Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 142 (11.6.1919)
- Date
- 1919-06-11
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 142 Wien, Mittwoch Wiener MoxgerrMrung «*» DeutschSsterreichs harter Friede. Erklärungen Dr. Nenners über die Undurchführbarkeit des Friedensvertrages. Lyon, 10. Juni. (Fnukfpruch des Korr.-Bur.) .Kanzler Renner gewährte einem amerikanischen Berichterstatter ein Interview über den Friedensvertrag mit D'eutschösterreich, wobei er unter anderem ausführte: s „Die Deutschösterreich gestellten Bedingungen sind iunv erg reichlich härter als jene, welche nr an Deutschland zumutet. Sie sind geradezu ein Hohn des Selbstbestimmungsrechtes und der anderen idealen Ziele. Deutsch-Südtirol mit 100 Prozent deutscher Bevölkerung soll annektiert werden, ohne daß auch nur der geringste Versuch gemacht wird, diese Vergewaltigung zu rechtfertigen. Leitende österreichische Sozialisten haben während des ganzen Krieges für die erhabenen Grundsätze der internationalen Gerechtigkeit gekämpft, die Wilson später entwickelte und vertrat. Wo aber sind heute seine 14 Punkte? .> Es wird mir sehr schwer, meinen Gleichmut zu bewahren, ich, der ich ein Land voll Millionen Verhungernder ve rtrete. In Böhmen, Mähren Und Schlesien sollen wir Zi/s Millionen unserer Volkstzenossen verlieren, mehr, als die Bevölkerung der Schweiz, in Tirol 250.000, in Kärnten und in Steiermark 160.000. Was übrig bleibt, ist Vitt trauriger Ueberrest einer der Hauptstädte Europas, mit Grenzsperren auf allen Seiten, ein Gebirgsland, das nicht leben und nicht sterben kann. Deutschösterreich, gleicht einem Großgrundbesitzer, der aus seinen Gütern Fabriken, Gruben und Bergwerke besaß, und dem man nun alles wegnahm und nur das leere Schloß läßt, ihn aber die Steuern weiter zahlen läßt, als hätte er noch den ganzen Besitz, Ein solch verkrüppelter Staat würde eine ganz besonders teilnehmende finanzielle Be urteilung erfordern, statt wirtschaftlicher Bedingungen, die noch viel _ schlechte? sind, als jene im Vertrag mit Deutschland. Wir sollen den Tschecho-Slowaken, den Jugoslawen!und Polen Meistbegünstigung gewähren, ohne Recht!auf Gegenseitigkeit. Wir sollen die Staatshoheit über Unser eigenes Land zugunsten der Tschechen- Jugoslawen und Polen aufgeben; diese alle sollen auf imseren Schienen ihre eigenen Eisenbahnzüge laufen lassen, wir aber nicht unsere auf ihren Gebieten. Der Grundsatz der Gegenseitigkeit scheint unseren Gegnern unbekannt zu sein. Solche Bedingungen sind tausendmal ärger als jene, welche Deutschland gestellt wurden, denn nur ein kleiner Teil des deutschen Wirtschaftslebens war außerhalb. von Deutschlands Grenzen, während Wien kaum eine Bank, oder ein industrielles Uuterntzhmen besitzt, die nicht in der Tschecho-Slowakei, in Jugoslawien, Galizien 'oder Ungarn verzweigt sind. Wie jeder andere Staat war auch die Doppelmonarchie ein großer Organismus, dessen Herz oder Hirn oder Leber oder was immer Sie wollen, Wien darstellte. Die uns gestellten Forderungen sind geradeso vernünftig, als wollte man vom Hirn verlangen, sein ganzes Blut abzugeben, ohne baß das Blut zurücklaufe. Eine politische Abhängigkeit kann aufhören, aber wirtschaftliche Beziehungen können nicht untervimdm werden. Die ökonomischen Gesetze können auch vom Viererrat nicht umgangen werden. Was soll ich über die K o nfiskation des deutsch österreichis chen Privateigentums in der Tschecho-Slowakei, in Jugoslawien, in Galizien sagen? Deutsches Privateigentum wurde in England und Italien beschlagnahmt; jgewiß ist dies eine unerhörte Vergewaltigung des Völkerrechtes. Mer es betraf Besitz im Feindesland, hingegen bildeten die Tschecho-Slowakei, Jugoslawien und Galizien Teile eines und desselben Staates der früheren Monarchie. -Jeder Geschäftsmann kann die Nachteile eines nicht auf Gegenseitigkeit veruhendm TarifieS ermessen. Jedermann wird begreifen, was es bedeutet, wenn der Deutschösterreicher seine Zahlungen in der Tschecho-Slotvakei, in Jugoslawien und Polen zum Genfer Umrechnungskurs vom Oktober 1918 leisten soll, während die Zahlungen jener Staaten an Deutschösterreich zum heutigen Wert der österreichischen Krone angenommen werden müßten. Dies bedeutet eine Verdoppelung unserer Schulden bei gleichzeitiger Kürzung unserer Guthaben um die Hälfte. Wien war das Zentrum aller finanziellen und industri-llen Unternehmungen der alten Monarchie. Wenn alle außerhalb des neuen, kleinen Deutschösterreich liegenden Unternehmungen liquidiert werden müssen, ist es sehr leicht, zu sagen, daß Dentschösterreich die Besitzer schadlos halten soll. Was wäre die Folge? Daß alle Banken, Versicherungsgesellschaften, . Jndustrieunterneh mim gen ünb auch ungeheuer viel Privatpersonen sofort und unfehlbar Bankerott machen müßten. Die Forderung nach Schadloshaltung der früheren Besitzer wäre gbeichbedeutend mit dem Verlangen, daß ein Bankerotter den anderen Bankerotten entschädige." Der Kanzler schloß: „Es ist fast zu spät, jetzt »och ans Gerechtigkeit zu hoffen. Aber auch in der Ungerechtigkeit m » ß V e r n u n f t liegen." HEUTE .'MITTWOCH' den ii. Juni 1919. halb 8 Uhr abends, findet im VeräacssnaflsSasfBTi, VI., Königseggassc 10, eine statt, in der Sr. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Dr. C HAJES über ,5Pi©nieB*ai®!beät foi Palästina.« sprechen wird. Einleitend werden Abgeordneter lakcrt Mi .Id»:; Sr. Wb Wirb über die Erfolge bei den letzten Wahlen referieren. «WM in Massen! Zionistische Sektion 1270 der westlichen Bezirke. Aus der polnischen Hölle. Der Krakauer Pogrom. Bericht eines Augenzeugen. Ein soeben ans Krakau emgetroffener Herr teilt uns mit: Mittwoch den '4. Jnni kam die Haller-Armee nach Krakau. Gleich nach der Ankunft begannen einzelne Soldaten am Bahnhof und in den äußeren Straßen der Stadt den Juden Bärte abzuschneideu und sind auch einige kleine Tätlichkeijen bovgekommen. Freitag den 6. d. M., namittags haben einige Soldaten der Haller-Armee in den Tuchlauben unter irgendeinem Vorwände einige jüdische Geschäfte geplündert. Inzwischen ist der Mob herbetgekommen und sammelte sich mit wildem Lärm und mit dem Ruf „hej na Zydow" in den StraßenJ an und plünderte-, mehrere 'Geschäfte. Unter den Geplünderten sind: in der Grodgasse die Modegeschäfte Mahler, Koral, Ertschik; das Schuhgeschäft Kuger; der Juwelier Zimmermann; die Kleidergeschäfte Fürtl und Sternberg; in der Dittelsgasse das Manusakturengeschäft Wiener, das Eisengeschäft Bomba, bas Delikatessengeschäft Htrschtel und das Bijouteriegeschäft Nachheiser; ferner in der alten Weichselgasse die Papiergeschäfte Taffler, Nikolajewicz und Brand. Letzterer ist gegenüber der Polizei. Der Mob zog dann unter Anführung einiger Haller- Soldaten in das jüdische Viertel Kazmirz. Hier stellte sich ihnen die jüdische Miliz entgegen, welche von der Haller- Armee sofort angegriffen wurde, wobei alle Vorübergehenden verletzt wurden. Die Soldaten schlugen Fenster ein und wollten auch hier mit dem Plündern beginnen. Spät abends nach einer Intervention des Abg. Dr. .Thon bei General Haller kamen Patrouillen und zerstreuten die wilde demonscrier-ende Horde. Unter Uögckbe von Schüssen entfernten sich oie^Demonstranten ans bent. jüdischen Viertel und kamen in die weniger belebten jItraßen, wo sie ihreffbestialischen Handlungen fortsetzten. So beraubten sie ganz ' die kleinen Bauten der Wolnjza und .Czenna. Die. Juden verlebten die Nacht in großen Aengsten. Die. Soldaten veranstalteten unter dem Vorhände, nach.Waffen und Munition suchen zu wollen, R a z 'z i a s in einigen Häusern, wobei sie sich alle Wertgegenstände, die ihnen unter. Mb Hände kamen, aneigneten und auch anwesende Personen teilweise verletzten. So raubten sie auch beim Wunderrabbi aus Bobbino 20.000 Kronen. Samstag ftüh begann der Mob von neuem zu rauben und zu plündern. Er raubte in der Warschawskygasse bei. Kopenika und teilweise bei Kamelicka, bei Klein, Scyüuberg imd in vielen anderen kleinen jüdischen Geschäften Abg. Dr. Thon und Nationalratvertreter Doktor Wahrhaftig intervenierten nochmals bei der Behörde und bei General Haller, welcher versprach, endlich den Gewalttaten entgegeuzütreten. Die in Krakau anwesenden Offiziere der amerikanischen Mission fuhren durch die Stadt, was auf die Juden beruhigend einwirkte. Nach Ausrückung entsprechender Patrouillen wurden die Plünderer vertrieben. Die polnischen Zeitungen mit Ausnahme des sozialdemokratischen Blaftes »Naprzod" hetzen unter der niederträchtigen Behauptung) daß die Inden und'deutsche Spione die Pogronre veranstalteten, um die Haller-Soldaten in Mißkredit zu bringen. In den Zeitungen fand sichauch die lügnerische Meldung, daß jüdische Bewohner auf die Soldaten geschossen haben. Die „Revisionen" nach Waffen und Munition brachte dem räuberischen Gesindel zwar eine Menge Wertgegenstände' ein, aber Waffen und Munition fanden sie bei den Juden nicht vor. Die arme Bevölkerung ist sehr -aufgeregt, da auch aus de? Provinz Gewaltakte auf Juden gemeldet werden. Der Schutz seitens der Behörden ist aber ein sehr schwacher oder verweigern ihn überhaupt. Der Sachschaden in Krakau beträgt etwa 25 Millionen. Jüdische Verwundete sind .200, worunter sich 30 Schwerverletzte befinden. Di« offizielle Darstellung. Die Krakauer „Nowa Neforma" vom 8. Juni 1919 meldet folgendes: „Von der Generalstabs-Prc'ffabteilung des Kommandos der Hallerschen .Armee erhalten wir folgende Zuschrift: Zur Vereinheitlichung der öffentlichen Meinung, welche sich in der Presse wtderspiegelt, teilt die Generalstabs- Presseabtrilung auf Grund einer bei den Teilnehmern der in Kraken sla'.tgesuntenen antijüdischen Exzesse vorgenommenen Untersuchung folgendes mit: Es wurde das Bestehen etner provokatorischen einheitlichen gemeinsamen bolschewikisch-deutsch-jüdis ch e n Akts 0 n sestgestellt, welche die Zivilbevölkerung und das Militär zu Mißbräuchen aufwiegelt. Nur die starke und energische Haltung der Hallerschen Militärpatrouillen, welche zur Intervention und Einführung von Ordnung und öffentlicher Ruhe in die Stadt ausgeschickt wurden, vermochte des Pöbels Herr zu werden, wobei Anteilnehmer verhaftet wurden unter welchen sich ein Teil der verführten Soldaten befand, die ab er den Abteilungen des General Haller nicht angehören. Unsere Patrouillen konfiszierten große Vorräte von Waffen und Mnnition in den jüdischen Wohnungen. Alle falschen tendenziös verbreiteten Gerüchte, loe.che hi; E„re der General Haller-Armee diskreditiere», weist die P.-eileubtoilung energisch zurück, i»de,n sie mit Tai »ach..!, die die Untersuchung ergeben wird, ihre .Glanvivürdigkeit i.i Abrede stellt. Die Gesamtheit der Verhasicle», der an dea Errcilen Schuldigen 11. Juni 1919 Seite 3 wird selbstredend die .Grundlosigkeit der Vorwürfe, ergeben, die gegen die General Haller-Armee gerichtet werden. Die Generalstabs-Presscabteilnttg der .General Haller-ArMec." Eine antisemitische Schilderung. Die vorliegenden Krakauer Blätter enthalten Berichte über antisemitische Exzesse, deren Schauplatz Krakau am 6. und 7. Juni war. Die Exzesse begannen Freitag uck"'2 Uhr nachmittags aus Anlaß eines geringfügigen Zwischenfalles in.den Tuchlauben am Rtngplatz. Der antisemitische „Jllustrowany Kuryer Cobzienny" stellt die Sache folgendermaßen dar: Beim Einkauf von Tuch in einen: der Geschäfte im Innern der Tuchlartben ereignete sich ein Krawall, dem auch zwei Soldaten der Haller-Armee beiwohnten. Die Jndeit riefen beim Anblick der Soldaten: „Die Banditen sind gekommen!" Aus der angesammelten Menge fiel dagegen bas Wort: ,,Die Haller-Soloaten werben geschlagen!" Dies war das Signal zu Exzessen. HalbtvÜchsige Burschen und Apachen warfen sich auf die jüdischen Läden und begannen zu plündern. Es stellte sich heraus, daß die beiden angeblichen Haller-SvlbateN gewöhnliche, aus dem Gefängnis entlassene Banditen waren, welche miteinander in Streit geraten waren. Einer von ihnen, Laska, wurde von dem anderen mit einem Messer gestochen. Dies ga > den Anlaß zu dem Gerücht, daß die Juden einen Haller- Sol.-aten ermordet haben. Die Plünderungen griffen auf die jü. ijchen Geschäfte in der Grobzka- und Stürowislnagasse über, wobei auch einige nichtjüdische Geschäfte den Plünderungen zum Opfer fielen. Im Kommando der Haller-Armee erfuhr man von den Exzessen erst um 10 Uhr abends. Sofort wurden energische Maßnahmen zur Unterdrückung der Exzesse getroffen. Auf die Militärpatrouillen wurde nach Behauptung des Blattes aus den Fenstern mehrerer Häuser geschossen. In der Wotnicastraße wurden 16 bis 20 junge Juden mit Gewehren, aus denen sich die Truppen beschossen, entwaffnet und verhaftet. Im Lokal der jüdischen Bürgergarde wurden 60 Gewehre mit Munition konfisziert. Nach amtlichen Angaben beträgt die Zahl der verwundeten Zivil- Und Militärpersonen 800. Unter anderem wurde auch ein französischer Offizier verwundet. Der Mob warf sich sogar auf die NettungSgesellschaft und prügelte einen der Merzte, welcher soeben einem Verwundeten Hilfe leistete, durch. Am nächsten Tage wiederholten sich die Exzesse an mehreren Stellen der Stadt. Der Mob aus den Vororten versuchte in die innere Stadt einzudringen. Nachdem er von den Patrouillen vertrieben wurde, plünderte er eine Reihe von jüdischen Geschäften in beit entlegeneren Str aßen aus. Der sozialdemokratische „Naprzod" stellt fest, daß an den Plünderungen und Gewaltakten auch die Soldaten der Haller-Armee tetlnahmen. Ein Befehl des Generals Haller. Krakau» 10. Juni. (Tel. der „Wr. Morgemtg.") General Haller trat gegen die antijüdischen Exzesse mrt folgendem Befehl auf: „Soldaten! Zu meinen Ohren gelangten Klagen der jüdischen Bevölkerung, daß polnische Soldaten ihnen gegenüber tn einer Art und Weise auftreten, die dem Mute und oer Ehre des polntschen Soldaten nicht entsprechen; zum Beispiel, daß sie (die Juden) von euch geschlagen werden, daß Wehrlose verwundet und mißhandelt, wobei auch das Hab und Gut vernichtet wird. Solches Vorgehen ist unwürdig eines polnischen Soldaten, welcher einer heiligen Sache dient. Alle diejenigen, die sich die Verfolgung irgendwelcher Bevölkerung zuschulden kommen lasten, werde ich st r e n a best r a f e n und dem Feldgerichte ausliefern. Der Polnische Soldat soll sich immer durch gutes Verhalten auszeichnen, bei jedem Bürger des polnischen Staates, jedweder Nation oder Konfession, soll er immer und überall den Eindruck eines Soldaten hinterlasten, der einer großen Sache ergeben und nur von einem Gedanken des Wiederaufbaues seines Vaterlandes belebt ist. Obiger Befehl ist allen nur unterstehenden Abteilungen vorzulesen." Abberufung der Hallerschen Truppen aus Krakau? Warschau» 10. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Die polnisch m Sozialdemokraten haben im Sejm einen Antrag auf AbberufungderHallerschenTruppenan« Krakau eingebracht. Pogrom in Cholm. Warschau, 10. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") „Jiid. Volk" wird aus C h 0 l m gemeldet: Dem Vorigen Dienstag brach in Cholm rin fürchterlicher Pogrom aus, der ursprünglich gegen die jüdischen Fleischhauer gerichtet war, später jedoch sich auf die gesamte jüdische Bevölkerung ausdehnte. Das Militär und die Miliz verhielten sich passiv. Einige Juden wurden getötet und viele verwundet. Es wurden auch viele Geschäfte ansgeplündert. Am ersten Schowuothfeiertag waren sämliche Bethäuser geschlosten. Die Juden wagten sich nicht auf die Gasse. Erst Mittwoch nachts fanden die Räubereien ein Ende. . Pogrom in Praga. 1 Warschau» 10. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") In der Warschauer Vorstadt Praga, die von zahlreichen Juden bewohnt ist, kam es in der letzten Zeit wiederholt zublutigen Ueberfällen auf Juden, Räubereien und Plünderungen jüdischer Geschäfte. Am ersten Tage des Schowuothsestes haben diese Exzesse einen gefährlichen Charakter ange' nommen. Viele Soldaten und Zivilisten versammelten sich in den Straßen der Vorstadt und veranstalteten eine Jagd «ach Juden. Die Soldaten warfen sich mit vorgehalte nc n R e v 0 l v 0 r auf die Unglücklichen' und verletzten viele. .Dann drang die Menge in jüdische Wohnungen ein und raubte viele Gegenstände, besonders aber bares Geld. Die Hallerschen Soldaten begnügten sich nicht mehr mit dem Bartabschneiden, es wurden auch viele bartlose Juden angesallen, ihnen die traditionellen jüdischen Hüte herrmtergeristen und mit dem Bajonett durchbohrt, wobei den Juden zugerusen. wurde: »Solche Hüte werdet ihr tr Palästina tragen!" Bei diesen Exzessen sind gegen 30 Juden schwer verwundet worden. Der Jüdische Nationalrat interwenirrte sofort beim Regierungschef; die Abgeordneten Grünbaum und Doktor Schipper begaben sich behufs Untersuchungder Vorfälle nach Praga. Einige französisches) ff iziere besuchten das Lokal des Pragaer Zionistischen Vereines, wo sie Ans 0 rmationenüberdieExzesse einholten. DieMischen RatSmänner sämtlicher Parteien brachten mffder Sitzung des StadtrateS eine Interpellation in Angelegenheit der Erzeste ein, der die Dringlichkeit znerkannt wurde. Als jedoch Ra>5mann D a w i d s ob n die Ereignisse in P:aga zn schildern begann, verließ 0 i e g a n z e ))i c ch iede n S i tj n u g ssaal und machte cs auf diese 26cisc unmöglich, die Beratungen sortzuführciL,