Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 166 (5.7.1919)
- Date
- 1919-07-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2979076-2979077-2979243--01476-2986883- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
««MKsWliv! m irlla ■Int MM Zvstrllmtg W i Hm»*r . . . . K 7.- Me*taltSft»ig > v« KO«— *•'* * Ort*”" wotrrfS^tria ... H so.— IJHt Postversand; tttfttfür. . . .X 7LV r JJ®.— g&tt= mkit. Ä»t»>ch»U»r AvWtnWn»- Nr. 166 $«fe 3« H»«»,, yyg#M» uw® wWWiPy '1i. pv»rs» fv» da« . gfemotlMr * . .» 8.1# » igttlbksyrks •;>>> It^A ..WtMttShrtzt >!LLU-d»lrttv« tu AdjMrM- > •W**.<**X- «ön: .. Veftfratkam**»* «»• ' St», 150.0&8 V~ ' ■■ •' Wien» Samstag, den 5. Juli 1918 1. Jahrgang t; >y' Ä Rozfa Sandor in der Politik. —y W i e n, v? Juli. - / ^Die vorerwähnten Umstände dürsten < > , wohl zur Genüge Anhaltspunkte dafür bieten, '" ' ' daß die ungatische Regierung, .beziehungsweise ihre Vertretung in Wien seit längerer - Zeit unentwegt. die - subversiven Kräfte" zu ■ stärken bemüht sind, die auf einen gewalt- ' samen Umsturz in Deutschösterreich und die Errichtung der Räteregierung Hierselbst hin- .. / arbeiten, und daß; sie hierbei auch die An- / Wendung gewaltsamer, in die.Rechte des deütschosterreichischen Staates und. seiner Angehörigen' eingreifender Mittel nicht . scheuen." (Note. - des. Polizeipräsidenten /■ Schober vom 1. Juli.) Seitdem die russische Art der Volksbeglückung rer die ursprünglichen Grenzen ihres Staates hinaus bie Wege zur Umgestaltung der ganzen Welt sucht, ist der Oeffentlrchkeit der schwer geprüften Hauptstadt Deutschösterreichs in Hunderten von Versammlungen, lin Flugschriften, in Konferenzen und Meetings erzählt worden, das Heil und die Erlösung der Menschheit liege einzig in der Ergreifung der politischen und wirtschaftlichen . Macht durch - das Proletariat, m der Zurückdräirgung des Bürgertums und m der Aebertragüttg .'der gesamten Regierungsgewalt an die Räte./ Die Auflichtung der Diktatur.der Räte erfließe aus dem revolutionären Willen des Proletariats. Nun wissen wir seit langem, daß .dieser revolutionäre Wille Nichts anderes ist, als entweder das Machtstreben einer einzigen Minorität vyn -Intellektuellen oder 7 dje Vmvegenheit einiger Rüubgesellen, die die polAsche Ratlosigkeit der durch das Wegselend.im' allem irregeworvenM Massen zu emech ergiemgtzn Berüchug" aus -ein Feld •bßmifceu wMen, aus. MnMi mMMckevt habetz, über von dem sie eMten wollen. Es hat in der letzten Zeit nicht an Beweisen geschll, daß die.Masseneiner plötzlichen gnmdstürzenden Aendetüng der Gesellschaftsform ' durchaus abge-. neigt sind. Sie haben sich weder am 12. November, noch am Gründonnerstag, noch, am 15. Juni dazu rnitreißen lasten, mit der rohen Gewalt der Waste pÄre vollendete Tatsache zu schaffen und die Herrschaft Über, eine zerstörte, von Fiebern gerüttelte Wirtschaft an > sich zu reißen. . > tf - Soweit es sich. hier , um Bestrebungen handelte, hie aus idealistischen, von. Freiheitsliebe getragenen Beweggründen entspringen» hätte man füglich den Weg der. .politischen 2luseinandersetzungmit den Wortführern jener Gewaltideen betreten können. Dies ist auch tatsächlich in der Sitzung der Arbeiterräte versucht worden, freilich ohne daß. Klarheit erzielt worden wäre. Immerhin erklärten die Kommunisten den Vorwurf der Bestechung durch Ungarn für unwahr und verlangten Beweise. V*' Die Beweisführung beginnt Nunmehr. Der'Polizeipräsident von Wien, Herr Schober, hat an die ihm Vorgesetzten Behörden am 1. Juli einen Bericht erstattet, der die Mitwirkung der ungarischen Gesandtschaft an der kommunistischen Agitation in klarer Weise darlegt. Der Bericht, der eigentlich nicht viel Neues besagt, erhält seinen Wert eben nur durch die Unterschrift des Polizeipräsidenten, der der Oeffentlichkeit als ein modern henkender und bei aller Wahrung' seiner amtlichen Pflichten vorsichtiger Mann bekannt ist, der die politischen Wirkungen seiner Relationen genau abzuschatzen weiß. Wenn er nun die aus einer Rede Friedlich Adlers vor dem Wiener Kreisarbeiterrnt bekannte Affäre der Bestechungen der Kommunistenführer, die ganze Räuberrümantik der ungarischen Maffia mit seinem Ramen bestätigt, so entsteht für die leitenden Stellen des Staates die Pflicht, endlich alle Rücksichten fallen zu lassen und den Gistherd in der Bankgasse mit all Minen Gependenem aufzuheben. Die strengste. Unterkochung mrd die schonungslose Aufdeckung der Wahr- Mt allein kann der Bevölkerung das Vertrauen Wrückgeben, daß die Verfassung des Staates, die Ruhe,' sms Leben und das ehrlich erworbene Eigentum aller Hürger gesichert sind. ' - N' i Die PrakÄken der von Rußland instruierten,' > mit dem ganzen Raffinement des Balkans vervollkommneten Agenten der ungarischen Räteregierung und der Berliner Spartakisten haben mit Sozialismus, mit Kommunismus, mit . irgendeiner die Wrltverbefferung anstrebenden Idee nicht das mindeste zu" tun. Es sind Diebe- und Diebsgenossen, ' die sich unter' dem Deckmantel politischer Theorien bei uns eingeschlichen haben und denen es sich nicht um eine Höherjührung des Proletariats handelt, fvndem Der Friede« mit Deutschösterreich. Zürich, 4. Juli. Die Schweizerische Telegrapheninformation meldet aus Paris: Der Sst-erreichischen Delegation wird für die *&eantworLnng d er Friedens^• Bedingungen eine Frist von zwei Wochen eingeräumt werden. Die Richtterl»; «ahme Clemeneeaus an den weiteren Verhandlungen mit der österreichischen Dele-j gation gilt als Anzeichen dafür, daß sich sein Rücktritt vorbereitet. „Journal des Debats" meldet r' Der Textdos Vertrages mitOe ft erreich oder zumindest jener Teil, den mau am Ende dieser Woche den österreichischen Delegierten zu überreichen vorhatte, wird n ich t vor Mitte de r-n ä ch st e n Woche redigiert und gedrnckt sein können. Demission des tschechischen Kabinetts. Prag, 4. Juli. (Tel. der ^Wr. Morgenztg/) Das Kabinett hat heute nachmittag durch den Minister S v e h l a dem-PräfidentenM a s a r Y k die G e s a m t demission «nterbreiteL. T n s a r konferierte abend mit R a sch i n jittb den Vertretern der Parteien, Sin MiKiardenanLehen Amerikas an.Deutschland. A m ft e r d a m, 4. Juli. (Tel. der „Wiener Morgenztg.") „Times" meldet: In Rew-Z)orker Börsenkreisen kursiert das Gerücht, Amerika werde mit Dentschiand eine M i l l i a r d e n° anleihe abschlidtzd. '' ' Keine Anleihe Mr Nnmiinien. P a r i s, 3. Juli. (Tel. Ler „Wr. MorgenzLg.") Seit mehreren Monate« werden zwischen Rumänien und der Entente Verhandlungen bezüglich einer Anleihe geführt, jedoch ohne Erfolg.. Die rumänischen Staatsmänner sind darüber ungehalten. Sie betreiben in der Presse eine Kampagne und weisen dabei aus den Tiefstand ihres Geldkurses hin, der um 50 Prozent niedriger Nls der serbische ist, obgleich Serbien oekonomisch schlechter steht als Rumänien. Die ^Ursache dieses M i ßerfolges ist in dem rechtlosen Zustand der Juden Rumäniens zu erblicken. Ein.be d e n t e tt des franzö fi sch - a m e r i k a n i s ch e s- Finanz-Syndikat machte Andeutungen, daß inso lange die Lage der Juden in Rumänien nicht radikal geändert werden wird, Rumänien keine Aussicht habe, eine Anleihe zu erhalten. Sine EntenteoffLKstVe gegen z - , Budapest? . . / .Rotterdam.. 4. Juli. (Tel. der „Wieners Morgenztg.") „Daily MM" meldet, daß die! Entente demnächst sine Offensive g e g e ni V u dapest von Südungarn aus unternehmen^ wird. Dies geschehe angeblich hauptsächlichl darum, damit der Don ander kehr wieder \ anfgenorrynen werden kann. r Die KommMon zum Studium der jüdischen Frage im Osten vor der Abreise. Paris, 3. Juli. (Tel. der „Wr. Morgenztg/) Die unter Führung M o r g e n t h a n s mit dem Studium der jüdischen Frag ein Galizien, Polen und Litauen beauftragte 5^o W Mission wird Anfang nächster Wo che ihre Reise, die über Wien gehe« soll, antrete«. Ein irreführendLr BerichL-^des amerikanischLN / GLsandten in ■ WarschM. ,/.v;.1 // e ßb u'r e au . i-rr Paris Dem I ü d i s^ch e n P -'s S to ck hoIm wird'"'' aus Praphiertr ’' - V; - \ Den hoMschen '-Hölftrkern^ -welche- - diel größten Anstrengungen machen, um die Judenpogrome als einen Kampfs g e g e » d e n'B o l s ch o w i s m n s erscheinen i z« lassen, ist es gelungen, den aMerikamschen! Gesandten in Warscharr, ^Gibbons, dazu.zu! bewegen, einen in diefern Sinne gehaltenen Bericht an seine Regierung abzufaffen. In diesem Bericht behauptet Gibbons, daß die von den polnischen Truppen unter den Juden!" Litauens, Polens und Galiziens angestifteten! Metzeleien mit Iudenpogromerr nichts gemein-1 fames gehabt hätten, sondern nichts anderes! gewesen seien, als die Ll n t e r d r L ck u n g b o l f ch e wz bischer A n r n h e n. Dieser der Wahrheit ins Gesicht schlatzdnde Bericht wird vom Komitee der jüdischen Delegationen in Paris mit aller Entschiedenheit zurückgewiese«. L o n i s Mars h a l!, der zweite Vorsitzende des Komitees, händigte den Vertreter« der amerikanischen Pwess.e in Paris ge«ane Inforwatio ne» ein,, die aus zuverlässigen Quellen zugegange« sind.! Anter diesen Informationen befinden sich auch j mehrere» die Polen s ch w ei bela ft ett d t\ Bericht e von prominentett Persönlichkeiten,! die Augenzeugen der Geschehnisse waren,! In den diplomatischen englischerr und! amerikanischen Kreisen wurde der antisemitische Bericht von Gibbons mit Mißtrauen aufgenommen. Hochstehende, Beamte äußerten sich dahin,, daß Gibbons auf seinem Posten unerfahren > und polnischen Einflüssen unterlegen sei. 5«; den politischen jüdischen Kreisen glaubt man,! daß Gibbons, der sich seiner Mission so wenig! gewachsen gezeigt hat,^ von seiner Stellung, wird halb, zurücktreten müssen um die . einfache, sinrple Ausräubung von Kaffen und Taschen. Wie sollte dies auch anders fein bei Bewegungen, die aus hem niedergebrochenen, von Ochrana und Verschwörungen verpesteten Rußland elltstanden, durch .das sozial vollständig unentwickelte Ungarn' hindurchgehen, unr schließlich nach den letzten Mitteln - des mit dem Töde ringenden Deutschöfterreich zu greifen! Die Note des PolizeipEfidenten läßt die ganze Gefahr erkermen, in der sich der Staat befunden hat und noch befindet. Er enthüllt aber auch die sittliche Fäulnis jener Elenlente, die sich anmaßen, von der .Korruption des Besitzeinkommens" zu reden und dabei begehrlich die offene Hand gen Ungarn strecken, um von den fliegenden Kronen recht viel zu erwischen; die von der befteienden Kraft der Revolution-singen und die Pläne der Wiener Keller studieren, um irgendwo eine staatliche Kasse auszuplündern. . - - Es ist eine widerliche Sippschaft,. die da - unter dem Schutze. der Exterritorialität unser öffentliches Leben vergiftet und Me politischen Manieren des Balkans bei uns einbürgern will. Dieser Gesellschaft muß die' Möglichkeit genommen werden, die-Republik und die Revolution so zu korrumpieren, daß schließlich der zaristische Absolutismus unter, anderem Namen wieder erstehen würde. -,