Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 165 (4.7.1919)
- Date
- 1919-07-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2979076-2979077-2979242--01467-2986873- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
I Ureis 36 Hrüe? BIhi Mt SttfttStmg tnl Hrurr Stonittliii). «S?♦“ Kkrt.ttLtwtg . . „ 30.- SaNüShrl- „ 40.— Vmrrtähris . *'t „ 80.— Mit Vostversand: .Monatlich. . . .K 7M telfAntkS - - m 2?*rialvfätrrig , „ 44.— JflS n 88»— MmÄErrrprar: rener Vchks 44038, 9. «8 0 tstra- «Ktko» «brnd» Nr. 165 Wien, Freitag, den 4. Juli ISIS pvtif» fßtt >«*; Mt^natttch -« *i M-t-liStzeko.Z, S» s aUüShrks ßaarfahrks.!MM .,, -ftrlf -vr-Sr'.-qfrli Upv«Kti<yrtk.Ar ... -.J-. fg0)£ . M-.rrr. xi. «ab-rltr»K» & Nr. 1-8 ' idOFO» ' 1. Jahrgang Das ewige „provisorische" v PapierLudget. - lWi en, 4.IM, . V Das vom Staatssekretär der Finanzen eingebrachte Budgetprovisorium für das zweite Semester offenbart hie ganze Trostlosigkeit unserer Wirtschaft. Wir hssben einen- Notenumlauf von 41V« Milliarden Kronen glücklich erreicht. Aber die Begründung der Vorlage eröffnet uns die angenehme Aussicht, daß wir noch länge nicht auf dem Höhepunkt angelangt sind, wir haben eine weitere Noteninflation, und in Verbindung /damit ein weiteres Steigen her Preise und eine Erschwerung der ganzen Lebenshaltung zu erwarten. - I \ - Dmch das Büdgetprovisorium wird die Regierung ermächtigt, zwei Milliarden Kronen im Wege , des Kredits, aufzubringen, um den Abgang im zweiten Semester , zu decken. Es ist möglich, daß die Regierung die Notenpresse oder die Notenbank neuerlich wird in Anspruch nehmen müssen. Welchen Eindruck muß diese Vörgängsweise auf das Ausland - machen? Kanu .man , dort ernsthaft daran" glauben, daß wir die Absicht und den guten Willen haben, an , die Sanierung unserer total zerrütteten Wirtschastsverhältnisse zu gehen? Der offiziellen Verlautbarung kann nicht einmal Klarheit des Textes, siachgerühmt werden, sie HM sich in das Geheimnisvolle Und spricht von der Möglichkeit einer „indirekten Inanspruchnahme" der Notenbank. Kein Mensch versteht diese mysteriöse Ausdrucksweise, hinter der sich alltzrhand Unerwartetes verbergen mag. [ Unter diesen Umständen muß man immer wieder Warum wurden wir fast täglich mst dem des „Abbaues" . hiNterggngen? Cs ist daß nicht nur keine Besserungsondern re BerschlimnlerüNg der Lage zu erwarten ist. Man. begreift durchaus, daß uns angesichts einer derartigen Leitung niemand mehr ohne äüsgiebige Pfänder und Sicherstellungen etwas liefern oder leihen will. Dann drängt sich die Frage auf: Wie konnte Doktor Schumpeter immer wieder von günstigen Aussichten sprechen und einen unverständlichen Opttmismus bei jeder Gelegenheit an den Tag legen? War er fo miserabel informiert, oder . hat er in wohlüberlegter Weise die Oeffentlichkeit, um sie fiir den Augenblick' zu trösten, abzufinden versucht? ' Bei Zahlreichen Gelegenheiten erklärte Schumpeter: Wir können eine Goldwährung oder Goldkernwährung haben, wir können Rohstoffe und Kredite erhalten so viel wir nur wünschen, die Weststaaten warten ntzr darauf, sie uns zu eröffnen! Wie aber sehen die Dinge in Wirklichkett aus? Wir haben nichts als Papier, wir wühlen förmlich in Papier, es ist unser einziger Reichtum. Das wenige Gold, das bei uns noch vorhanden ist, die ftemden Wertpapiere, die einzelne besitzen,, das Holz unserer Wälder werden wir an unsere Lebensmittellieferanten .und sonstigen : Gläubiger herausgeben muffen. Die Straßenbahn ^unserer Hauptstadt, unsere Eisenbahnen, unsere Salzbergwerke sind verpsänoet. Heute steht es bereits fest, daß wegen der Energielosigkeit' unserer Behörden und her Korruption der Agrarier die Ernte nur zu einem verschwindend geringen Telle zu erfassen sein wird. Jetzt, ick Hochsommer, ist bereits die Rede davon, daß wir im Winter unter einer katastrophalen Kohlennot leiden werden, wie, wir sie noch nicht erlebten, nicht einmal. ..in dem furchtbaren vergangenen Winter. / , Niemand in leitender Stelle will für diese /geradezu haarsträubenden Aussichten verantwortlich sein. Alles wird auf das Schuldkonto der Tschechen geschrieben. Wir geben zu§ unsere Unterhändler haben es gewiß nicht so leicht wie in der alten Monarchie, wo - einfach mit Rad und Galgen. gedroht oder mit Schulen oder Beamtenstellen geködert wurde, wenn die Gegenpartei nicht gleich zu Willen war. ..Aber unsere Unterhändler scheinen nur zu oft vergessen zu wollen, daß. wir uns in einer gänzlich veränderten Wett befinden, daß sie mü den Gegnern gleichgestellt ' .sind; daß sie. nicht mit stolzen. Forderungen austreten -können, sondern mit . Geduld, Entgegenkommen und Versöhnlichkeit vorgehen müssen; ja, daß sie, wenn es zum Aeußersten kommt, gezwungen find, sich aufs Bitten zu verlegen. Wir büßen in der entsetzlichen Situation, , in der . wir uns befinden, dadurch nichts an unserer Ehre ein. Die Klugheit erheischt es dringend, daß wir den.Verhältnissen rechizeing Rechnung tragen. Ist es etwa nicht genüg, hch Miere Fabriken Mieden, Wkr Brattan« wkll die MinoriLätsklauseln nicht annehmen. Paris, 3. Juli. (Korr.-Bur.) B t a i i a tut hat vor feiner Abreise einem Berichterstatter des „M a L i n" Mitteilungen über den Grund seiner bevorstehenden Demission gemacht. Sr sagte, er betrachte es' als ix nmöglich, daß Rumänien die Klauseln über den Schutz d er Minoritäten annehme, die seine Souveränität einschranken würden und die in den Vertrag mit Oesterreich ausgenommen werden Ulen. Einer seiner Mitarbeiter fügte hinzu, aß Rumänien überdies dadurch gekränkt worden sei, daß die Entente die seinerzeit mit Rumänien geschlossenen VerLMe angesichts dev neyen Lage für nichtig erklärt habe Ä I und daß Rumäniens Meinung über die tigsten Fragen des Friedensvertrages. gar nicht erst eingeholt worden sei. Man habe schließlich die Mitteilung erhalte«, daß die Minoritätenklansel auf alle kleinen Erbstaaten Oesterreich- Angarns Anwendung finden werdet Die Entente sei sich öffenbar nicht klar darüber,! welch5 Folgen daraus entstehen können. So Hätten die Schwaben und Sach f e n, die schon bereit waren, Rumänen zn werden, auf. die bloße Nachricht hin bereits eine Sonder-» st eL ln n g verlangt und wollten dir Gründung einer d e n t s ch e n M a r k mitten in Rumänien durchsetzen. v '; ■' .Die Adriafrage. Ztalierr erhLlt Kompensüttorrerr für Fiume. Genf, 3. Juli. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Von Persönlichkeiten, die der Friedenskonferenz nahestehen, wird witgeteilt, daß die Verhandlungen mit Italien zwecks rascher Lösung der adriatischen Frage, begonnen haben. Die Angelegenheit ist noch nicht ganz entschieden, doch kann man sagendaß der Standpunkt Wilsons bezüglich Fiumes vollkommen a u f r e ch t e r h a l t e n wurde, aber man denkt an gewisse andere Ent sch ä d i g u n g e n, die die öffentliche Meinung in Italien so weit beruhigen würden, daß die friiher zwischen-Amerika und Italien bestandeneFreundschaftwiederhergestelltwerde.! Der.englische Gesandte.., ln Warschau erhebt Boxstellungen - wegen der Pogrome. A mst e r d a m,, 2. Juli.(Korr.-Bm.) Zu der Sitzung des englischen A n t e r Hanfes vom 39. Juni wurde mitgeteilt^ daß der britische Gesandte inWa rschau den Austrag erhalten habe, der polnischen Regierung wegen der Miß h andlnngen von Indien in Polen V o rstellnngen zu machen. Neuerliche, polnischukrainische WaffenstiKstanÄsoerhandlÄngen? Lemberg, 3. Juli. Der ^Gazetta Meezorna" wird aus Lemberg gemeldet r Das ukrainische Oberkommando richtete an das polnische Oberkommando' das Ersuchen um Entsendung von Delegierten behufs Einleitung neuerlicher Waffenstillstandsverhandlungen. Der Diererrat läßt die Kümpfe in Sstgalizien einstellen. BoLksabstimmung nach einem Zähre. Prag, 8. Juli. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") „Narodni Listh" meldet aus Lembergr Der Bier errat hat die Entwaffnung der ukrainischen und polnischen Truppen im Gebiete zwischen dem San und Czernowitz und die Verwaltung dieses Gebietes durch die Entente beschloss e n. Rach einem Jahr soll eine Volksabstimmung über die künftige Zugehörigkeit erfolgen. Handel usid Wandel gänzlich lahmgelegt ist? Müssen wir etwa' bis zum Kälteeinbrüch warten, um zu der Ueberzevgung zu gelangen, daß etwas gegen die! Kohlemot geschehen müsse? Wir haben das Erbübel des allen Oesterreich, das Spezifikum der zerfallenen Monarchie in die Republik mitfortgeschleppt: den unausttljbaren Schlendrian, das Fortwursteln ohne alle 'i Gedanken an die Zukunft. PlÄuderungerr .jüdischer Ge-. schüste in Dortmnnd. ' Berlin, 3. Juli. (Korr.-Bur.) Die „V o s s i s ch e Zeitung" meldetäus Do rtm u n d : Am Nachmittag st s l l t e n die B eleg sch asten der großen Werke die Arbeit ein, um für die Auflösung der Sicherheitswehr und die A b s eH un g N o s k e s zu de monstriere n. Der Mob begann in der inneren Stadt und in den Hauptstraßen der äußeren Viertel zu plündern. Vornehmlich^ wurden Kleider-, Weißwaren-, Schuh- und! Zigarrengeschäfte,' deren Inhaber Inden sind, heimgesucht. Es kam zn Schießereie.n, doch herrschte am Abend! wieder.Ruhe. Der Friede mit. Deutschöster^ reich. Die fi«a«ziellen Bedingungen. G enf, 3. Juli. (Tel. der „Wr. MorgeHtz.")! Die wirtschaftlichen und finanziellen Be-! dingungen für Oesterreich find bereits dem' Rehaktionskomitee übergeben worden und! werden sofort nach Fertigstellung des Druckes! an Dr. Renner übergeben werden. . > Die türkische Frage verschöbe«. Zürich, 3. Juli. (Tel. der „Wr. Morgenztg.")' Die Regelung - der türkischen Frage wurde! auf einen späteren Zeitpunkt vor-! schoben, da man nach Verabschiedung des, Vertrages mit Oesterreich zunächst die b u l-! garifche und ungarische Frage besprechen und erledigen will, die bis jetzt noch! kaum berührt wurden. 4 «WHM j /Die Lenker unserer Geschicke^ wollten während , des ,Krieges nicht auf Warnungen achten, und wollen! es/M.nach' dem Kriege, ebenfow-ulg. Wäre es nicht ua-faolu'h traurig, man müßte lachcn. üüec den'Aus- - , ... -,. . - .. , , unseres Fmauzsekretürs : es macht, keinen, i t-'5 ^^elnen hiß Ture o 4 Unterschied/ ob wir die Kohlen aus unserem eigenen/ Land, oder aus dem Ausland beziehen. Diese geradezu!. klassischen Worte waren eben einem österreichffchen!' Minister Vorbehalten. . 1 Es ist die höchste Zech daß etwas geschieht, um^ das Aergste abzuwenden. Es ist höchste Zeit, daßunsere „Führer" zur Einsicht gelangen, daß nur ims Wesse des Kompromisses etwas - zu erreichen ist.! Können sie sich den Umständen nicht anpassen, dann-' mögen sie ihre Unfähigkeit bekennen und Berufeneren/ das Feld raumen. Tun sie dies nicht, dann kommt! der vollständige Bankrott, der schließlich dem Älbst-! öffnet.