicht die Juden ihn herbeiführen! Das ist ihre Aufgabe.^ Ich antwortete: „Wenn sie sich auf ihr Judentum desännen. Ich glaube nicht daran!" Der Kamerad schwieg,' nachdenklich blickend., Er war ein von imren her frommer Katholik,^der jeden Morgen die Messe hörte.: Die Internationalität der Juden/ in jenen Tagen emj Verbrechenvor allen eng, kalt und wild Nationalen, b estands damals nicht anders als in einer tiefen Erschütterung» gegenüber dem Sturz Europas in unfaßliche Roheit! und in eine von Lüge, Haß. Verachtung und Gewaltsanbetung gesättigte Atmosphäre: Je tiefer jüdisch ein- Jude fühlte, um so erschütterter verstummte er vor> dieser vvrmenschlichen Gesinnung einer Erde, auf der sejt zweitausend Jahren die christliche Form jüdischer Gesinnung vergeblich Gesittung, Seele zu werden sich gequält hatte. Und während in allen Armeen täglich Juden sielen, in allen Armeen Feldrabbiner, um, Sieg und Frieden beteten, in allen Ländern wollendod^r:widerwillig die, materielle und' wirtschaftliche^ Krastz der Juden sich'in Kriegskraft umsetzte/während das jüdische Individuum wollend oder widerstrebend! in den Krieg verwurzelt war,. blieb das Judentum!' eine geffüge Substanz, neutral,, fremd, fasiungslos undi Hn-' WM...WM der Erschütkrürrg, der; ^VeWmmttrdön Trüüer, neusten sich Juden aus feind-j lichen Ländern, wahre Juden, mcht halb oder zui neun Zehnteln entjudete. Atome, auf neutralem^ Boden treffen, erkennen und verstehen,! wenn der Zufall sie., zusammenbrachte und» sie ihr Judentum aneinander empfunden und be-j glaübigt hatten. Sie glaubten einander und witterten, keine Lüge, sie sprachen miteinander und es/gab kein; 'Mißverständnis. Wären sie nicht zu schwach, ver-, einzelt, ganz allein gewesen: der Friede hätte von! ihnen ausgehen können wie ein Glanz, der sich auf! 2?etherwellen verbreitet, wie ein Ruf an alle. Das» war es, , woran mein nachdenklicher Kamerad dachte.! Aber nicht so, nur in wenigen, ausgesprochen jüdischen Angelegenheiten bewährte sich die jüdische Solidarität: die zionistische Organisation blieb bestehen, dies Ziell des Judentums hielt stand, und amerikanische Juden vereinten sich mit holländischen, englischen und! deutschen, um die jüdischen Massen in Litauen und» Polen vor der tödlichsten Not zu bewahren. Die« Träger dieses menschlichen Werks waren streng-s gläubige Juden wie freier lebende.! Heute, wo der Krieg zusammengebrochen ist»; Haß, Mißtrauen und Feindschaft aber noch ungemindert die Lust der Erde unatembar machen, sollte! sich diese jüdische Internationalität des Fuhlens, des! menschlich gebliebenen Herzens ermannen und laut! sprechen. Es sollte von einem Weltkongreß echter/ jüdischer Juden wie von der Konferenz einander achtender Frauen oder Sozialisten eine Versammlung von Menschen geschaffen werden, in der Vertrauen herrscht : erste Bedingung deMVerständigung und berj neuen Menschheit. Indem / sie ' die Beratung rein! jüdischer # Probleme als- Gegenstand. hätten wäre die Furcht ausgeschaltet, daß Propa-i' ganda irgendwelcher Staaisinteressen Absicht/ Fälschung und Täuschung in die Beziehungen vom Menschen brächten, die aus noch feiydlich gesonnenen Ländern gekommen waren, um miteinander zu reden. Aber wenn dann Verttauen herrschte, jene von innen her, aus dem sich öffnenden Innern der Seele her qüellend^Empsindung vom Werte und der Würdigkeit desjenigen, zu dem m'an redet und den man anhört, jene im ganzen Menschen sich ausbreitende Ueberzeugung, daß der Anwesende und Unterredner mit! seiner ganzen Hlichen Person die Wahrheit dessen! 'verbürgt, was ch; sagt, daß das Mitgeteilte von dev Ueberzeugtheit eines wahrhafttgen Menschen durchs leüchtdt und von innen her bezeugt wird, wenn dann. machen), daß die Regierung der nngaLischeu' Räterepublik^ ber s and ten in Me'ch HD WK' M'WWh^WDWWWW Völkern geübten Gepflogenheit abiveichend, es nnterlhssen hat, das Agrement der deutschösterveichischen Regierung emznMen: Die dLntschösterreichische Regierung hat diesem Ümstand keme^ Bedeutung beigemessen, weil sie der Tatsache Rechnuug^trug, daß die Besetzung der Gesandtschaft in Wienv in jeWür/Augenblick der Regierung der ungarischen Räterepublik so dringend erscheinen mochte, daß jede Verzögerung vermieden iperden sollte. Die deutschösterreichische Regierung glmtbt jedoch, daß es im gegenwärtigen Augenblick durchaus zweckmäßig wäre, zu der im Verkehr zwischen allen Völkern geübten und bewährten Gepflogenheit zurückzukehron. Die deutschösterreichische Regiernng hofft/ daher, daß ihr. die Regierung der ungarischen Räterepublik so bald als möglich die- Mitteilung zugehen lassen wird, wen sie zum Gesandten der ungarischen Räterepublik in Wien zu ernennen gedenkt. Was die Note des Herrn Dolkskommrssärs des Aeußern vom 6. d/ M. betrifft, bedauert die deutschösterreichische Regierung, diese Note nicht beantworten' zn können! Die deutschösterreichische Regiernng hat sich' schon einmal gezwungen gesehen, der Regierung der ungarischen Räterepublik mitzuteile'n, daß sie , keine Note ««ehr öoantworten toitfr, die Beleidigungen und Verdachtrgmrge« der deutschösterreichischen , Regiermrg ';: enthalt. Diesem Vorsatz treu muß die deutsch österreichische Regierung die Beantwortung der jüngsten Note des Herrn Volkskommissars für Lleußeres zu ihrem -Bedauern ablehnen. Die deutschösterreichische Negierung, glaubt, daß ein Austausch beleidigender Noten keinestvegs ein geeignetes Mittel wäre, die Freundschaft zwischen den beiden Nachbarvölkern zu festigen, und. sie ist der Ueberzeugmrg, daß/ eine Regierung ebensowenig wie ein Privatmann verpflichtet ist, Fragen zu beantworten, die in beleidigenbertveise gestellt werden. Wünscht die ungarische Räteregierung bei der deutschösterreichischen Regierung Vvrjltzllnngen zu machen oder Beschwerden zu erheben, so bMH)iL deutschösterreichische Regierung, dies in derselben -steundschaftlichen Weise zu tun, deren sich die deutsHhsterreichische Regierung sin ihren Vorstellungen und Beschwerden bei der ungarischen Räteregierung stets bedient hat. Wenn die ungarische Räteregierung dies tun wird, wird die deutschösterreichische Negierung ihre Vorstellungen und Beschwerden zum Gegenstand der gewisseuhäfLesten Prüfung machen'und falls sie sich als berechtigt erweisen, nicht verfehlen, Abhilfe zu schafsD und Genugtuung zu leisten.,J..^«raucn 'btefc'"^et^a^nm^un0 diese Kauer m. p. H Jichen einander die wahren Gesinnungen und Ziele den

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