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Wiener Morgenzeitung · 1919-06-05 · Heft 137 (5.6.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 137 (5.6.1919)
Date
1919-06-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis 36 Heller PvSiiniiiiiftiUtttfttntrf : Wie»: Mit Znskellung in? Hau»: M«r«tttch. ...» 7.- Ntrrt«NSk»rkg . . .. 80.- »albfrikrtq.40.— Vanrfahvio . . . .. 80.— Mit Postversand: «rt'irfr. . . .K 7.50 iortelfoltriß . . .. 88.— albfSIirig . . . ., 44.— }5l;ri0 . . . ., 88.— Volepho^vr Administration 44088. NedaKtton 48819, ab 0 -ihr abenbs ». 163l Wiener t&Tftftlttt utphttr * Vreis »« HeVer pttift föt? >«# ätatbtwtej Mvaatttch . . .& 8.S0 Rr-rt-lfSl»v!s -iaibfSbrkß ©rtttifSljrtß . . M 86.- . . .& 5,0* iS. .« «5^-j _OK.-! N». J01 Redaktion ir. A.dmi>»iftra tionr Mio», xz, Taborstra N». t—8 poflfparkaff-n N». 150.698 3 Nr. 137 Vien» Donnerstag, den 5. Juni ISIS 1. Jahrgang England und Amerika für Zugeständnisse an! Deutschland. Lansdowne nach Paris abgereist. - Berlin, 4. Juni. (Korr.°Dur.) Das „8 Ahr-Blatt" meldet aus Basel: Die „Times" meldet aus Paris r Die englischen und amerikanischen Delegierten sollen für Zngestün d° nisse an Deuts chland eintreten. Auch die „MorninaPost" dringt aine ähnlich lautende Information ihres Pariser Korrespondenten. „Daily News" und „Daily Telegraph" trete» für Verhandlungen mit Deutschland auch Aber territoriale Fragen ein. Nach der „Morning Post" begibt sich Lansdowue heute nach Paris, ob auf eigenen Wunsch oder im Aufträge Lloyd Georges, ist nicht zu erfahren. Waffenstiüstandsverhandlungen zwischen Polen und Ukrainern. Ein polnisch-nkrainisches Bündnis gegen die Bolschewiken. Lemderg, 4. Juni. (Poln. Preßagent.) Die amtliche „Gazeta Lwowska" meldet, daß westukrainische Parlamentäre dem General Haller Vorschläge bezüglich eines Waffenstillstandes an dergalizischenFront übevbracht haben. In dieser Angelegenheit traf Sonntag eine ukrainische militärische Abordnung in Lemberg ein und wurde vom Geüeral Zwaszkiewiez empfangen. Das polnische Militärkommando hat die Warschauer Zentralbehörden sofort über die ukrainischen Vorschläge informiert. Es werden Warschauer Regierungsvertreter zwecks Durchführung der Verhandlungen in Lemberg erwartet. Lemberger Blätter berichten, daß auch das Oberkommando der Dftnkrainischen NePndM den Polen Msn WyfiensMstanpsÄoeschia^ und sin«BünduiS MgM^dheMslschswikerr nnterbreitet hat.; Verschleppung der Friedeusverhandlungen mit Deutschland. Berlin» 4. Juni. (Korr.-Bur.) Das „Berliner Tageblatt" meldet aus dem Haig: Nach den letzten Nachrichten aus Paris steht es fest, daß die Friedensverhandlunaeu mit Deutschland sich bis in den Juli verlängern werden. Streiks in stauzSsifchen Eisenwerken und KohLengrUhen. Lyon, 4. Juni. (Funkspr. des Korr.-Bur.) Ans verschiedenen Teilen des Landes werden Aus stände in Eisenwerken und Kohlengruben gemeldet. Auch in Paris sind die Arbeiter einiger nebensächlicher Gewerbe in Ausstand getreten. Bis jetzt ist kein Zwischenfall eingetveten. Panik an der Pariser Börse. Befürchtung eknes Generalstreiks. Berlin, 4. Juni. (Korr.-Bur.) Der „Abend" meldet ans Genf: Aus Paris wird berichtet, daß sich die im Flrrße befindliche Lohnbewegung der französischen Arbeiterschaft zu einer politischen Demonstration allergrößten Stils anszuwachsen drohe. Au der gestrigen Paris er Börse gingen die Kurse der Renten und Induftriepapiere st n r z a r t i g zur ü ck, weil in unterrichteten Kreisen mit dem Ansbruch des Generalstreiks als mit einer nicht mehr abznwendenden Trtsache gerechnet wird. Die Vorgänge in der SLsmakei. Wie wir erfahren, sind seit vorgestern seitens der tschechischen Negierung allt Pässe in die Slowakei a u f g e hob e n worden. P r e ß b « r g i st a b g e s p e r r t. Gerüchtweise verlautet, daß gestern abends in Preßbürg die R ä t e r e g i e r u n a Proklamiert worden ist. Eine- Mepnblik Ost-Westpreutzen unter bischöflicher PrSsidenLschaft? Meldung des Wölfischen Bureaus. Berlin, 4. Juni. (Korr.-Bur.) Wiedas Wölfische Bureau erfahrt, sollen in Westpreußen Bestrebungen im Gange sein» Ostpreußen und Westpreußen bis zur Weichsel als selb ständige Republik, vielleicht unter der Psasiventschrrst des Bis ch o f s v o n Ermeland erstehen zu lassen. Die Staatsregierung wird» wie man wohl annehmen kann, Liesen hochverräterischen Plänen geil a u so energisch entgegentreten» wie in den Rheinland en. Der Vollzug der Todesstrafe an Levinö aufgeschoben. Der MinLsterrat wird entscheiden. Berlin, 4. Juni. (Korr.-Bur.) Das „Tageblatt" meldet ans München: Das Todesurteil gegen L e v i n S dürfte nicht sofort vollstreckt werden, .wie das sonst bei ftandesaerichtlichen Arteilen üblich ist. Der Anwalt Dr. Knrt N o s e n f e l d ans Berlin hat sich noch in der Nacht an das Ministerium gewandt und um Aufschub der Bollst v c ck » n g gebeten. Der neue Jnstizminister, Dr. Müller-Meiningen, bat diesen Aufschub z u g e s a g t. In den nächsten Tagen wird der Minifterrat zusammentreten, um dann Aber die Angelegenheit weiter zu entscheiden. Kolomea, NadWorna und Tlumaez von! den Nnmllne» M ä h r i s ch - O st r a n» 4. Juni. (Tschechoslow. Pceßbur.) Wie die Warschauer Blätter melden, haben, verläßlichen Nachrichten zn°olge rumänische Luppen Ko lo me a, Nadw o r n a und T l u m a e z besetzt. MinorttStenrechte in Oesters reich. > wSiett, 5. Juni ISIS. ' So wie die Entente gegenüber den ihr alliierten, auf österreichischem Boden entstandenen neuen.Staaten die Forderung gestellt hat, daß diese Staaten die. Bestimmungen zum Schutz der Minoritäten ■ treffen,; welche die Großmächte für erforderlich halten, Hatz nun eine analoge Kläusel auch in dem Friedens-! vertrag mit Oesterreich (wie der neue alte Name! für den deutschen Rest der alten Monarchie; lautet) Ausnahme gefunden. Damit ist ein in den Grundzügen einheitliches Minoritätenrecht für die Staaten Mittel- und Osteuropas statuiert und der, Judikatur des Völkerbundes unterstellt. Die Entente hat die immerhin noch beschränkte Geltung bed Grundsatzes des Minoritätenschutzes damit motiviert^ daß eine spezielle Gesetzgebung hierüber nuv in jenen Staaten notwendig sei, welche entweder! neu geschaffen wurden, oder deren Territoriums erheblich verändert wurde. Die in diesen Gebieten! yoch wenig konsolidierten staatlichen Verhältnisse ließen den Großmächten, auf denen, wie Wilson sagte, oie,' „Verantwortung für den künftigen Frieden und für; ein System der Gerechtigkeit" liegt, es erforderlich erscheinen, die Minoritäten dem Völkerbund! zu unterstellen, um sie nicht der brutalen Gewallt der! plötzlich zu staatlicher Allmacht gelangten Nation oderj aber der noch ungeübten Hand der in neue Verhält^ nisse gestellten Regierungen anheimzugehen. ' Tat^ sächlich ist es wohl richtig, daß in den westlichen? demokratischen Staaten, insbesondere in Amerika und! England, eine derartige Gesetzgebung beinahe sinnlos; wäre, weil man dort angesichts des weitMsaßtenP.^j ' güjfes der '"'stMsMäemchLn^.' Freiheit Me Mr-j schränkung der Betätigung der Minoritäten nicht; kennt. i Die Entente hat bei den Bestimmungen über die Minoritäten eine eigenartige Terminologie gewählt. Nirgends ist die Rede von „nationalen" Minoritäten, vielmehr heißt es überall, daß alle Minderheiten, die sich von der herrschenden Nation durch „Rasse, Sprache oder Religion" unterscheiden, dem Schutze des Völkerbundes unterstellt werden sollen. Das Wort „Nationalität" wurde wahrscheinlich deswegen nicht ängewendet, weil es im Französischen . und Englischen einen Sinn hat, der beinahe gleichbedeutend ist mit Staatsbürgerschaft. Man hat daher an Stelle der Bezeichnung „Nationalität" die wichtigsten Kriterien des Volkstums angeführt; dies ist bei den meisten Völkern die Sprache, beim jüdischen Volke jedoch, das sich in einzelnen Ländern den Lebensformen der Umgebung weitgehend angepaßt hat, die Nasses und Religion. Es ist ganz klar, daß der En-; tente daran gelegen ist, insbesondere ' auch; das jüdische Volk des Schutzes des Völkerbundes! teilhaftig werden zu lassen. Diese Tatsache ist emi großer Erfolg der politischen Arbeit der. jüdischen Ver-i treter in Paris. Die Delegationen der jüdischen! Nationalräte * aus den verschiedenen Ländern in Ge-! meinschast mit der Delegation des amerikanischem jüdischen Kongreffes haben die Staatsmänner der Entente; über die tatsächlichen Verhältnisse und die Lage der^ Juden informiert und die wichtigsten jüdischen; j Postulate, deren Gerechtigkeit unmittelbar einleuchtend! ist, vor dem Weltforum aufgestellt. In dem-Friedens-^! vertrag mit Oesterreich, der das politisch und Wirtschaft-; j lich so sehr verarmte Land mit furchtbarer Härte trifft,!! ist gerade die Bestimmung über die Minoritäten die! * am wenigsten demütigende. Denn erstens ist in ihr eint moralischer Kern, ein Niederschlag jenes Geistes, von; dem, wie wir erwartet haben, der ganze Friede' erfüllt, sein sollte, und zweitens ist es eine erhebliche. Genug-! tuung für das deutsche Volk in Oesterreich, daß auch; den anderen nationalen Staaten ähnliche Bestimmungen! äuferlegt werden. ' \ . j Als oberster Grundsatz ist in dem Vertrag aus-! gesprochen, daß allen Einwohnern des Gebietes „ohne- Ünterschied von Geburt, Nationalität (was in diesem Zusammenhang wohl soviel wie Staatsangehörigkeit^ bedeuten soll). Sprache, Rasse oder Religion" voller' und vollständiger Schutz von Leben und Freiheit; gesichert werden soll. Hierzu kommt noch die Frei-! heit der Ncligionsübung. Darin ist eine Neuerung! ejgentlich nicht enthalten, da diese . Rechte j bisher staatsgrundgesetzlich verbürgt waren. Neu.iw .bloß, daß diese Freihertsrechte als internationale An-

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