Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 154 (23.6.1919)
- Date
- 1919-06-23
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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-k. 154 Wien, Montag Die Frage der österreichischen Kriegsentschädigung. Entgegenkommende Haltung der Entente? New Vork, 22. Juni. (Funkspruch des Tel.. Lorr.-Bur.) Laut Berichten der Pariser Korrespondenten der N e w Aorker Zeitungen hat sich der Kat der Drei Samstag mit dem österreichischen 5 r i e d e n s v^e r t r a g und speziell mit den noch u übergebenden finanziellen Bedingungen beschäftigt, 'o daß er in wenigen Tagen erledigt sein wird, obgleich Dilson die daran vorgenommenen Abänderungen noch licht bestätigt hat. Die Alliierten haben zwar die diversen Noten der Oesterreicher bisher noch nicht beantwortet, sind aber villens, viele Aenderungen in den den Oesterreichern zu vergebenden Finanzbedmgungen durchzuführen, da sie »on der Erwägung ausgehen, daß die finanzielle Lage rieses Staates tatsächlich sehr schlecht ist. Der. Vertrag vird den Oesterreichern nicht, wie es bisher den Anschein hatte, eine Schadenersatzsumme von :iner Milliarde Dollars vorschreiben, da )ies nach Ansicht der finanziellen Sachverständigen der Alliierten eine vollständige Entziehung des arbeitenden Kapitals für dieses Land bedeuten würde. Auch soll Oesterreich nicht dazu verhalten werden, Schuld- Verschreibungen als Schadenersatz an die Alliierten zu übergeben. Die endgültige Lösung der Schadensersatzfrage soll niier späteren Entscheidung der Schadensersatzkommission ver Alliierten überlassen werden, da die Alliierten Oesterreich finanziell helfen und es nicht schädigen wollen. Der österreichische Friedensvertrag wird sich daher wesentlich von dem deutschen unterscheiden, da allem Anscheine nach die Italiener und die ruderen Mächte auf eine große Entschädizung von seiten Oesterreichs verzichten werden: Das Interesse der Gläubiger an der Solvenz Oesterreichs. Saint-Germain, 22. Juni. In seinem wirtschaftlichen Teil bringt der „Temps* einen Artikel, in dem es heißt: Obgleich die Friedensverhandlungen mit Oesterreich unsere Bevollmächtigten nur in zweiter Linie beschäftigten, interessiert doch ihre Lösung den französischen Sparer und den anderer Länder, da seit langem in der alten Doppelmonarchie zahlreiche Gelder dieser Sparer angelegt wurden. Man begreift, daß sich ilnsere Kapitalisten die Finanzklauseln sehr genau besehen werden, die man schließlich in den österreichischen Friedensoertrag aufnehmen wird. Der Banker ottdieseS Sandes würde allen s e in e n G l äu b i g e rn schaden, einschließlich jener, die politisch von ihm abgctrennt wurden. Blutige Straßerrkämpfe in Mannheim. Mannheim, 22. Jüni. Im Anschluß an die Revolte auf dem Lebensmittelmarkt wegen der hohen Gemüse- und Obstpreise kam es hier heute zu größeren Ausschreitungen von spartakistischen Elementen. Es wurden Lebensmittelgeschäfte und Warenhäuser geplündert. Zwischen der Volkswehr und den Plünderern kam eS zn mehrfachen Zusammenstößen, wobei die Volkswehr von ihren Schußwaffen Gebrauch machen mußte. Dabei gab cs Schwerverletzte und einen Toten. Weiters wurden durch Handgranaten etwa 20 Menschen aus der Volksmenge, die sich um die Plünderer gesammelt hatte, verletzt. Den Versuch, in die Kaserne des Freiwilligenliataillons einzudringen, wehrten die Soldaten mit Handgranaten ab. Bis gegen Abend wurden etwa 200 Personen verhaftet, deren Befreiung die Menge versuchte. Die beiden sozialistischen Parteien haben ihre Vertrauensmänner sofort zum Sicherheitsdienste einbernfen Zurzeit wird in verschiedenen Stadtteilen noch geschossen. Stampfer legt die Redaktion des „Vorwärts" nieder. Berlin, 22.Juni. Der „Vorwärtsveröffentlicht folgende Erklärung: Genosse Friedrich Stampfer hat dem Parteivorstand in der Preßkommission mitgeteilt, daß er von seinem Posten als Chefredakteur des „Vorwärts" zurück tritt. Um Mißdeutungen vorzubeugen, hat Genosse Stampfer uns ermächtigt, an dieser Stelle mitznteilen, daß sein Rücktritt nicht auf die bekannte Meinungsverschiedenheit über die Friedensfragen innerhalb der Redaktion zurückzuführen ist, sondern daß er seinen Entschluß mit Rücksicht aus die gesamte politische Situation gefaßt hat. Schwierigkeiten dev Kahinettsbttdung Nitti. Lyon» 23. Juni. (Funkspr. des Korr.-Bur.) Nach Meldungen aus Rom hat der König Nit ti mit der Kabinettsbildung betraut. Der „Epoca" zufolge habe L u z z a t t i ein Portefeuille im Ministerium Nitti abgelehnt, ebenso B a r z i l a t Tittoni (jabe sei Mitwirkung von der Zustimmung der „Parlamenlsbündler" abhängig gemacht. Andererseits sollen diese sowohl wie die Resormsozialisten ihren Mitgliedern untersagt haben, ins Ministerium einzutreten. _ Franz von Liszt gestorben. Fraurfurt a. M., 23. Juni. (Korr.-Bur.) Der bekaimte Nechtslehrer und demokratische Politiker Professor Franz von Liszt ist ün Alter von 69 Jahren in Seeheim gestorben. Wiener Morgenzeitung A. tzM l91S^ . n ScflfclÄ "..... ...-- ..... .. - - , J Die deutsche Kriegsflotte versenkt! Die deutsche Besatzung vernichtet die in der Seapabucht internierten Schiffe London, 21. Juni. Das Reutersche Bureau veröffentlicht folgende amtliche Mitteilung: Die in der Seapabucht internierten deutschen Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer, mit Ausnahme des Schlachtschiffes „Baden", sind versenkt worden. Desgleichen wurden fünf leichte Kreuzer versenkt, während die übrigen drei durch dort befindliche Schleppdampfer auf Strand gesetzt wurden. Achtzehn Zerstörer wurden auf Strand gesetzt, vier sind schwimmend, der Rest ist versenkt worden. Der deutsche Konteradmiral und die meisten Deutschen vom Bord der Schiffe befinden sich unter Bewachung auf britischen Kriegsschiffen. Einige Boote von den Schiffen, die zum Stoppen aufgefordert waren, weigerten sich, dies zu tun und wurden beschossen. Eine geringe Anzahl Deutscher wurde getötet oder verwundet. Entsprechend den Waffenstillstandsbedingungen waren die Schiffe mit geringen deutschen Besatzungen ohne britische Wache an Bord Interniert gewesen. London, 21. Juni. (Meldung der Reüterschen Bureaus.) Ein Telegramm aus Edinburgh meldet: ES waren Vorkehrungen getroffen worden, um die deutsche Flotte Montag zu besetzen, falls der Frieden unterzeichnet würde, da die Schiffe in diesem Falle automatisch an die Alliierten übergegangen wären. Die deutschen Besatzungen der jetzt versenkten Schiffe hatten indessen diese Absicht vorausgesehen. Amsterdam, 22. Juni. Nach einer Keldung der Reüterschen Bureaus >mis Thurso (Schottland) vom 21. d. M. mittags bildete das Hissen einer roten Flagge das Signal zur Versenkung der rutschen Schiffe. Die Besatzungen gingen in die Rettungoote und ruderten dem Ufer zu. Als die Bewachungschiffe feuerten, sprangen die Deutschen ins Wasser ün! schwammen an die Küste. Nach einer Meldung der „Telegraaf" aus Londo, wurde nichteine rote Flagge gehißt,sonder! d i e d e ü t s ch e. Dar Versenken der Schiffe scheint lange gedauer zu haben, denn dar erste Schiff sank kurz nach 12 Uh' Wittags und bas letzte erst um */,& Uhr nachmittags. Die brittschen Schlachtschiffe Orion, Conaueror un! Thonderer sind von Plymouth nach Rosith abgegangen Synderzüge mit Marinesoldaten sind gleichfalls naö Norden abgelaffen worden. Die in der Seapabucht versenkten deutschen Schlacht kreuzer und Torpedoboote bestanden aus mehreren Der bänven unter dem Oberbefehl des Konteradmirals vo' Reuter. Die aus den internierten Kriegsschiffen be findliche Mannschaft zählte insgesamt 4000 Mann. Dnoch Samstag im Kieler Hafen 1000 abgelöste Mann schäften dieser Besatzung einttafen, können sich auf de: Schiffen insgesamt 3000 Mann befunden haben. Die nach den Waffenstillstandsbedingungen gleich falls abgelieferten Unterseeboote, über hundert, befände, sich nicht in der Seapabucht. Sie mußten seinerzeit in Hafen von Harwich abgeliesert werden und die deutsche, Ü-Bootbesatzungen wurden sofort nach Deutschland ab tranSporttert. Die Engländer haben dann die V-Boot auf verschiedene Häfen verteilt und unter sichere Be ivachung genommen. Tagesbericht. Die?ge Kommunistendemonstration ruhig verlaufe«. Sehr schwache Beteiligung. Gestern vormittags veranstaltete die kommunistische Partei Deutschösterreichs eine Trauerseier für die Todesopfer der Ereignisse deS 15. Juni in der BvlkShalle des Rathauses. Der Saal füllte sich langsam. Abteilungen der Bolkswehr hatten den Ordnerdienst. Bei Beginn der Trauerfeier, der sich bis V4II Uhr verzögerte, waren etwa 1000 bis 1200 Personen in der Halle. Der Platz vor dem Rathaus war fast ganz leer. Der Führer der Kommunisten Tvmann hielt eine fast einftündige Trauerrede, in der er der Opfer gedachte und die Haltung der sozialdemokratischen Partei und-der Regierung den Kommunisten gegenüber scharf charakterisierte. Er tadelte die Kompromißpolittk und gab der Meinung Ausdruck, daß die International« die Haltung der Kommunisten eher billigen werde, als die der Sozialdemokraten und der Kreisarbeiterräte. Er bemängelte die Unterdrückung und erklärte, daß die Kommunisten sich für ihre Veröffentlichung«« die Preßfreiheit selbst errungen hätten. Das Blut der Opfer sei das DÄngemtttel für die Arbeit kommender Tage. Nach ihm sprach für das KriegSspital IV (Meidling) der Kriegsinvalide Schäfer, der die Opfer des ff f % ist es» das Abonnement schleunigst zu erneuern, für diejenigen Abonnenten, deren Bezugszeit am 15. Zum abgelausenist, damit die Zustellung des Blattes Leine Unterbrechung erleide. Bezugsbedingungen: Für Ment mit Zustellung Monatlich, . . .Krön« 7.— Vierteljährig . * 20.*** Halbjährig ... „ 40.~* Ganzjährig... * 80.— Für die Tschechoslowakei: mit Postvrrsaud in tschechisch« Währung Monatlich . . . Kronen 7.80 Vierteljährig , . „ 22.— Halbjährig ... „ 44.— Ganzjährig . . „ 63.-» Für Deutschösterreich: mit Postversand ^Kronen 7.80 , „ 99.— . „ 44.— . „ 88.-7 ÜertelMrig talbjähna >anzjährig Für Polen und die übrige« Nationalstaaten : mit Postversand Monatlich . . . Kronen 8.80 Vierteljährig . . * 25.— Halbjährig ... * 50.- Ganzjährig . . * 96.— Einzelexemplar 36 Heller. Für Deutschland monatlich 5 Mark. Schweiz 8 Franken, für da§ übrige Ausland vierteljährig 26 Kronen. Die Geldsendungen für die Lschecho-SlowaLei sind per Erlagschein an das Postsparkaffenamt P. S. Nr. 1B0.693 itt Prag» für Polen. Westgalrzien und Pplnisch-Schlesten per Postanweisung an die Wiener Lombard und Gskomptebann, Filiale Krakau, für „Wiener Mprgenzeitnng", Krakst«, Rynek 12, zu richten. Administration der „Wiener Morgenzeitung" Wien, ll.»Taborftratze 1—3. Telephon 44.636«. 43.810. w Spitales beklagte. Dann widmete für die Jugendliche, Binder den sechs jugendlichen Opfern des 15. Jun Worte des Gedenkens und gelobte Treue für die kommunistischen Ideen. Zum Schlüsse sprach Frau Fried lLn der. Gegen 1/212 Uhr war die Versammlung beende! und die Teilnehmer zerstreuten sich ruhig oh ne Zwischenfall nach allen Richtungen. Die Derfaffung der Berliner SLaatsLheaLer Nicht Wahlrecht» nur Vorschlagsrecht des Personales Berlin, 22. Juni. Das Wolffsche Bureau meldet^ Zur Frage der Ernennung der künftigen Leiter der bei. den Berliner Staatstheater erfahren wir von zuständige, Steller Die Personale wurden vom Ministerium sin Wissenschaft, Kunst und Volksbidung ersucht, in unver: bindlicher Weise ein? Reihe vor. Personen zu bezeichnen die als Leiter das C . r Angestellten besäßen Ein Wahlrecht wurb ht anerkannt oder eingeräumt, da hierübe? i:: b..: künftigen Satzung de, Staatstheater entschieden i.-Uo. Es verbleibt also at sich bei der Ernennung der, Bühnenleiter durch die Regie rung. Mit der Ernennung sind Besetzungsfragen andere, Art eng verknüpft. Dje Vorbereitungen für di« end« gültige Regelung der Berfassungsftage sind übrigen! st» west gediehen, daß mit dem baldigen Erlaß dieser für die Verfassung der Staatstheater maßgebender Satzung zu rechnen ist. Eine slowakische rote Armee. Die Räteregierung der Republik „Slowen«lö"hatSams tag nachmittags unter der Leitung des neugewählte, Präsidenten Janouschek einen Antrag betreff Organisierung der roten Armee, beraten. ES wurde beschloffen, daß jeder slowakische Prolo tarier vom 18» bis 45. Lebensjahre Dienst bei de roten slowakischen Armee zu leisten habe und daß di Organisierung der Armee im Wege der Gewerkschaste, und der Arbeiter- und Soldatenräte erfolgen soll. Ferne wurde der Beschluß gesaßt, der ungarischen Räteregierunl nach Bedarf Eisenerz und Kohle zur Verfügung z, stelle« und in den nächsten Tagen bereits 30.000 Meter zentner Brennholz nach Ungarn zu schicken, damit de viel Heizmaterial erforderliche Drusch in Ordnum erfolgen könne. _ Brttxer Kohlengesellschaft. Prag, 22. Juni. (Tschecho-slow. Preßbur). Di Brüx er Gesellschaft für Kohlenge winnung hielt am 21. Juni eine Plenarsttzum. ab, in der beschloffen wurde, eine Dividende ii der gleichen Höhe wie im Vorjahre auszuzahlen, da, ist K 54.— pro Aktie. Die Gesellschaft förderte ins gesamt 2,360.160 Tonnen Kohle gegen 2,669.70* Tonnen im Jahre 1917. Sie weist einen Reingewim von K 6,473.223.— auf. Die Teuerung läßt nach! Zn England. < Gaint-Germarn, 22. Juni. Nach Erklärungen deenglischen Ernährungsministers ist die Teuerung, 'die in lttzten November durchschnittlich 133 Prozent gegenübe den Bortriegspreiseu betragen hat, ans 104 Prozen rmückgegangen. Die durchschnittlichen Ernährungsloste» seiep pro Kops und Woche in dcrsclben Zeit uu 45/a Schillinge niedriger geworden. Trokdeu, hä!, es de^ Minister für das Beste, wenn die Nahrnngslnittettontroll mindestens noch für den Winter fortgesetzt werden würde v /