Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1919-07-02 · Heft 163 (2.7.1919) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 163 (2.7.1919)
Date
1919-07-02
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2979076-2979077-2979240--01452-2986856
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite'4^ Wien, Mittwoch' --;— —^ ' —" 1 1;r-^r«r.iryw Telegramme. :'S%,! Aeberfälle auf Juden in Warschau. Ein Jude getötet» viele verwundet und mißhandelt. Warschau, 1. Juli. (Tel. der „Wiener Morgen- .zcinulg".) Donnerstag den 26. p. M. fanden am Salier in Warschau, unweit dom Landtagsgebäude, Ans- 'fchreitungen gegen Juden statt, denen auch ein Menschenleben znm Opfer siel. Eine Gruppe Hallerschcr Soldaten unter Führung von Offizieren überfielen zunächst die Tramway, zogen die jüdischen Reisenden ans die Straße und rissen ihnen die Bärte aus. Alsdann begaben sich die Exzedenten in das in der Näbe befindliche Schlachthaus, wo sie gegen die dort beschäftigten Juden loszagen. Allen Juden wurden die Bärte abgeschnitten, lvorauf sie noch mit Schlägen, bedacht wurden. Der 78jährige Bert Grünblatt wurde, nackdem ihm der Bart abgeschnitten wurde, mit einem Stock derart bearbeitet, daß er bald leblos z u s am m e n b x ct ch. Mehrere Juden, gegen die mit Bajonetten und Messern voraegangen wurde, erhielten mehr oder minder ernste Verletzungen. Nach zweiftündigem Wüten der „Hallerczyki" wurde der Jüdische Rationalrat von den Vorfällen in Kenntnis gesetzt, ivoraus er beim Stadtkommandanten intervenierte. Bald sind am Tatorte auch der Abgeordnete Färb stein und Ratsmann Jrchenieur Körner erschienen, die die llcbersührung der Verwundeten ins Kommissariat und die protokollarische Feststellung der Einzelheiten veranlaßten. Abgeordneter Holpern brachte in der Landtagssitzung am 27. Juni einen Dringlichkeitsantrag iüber diese Vorfälle ein und forderte die Regierung aus, endlich energische Schritte zu ergreifen und eine Kommission zur Untersuchung der Ausschreitungen in Soli ec zu wählen. Das Uergste sei, daß die polnische Gesellschaft und die polnische Regierung sich gegenüber dem skandalösen Treiben ganz passiv verhalten, daß kein einziger von den Banditen v e r h a f t e t oder b e str a f t wurde. Im Warschauer S t a d t r a t hielt der zionistische Ratsmann Ingenieur Körner eine zweistündige Rede, in welcher er die furchtbaren Leiden der Juden Polens, insbesondere die tagtäglich sich wiederholenden Ausschreitungen in den Straßen Warschaus schilderte. Gegen die Pogrome sprach auch der sozialistische Ratsmann Holowko (P. P. S.). - Die Frage des Plebiszits für Oftgalizien. Lemberg, 1. Juli. Die polnischen Blätter melden, daß der Fünferrat in Paris bezüglich der oftgalizischen Frage sich dahin entschieden hat, daß in dem Gebiete von Sanok bis Czernowitz die polnischen und ukrainischen Truppen zu entwaffnen und unter Leitung von Ententefunktionären nach Ablauf eines Jahres ein Plebiszit stattzufinden habe, welches über die Zukunft Ostgaliziens zu entscheiden haben wird. In der Zwischenzeit soll einem zu wählenden Landtag die administrativen Agenden Ostgaliziens übertragen werden. In ukrainischen Kreisen ist man mit einem Plebiszit in Ostgalizien umsomehr einverstanden, als man dadurch hofft, daß auch Lemberg zu dem ukrainischen Teil Güliziens gehören wird. Polnische Forderungen in dem von Rumänen i. okkupierten Oftgalizien. Warschau, 1. Juli. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Hier ist eine Abordnung der polnischen Bevölkerung des von den Rumänen besetzten Gebietes in Südostgalizien eingetrofsen. Die rumänischen Okkupanten halten sechs Bezirke besetzt, und zwar Kolomea, Delathn, Sniathn, Horodenka, Kossow und Peczenizhn, von denen die ersten drei Bezirke polnische, die anderen drei ukrainische Bezir k sbauptleute haben. Jedem Bczirkshaupimann ist j e e in Vertreter der zwei anderer: Nationen als Kontrollorgan beigegeben. Die Abordnung fordert von der polrüschen Regierung die Erledigung der Angelegenheit Ostgaliziens und die Liquidierung desKrieges mit den Ukrainern.; - -- Bevorstehende Aebergabe des Ergänzungstextes der Bedingungen für Dentsch'österreich. Paris, 30. Juni. (Havas.) Der E r g ä n z u n g stext hinsichtlich der wirtschaftlichen und finanziellen Bedingungenwird Ende diese r W o ch e der d eu ts ch österreichischen .Friedensdelegation übergeben werden. s Der Fünferrat. > Paris, 1. Juli. (Havas.) Der „Temps" schreibt, daß nicht der Rat der Zehn sondern der Rat der Fünf die Verhandlungen der Konferenz weiiersühren werde. Der Rat der Fünf-besteht ans Glemenceau, Lloyd Geo rat, B a t f o u r, .T i t t o n i und M a k i n o. Die erste Sitzung, werde wahrp'cheinlich heute stattfindcn. Als erste Arbeit werde die Vollendung ^des Vertrages mit Oesterreich in Angriff gekommen werden, sodann folgen die Abkommen mit der \X ü r! e i imb Bulgarien. I Die Veröffentlichung des englisch-französischen s Defensivöündnifses. f Lugano» 1. Juli. (Tel.-Komp.) Nach einer Meldung deZ!,.Coniere della Sera" steht die B,er y s f enf l i ch u n 8 d e s n g lDs ch - s r a nzösis ch en Defensivbündnisses i bevor. Präsident Wilson stimmte der Veröffentlichung zu mit der Erklärung, er Hope, dich er den Widerstand des Parlaments; das Bündnis, dem auch Amerika beigetrcteu ist, best egen -werde. . 'Wiener Morgenzeitung . Der Vertrag für Oesterreich fertig. Paris, 1.Juli.(Havas.) DerBertrag mit O e ft e t r e i ch ist fertiggestellt, ausgenommen die militärischen Bedingungen. Die „Times" meldet aus Paris r Das österreichifcheMemor an dum über die unterbreiteten Wirtschaft li che n Anregungen hat auf den Rat der Drei tiefen Eindruck gemacht. Brandeis nach Palästina abgereist. Aus Paris wird uns berichtet: SberrichLer Lorrrs Vrandeis konferierte hier mit bedeutenden Staatsmännern der Entente, besonders mit Wilson in Sachen des Zionismus und der Pogrome. Dienstag den 24. v. M. verließ er Paris, um seine Reise nachPalastina anzutreten. Rach vier Wochen Aufenthalt kehrt Brandeis nach Paris zurück, wo er dann eine längere Zeit bleiben wird, die er der Fertigstellung eines konkreten Planes für den Aufbau eines jüdischen Palast i n a widmen will. Eine türkische MUitarrevotte. Amsterdam, 1. Juli. (Korr.-Bur.) Die „Times" meldet aus Athen, daß dort eine amtliche Meldung aus Konftantinopel eingetroffen ist, wonach sich M u st a f a D s ch e m a l Pascha, Befehlshaber einer Heeresgruppe und gegenwärtig Inspektor der anatolischen Armeen, an die Spitze einer gegen die Zentralregierung gerichteten Aufstandsbewegung gesetzt hat. In seiner Proklamation fordert er auf, sich zur Verteidigung des Landes zusammenzuschließen. Sein Hauptquartier befindet sich in Amadia und sein Einfluß erstreckt sich über das gesamte Vilajet B r u s s a bis zur griechischen Befetzungszone. Der Kommandant des 17. Armeekorps hat sich dieser Bewegung angefchlosien. Eine Sonderkommisfion ist von Konftantinopel nach Anatolien abgesandt worden, um die dortige Bevölkerung zu beruhigen. Die türkische Regierung forderte Mustafa Dschemal Pascha auf, nach Konstantinopel zu kommen. Dieser weigerte sich jedoch, der Aufforderung Folge zu leisten. Clemeneean fordert in der Kammer die Ratifizierung des Friedensvertrages. Paris, 1. Juli. (Tel.-Komp.) Clemenceau machte heute in dev Kammer unter großem Beifall den Vorschlag zur baldigen Ratifizierung d es Fried ensab komm eus. Tschechien muß einen Teil der Kriegsschulden ' zahlen. s Prag, 1. Juli. (Tel. der „Wr. Morgenzlg.") Das „Ceske Slovo" erörtert heute die U e beinah m e eines Teiles der Kriegsschulden 'durch die Tschecho-Slowakei. Alles weist darauf hin, sagt das Blatt, daß man in Paris entschlossen ist, uns die Zahlung dieser Schuld zur P f l i ch t zu machen. Die Pariser Entscheidung ist ausschließlich zum VorteileDeutschösterreichs und Ungarns getroffen. Es ist dies einfach eine Fortsetzung der ausländischen K o h l e n 1 r a n s p o r t und Zuckerpolitik. Es handelt sich um die Rettung von Wiener Finanzmännern und Banken, die sich für die Stellung der Kriegsanleihen aus Kaufmanns schen und politischen Gründen engagiert haben. Diese Entscheidung in Paris ist offenbar derKaufpreis dafür, daß Oesterreich nicht an Deutschland angeschlossen wird, und daß in Paris die Politik jener Leute e r f o l g r e ich gewirkt hat, die gerne eine Don a u Konföderation sehen möchten. Soziawemokrätische Bürgermeisterwahr in Böhmen. Prag, 1. Jrili. (Tschecho-slow. Preßbnr.) Bei dcrr in Königliche W e i n b e r fl e, W rschowitz und W h s o t s ch a n stattgcfilndencn B ü r g e r m e: st e r w a h'l e n wurden durchwegs t s ch,e ch i s ch e S o z i a l d e m o kraten zu Bürgermeistern gewählt. Auch in B n d w e i s giufl ein Mitglied dieser Partei, Ottokar S v o b o d a, aus der Wahl hervor. Damit ist dort zum erstenmal nach 4'/- Jahrhunderten ein T s ch e ch e Oberhaupt der Stadtgemeinde. In T e t s ch e n wurde der Sozialdemokrat Grün d und inBodenb a ch der ehemalige sozialdemokratische Abgeordnete R e i tz n e r zum Bürgermeister gewählt. In den Prager G e m e i n d e r a t sind d r ei V e r t r e t e r der Prager deutsch enVevö.lkernng entsandt worden. ' Diele Todesopfer Des Erdbebens. in Italien. Rom» 1. Juli. Eel.-Kvmp.) Die Berichte über das. Erdbeben besagen, daß s e h r vieleDodesopfer zu beklagen sind. Die Regierung trifft u m f a ss r u d e M a p n n 0 m e it pir Hitpüistuug. v ■. 6. IuIiHs fS£uk\ 82 Milliarden verschlepptes deutsches Geld beschlagnahmt? München, 1. Juli. (Äl. der «Wr. Morgenztg.') Den deutschen Behörden soll es gelungen feilt, 82 Milliarden deutsches Geld, das heimlich ins Ausland verschoben worden war, durch rasches Zugreifen zu erfasse n. Es handelt sich um die ungeheure Geldsumme der K r i e g s g e w i n tt e r, Lebensmittel sch t e b e t und anderer plötzlich reich gewordener Personen, die ihren Raub imAuslande sicher n wollten. Die deutschen Behörden, die von diesen Geldverschleppungen rechtzeitig Wind bekamen, konnten 35 Milliarden in den skandinavischen Ländern und in Holl and sowie 47 Milliarden in der Schweiz erfassen. Die Entente, der dieses Geld angeboten wurde, benahm sich anfänglich recht zurückhaltend, entschloß sich aber auf englisches Drängen, das Geld als Abschlagszahlung anzunehmen. England soll seines Anteil an Amerika zediert haben. . . (C Der Berkehrsstreik in Berlin. V-Y’-V Berlin, 1. Juli. (Tel.-Komp.). Der Berliner Berkehrsstreik hat begonnen. Die Straßenbahnen, Hochbahnen und Stadtbahnen haben ihren Betrieb eingestellt und nur die Omnibusse verkehren. Die Eisenbahner Vertvahren sich in einer Resolution entschieden dagegen, daß der Streik, als'ein politische r gestempelt werde. Er sei lediglich wir tschaftlicher Art. Aber, in einer Versammlung der Vertrauensleute der Eisenbahner der sozialistischen Partei Deutschlands wurde vom den Referenten^ offen betont, daß der Streik im politischen Fahrwasser segle, und'es kann jetzt wohl kaum noch ein Zweifel darüber, bestehen, daß die wirtschaftlichen 'Forderungen lediglich als ein Vorwand für den Streik gelten. : Die Leitung Haben allem Anscheine nach ko mimuni sti sche Elemente an sich gerissen, die mit einer großangelegten Streikbewegung den Sturz d er Regierung herbeizuführen suchen. Eine Berliner Korrespondenz will, sogar wissen, daß der Eisenbahner streik, der gestern frisch aufgeflackert ist, von den Komnrunisten m ii dem Gelbe d c r ungar ts ch e n R ä t e r e g i e r u n g in Szene gesetzt wordeir ist. Ein österreichischer Schriftsteller soll das Geld aus Budapest mitgebracht Habens Ein Teil der ungarischen Geldmittel soN nach Ham-i bürg gegangen sein. Die Berliner Stveikleitrmg hat dieser Korrespondenz zufolge der frühere Polizeipräsident Eichhorn in die Hand genommen, de« bis vor kurzem sich unter falschem Namen in-Berlin ausgehalten hat.;,' H| Der Eisenbahnerstreik hat auch schon .ein« Störung in der Lebensmittelzufuhr zur. Folge .gehabt. Jetzt ist, auch die KN.H-l!e.nzufu.hL-i'E Frage gestellt.' -? - . - f. j ' Die KornmrrttisteriveiHaftrmgen in Berlins Berlin» I. Juli. Wie die „B. Z. am Mittag" meldet,^ sind außer H e r s u r t h zahlreiche andere Führer der Kommunisten und eme größere Anzahl von revolutionären. Obleuten festgenommen worden. Ursprünglich war der 19. Ma» für den Beginn des Generalstreiks in Aussicht genommen.. Die Führer der Unabhängigen hatten bereits eine Ministerliste für die künftige Räterepublik und die Proklamationen vorbereitet. I Arbeitszwang in Berlin. Äz Berlin, 1. Juli. (Tel.-Komp.) Die Verhandlungen, 'die zwischen den streikenden Eisenbahnbeamten und dem Ministerium stattfanden, haben noch zu keiner Einigung geführt. Die Eisenbahner sind mit den ihnen gemachten Zugeständnissen in der Lebensmittelversorgung nicht zufrieden. Wie die „Freiheit" meldet, soll ein Dekret ausaearbeiiet werden, wonach sich die Arbeiter verpflichten müffeu, Me Arb eil bedingungslos wieder a n s z u nehmen. Wer nicht unterschreibt, soll entlassen werden. -pL.--.? Deutscher Gewerkschaftskongreß, i M1 *■*'Nürnberg, 1; Juli. Der zehnte bentsUe 'Ge-! werksHaftslvn'greff wurde gestern vom Abgeordneten L e g h i e n eröffnet. Vertreten sind 52 Verbände mit fast einer halben Million Mitglieder durch' 664Delegierte. Sehr zahlreich sind die Vertreter des Auslandes erschienen, so aus Schweden, Dänemark, Norwegen, Hol» land, der Schweiz und Oesterreich. Als Vertreter Deuts'chösterreichs sind Domes, Grün Wal d>' und' Huppert erschienen. •'!! $ In seiner Eröffnungsansprache forderte Leg h i e q zur Durchsetzung aller auf die Arbeit bezüglichen Forde--. rungen und zur Si.chexy.ng des Sozi.alis m ü's? - sowie zur Einigkeit der Arbeiterklasse auf. I Nach den Ausführungen des Vorsitzenden Leghien. wurde eine. Resolusivst^..beschWen,. worin die. Reichs- . regierung aufgefördert wi)öd, "dewStreikerlaß des Mi. nisters-Nv s kc zurückzuzieheit- Andererseits richtet der Gewerkschaftskongreß an die Eisenbahner und die samte Arbeiterschaft den dringenden Appell, ihre Intern essen nur im Namen der Gewerkschaftsvrganisation zn-' vertreten Und a n g e ft ch ts d er trostlosen Lg g e p Deut sch l ü u d s und s e ine r. rbeiterkl a s je» .■ wilde Streiks zu unterlassen. Rumänien zieht feine Truppen von Ungarn nicht zurück. . i Paris, 1. Juli. (Funkspruch.) Der rumünischeM i n ist e r-' r a t hat beschlofsm, die Tele g.r.amk m e .B e l ct K « u s n i ch l z «, b e unt wW'r tr-n>- -dü die ruMüisch^Regieküng die oylschewikische Reg i--e r um g nX cht a:Hft!: enn tr; Ferner wurde beschlossen, die rnmiimschen Trupp:e n- <4 o* ln nae nicht z u r ü ck z n z i e b ett, als nicht in Nngcitn - eine Regicrnng bestehe, die von der Entente a n er ka >< u t; i weide, * ■ t

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.