Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 149 (18.6.1919)
- Date
- 1919-06-18
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 149; Wien, Mittwoch *1 i - - » '■ ■ 1 —«»«— Telegramme. Die Gemeindewahlen in der Tschccho- Slo)vaker. Bisher 76 Jüdisch»ationale gewählt. Prag, 17. Juni. (£el der „Wr. Morgenztg.") B i Zheriges Wahlergebnis für die Liste der nationalen Jude» und der bewußten Indens chaft: In P r a g wurden für die Liste der bewußten Juden 3915 — 3 Mandate, für die Liste der Poale-Zionisten 1326 Stimmen — 1 Mandat, abgegeben. In Karolinenthal wurden für die Liste der bewußten Juden 855 Stimmen abgegeben — 3 Mandate. Königliche Weinberge — 2 Mandate, Smichow 841 Stimmen für die Liste der bewußten Judm — kein Mandat, Bub e n t s ch 149 Stimmen für die Liste der Poale-Zionisten — kein Mandat. In DeiwicundZizkow wurde die Aufstellung jüdischer Listen verabsäumt. Die Gesamtzahl der in Groß -Prag für die jüdischnationale Liste abgegebenen Stimmen beträgt 8046, das sind 60 Prozent der wahlberechtigten Indem Weiters find dem Jüdischen Nationalrat in Prag bisher iolgende Wahlresultate aus der Provinz bekannt:, Böhme«. P i l s t n 1161 Stimmen — 1 Mandat, L e i t m e r i tz 246 Stimmen bei 257 Wahlberechtigten — 1 Mandat, Komotau 283 Stimmen bei 330 Wahlberechtigten. — 1 Mandat, D obres — IMandat, W o tt i tz — IMandat, K lat tau <— 1 Mandat, Mies — 1 Mandat, Marienb a d — 3 Mandate, SBtiiy 335 Stimmen bei 437 Wahlberechtigten — 1 Mandat, Nachod — 1 Mandat, Teplitz 1001 Stimmen bei 1600 Wahlberechtigten — 3 Mandate, Kasejowitz — 1 Mandat, P ostelberg — 1 Mandat. In B e n e s ch a « und H o r a z d o w i tz wurden je 2, in Golisch-Arnikau 3 tschechische Juden gewählt. Mahrs»: B r ü » n2 Mandate 1 jüdischnationaler Bürgerlicher und 1 Poale-Zionist, O l m ü tz — 2 Mandate, L e i p n i I — 4 Mandate, Halle sch au — 3 Mandate, P r e r a u — 1 Mandat, Proßnitz — 1 Mandat, Kremsier 225 Stimmen von 241 Wahlberechtigten — 1 Mandat, Un garisch- Hradisch 242 Stimmen von 246 Wahlberechtigten — 3 Mandate, Uugarrsch-Ostra — 1 Mandat, Boskowitz Christengemeinde — 1 Mandat, B o s k o w i tz Audengemeinde — 8 Mandate, G ö d i n g — 2 Mandate, Gaha — ö Mandate, Bisenz Christengemeinde — 2 Mandate, Bisenz Judengemeinde — 5 Mandate, Wisch au — 3Mandate, Trebitsch-- 3 Mandate. Leitmeritz» 17. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenztg.') De« jüdischnationale Listenführer Dr. E m i l Mar g u li e s wurde mit 246 von 257 jüdischen Stimmen gewählt. Komotau, 17. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Bej den sonntägigen Gemeindewahlen wurde der j ü d i s ch n a t i onale Kandidat Dr. S e l i g m a n n mit 283 Stimmen gewählt. Wahlberechtigt waren insgesamt 330 Juden. Teplitz-Schönau, 17. Jnni. (Tel. der «Wr. Morgenztg.*) Bei den Gemeindewahlen wurden folgende jüdischnationale Kandidaten gewählt: Ernst Bech ert, Dr. Felix S e i d e m a n u, Ludwig Steiner. In P o st e l b e r g wurde 1 Jüdischnationaler gewählt (G l a s e r), in B r ü x 1 Jüdischnationaler (Direktor S t e r n). Bela Knn an Clemeueeau. Prag, 17» Juni. Das Tschecho-slowakifche Preßbureau verbreitet eine vom 16. d. M. datierte Note Dela Kuns an Clemenceau, in welcher gesagt wird: «Wir haben heute die Regierungen, das heißt den Oberkommandanten der tfchecho-slowakischen Republik und des rumänischen Königreiches aufgefordert, in unser Hauptquartier oder an irgendeinen anderen noch zu bezeichnenden Ort militärische Delegierte zu senden, die mit solchen Vollmachten versehen wären, die sie zur Durchführung derRegelung der Räumungsaktion im Einvernehmen mit unserem Oberkommandanten berechtigen würden." Kun weist sodann auf die bisherige Unmöglichkeit hin, deir alliierten Mächten direkt die Wünsche der Räterepublik bekannt zu geben und schließt: „Gleichzeitig machen wir Sie auf unser in unserer letzten Note enthaltenes Ersu6) en um Einb erufung aller Völker der ehemaligen Monarchie zu einer Konferenz aufmerksam, auf der sie über die Liquidation der ehem a 11 fl t n Monarchie, an welcher sie gleichermaßen interessiert sind, verhandeln könnten." Die türkische Delegation in Paris. < - Paris, 17. Juni., (Fuulfpr. des Korr.-Bur.) Die Regierungsbäupter und die Minister des Aeußern der Großmächte haben heute vormittags in Gegenwart Makinos am Quai d'Orsay die Mitglieder bcr' t L r k i s ch e n D e l e g a t i o n angehört. Die Gleichberechtigung der Reger in den Vereinigten Staaten. Mlantlc City, 17. Juni. (Frmkspr. deZ Korr.-Bul.) Der Kongreß des «merikanischen Arbeiterverbattdrs hat einstimmig den Antrag angenommen, wonach die zwei Millionen schwarze" r b eitet in Amerika als g l e i ch b e r e ch t i a t i üitMiationaleri Union wartoffwi werden. e r zur Wiener Atorgrnzrrrnng 18. JUNt 1919 Teste 5 "/ PolM hat nichts geleistet. Aeußerungen Lloyd Georges. - Der Ukrainische Pressedienst meldet : Der Pariser Korrespondent des „Kurhev War. fzawski" vom 6. d. M. berichtet, daß in den Verhandlungen über die deutschen Gegenvorschläge Lloyd George folgende Erklärung abgegeben hatr ' Polen hat nicht auf unserer Seite gekämpft und hat nichts in diesem Kriege geleistet. Polen soll für alles dankbar sein, was es erhält. Der Standpunkt, den sie während des Krieges beobachtet haben, war nicht sehr stabil und es ist!/ nicht einzusehen, warum die Großmächte das Zustandekommen des Friedens daboW abhängig machen sollten, wie die polnischen territorialen Ambitionen befriedigt werden,' ■' ' .*• y* , ' V.: J-'ih : ■ :r: ■' ’ -*.■ Die auswärtige Politik Polens. MV- ' ’ Warschau, 17. Juni. (Poln. Preß.-Agent.) Der neue Bizeminister des Aeußern, Ladislaus S k r z y n s k i, hielt im auswärtigen Ausschüsse des Landtages ein Exposv über die auswärtige LagePolens, in welchem er unter anderem sagte: Das Verhältnis Polens zu Tschechien muß den eventuell von Deutschland drohenden Gefahren angepaßt werden. Diesen wichtigen Rücksichten müssen die konkreten Probleme, welche die Polen von den Tschechen in O st schlossen und in Nordungarn scheide«, untergeordnet werden. Die Souveränität Polens über O st galizien ist bedingungsweise mit der Zuerkennung der Autonomie für dieses Gebiet ver-i knüpft. i Die Frage Litauens wurde bisher noch' nicht entschieden, da die Entente die Wiederherstellung Grotzrntzlands anstrebt. In diesem Rahmen muß sich die pol-! nifche auswärtige Politik bewegen. 7, Der türkische Staat auf Kleinafien beschränkt. Amsterdam» 17. Juni. (Korr.-Bur.) Laut „Nieuwe van den Dag" meldet der „New Aork Herald" aus Paris, daß die türkische Delegation wahrscheinlich am Dienstag vom Rate der Bier empfangen werden wird. Ueber dm Inhalt der der Türkei gestellten Friedensbedingungen verlautet, daß das Türkische Reich in Kleinasien werter bestehen wird. Der Sultan wird die gesamte politisch-religiöse Oberaufsicht erhalten. Die Türkei muß auf alle Rechte auf K o n st a n t i n o p e l verzichten. Konstantinopel wird unter internationale Kontrolle gestellt. Französische Truppen nach Bulgarien. Laibach» 17. Juni. (Korr.-Bur.) „Slovenec" meldet aus Belgrad: Dieser Tage wurden starke französische Abterlungen nach Bulgarien transportiert, um bei der Uebexreichung der Friedensbedmgungen für Bulgarien dort anwesend zu sein. Zuarez von amerikanischen Truppen besetzt. Amsterdam» 17. Juni. (Korr.-Bur.) Nach , hiesigen Blättern meldet die „Times" aus New-Ioch daß die amerikanischen Truppen I u a r e z besetzt haben. Der Rheinverkehr eingestellt. n Düsseldorf, 16. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Seit heute früh ist der Verkehr vom rechten auf das. linke Rheinufer vollständig eingestellt. Keine polnischen Truppen in Nordungarn. Krakau» 17. Juni. (Poln. Preßagent.) „Kurher Eodzieunh" bestreiket die Meldung tschechischer Blätter, daß polnische Truppen Z ip s, A r v e und E P e r h e s besetzt haben. Bisher haben dre polnischen Trupven die Südgrenze Galiziens nicht überschritten. Gewisse Ortschaften in Zips und Arve haben wahrscheinlich lokale Frei willigen ab terlun gen besetzt. v Rumänischer Kampfbericht. Bukarest, 17. Juni. (Tel.-Komp.) Das rumänische Preßbureau meldet: Der Heeresbericht des rumänischen Großen Hauptauartiers vom 16. d. M. besagt: Ostfront. Entlang des Dnjestrs zeitweise kleineres Geplänkel., Westfront. An der Theiß nimmt die Tätigkeit unserer Artillerie zu, doch haben unsere Trupven bis zur Stunde noch keinen Versuch zur UebersüMtzW , hes Flusses gemacht. ■ t Die Rumänen in Kolomea. ■ ' Der Ukrainische Pressedienst meldet: Die. in Lemberg erscheinende polnische Tageszeittmg „Wiek Nowy" führt Beschwerde darüber, daß die rumänische Militärverwaltung Kolomea als okkuviertes Land behandelt. Die Rumänen, haben Eisenbahn und Post militarisiert und in allen Behörden ihre Beamten, als Kontrolle eingesetzt. Neben den polnischen Vorständen sitzen rumänische. Kolomea und Umgebung, das sogenannte Pokutien, soll ein besonderes G u b e r n i u m bilden. Den Polen werden die Waffen abgenommen, Lokomotiven und technisches Material werden als Kriegsbeute weggeschafft. Auch der von den Ukrainern zurückgelassene Zucker, einige Waggons, wurden wcggesührt. Die T e u e r u n g für Brot und Lebensmittel rst sehr groß.! Ezortkow von den Ukrainern besetzt. i 7^/ De« Sereth überschritten. \ ' ' "S)cü Ukrainische Pressedienst meldet: „Kurtyer Lwowski" meldet daß die ukrainischen Truppen bereits am 7. d. M. Czortkow besetzt und den Sereth in der Richtung nach Westen überschritten haben und schätzt die Zahl der Truppen Pawlenkos, die noch aus ostgalizischem Boden stehen, auf dreißigtausend. Das polnische Blatt berichtet, daß diese Truppen den Kern der ukrainischen Armee bilden, aus Stmmbataillonen und vorzüglicher 2lrtillerie bestehend. .".—«.I....-. .. " -7 Eingesendet. ■' Telegramme und Briefe nach %merii(a befördert »Amerikaner Gross«, Cafe Weiss, Taborstrasso, ieden Tas von 10 bis 4 Uhr nachmittags. 1611 ieden Tas von 10 bis 4 Uhr nachmittags, hl ¥ Ü1 Hi ■ yilf’fi 1!PCf: uri ü - -1 III .ßtwu tu ERSTKLASSIG-ÜBERAU ZU HABI Tagesbericht. Durch die Blume. . Vor einigen Tagen herrschte in Wien eine wahrhafte.^ ’ Panikstimmung. Ein Mittagblatt hatte die Alarmnachricht öe*j bracht, daß die Aüßwirtschaft mit den uns zu Gebote stehenden Lebensmittel die Amerikaner an eine Einstellung ihrer Sendun-' gen denkest' kaffe. Das hatte genügt, um in der erschreckten^, Phantasie der Wiener das Gespenst des unausweichlichen Hungertodes heraufzubeschworen — mitten im Sommer, ein paar! Wochen vor jenem Monat,, den Karl der Große, der erste'- deutsche Sprachreiniger, „Erntemond" getauft hat. In den' Tagen des großen Frankenkönigs mag ja dieser Name noch einen! begreiflichen Inhalt gehabt haben, für die überlebenden Städter!, des Weltkrieges ist er leerer Schall. Was sagt uns noch das! Wort „Ernte"? Nicht einmal die liebliche Gedankenaffoziation! golden wogender Felder kann es in den Gemütern unserer Kinder! heransbeschwören, die dergleichen niemals sahen, weil ihnen zuerst! die Not des Krieges Md jetzt die Sperre der Sommerftischm den'!/ Anblick der Natur entfremdete. Geschweige denn, daß man an das einst von allen Dichtern gefeierte Wort die Hoffnung knüpfen dürfte, in den leeren städtischen Speichern köstliches Ko^n an- ' znhäufen. „ ' . i Unsere heimischen Bauern haben das Tischtuch zwischen sich/ und uns zerschnitten. Sie wollm uns nicht m ihre Töpfe gucken ' lasten und noch weniger die unsrigcn füllen. Diese agrarische Politik ist nicht nur vom prosaischen Standpunkte der . Mageusrage verbrecherisch. Noch weit verhängnisvoller wird sie - dem ganzen Vaterlande dadurch, daß sie uns gerade in den Tagen der Gnade und Ungnade ausländischer „Nährväter" ausliefert, da fich diese zu unseren Richtern aufwerfen und unsere Zukunft be- stimmen wollen, wobei sie naturgemäß darauf bedacht sind, daß^ ihr Wohltun ihnen Zinsen aus unserer Tasche bringt. Statt daß sich unser?' im Kriege nicht gerade verarmten Agrarier durch ihren - stets gerühmten Patriotismus veranlaßt sehen, aus der Not eine Tugend zu machen, überlassen sie es freinder Tugend, imsere Not. zu vergrößern. . l -'' >' Der uns vorgelegte Friedensvertrag beweist, welch aus- giebigen Gebrauch die Feinde von dieser Möglichkeit machen.. Wir / wissen ja ganz gut, daß auch die niohlwollendste und uneigennützigste dmtschösterreichische Agrarpolitik nicht imstande gewesen wäre, das Vaterland dauernd und vollständig von dem Wohlivollen des Auslandes zu emanzipieren. > Aber ein wenig Nackensteife hätte sie uns und besonders unseren Delegierten in Saint-Germain verliehen. Auf ein paar Tage Widerstandsgeist hätten unsere Vorräte just zur Erntezeit schon : ausreicheu können. Und länger hätte es bei der jetzigen Weltlage ' kaum gedauert, bis sich die Entente zur Vernunft und Gerechtig- ' feit hätte bekehren lasten. DaS ließe schon das Beispiel Ungarns hoffen, welches vor uns gar nichts vorans hat, als die. einiger-, maßen bessere innere Verpflegung. / n - i::ifij Allmählich scheint sich diese Erkenntnis nunmehr auch iitj den dicksten' deutsch österreichischen Bauernschäbeln Bahn 51t brechen, j Seit einigen Tagen wird nämlich Wien tatsächlich mit Produkten j' der heimischen Felder geradezu überschwemmt. Freilich sind cs nicht goldene Achrrn, die uns da zum Kranze gewunden werden, j.] sondern nur die blauen Zyanen, die Schiller in diese j Kränze hiucinzuflechteu empfohlen hat. ' Das K 0 r n hält! der Bauer schon noch zurück, aber er schickt uns wenigstens! die Kornblume als sinnigen Gruß der fruchtbaren ideutschen Scholle. Freudig schniücken sich Jungsraic intb.j ' Jüngling mit diesem dnftjgen Symbol nationalen ZüsanMeu-j gehörigkcitsgesühles zwischen Dorf und Stadt. Ward es, Hochs.,. gern und reichlich gespendet und ist hier — ohne Bezugsschemscr-: h ältlich. Stolz bläht sich die also geschmückte Brust des Städters; und voll Behagen in dem wohltuenden Gefühle, die Alliierckeü,l.' denen man unverblü m t sagen muß, daß wir ohne sie nicht leben können, wenigstens durch d i e B l u m c merken zu lassen,/ - daß wir aus sie böse sind. v! -—;-: / ' ■ * V.-’ : ' * Das Uniformtragcn. Die niederosterreichische. - Landes^, regienmg hat die Frist zur Hinbrittgiiug von (ÄsüchdrC/uyr'! ' Beiviltigung zürn Tragen von bereits bewilligten, beziehinigs-j - weise zur Kenntnis genommenen UvsLrme.n/nnd.'.A.t'ZeMÜM-L 31. Dezember 1919. verlängert. ' < : q " Esra. Wir machen unsere 'Leser auf das Inserat der MoualSschrijt des jüdischen Akademikers ,,Esra" besonders ausmcrisam und empfehlen dieselbe bestens».'t- «