Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 156 (25.6.1919)
- Date
- 1919-06-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Kreis 36 Srürr Pt&mm?**tt***f*tif* r Mlw$ Mit Znstülnnz in» Hau»:' W»««tUch. ...» V.- Kttittiätme - m 20.— ,fl«U»f5ttvlS . . „ 40.— W«WShvrs . . . .. 80.— Mit Vostt, erfand: W«»«tiich. . . .K VM VLeetaUShrks. . „ 22.— ««uqshvk, . . . .. 44.— '««qfSyrt» . . „ 88.- ,Gütißläm$t AdWküste». ttm 44088, «vdnkttv« —a*js— rener Dj«rer»vo«tpwrr iU'«j 3« , ‘ V*SwnucaK«t.4 *.l p»if» f»»*«# 3triitaftaj ■ M«rEch . . .» &M &Uvttlfälttig $5.-' yLidfStr-is ...80.- 8*ntf8#fit •* Mk-L A gUbafrttat ».AdmittistratUm: Mir«, \xx. eavorSräK, , postspitvItLssett-SUitti» ' Jtr, 150.698 f Nr. 156 ‘'V\* ' v l Wien, Mittwoch, den 25. Juni ISIS 1. Jahrgang EiRe Note Renners über die wirtschaftlichen Bedingungen. Bedingungslos unter Protest., —y Wien. 25. Juni. Montag nachmittags hat der Gesandte Deutschlands in Versailles den Bevollmächtigten der Entente i folgende Note übermittelt: Die Negierung der deutschen Republik hat aus der letzten Mitteilung der alliierten und *, assoziierten Negierungen mit Erschütterung ersehen» daß sie entschlossen sind, von Deutschland! auch die Annahme derjenigettFriedensbedingungen mit äußerster Gewalt zu erzwingen» die» ohne V. materielle Bedeutung zu besitzen» den Zweck verfolge«, dem deutschen Volke seine Ehre zu nehmen. Durch einen Gewaltakt wird die Ehre des deutschen Volkes nicht berührt. Sie nach außen zu verteidigen fehlt dem deutschen Volke nach den entsetzlichen Leiden in den letzten Jahren jedes; Mittel. Der übermächtigen Gewalt weicherld und ohne damit ihre Austastung über die unerhörte Ungerechtigkeit der FriedenSbedingungen aufzu- . geben» erklärt deshalb die Regierung der deutschen 1 Republik» „daß sie bereit ist» die von den alliierten und astoziierten Regierungen auferlegten Friedensbedingungen anzunehmen und zu unterzeichnen." Die Ueberreichung der Note erfolgte, bevor noch die in Weimar tagende Nationalversammlung die Rtde des Ministerpräsidenten Bauer, sein „Unterschreiben wir!" vernommen hatte. DM neue Kabinett hatte' sich nach Ueberwindung - schwerer Widerstände, die aus dem Kreis der Generale kamen, entschlossen, die -wenigen Stünden Frist» die< das - starre Ultimatum . der- Entente noch; übrig gelaDn-chatte^nicht zum neuen Krieg'- üüMeiten M lüffen^ l -- ‘ : Es war sicherlich eine Szene voll der stärksten drämätischen Wucht, als die deutsche'Volksvertretung der Regierung die Ermächtigung / erteilte, nach ihrem Ermessen zu handeln und einen Frieden zu unterfertigen; der so wie der Tilsiter Frieden tief in das Leben jedes einzelnen deutschen Haushaltes einschneidet. Das imperialistische Deutschland, das ivaffenklirtend nach der Weltherrschaft, nach dem Richteramt über die ganze Erde strebte, hat einen Krieg angezündet, der fast die ganze Menschheit in seinen blutigen Bann zog. Es hat ihn nach vier Jahren unerhörten Ringens verloren. Und mm kehrt das deutsche Volk'tiefgebeugt und verarmt zurück, von Feinden umlauert, die seinem Friedensversprechen nicht trauen und ihm Fesseln auferlegen, die eine Aufrichtung des an Arbeit gewöhnten Volkes für alle Zukunft verhindern sollen. Dieses Ziel wird aber nicht erreicht werden, weil man ein so großes Volk wohl niederwerfen, aber nicht Niederhalten kann. Deutschland unterschreibt den Zwangfrieden von Versailles bedingungslos, aber unter Protest gegen die. Ungerechtigkeit der Friedensbedingungen. Haben wir das nicht schon einmal gehört? Hat Leo Trohki in Brest-Litowsk nicht fast genau die gleichen Worte gesprochen, als ihm Kühlmann. Czernin und Hofmann auf alle Einwendungen und Bitten stets das gleiche „Unterschreiben!" entgegen hielten? Man war damals in Deutschland taub gegen alle Vernunftgründe und die Erinnerung . an die maßvolle Haltung Bismarcks in Nikolsburg wurde in alle Winde geschlagen. Von der nationalistischen, im Siegesrausch tobenden Rechten angefangen bis'zu den Mehrhettssozialisten, denen die Angst vor den russischen Bolschewiken jede kühle Ueberlegüng geraubt hatte, war alles bis auf eine Handvoll Intellektueller und der wenigen unabhängigen Sozialisten eistig in der Bewunderung des Friedenswerkes, aus dem doch nur neuer Krieg und Tod erblüht ist. Ins Grauenhafte türmte sich die Pyramide der Söhne des fleißigen deutschen Volkes, das in unendlicher . Qual seinen Fehler büßen müß: haß es fein Geschick m blindem Vertrauen einer Schar unverantworüicher, in nichts über das Mittelmaß hinausragender Menschen gelegt hatte, die stolz auf .einen.Wohlstand, den nicht sie geschaffen, sich vermessen halten, die ganze Welt gegen Deutschland herauszufordem. /. ■ Aus Brest-Litowsk hat Deutschland nichts gelernt.. Aber die Sieger von heute haben das gleiche:getan.: Ihr Friedenswerk wird ebensowenig von Dauer fein,; wie das der Kiihlmann und Czernin. Als Trohki unterschrieb, schief die übrige Welt noch intakt. Heute breiten sich die Schatten des Unterganges schon über ci! \ ojmi bis cm den Rhein. Saint-Germain-enj-Lay?, 24. Juni. (Korr.-Bur.) Staatskanzler Dr. Renner hat int Namen der deutschösterreichischen Friedensdelegation dem Präsidenten der Friedenskonferenz eine Note übersendet, in der es heißt: Die deütschösterreichische Delegation hat die wirtschaftlichen und finanziellen'Friedensbedingungen, die ihr von den alliierten.und assoziierten Mächten übermittelt wurden, sofort eingehend zu studieren begonnen. Ehe die Delegation sich über die schwerwiegenden und komplizierten Bestimmungen in ihrem ganzen Umfang äußern kann, sieht sie sich veranlaßt, die Aufmerksamkeit der Friedenskonferenz auf eine Frage zu lenken, von deren Beantwortung es abhängt, ob die Friedensbedingungen für uns wirtschaftlich, und finanziell überhaupt durchführbar sein können. Nach den Bestimmungen des Artikels 49 »ist es den Regierungen, die sich in die Gebiete der österreichisch-ungarischen Monarchie geteilt haben, gestattet, alles Vermögen der deutschösterreichischen Staatsbürger und Gesellschaften, das sich auf ihren Gebieten befindet, zurückzubehalten und zu liquidieren. Diese Gebiete waren mit Deutschösterreich seit Jahrhunderten bis zum November 1918 in der österreichisch-ungarischen Monarchie vereinigt. Das Vermögen der Deutschösterreicher ist. naturgemäß über die ganze Monarchie verteilt; sie haben ihre-Fabriken, Grundstücke, Häuser, Guthaben. «r*. ihrec inländischen Beryiygen. -7inallen . Teilen des ' ehemaligen Staates. Mch/ den FriedensbuLingungen würden Deutschösterreich 6 von den 52 Millionen Einwohnern der Monarchie bleiben; wenn diesen 6 Millionen ihr in den Gebieten' der neü entstandenen Staaten befindlicher Besitz, entzogen wind, so bedeutet es die Liquidierung fast ihres ganze« Privatvermögens. Dies gilt um so mehrmals Wien die Hauptstadt und der finanzielle Mittelpunkt des Reiches war. In Wien waren die Hauptanstaltan der Banken und der Kreditinstitute und die Zentralbureaus der Jndustrieunteruehmungen, während sich die Betriebe selbst und andere Vermögensch asten in allen Teilen der Monarchie befinden. Es bedarf keiner näheren Ausführung, daß ein solcher unerhörter Vorgang den vollständigen Rni«. der Hauptstadt, des Staates, aller Kreditinstitute und der meisten Privatüniernehmungen zur Folge haben müßte. Weitaus der größte. Teil des Privateigentums unserer Staatsbürger würde von den Regierungen der neuen Staaten beschlagnahmt. Diese Beraubung (ckspomUsment) soll durch Staaten erfolgen, mit denen wir nie im Kriege waren, deren Bevölkerung und Gebiete mit uns vielmehr bis zum Ende des Krieges vereinigt waren. Noch niemals sind Privatrechte in so flagranter Weife, vergewaltigt worden; es gibt keine Regierung, die das Recht oder die Macht hätte, solche Bestimmungen anzunehmen. Wir sind überzeugt, baß dieser Artikel nur dadurch in die Friedensbedingungen ausgenommen wurde, daß die für das Verhältnis zwischen dem Deutschen Reiche und den siegreichen Mächten geplanten; Bestimmungen auf das Verhältnis zu uns und den Nationalstaaten übertragen, wurde. Nun soll allerdings der deutschösterreichische Staat seine Staatsbürger für das ihnen entzogene Vermögen entschädigen. Dies klingt wie arger» wenn auch nicht beabsichtigter Hohn. Das Vermögen der Staatsbürger', ans dem der Staat bisher feine Einnahmen schöpft, wird ihnen; zum großen Teil entzogen, der Staat aber, der dadurch seine ' Einnahmequellen verliert, soll es' ihnen zurückerstatten. . - Dies ist eine offenbare b l a n k e 11 u m ö g t i ch- / ke i t. Der Zn s.a m me nb r tt ch der Staats-,und Volks-: Wirtschaft müßte die unvermeidliche Folge sein.: Wir müssen daher die dringende Ford e r u n g stellen, daß der Aetii'.'l 49 ans den Frirdensiedin- 1 AUUHen geschieden und das Eigentum uuj Staatsbürger in allen Teilen Oestrrreich-Ungarils respektiert wird. Auf die gleiche seltsame Anwendung der in den deutschen Friedensbedingungen enthaltenen Grundsatz» sind auch» andere unbur ch f ü h r b a r e - B e st i mm u n g c n zurückzuführen. Die Friedensbedingitngen enthalten den Grundsatz, daß die vor dem Krstege und w ä h r e n d des Krieges zwischen Angehörigen der vertragschließenden Teile fällig gewordenen Schulden in der Währung des betreffenden alftie11eit. Staates zum Vorkriegskurs zu bezahlen;finde Man hat dies nun auf die Schulden zwischen Desttschösterreich und den Angehörigen der anderen neu entstandenen Staaten übertragen. Zwischen uns und den änderen Gebieten Oesterreich - Ungarns hat es -aber' keinen Krieg gegeben und es ist der Verkehr niemals unterbrochen worden. In Artikel 54 ist deshalb versucht worden, einen Zeitpunkt zu konstruieren, in dem die Beziehungen zwischen den neuen'Staaten tatsächlich oder rechtlich unmöglich wurden. Diese Beziehungen sind aber niemals faktisch oder rechtlich unmöglich geworden, wie in der beiliegenden Denkschrift dargelegt und durch den täglich st a t tf i n de std en Verkehr bewiesen wird. An jedem Tage würden, und werden zwischen allen Teilen der Monarchie Schulden zurückbezahlt und neu begründet,. I; / Nach dem festgesetzten Umrechnungsschlüssel müßte ein Deutschösterreicher einem T s ch e ch ech, d'ZM. . ep i 0 0.0 0 0 un g e st e m.p elte .. K r p n q )r ' schnldtzt^ 141.0 00 tschechische fronen HezahM/ Hie gegenwärtigen - Kurse etwa 2 30.000 ungestempelten Kronen entsprechen. Wenn also eine Schuld erst 'fällig wird, oder nicht znrückgefordert wurde,' obgleich dies immer möglich' war, muß der Schulöner mehr als das Doppelte dessen zahlen, was; er. schuldig ist.; '. % (Die mit verschiedenen Stempeln versehenen Kronennoten, für die wohl keiner der beteiligten Staaten eine bankmäßige Deckung zu schaffen. in .der Lage war, können übrigens nicht'als selbstän.d.i'ge Währnngen'bezeichnet werden. Sie haben auf den maßgebenden ausländischen Börsen zum. Teil nur einen künstlichen, zum. Teil gar k e ine u Kurs. Die Umrechnung dieser Währung in die ausländischen Börsenkurse wäre demnach teils unzulässig, teils undurchführbar. Daß die Bestimnmngen über die Schulden reziprok gefaßt sind, ändert nichts daran, daß sie ungerecht und undurchführbar sind und eine unbeschreibliche Verwirrung im Wirtschaftsleben aller neu gegründeten Staaten» Hervorrufen müßten. Es ist eben nicht möglich, die; Liquidation der ' österreichisch - ungarischen Monarchie durch eine Formel zu erledigen, sondern es bedarf dazu^ schwieriger langwieriger Arbeit. Wir wiederholen deshalb unseren Antrag, die Regelung der wirtschaftlichen Verhältnisse zwischen den Nationalstaaten einer besonderen Kommission unter dem Vorsitze der alliierten Großmächte zuzuweisen und den Friedensschlnß von der Beendigung der Arbeiten dieser Kommissiion unabhängig zu machen.; „ Was die Schulden unserer Staatsangehörigen gegen Angehörige der Staaten betrifft, die mit der;; österreichisch-ungarischen Monarchie im Kriege wärest, so stellen wir in der Beilage Anträge, die darauf hinaus-; gehen, twtz unserer durch den Krieg und den Zerfall dtzr Monarchie verursachten augenblicklichen Zahlüp'gSunfähigleit unsere V e r b in d l i ch ke i t c n den alliierten Mächten gegenüber - sobald, als möglich zu erfüllen. Dies hat zur Voraussetzung, daß unser Volk leb e n imd arbeiten kann. . Die Alliierte« demobilisieren nicht. n G e n f, 24. Juni. (Tel. der „Wr. Morgen-: zeituyg").Miss „H av a s" meidet, beschloß der; mMtärische Rat der Alliierten, auch nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages die Aufrechterhaltung der allgemeinen Mobilisierung bis zur Durchführung des Vertrages und der F e st f e tz u n g der \ Grenzen Deutschlands nnd Oesterreichs.