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Wiener Morgenzeitung · 1919-07-04 · Heft 165 (4.7.1919) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 165 (4.7.1919)
Date
1919-07-04
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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\ beite 2 / Wien, Freitag Die ATM Situation en Paris» .! Sten, 3. Juli. ’ Der «rfh* Gäng. des Versailler Ringkämpferdran:as mi. durch' die Unterzeichnung des deutschen Vertrages seinen Abschluß gefünden. Mtz ZwlscheNvorhattg ist gefallen und die kurze ErhvlüNgspaüsß bi4ftt bei Retablierung, Unrgnrppierung Knb dem WLsöNettwechsel. Neue Kämpfer treten auf.. Clemenceäu will den Vorsitz an Pich0naBttettzn. Deutschland scheidet als Besiegter aus, Scheide m 8 Ü n sucht in der Schweiz Erholung, und seine Freunde suchen zu retten, , was zu retten ist. Italien hat seine neuen Delegierten ernannt: Tittvni, Marconi^unvSeialoja. Tittonis Aufmarsch. Dollzieht sich unter Fanfarenklängen: die röiuischen Blätter betonen laüt, wie der „Zürcher Post" gemeldet wird, daß Italiens neuer Mann durchaus nicht auf die berechtigten Ansprüche Italiens in der Adri a, in KhHtasie« und Afrika Verzicht«. Tittuni ist vielmehr entschlossen, Italiens Standpunkt klarzulegen, daß es'ohne eine gerechte Befkiedigüng seiner Ansprüche in Zukunft nr-it der Entente nich t mehr verbündet bleiben könnte. Tittoni hat sich für seine ÄrhandluNgen vom Mstr Nlsterprnsidenten Nitti volle HandlüNgsfreihe! t ausbedmigen. Nach der „Ep oeä" würde Tithöni zürücktreten, falls er die Unmöglichkeit einsieht, diese Forderungen Italiens durchznsetzen. Die „Haagsche Post" schreibt: Es unterliege keinem Zweifel, daß der Sturz Orlandos zu einem großen Teile der Liefen Unzufriedenheit mit Versailles zugeschrieben werden müsse. Es sei eine Zeit wahrscheinlich, Ln der Jugoslawien der bitterste Feind Italiens sein werde. Deutschland, Deutschösterreich und Ungarn seien die einzigen Staaten, deren Interessen mit denen Italiens parallel gehen. - Italien habe schon Annäherungsfühler aüsgestreöt. Ran habe sogar von einer Union Deutschösterreich, Ungarn Und Italien gesprochen und es fei nicht ausgeschlossen, daß der Plan wieder auftauche. Zwar habe. maN Noch keinen Grund, bereits über eine Erneuerung des Dreibu des zu sprechen, aber dies liege dennoch im Bereiche des Möglichen. Angesichts dieser Neuorientierung Italiens,, die ja bei den bevorstehenden Verhandlungen mit Deutsch» österreich und Jugoslawien stark ins Gewicht fallen wird,'ist es von besonderer Bedeutung, baß Wilson selbst diesen Verhandlungen scheinbar nicht beizuwvhnen beabsichtigt. Er hat sich, in Brest nach Amerika eingeschifft, wobei -es zu turbulenten Szenen und Demonstrationen gekommen sein soll, über deben eigens liche Wurzeln man noch Nicht klar sieht. Auch Lüttsing kündigt seine H e i m r e i s « an und es scheint, als ob die innerpolitische Situation in Amerika ihre Anwesenheit erforderlich Mache. Wie den „Times" von ihteM Rew-Porßer Korrespondenten . gemeldet wurde, hat die Entrüstung über den ersten Absatz der > Botschch Wilsons * an die Bereinigten Staaten zur Folge gehabt, daß die noch 48 Stunden arg zerklüftete republikanische Partei sich zur schärfsten Opposition wieder zusammen-- gesunden hat. Wilson , selbst ist sich über die Widerstände, mit denen %t zu kämpfen, hüben wird, nicht im Unklaren. Nach Washingtoner Meldungen äußerte er zu Personen seiner Umgebung, die Mehrheit des Senats werde aller Wahrscheinlichkeit nach sämtliche Zusatz- und Abänderungsanträge ab lehnest, die geeignet seiest, den ursprünglichen Entwurf des VölftrbundeS zu verwässern. Trotzdem dürfte für den Entwurf in seiner jetzigen, Gestalt, keine Zwetdrittelmajorität herauskommen. Ein Äüsweg müsse gesucht und gefunden werden, da - die Bereinigtest Staaten Unmöglich vom Völkerbunde ab gehen könnten. Auf einem Pariser. Bankett hat Wilson in Mein Antworttoast erklärt, daß. sein „Aufenthalt in Franks reich sowohl sein Herz äls seinen Geist gebildet.hübe". In der Tat werden die Amerikaner einem wesentlich ver» änderten Wilson gegenüberstehen und insbesondere daS aNlerikanisch-französifche Ällianzprojekt dürfte ihnen eine schwer verdauliche Zugabe darstellen. Daß England die Schwierigkeiten, die sich in Washington entwickeln können, nicht gering einschätzt, geht auch aus der uwkontrollierten und zumindest voreiligen Meldung hervor, daß Lloyd George selbst beabsichtige, den Botschafterposten ist Washington., zu übernehmen. Gleichzeitig' laufen Nachrichten asts Ostasien ein, welch« darauf hindeutsn, daß daS Wettrüsten zwischen England und Japan an der chülesischen Küste bereits ünverhüllt zutage tritt. Symptome, die sorgsaul aneinander gereiht, werden müssen, bis sich einst ihr Sinn und Zusammenhang ergibt. . j , Auch 5ie I ' Schwei, *. ist von den geänderten WilsottscheN Projekten tief enttäuscht. Bundesrat Ealvnder, Chef des politischen Departements, erörterte in einer Konferenz mit Schweizer Pressevertretern die Frage des Beitrittes der Schweiz zum Völkerbund. Die Mängel des Pariser Entwurfes sind zahlreich. „Ich glaub« ober", sagte Calonder, „es ist unzweifelhaft, daß selbst Dieser Völkerbund euren gewaltigen Fortschritt bedeutet Wiener Morgettzettmtg t. IM Mg "... M- W / Die ÄMonen Oesterreich-Nngarns. Eine Note Dr. Nenners. ' .KnrnWtMaWäKSLlßtze, 3.-'IM.-.Die deütschöstÄreichische Frftdensbelegation hat M FÄedenskostftrenz sine ausführliche Denkschrift überreicht, ist - der das Verhalten der einzelnen Ratio nen des altM Gestenreich zum Staate' üstd zum Kriege geschildert und ihre volle Mitberantwortlichkert.für die Kriegsfolgen bewissest wird. Dir Denkschrift fügt, baß der Friede nurdann Bestand haben könne, wenn er - auf Tatsachen und unbestrittenen Rechtsgrundlagen beruht m daß M diese Mi FündäMM m Ssfsthr eiürk WcheösstftWstng ober PakkMftieMstg Mitteleuropas ' i .Vorbeugen können^ Die Friedensdelegation hält es fßr ihre Pflicht, zu beweise,st, .daß die' vorgelegten Entwürfe zum Teil-nicht auf wirklichen geschichtlichen Tatsachen', zuist Teil auf unhaltbaren Rechtsgrundlagen aufgebaut sind. Die Denkschrift führt best Nachweis, daß ist der Monarchie nicht etwa ein beherrschendes Volk einem vdsv mehreren kleineren und beherrschten Völkern gegen» übekständ, söndern daß jederzeit ein Zustand labile st G leich gewich tes herrsch!«, ein. unaufhörlicher Wechsel der Macht, bei dem zwar kein Volk zflrr Ruhe kam, aber alle bis älüft die Ukrainer in gewissem Grade an der Herrschaft teilnähmen, Alle ziufamMen Und jedes für sich betrieben eine Blenderung der geltenden Verfassung, aber keines die Sprengung des bestehenden Staatsverbandes. Mit Hilfe des ältest Staats» Wesens haben die RationalitäM von junger Kultur, insbesondere Lfchrchrst ustb Sübskäwe«, ihre politische Reise erlangt und die Grundlagen für ihre jetzigen Staaten gelegt. Es wird Nüst, im einzelnen ausgeführt, wie die Verfassung sich in ihrer geschichtlichen Entwicklung mit der Nationalitätenfrage abfand. Die verschiedenen Reformen habest es den Polen, den Tschechen und den Südslawen ermöglicht, sich ftnnviw kräftiger an der. Ausübung der -österreichischen Staatsgewalt zU beteiligen. Die Nationalitäten Oesterreichs haben nicht nur in den großen Fragen der Verfassung, sondrrn auch in den kleinen Fragen des Alltags im politischen Lebendes Staates positiv mitgewirkt. Es ist einfach unwahr, daß die Deutschen allein.und überaÜ die Herr», schende Nation, die übrigen Völker ohne Ausnahme beherrscht waren. Die Wahrheit ist vielmehr^ daß . sich . alle Natwuen mtt AnSnahistr der Nkrainev in die HMfchaft Mten, hier MS .MWheit gebotän> dort als Minderheit gehorchten und .im ganzen genommen durch di« Fortführung und. Beendigung der d e m o k r a t i s ch e n B e r f a s s u n g s r e f o r m eine endgültige und befriedigende Ordnung ihrer wechselseitigen Machtunh.Rechtsverhältnisse sich selbst zu schaffen erwartete«. Äst dieser Entwicklung haben die Völker auch während des Krieges festgehalten.. Die vost ihnen auf Grund des ' >- allgemeineu Wahlrechtes gewählten Vertreter könsten dafür.als kompetente Zeugen gelten. Auf ihr Votum stutzt sich die weitere Beweisführung der Denkschrift, die unzweifelhaft klarlegt, daß keiüe der Nakionatitaten Oesterreichs öie Trüditionest, die sie mit dem österreichischen Staat« verknüpften, durch eine Revolution oder einen Revolutiottsversuch zerbrechen wollten, sondern daß, alle das politische, administrative und wirtschaftliche Lebeti des Staates so lange Mitlebten, bis er durch eisten von üüßsN kommenden Anstoß von selbst zerfiel.' Die Denkschrift beleuchtet sodang. das Verhalten der Nationalitäten im einzelnen. Sie führt aus, daß diß Poten den. Krieg mit Begeisterung begrüßten, weil sie erkannten, daß die Mederherstellung Polens nur durch die Niederwerfung des zaristischsn Rußlands mit Hilf«'Oesterreichs verwirklicht tverdsN .könnte. Es wird die Bildung der freiwilligen Legionen erwähnt und die Tatsache, daß sich die politisch«» Führet des polnischen Volkes mit dem^ österreichischen Staat ider^ tffiziertöN, .durch Zitate' aus Kurndgebun gen des Landtages-und des PvlenklUbs'Nnd aus HMvlrM? LazävHki> Fattzorski und Lasockk erwiesest. . AüS die Sürdslqwen betrifft, so wird ausge-!- führt, haß der KanDf Mest Kalie'n bet ihnen MM l populär war wie der Kampf Aegen. Rußland bei derv- . Polen. Die Vereinigung «Mr siidslawischen StäMOei' - war ihnen freilich erwünscht, aber es'Mar'eM offtne' Frage, ob sie mit Hilfe und im Rahmen Oesterreichs'- Mk M Hilft Serbiens bLMrkfieltigt werden solle-:' - Das kroatische Volk war für die erste Lösung. Als BtleKl. für diese Mchichtliche Tatsache werden. Zitate aus Ress- ' mkiönen oes südslawischen parlamentarischen Klubs und der Landtags' sowie aus Reden verschiedener Abgeordneter angeführt, ferner' Dokumente beigebracht, wonach. Noch im Jahre 1918 die Tätigkeit Trumbie^ von/ den österreichischen Südslawen verurteilt wurde. Schließ-/ lich wird darauf hingewiesen, daß bis kurz vor dem ZüsüiMenüruch der SMlätve' Dr. Zo lge n Mitglieh. der! Regierung war Und daß bei Vorbereitung und Et>. klärimg brs Krieges «dev Kroate Muffulin> dach, den ArchivMeiner der Hauptschuldigen, Mitgewirkt .hat. . Auf die -Tschechen Übergehend,, führt die Denk-, schrift aus, daß ihr Pestreben v>ön fther nicht auf Ans»', lösung', sondern aüf - . ' .. Keherrfchung der GonariW ausging, daß ihre politische Rechnung immer staM / bestand, .der Monarchie. möglichst viel-slawischk Gebiets/' Mzütziftleiben, um Lest slawischen Einfluß itttterhalb-' des Reiches zu vergrößern. Daher' WrMÄn die TschecheN; auch schon im Jsshre nn Gegensatz zü den Deutschest für die Dkkupatt»« Bosniens. Vurch. «ine Reihe von Urftlndest u^ Zitate« w'iM - bewiesen, daß die Erklärungen der verantwortlichen Vertreter der tschechischen Nation bis zum letzten- Tagef, $.£ den S t'a a t Oe st e r r e i ch waren. Es werden Stellest aus Kundgebungen der Sokolverein«!! . des^ Prager Magistrates', der Gemeinde» ustd VezirksvertW»/ Lungen Böhmens u-Nd aus Reden einzelner Abgeordneteri angeführt, von denen msbesonöeve die des Mitgliedes'? der StaatsschuldeNkonMoKkommissiost Mo st allst für die Murteilung der politischest Haltung der Tschechen bezeichnend sind. Ferner wird das bekannte Schreiben der Abgeordneten Stane-k, Smetal und M asialka. an den -Meister des- Aeuße'r« angeführt, in dem es heißt, haß das tschechische . Volk bloß unter dem Habs-- 1 burgifchen Szepber sein« Zukunft erblickt. Daß nahezu alle tschechischen Führer bis in die alrerle^ts.,» Zeit nur an die Entwicklung der. tschechischen / Aütostörni^ im Rahmen Oesterreichs.dachten, wird durch.Zitats^ quS Reden-der Abgesrdneten Stanek, Forscht, Stransky/ Smeral, Viskovsty, Tusar, Bechyne,/ Soukup, Gol^. Üdrzäl- Remee, Hrnban und aus der Resolution, der- P r a g e r Kon st i t u a n t e vom 6. Jänner, 1Ü18, 0t KraMarsch, Raschin, Choe, Tvjna und Burival.an-, gehörten, erwiesen, Schließlich wird daran erinnert,, daß die Me Politik auch noch in allerletzter. Stunde beim . ./ v Gntpfang der tschechische« Führer durch Kaiser Hartz im Äktsbev LSI 8'in Geltung War. Die Rtzvoltttion der Tschechen hat in denselben Tagest des Oktober einst' gefetzt Wie' die der DMfchösteMicher:- Ihr netter'Statttist mit Unserem zugleich' entstanden. Beim ZnfamMestbrnch ging die staatliche Gewalt im gegenseitigen Ümuo . Nehmdn von dem österreichischen ebenso wie auf best öchtLschökterreichischen auch auf den. tschecho-slowakischen, Kölnischen und jugoslawischest Staat ohne irgendeine . ÜstterbrechiiNg Über. DWse Tätfache, sv faßt die Destkschttfß/.ist ihren Schlußworten ihr Beweismaterial zu-' sümisten, kann nicht ernsthaft bestritftn werden und' Me Kkttoch daß..',ÄKefttsch^fterreich und die Rational» stMe'st, Krieg initernattbstc geführt hätten, ist nicht aufrecht zu.erhalten. '/ Dft Wichte Wahrheit ist: D ie 6 st e t r e ich i,s ch » ustgarische Monatchie hat.einen Krieg ge^ führt'stnd verloren und ist dadurch üntergegangen. Auf ihrem Boden haben sich neue Staaten erhöbest, jeder einzelne und atw miteinander bk gleichen Erben des gleichen Unheils. «mim»! n gegenüber dem bisherigen Zustand, da Ueb^rvaschüttgSkriege ausgeschaitet werden." Er bedauerte, daß der Pariser Entwurf im Gegensatz zu dem schweizerischen nicht das absolute Verbot des Krieges esti> halte, und fuhr fort; „Daß Deutschland nicht anfgenommen ivurde, ist ein schwerer Fehler., Die Frage stellt sich nuu: Sötten wir wegen der unbestreitbaren Mängel dem Völkerbund fernbleibest und uns mit Rücksicht auf unsere blondere internationale Stellung in einem weltgeschichtlichen Augenblick isolieren und auf unsere internasionale Mission im Völkerbund verzichtest, oder sollen wir im Glauben an di« Kraft einer Jd^e.dem. Völkerbun^ beitreten, um dort für die Versöhnung, Freundschaft und Gerechtigkeit tm Völkerleben zu wirken/" ' So sympathisch b erOptimismus solcher Änschauung berühren muß, scheint es doch "schon heute säst ausgeschlossen, daß er jeurals zü positiven tEr--. folgen führen könnte. In dem Völkerbund, wie er jetzt vor- ÜW Göttchtigkeit. und west« tatsächlich auch «r ftinersests nüt in der gleiche« Erwägststg wie Schwetz das Projekt aufrecht erhalten will, M er; sich die Frage, ob. es nicht wertvoller wäre, wenn be Witson Ms'dD Schweiz, zu ihtem ursprüngliche« sti Ktkest „Alles öder , nichts" zurückkehtten. Mher die Einzelheiten des polnische« ü träges Serlautet «sch. immer nichts Genaueres, 3 rtt a N)iv« Mn W zür' Unterschrift istinM noch n entschließe«. „JnbependeriÄ RöNstiäine" schptibt:! AMtat iefchHß heute, istit Rücksicht üuf die gefährl SiiÜaLiö« än den GMzest. den FriedöNsvertrag s! allen Klauseln zu unterzeichnen. . Da '' Brattckm sich vetgeri, den Frieden zu ' Uüter.'.r'rchne«, wird eiste n e Friede nsde'leg.a i i ^;; ulf)(t"uub nach Paris Mtietwerben. .■ *' <

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